Kurz und dreckig 6

Wer nichts zu verbergen hat… Es ist wieder Cyber oder jetzt noch etwas cyberischer. Also richtig böse! Aus den Rechnern der Bundestagsabgeordneten fließen immer noch Daten in Richtung Feind ab. Wer der Feind ist, bleibt geheimnisvoll. Erwartungsgemäß spekuliert man nun in Richtung Russland und seinem Geheimdienst.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hebt die Hände und erklärt sich für unfähig, den Angriff unter Kontrolle zu bekommen. Das sollten besser die Kollegen der Spionageabwehr des Bundesamtes für Verfassungsschutz übernehmen.

Wer dabei mutmaßt, daß man dadurch den einen Trojaner durch einen anderen ersetzen will, liegt vermutlich richtig. Selbst einige der in Datensicherheit sonst recht naiven Abgeordneten sehen verfassungsrechtliche Bedenken und wollen den eigenen Geheimdienst nicht an ihre Rechner lassen. Recht so! Wessen Geistes Kind diese Schlapphüte sind, zeigte sich ja gerade bei der Befragung im NSA-Untersuchungsausschuß. Man ist in dieser Behörde offenbar nicht der Meinung, Teil einer rechtsstaatlichen Ordnung zu sein.

Nun soll also nicht nur die Software neu aufgesetzt werden, sondern die ganze Hardware gleich mit. Also die Rechner-Hardware – bedauerlicherweise nicht zusammen mit dem Bedienungspersonal. Das muß ein wirklich gefährlicher Trojaner sein: Dilettanten olé. Das kostet natürlich eine Kleinigkeit, aber das sollten uns die Abgeordneten schon wert sein, die das Volk mit großer Mehrheit ausschnüffeln wollen.

Apropos Trojaner: Der aktuelle Bundestrojaner im EU-Parlament Günther Öttinger (ja, genau der, der das Motorradfahren auf öffentlichen Straßen verbieten lassen wollte und wegen saufen am Steuer sein Patent abgeben mußte, der den Nazirichter Filbinger zum Gegner des Nationalsozialismus erklärte und auch schon als »Sprachpanscher des Jahre« inthronisiert wurde) gibt Gas. Die zwölfspurige Daten-Autobahn soll es jetzt sein. Dort, wo man in Deutschland bislang nur ausgebaute Radwege vorfindet, soll es in Zukunft gleich zwölfspurig werden. Auf solcherlei Autobahn fährt es sich auch sturzbetrunken auf der Jagt nach Motorradfahrern relativ sicher. 12. Spuren. Das kann man weder kommentieren noch überbieten, sondern nur hoffen, daß Öttinger diesen Waffelbruch im EU-Parlament in englischer Sprache absonderte. Englisch spricht er bekanntermaßen auch nicht und die Blamage wäre erträglicher, wenn man sie in Europa zeitverzögert aus deutschen Gazetten erfahren würde.

Was kann jetzt noch kommen? Die Schrottpresse empfiehlt die Einführung des »Ött«, dem Byte, das aus 12 Bit besteht. Man muß sich dabei das Ött vorstellen wie eine Fahrgemeinschaft, die Stau auf der Datenautobahn verhindert. Es können natürlich auch 31 Bit sein. Der Giga-Liner unter den Informationseinheiten.

P.S. Was wurde eigentlich aus dem Bundesdatenschutzbeauftragten? Wie sich der eine oder andere erinnert, besetzt Peter Schaar dieses Amt seit Dezember 2013 nicht mehr. Der Nachfolger hieß…? Da kommt man wirklich ins Grübeln, so presse- und auftrittsscheu, wie Schaars Nachfolger ist.

Ja richtig: Andrea Voßhoff! Bekannt als Freundin der Vorratsdatenspeicherung und in der CDU. Die Sprecherin des CCC Constanze Kurz bezeichnete das erste Amtsjahr der Ministerin als »desaströs«. Nun aber hört man erstmalig wieder etwas von Frau Voßhoff. Plötzlich bezeichnet sie die (geplante) Vorratsdatenspeicherung als nicht verfassungskonform.

Ach!

Der Entwurf sei verfassungswidrig! Dann muß er ja wirklich grottenschlecht sein, wenn selbst die Marionetten rebelieren.

https://netzpolitik.org/2015/verfassungsschutzreform-viele-maengel-und-ueberkomplex/

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