Kurz und dreckig 8

Merkel streichelt Hund Flüchtling und findet das ganz ok. »Das hast Du gut gemacht!« Kann man es noch deutlicher zum Ausdruck bringen? Merkel lobt die Performance der Schauspielerkollegin. Und wie nach jeder gelungenen Vorstellung umarmt man sich anschließend. Nur daß die Kanzlerin ihren eigenen Auftritt mit dem Leben verwechselt; ein Irrtum, der in der Schauspielerei eher selten, in der Politik dagegen der Normalfall ist.

»Ich kann noch hundert Mal erklären, daß ich nichts gegen diese Kanaken habe.« Deutschland ist vom Terror bedroht und wehrt sich mit Ganzkörper-Scannern auf Flughäfen und dem Entzug von Reisepässen.
Das Hamburger DRK, das Zelte für Flüchtlinge in Jenfeld aufbauen soll, zieht sich angesichts des Aufmarsches randalierender Rassisten zurück.
»Bitte teilen Sie uns weitere Standorte von Asylantenheimen […] zur Erweiterung dieser Karte mit. Nur mit Ihrer Hilfe kann es gelingen, flächendeckend möglichst viele Asylantenheime zu erfassen.« Horst Seehofer (CSU) spricht von Mindeststandards für Asylanten und meint damit nicht ausschließlich den Entzug von Feuerlöschern.
Laut dem aktuellen Verfassungsschutzbericht ist die größte Gefahr für Deutschland der Salafismus, nicht Seehofer.

Der parlamentarische Flügel der Rassisten ist dagegen gespalten. In Zukunft zerfällt er in Alphatiere und die Alternative dazu. Getrennt marschieren, vereint zuschlagen. Wenigstens dann, wenn die AFD Bernd Lucke die 500 Ocken zurücküberweist, die ihm seine ehemalige Partei angeblich noch schuldet.
Wenn das der Führer wüßte!

Die Höhe der Beträge, die für die Bankenrettung in Griechenland ins Gespräch gebracht werden, übersteigen mittlerweile selbst den grenzenlosen Optimismus des IWF. Dessen Strategie, daß der Tod des Schuldners eine Katastrophe, sein langsames dahinsiechen aber ein großartiges  Geschäft ist, scheint dagegen aufzugehen. Daran konnte nicht einmal das verspätete Eingeständnis etwas ändern, daß die vernichtenden Aussagen über das griechische Wirtschaftswachstum des IWF bereits vor den Verhandlungen zur Wiederherstellung des Vertrauens bei Wolfgang Schäuble auf dem Tisch lagen. Daß Schäuble so nachdrücklich auf eine Beteiligung des IWF bei der »Rettung« bestand… nun ja: Es liegt der Verdacht im Raum, daß das Verhandlungsziel in erster Linie darin bestand, das Abspringen von wankelmütigen Komplizen zu verhindern.
Nur unter diesem Aspekt ergibt das Verhandlungsergebnis irgend einen Sinn. Schäubles schmunzelnd vorgebrachte Rücktrittsdrohung paßt dann zur guten deutschen Sitte, bestenfalls »Mitläufer« gewesen zu sein.
Die Banalität des Bösen.

»Ich diskutiere das Programm nicht – es wurde von der Vorgängerregierung akzeptiert und wir können unmöglich erlauben, daß eine Wahl etwas verändert.«

Wolfgang Schäuble, marktkonformer Demokrat

 

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0 Kommentare zu Kurz und dreckig 8

  1. Fluchtwagenfahrer sagt:

    „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

    Albert Einstein

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  2. R@iner sagt:

    Die Alfas müssen sich vielleicht umbenennen, weil jemand anderes den Namen schon benutzt. Ich schlage deshalb „Beta“ vor.
    Das wäre allerdings immer noch eine Stufe vor dem Release Candidate.

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  3. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Womit die Zahl der Schuldigen gegen unendlich wächst.
    Nö!! 7,2 Milliarden + – 1 Millionen und ein Attentäter

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  4. Joachim sagt:

    Was so alles dem Einstein in den Mund gelegt wird. Zur Zahl der Schuldigen fällt mir allerdings der Satz vom Werfen des ersten Steins ein…

    Langsam mache ich mir einen anderen Reim auf die Geschichte.

    Ich finde, das „Flüchtlingsproblem“ kommt doch daher, dass Menschen in ihrer Heimat, Heimat, ein Wort, bei dem ich jedes mal schlucken muss, so verbrannt ist es, nicht mehr leben können. Man könnte fragen, was wir, also die, die Heimat derart verbrannten, damit zu tun haben. Irgendwer hat im Radio vorgeschlagen, die Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen proportional an den Verdienst durch Rüstungsexporte zu koppeln.

    Ist das jetzt eine Raketenwissenschaft? Oder soll ich mal ernsthaft anfangen, welche, sogar schon für wirklich Konservative, wirtschaftliche Katastrophe da entsteht. Wir müssen nicht einmal von Menschenwürde oder christlichen Werten reden. Wir müssen auch nicht Orwells Schweine als Vorbild vermuten.

    Wir müssen uns Griechenland ansehen: es liegt auf der Hand, dass irgendwer dort produzieren muss. Banken mögen systemrelevant sein, doch irgend wer muss Kleidung, Essen, ja sogar Luxusgüter herstellen und auch im Land verkaufen können. Menschen müssen Geld verdienen können, um Steuern zu zahlen. Ich meine, wenn Banken Geld hin und her schieben, das bringt keinerlei Mehrwert. Natürlich kann man Renten reduzieren (nichts anderes ist eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit) und die Mehrwertsteuer erhöhen. Das verlagert Geld von den Menschen zum Staat.

    Genauer: das würde es tun, wenn die Menschen Geld hätten. Dummerweise haben die von der Erhöhung der Mehrwertsteuer am meisten Betroffenen dieses Geld gar nicht. In der Softwareindustie sagt man: „das skaliert nicht“.

    Die Mehrheit hat dieses Geld nicht, wird also weiter nicht am Wirtschaftsleben teilnehmen und ihre Möhren im eigenen Garten ziehen. Vielleicht werden sie, wie damals in der DDR, anfangen, Dinge zu tauschen. Vielleicht steigt die Selbstmordrate bevor man irgendwann nach dem Rentenalter verhungert oder mangels medizinischer Versorgung stirbt.

    In jedem Fall geht der Staat leer aus, kann also weiter nicht in Infrastruktur, Bildung usw. investieren, keine Wirtschaft aufbauen, geht also noch leerer aus. Teufelskreis nennt man das. Was ist das anderes als ein faktischer Schuldenschnitt, allerdings mit der Konsequenz, dass, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, es nun nie wieder heraus kommt. Das Kind käme höchstens aus eigener Kraft raus, indem es seine Mörder zum Teufel jagt. Staaten können sterben. Eine ganze Bevölkerung muss aber irgendwie weiter leben.

    Ist das jetzt eine Raketenwissenschaft? Oder soll ich mal ernsthaft anfangen…

    Wirklich Konservative treten ihre ureigenen eigenen Regeln und Werte mit den Füßen.

    Zwei Erklärungen, mehr habe ich nicht: Dummheit oder menschenverachtendes Macht- und Gewinnstreben.

    Anders sind Verhalten und Forderungen gegen Andere, nur nicht an sich selbst, unlogische Entscheidungen nicht zu erklären. Stimmt nicht? Wir halten selbst die Forderungen ein? Okay, 5% Wachstum minimal, um die Schulden zu bezahlen? Machen wir? Aber der Teufelskreis ist schon Sch…ß. Na ja, wir können ja wenigstens die Arbeitslosenstatistiken umdefinieren. Dann merkt das keiner.

    Pragmatismus scheitert, wenn er gegen besseres und offensichtliches Wissen angewandt wird. Vollständiger Realitätsverlust?

    Wenn ich Merke und Schäuble mit ihren „Aussagen“ so ansehe und beim besten Willen nur zwei Erklärungen habe, okay, ich mag etwas übersehen, doch unter diesen Voraussetzungen träfe arbeitsteilig beide Erklärungen zu. Nur weigere ich mich, hier subjektive und gefühlsmäßige Aussagen zu treffen.

    Ich denke, ich sollte einmal unter den DSM- Kriterien bzw ICD-Schlüssel nachsehen, wie man das wirklich nennt. Es gibt da auch Klassifikation, die bei Bestätigung der Kriterien eine sofortige Einweisung erfordern.

    Auch das ist keine Raketenwissenschaft und recht pragmatisch.

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    • derda sagt:

      Ich hab mir vor kurzem die neue Enzyklika des Papstes durchgelesen. Zuerst dachte ich es handelt sich um ein Pamphlet von einer linken Gruppe. So ändern sich die Zeiten…

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  5. Joachim sagt:

    Pantoufle, zu Merkel streichelt: Meintest Du dies hier:

    https://youtu.be/Ji0D_aSUG8A

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  6. altautonomer sagt:

    »Ich kann noch hundert Mal erklären, daß ich nichts gegen diese Kanaken habe.«
    Synonym für „Ich bin kein Ausländerfeind aber……“ oder

    „Ich liebe Tiere“ – sagt der Tierfreund, darum landen sie in Form leckerer Teilchen auf seinem Teller. oder

    „Ich liebe die Frauen“ sagt der Maskulist. Insbesondere, wenn sie auch noch gut kochen können und meiner Meinung sind.

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  7. pantoufle sagt:

    Moin Joachim

    Bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom 15.Juli, 16:31 Uhr und Ihres geschätzten Kommentares des 20.Juli um 15:07 Uhr möchte ich folgendes anmerken…

    Also, die angefragten Antworten über Griechenland (warum, cui bono und wie kommt man da wieder raus) – das mal eben zwischen Open-Air und Angel zu beantworten fühlte ich mich überfordert. Ich fühle mich sowieso etwas überfordert. Nicht nur mit diesem Thema.

    Die Nachrichtenlage über die griechischen Verhältnisse ist doch eine listige: Da wird in den Medien eine Unmenge an Unsinn verbreitet, so daß man ohne Ockhams Messer nicht einmal über die Einleitungen und Titelzeilen hinwegkommt.
    Wegschneiden, alles wegschneiden und wenn dabei Blut fließt!
    Und bevor man in die Details über Schäuble, Merkel und Co einsteigt, stellt man sich selber so fundamentale Fragen wie »wie soll eigentlich eine Griechenlandhilfe aus einem Land aussehen, in dem jedes Wochenende ein Asylantenheim in Flammen aufgeht?«
    Fast wäre man versucht, auf Webseiten wie die Herrn Karls oder anderen seiner Couleur zu verlinken, um zu verdeutlichen was diese »Berichterstattung« der vergangenen Monate in den Köpfen Vakuum-Blasen anrichtet. Die Menge der Brandstifter übersteigt mittlerweile jedes erträgliche Maß.

    Und damit wäre man vielleicht schon bei einer der Antworten. Schäubles Alleingang Die Wiederauflage der Kanonenbootpolitik markiert eine Zeitenwende der Nachkriegszeit in Deutschland. Man ist nicht nur wieder wer, sondern greift gleich tief in die Mottenkiste des Imperialismus des 19. Jahrhunderts. Daß dabei nicht nur die Werte eines geeinten Europas auf der Strecke bleiben, ist nur natürlich.
    Eine Grundvoraussetzung für solcherlei Bestrebungen ist der Rückhalt der »Wähler« – früher nannte man es »Volk«; letztlich eine Frage der Grammatik – und dieses Feld muß bereitet sein. Mit der dazu erforderlichen Feindpropaganda gab man sich dann auch erheblich mehr Mühe als mit einer fachlichen Analyse des griechischen Problems. Da es sich bei der Syriza zudem um eine linke Partei handelt, erleichtert das nicht nur, sondern ermöglicht es zudem einen Präzedenzfall zu schaffen. Spanien, Portugal und Italien seien gewarnt – sowieso ein jeder, der an einer Änderung bestehender Machtverhältnisse interessiert sein mag.

    Man könnte auf Deutschland bezogen den Eindruck bekommen, daß da ein schlafendes Tier geweckt wurde. Das Tier des verlorenen Krieges, das mit dem Verlust von Ehre und Selbstwertgefühls nur darauf wartete, es irgend jemandem heimzuzahlen. Der »Sieg über Griechenland« als Wiedergewinnung von moralischer Deutungshoheit; das Machtmittel nicht mehr eine Panzerfregatte sondern »die Märkte«. Die hanebüchenen Argumente zu dieser Politik erinnert stellenweise fatal an die Kolonialpolitik des letzten Kaisers, seiner gewissenlosen Händler und Abenteurer.
    Und genau das es eben auch: Das Schwadronieren gewissenloser Abenteurer – nicht die (werterhaltende) Politik von Konservativen; wieviele von deren Werten dabei auf der Strecke blieben, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht abzusehen. Auch hier eine Zeitenwende. Daß ein »schwarzer General« Heiner Geißler bei Attac landet, ist eine Sage des vergangenen Jahrhunderts, gerade genug Stoff für eine Märchenstunde im Kreise der Enkel.

    Cui bono? Die Frage führt dann in die Irre, wenn man sich auf die Argumentation der Abenteurer einläßt. Es geht nicht darum, welches Geld von wo in welche Taschen fließt, ob die heimische Industrie davon profitiert oder man nach wie vor seinen Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel an der Ägäis machen kann. Das spielt so wenig in Griechenland eine Rolle wie 2004 beim Tsunami in Indonesien. Wenn Griechenland zahlungsunfähig ist, handelt es sich in erster und einziger Linie um ein humanitäres Problem. Das wirtschaftliche dahinter kommt viel später und die Lösung dafür muß vor allem anderen vom humanitären Gedanken getragen sein. Zu simpel, zu einfältig? Das mag schon sein, aber anders kommt man der Geschichte nicht näher.

    Oder um der Empfehlung derdas zu folgen, ein paar Worte aus der äußerst lesenswerten Enzylika Laudato Si’ vom 24.Mai 2015:

    109. Das technokratische Paradigma tendiert auch dazu, die Wirtschaft und die Politik zu beherrschen. Die Wirtschaft nimmt jede technologische Entwicklung im Hinblick auf den Ertrag an, ohne auf mögliche negative Auswirkungen für den Menschen zu achten. Die Finanzen ersticken die Realwirtschaft. Man hat die Lektionen der weltweiten Finanzkrise nicht gelernt, und nur sehr langsam lernt man die Lektionen der Umweltschädigung. In manchen Kreisen meint man, dass die jetzige Wirtschaft und die Technologie alle Umweltprobleme lösen werden, ebenso wie man in nicht akademischer Ausdrucksweise behauptet, dass die Probleme des Hungers und das Elend in der Welt sich einfach mit dem Wachstum des Marktes lösen werden. Es handelt sich nicht um eine Frage von Wirtschaftstheorien, die vielleicht heute keiner zu verteidigen wagt, sondern um deren Einbindung in die tatsächliche Entwicklung der Wirtschaft. Auch wer sie zwar nicht in Worte fasst, unterstützt sie aber doch mit seinen Taten, wenn ein rechtes Ausmaß der Produktion, eine bessere Verteilung des Reichtums, ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur oder die Rechte der zukünftigen Generationen ihn nicht zu kümmern scheinen. Mit seinem Verhalten bringt er zum Ausdruck, dass für ihn das Ziel der Gewinnmaximierung ausreicht. Der Markt von sich aus gewährleistet aber nicht die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und die soziale Inklusion.[89] Unterdessen verzeichnen wir „eine Art verschwenderische und konsumorientierte Überentwicklung, die in unannehmbarem Kontrast zu anhaltenden Situationen entmenschlichenden Elends steht“[90], und es werden nicht schnell genug wirtschaftliche Einrichtungen und soziale Programme erarbeitet, die den Ärmsten einen regulären Zugang zu den Grundressourcen ermöglichen. Man wird nie genug darauf hinweisen können, welches die tiefsten Wurzeln des gegenwärtigen Ungleichgewichts sind, die mit der Ausrichtung, den Zielen, dem Sinn und dem sozialen Kontext des technologischen und wirtschaftlichen Wachstums zu tun haben.

    Papst Franziskus, bürgerlich Jorge Mario Bergoglio

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    • Joachim sagt:

      Ich will aber nicht katholisch werden.

      So ein Text gibt zu denken. Nun, da Du und der Papst alles gesagt haben, in der Tat, ich stimme zu, noch eine „andere“ Sicht, die bei der Diskussion mit meiner Frau entstanden ist.

      Mögt ihr Geschichten? Meine „Bibliothek“ ist wirklich nur heilloses Durcheinander. Ich komme weder auf den Autor, noch auf den Titel, ja nicht einmal mehr sicher auf den realen Inhalt der Kurzgeschichte(?). Also, mögt ihr Geschichten? Geschichten, wie die alten, die von Mund zu Mund weitergegeben wurden und sich zwangsläufig (meine Ausrede für meine Vergesslichkeit) immer weiter veränderten?

      Also, nach einer globalen Katastrophe macht sich die Menschheit in mehreren, riesigen Raumschiffen auf zu einer neuen Welt. Man hat an alles gedacht, um die mehrere Generationen dauernde Reise zu überstehen. Den Menschen ging es relativ gut, es gab Theater, Kunst, Wissenschaft, der Text sprach eine elaborierte Sprache. Niemand musste sich wirklich sorgen. Die nächste Generation wurde bestmöglich gebildet. Dennoch, die abgeschlossene Welt der Raumschiffe änderte die Prioritäten. Die Jugend geht eben ihren eigenen Weg. Ich mache es kurz: Dinge, Wissen der Mütter und Väter ging über hunderte von Jahren verloren. Zunächst Party, dann immer weniger, von Generation zu Generation. Der Text veränderte von Generation zu Generation seine Sprache, bis er am Ende praktisch unverständlich wurde.

      Die Sprache zerfiel so wie die Fähigkeiten, die Raumschiffe zu warten und letztlich überhaupt ein, in einer solchen Situation notwendiges, geordnetes oder zielorientiertes Leben zu leben. Die unverzichtbare Kooperation war schon mit dem Zerfall der Sprache unmöglich geworden. Oder war es umgekehrt?

      Man kann sich denken, wie es (nicht) weiter ging. Soweit mehr oder weniger exakt aus meiner Erinnerung. (Kennt jemand Autor und Titel?)

      Auf die Politik und die Weltgemeinschaft übertragen frage ich mich, auf welcher Stufe wir da heute stehen. Ist es böse, zu vermuten, dass Schäuble und Merkel tatsächlich das Beste wollen, doch einfach nicht mehr in der Lage dazu sind? Welcher Generation auf dem Raumschiff gehören sie an?

      Wie viele Generationen sind seit dem Land der Dichter und Denker vergangen? Wie lange ist die Aufklärung her? Wie viel Zeit ist vergangen, seit uns die Araber das Rechnen beigebracht haben oder die Pest alles verändert hat? Wie lange ist Shakespeare her? Oder Andreas Gryphius, der dreißig jährige Krieg, ja sogar die Völkerwanderung, bis in die Steinzeit mit ihren Höhlenmalereien? Ist alles verloren gegangen, woran Menschen einmal geglaubt haben, was sie sich erarbeiteten und oft genug erkämpften? Muss erst ein Papst mit einem Text, der an die 60’er erinnert, uns mahnen? Backstep um nur zwei Generationen als eine Art Notbremse?

      Was ist aus „crede, ut intelligas“ geworden? Das Motto der Politik: „Spare in der Not, dann hast Du Zeit dazu“? Oder die Ersatzreligion „Technokratie“, wie ich den Papst interpretiere?

      Technokratie kennt keine Geschichten, nur Anpassung an Technik, Golems, Gleichschritt. Technokratie ist keine Demokratie sondern Diktatur einer simplifizierten, eiskalten Logik.

      Pantoufle, mich beschleicht das Gefühl, dass die Welt nur noch mit Geschichten wie für kleine Kinder zu retten ist.

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    • pantoufle sagt:

      Die Geschichte mit dem Raumschiff trifft es bis auf einige Details sehr gut. Diesen Gedanken kann ich gut nachvollziehen, stehen in meiner eigenen Bibliothek doch zum Großteil Dinge aus Zeiten der Weimarer Republik und davor. Das sind nur zwei, drei Generationen und doch ist die Welt anhand dieses vergangenen Wertebildes nicht mehr wiederzuerkennen.
      Von daher vollste Zustimmung!

      In einem anderen Punkt stolpert das Beispiel ein wenig. Dieses Raumschiff hat gläserne Wände zur eigenen Vergangenheit und den erarbeiteten Fähigkeiten– es bewegt sich nicht in einem Vakuum. Ist der Verlust bestimmter Fähigkeiten im isolierten Raumschiff – oder der von der Welt abgeschlossenen Insel – nachvollziehbar und erklärlich, ist es der Verlust an rechtsstaatlicher Kompetenz nicht. Die Quellen dafür sind noch vorhanden und stehen jedem offen, der daran interessiert ist.

      Die Frage also nach der Generation, zu der Schäuble gehört, stellt sich in dieser Form nicht. Zu Willy Brandts Lebenszeiten gab es auch schon den jetzigen Finanzminister. Die Quellen abendländischer Ethik und die Plätze, an denen sie entstanden sind Quellen, die dem Studenten der Jurisprudenz Wolfgang Schäuble Mitte der sechziger Jahre durchaus offenstanden. Es sind eben nicht mehrere Generationen, in denen dieser Verfall einsetzte. Bestenfalls eine einzige: Die der Kriegsgeneration und derjenigen, die die alte Republik noch am eigenen Leibe erlebten.

      Daß die Ermahnungen des Späthippies Franziskus so aktuell… und überhaupt: Daß es den jungen Jorge nicht nach Indien zog um einem Guru zu folgen, war ein seltener Glücksgriff des Schicksals. Und ganz nebenbei auch eine Bestätigung dessen, was ich über greifbare, alte Wertesysteme unterstelle. Sie sind nicht nur verfügbar, sondern melden sich gelegentlich lautstark zu Worte. Die katholische Kirche ist immer noch eine der mitgliederstärksten und einflußreichsten Clubs der Erde (was man bedauern kann oder auch nicht).

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      • Joachim sagt:

        „stolpert das Beispiel“? Wirklich, ja ja, ich kann Dich da nachvollziehen, abba, (message to self).es gibt keine Alternativlosigkeit, kein vollständiges Richtig und Recht haben. Nee, Dich und den Papst meine ich damit nun ausnahmsweise nicht. Es geht um etwas anderes.

        Sagen wir mal, hier wäre die ἀγορά. Also:

        Hat dieses Raumschiff Erde wirklich gläserne Wände? Natürlich. Die der Wallstreet oder die von Frankfurt. Die sind allerdings hart.

        Die Jugend in der Story hätte es (nicht degenerieren) auch gekonnt… oder auch nicht? By the way, das Spiel mit der Sprache war in der Story genial konsequent, bis fast zu einer Art „Dada“ durchgezogen. Die Story stellt für mich die zwangsläufige Degeneration der Menschen über die Generationen dar. Nennt man das eine Dystopie? Man sollte daraus lernen. Mehr nicht (…)

        Man müsste die Quellen auch lesen und nicht mit seinem „Duktus“ einfach Dinge platt machen. Dogmen oder Unbehagen sind keinerlei Begründung. Duktus und Dogmen erscheinen mir, wie Stille Post zwischen den Generationen, bei der jegliche Bedeutung aus Faulheit oder Unwissenheit verschwindet.

        Man müsste also an die Quellen, lesen und verstehen. Man muss sich da hinein denken können. Und man sollte die Quellen nicht verdrehen. Man müsste etwa verstehen, dass Wahlen sich durchaus gegen zweifelhafte „Verträge“ wenden können. Auch der Absolutismus war akzeptiertes, angeblich von Gott gegebenes „Recht“. Es dauerte etwas, doch Demokratie, Wahlen und Aufklärung hatte sicher etwas mit der Richtigstellung dieses behaupteten „Rechts“ zu tun.

        Wenigstens als Jurist müsste man sehen, dass aufgezwungene „Verträge“ eigentlich nichtig sind und nichts als Sklaverei mit Hilfe des angeblichen, selbst gebasteltem Rechts bedeuten. Demokratie verändert alles. Das ist die Aufgabe der Demokratie. Würde sich nichts verändern, so könnte man sich den Aufwand sparen. Schlag mal das Geschichtsbuch auf, pass jedoch auf, dass Dir die Beispiele nicht auf die Füße fallen. Vielleicht werden das zukünftige Generationen tun (…)

        Man kann jedenfalls die Frage stellen, ob die (EU-) „Verträge“, an die sich selbst Deutschland mit als Erste nicht hielten, mit den griechischen Vorgängerregierungen überhaupt rechtens waren. Man könnte fragen, wieso Griechenland ohne Einhaltung der Kriterien zum Eintrittszeitpunkt überhaupt in der EU ist. Das wusste niemand? Die Griechen hätten uns betrogen? Klar doch. Nur sind die Entscheider, wenn das stimmt, reichlich inkompetent gewesen. Selbst wenn sie „uns“ betrogen hätten, ist der Vertrag dann jemals gültig gewesen?

        Interessante Frage: gibt es Europa überhaupt? Sicher ist jedenfalls, dass die Konstruktion aus Kommissaren und Parlament ein Defizit an Demokratie aufweist, ganz als sei vollkommen unbekannt oder schwierig, wie Demokratie funktionieren könnte (…) Doch wieder zum Thema(?):

        Was ist übrigens mit dem „Kreditvertrag“ zwischen Deutschland und Griechenland, der von den Nazis erpresst wurde? Warum noch einmal muss sich Deutschland nicht mehr daran halten?

        Was ist dann von Wahlen zu halten, die das nichts ändern können, Herr Schäuble? Wer oder was soll das denn sonst tun? Eine Revolution? Das könnte mit der Zeit in Griechenland passieren, wenn es so weiter geht. Ich fasse es nicht. Schäuble ein geheimer und geschickter Revolutionär? Schäuble als griechischer Freiheitskämpfer, der sich selbst opfert? Unwahrscheinlich.

        Wer stellt also die Frage, ob das alles „rechtens“ ist? Herr Schäuble, „alle sind gleich“ ist tatsächlich wohl mehr eine „Richtlinie“, wenn es nach ihnen ginge. Im Zweifelsfall gilt natürlich das „Ehrenwort“, so es gerade zweckmäßig ist. Das hat der von Kohl gelernt. Schon ärgerlich, so ein Geschichtsbuch.

        Und ich träumte von einem Vertrag zwischen den Menschen und dem Staat. Wie dumm von mir. Es muss dumm von mir sein. Denn sonst wäre Schäuble alles, doch kein Demokrat.

        Also kein Revolutionär, kein Demokrat? Was ist der Typ überhaupt, wenn man mal von der CDU-Spendenaffäre absieht? Weil, „bestechlich“ wäre nun bei dem Vergleich mit der Korruption in Griechenland wohl zu frustrierend.

        Schäuble ist jemand, der Pippi Langstrumpf zu oft gelesen und leider trotzdem nicht richtig verstanden hat. Heidi, Heida, heidoller, ja es geht noch toller. Klar, wir machen das. Mein Haus, mein Boot, mein… Dummerweise leider auch meine Sch…e, die ich anrichte. Und die wird dann ignoriert und verschwiegen und wenn es noch so stinkt.

        Die Idee, Merkel und Schäuble täten tatsächlich ihr Bestes kriecht langsam wieder in meinen Kopf. Es ist bitter. Die können es wirklich nicht besser. Sie können wirklich nichts dafür. Degenerieren die Generationen doch? Oder werde ich langsam selbst verrückt?

        Angesichts dieser und anderer Vorfälle im Kontext der deutschen Regierung und den Kommissaren in Europa, ganz zu schweigen von den zündelnden „Aktionen“ aus dem „Volke“ und der Frage, wie es in Europa zu Rechtspopulismus kommt, wähne ich mich nicht mehr im Land der Dichter und Denker.

        Wär‘ ich ein Dichter, dann wähnte ich mich wohl mehr im Land der nicht ganz dichten Stänker.

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    • R@iner sagt:

      Vielen Dank für den Hinweis auf die Postille des Papstes. Ich hatte neulich mit einem ehemaligen spdler diskutiert, der jetzt bei den Franziskanern gelandet ist und sich um Obdachlose kümmert. Um es kurz zu machen: Er verstand meine Kritik an den bestehenden Verhältnissen recht gut, weil er diese Veröffentlichungen regelmäßig liest.

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  8. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoffel, da hat der heilige Vatter nicht ganz unrecht.
    Über das wieso, wer und warum gibt der Vortrag des Professor Rainer Mausfeld
    Uni Kiel ein paar Antworten, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
    „Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

    [Link eingefügt. Der Säzzer]

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