Kurz und dreckig 5b / Update

Welch unerwartete Wende in der NSA-Spionageaffäre! Man attackiert nicht mehr: Man ist Opfer. Wer hätte damit rechnen können?

»Die jüngste Cyberattacke auf Computer des Deutschen Bundestags ist schwerwiegender als zunächst angenommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE drangen bislang unbekannte Hacker so tief ins Datennetz des Parlaments ein, daß offenbar auch Bundestagsrechner von Regierungsmitgliedern von dem Angriff betroffen sind.«

SpOn

Sogar der Sinclair ZX81 Bürorechner der Bundeskanzlerin soll davon betroffen sein. Jetzt ist also ein BundesTrojaner im Neuland angekommen.
Wie der Spiegel nun aus »Sicherheitskreisen« erfahren haben will, hat der Angriff vermutlich einen nachrichtendienstlichen Hintergrund. Der entstandene Schaden sei kaum absehbar, mehrere tausend Rechner seien betroffen und man würde Monate brauchen, bis der Rummel wieder spielt.

Also raus mit dem Knabberzeug, eine Dose Beck’s auf den Tisch und genießen. Fefe mutmaßt Five-Eyes-Malware. »Spionieren unter Freunden – das geht ja mal gar nicht!« Mal sehen, ob Michael Fuchs jetzt auch denjenigen Neuwahlen androht, die auf eine Aufklärung bestehen

»Ein Sachbearbeiter aus der BND-Abhörstation Bad Aibling sagte im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages, er habe damals von seinem Dienststellenleiter den Auftrag bekommen, die vom US-Geheimdienst NSA übermittelten Suchbegriffe nach Mailadressen von europäischen Ministerien zu durchforsten. Den Hintergrund des Auftrags habe er nicht gekannt.«

Zeit.de

Da werden doch hoffentlich nicht die von eigenen Ministerien und Mitarbeitern dabei gewesen sein? Ursprünglich waren ja nur die Fraktionscomputer der Linken und der Grünen Ziel der Attacke, immerhin eher unwichtige Ziele.
Aber nun ist man jedenfalls cyber-attackiert worden und fährt sicherheitshalber Speicherbänder herunter. Die des NSA-Untersuchungs-Ausschußes. Sicher ist sicher.

»Niemand kann ausschließen, daß deutsche Behörden zumindest indirekt daran beteiligt waren. Zum Beispiel durch Nichtmeldung bekannter Sicherheitslücken.«

SpOn

Was man allerdings ausschließen kann, ist die Vermutung, der BND hätte den ganzen Aufstand selber inszeniert, um so eine fadenscheinige Begründung für mehr Mittel zu erpressen. Dieser Dienst steckt selber so offensichtlich mit in der Affäre, daß selbst die Herrschaften in Pullach nicht dreist genug wären, das zu probieren. Famous last words.

Ja, und was nun? Also: Als erstes sollte man die schon bereits mehrfach vom Bundesverfassungsgericht abgeschmetterte Vorratsdatenspeicherung im Eilverfahren durchs Parlament prügeln. Dafür interessiert sich im Moment kein Schwein – die Presse ist abgelenkt. Durch die Spionage-Affäre. Jetzt noch ein Erdbeben in Kuala Lumpur mit 4 toten Deutschen Touristen, ein Flugzeugabsturz im Senegal und Art. 20 des Grundgesetzes ist Geschichte.

Neuwahlen des Bundestags hätten tatsächlich etwas. Einfach wegen der Abwechslung.

P.S. Oder ist das Ganze jetzt das Spionage-Affäre-Ablenkmanöver vom Spionage-Affäre-Ablenkmanöver vom Spionage-Affäre-Ablenkmanöver?

Update

Die Nummer mit der Cyber-Attacke…

[Also mal ganz nebenbei: Wenn das Internet böse ist – gegenüber den Herrschenden – heißt es »Cyber«, wenn sie es kontrollieren wollen oder uns Pornos verkaufen, nennen sie es Internet. Einigen wir uns also in diesem Falle auf das »Ausschalten der IT-Infrastruktur]

Und das scheint IHNEN wohl gründlich gelungen zu sein. Der Trojaner arbeitet nach wie vor nach Plan und die Techniker des BSI bekommen das Problem nicht in den Griff. Unter Umständen muß die komplette Infrastruktur des Bundestages from scratch aufgesetzt werden. Das nennt man wohl Totalschaden.

Man denkt sogar über eine vorgezogenen Sommerpause des Bundestages nach. So wie es momentan aussieht, handelt es sich wohl um ein klassisches Latrinengerücht, aber das Wort ist immerhin schon gefallen.

Was gerade passiert und was es sein könnte, schreibt Kai Biermann wie üblich kompetent und erhellend auf Zeit.de.

Es »fürchten viele Abgeordneten, dass sie von irgendjemandem belauscht werden und sind zutiefst verunsichert, ob und wie sie noch vertraulich arbeiten können.« Die Kommentare darauf sind sehr lesenswert – diese Steilvorlage ließ sich niemand entgehen.

Was der Schrottpresse daran interessant zu sein scheint, ist die Tatsache, daß weder das Wort »Russland« noch »China« bis jetzt gefallen ist; sehr wohl aber »Geheimdienste«. Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags mußte heute BND-Chef Gerhard Schindler die Hosen herunterlassen. Man hätte durchaus Fehler gemacht, räumte der Chef des größenwahnsinnigen Dienstes ein. Von Interesse könnte dabei seine Aussage sein: »Die Affäre gefährde inzwischen die Arbeit des Dienstes. “In Europa finden bereits erste Besprechungen ohne den BND statt.” Erste ausländische Partnerdienste überprüften auch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Auslandsgeheimdienst.«

Da stellt sich doch fast zwangsläufig die Frage, ob es sich bei dem Totalschaden der IT-Infrastruktur des Bundestages um die Revanche eines… sagen wir mal »Euro-Gruppen-Mitgliedes« handelt. Ein französischer Scherzkeks oder ein herausragendes Beispiel britischen Humors zum Beispiel.

Es erscheint im ersten Moment nicht logisch, da die genannten Nationen selber mit aller Gewalt an der Abschaffung von Demokratie und Meinungsfreiheit arbeiten. Aber vielleicht lautet die geheime Botschaft: »Erstens wird nicht gepetzt und zweitens laß Dich nicht erwischen!«

Oder doch die Chinesen? Sonst gibt es Neuwahlen.

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0 Kommentare zu Kurz und dreckig 5b / Update

  1. Der Emil sagt:

    Pantoufle, bring S I E doch nicht erst noch auf Ideen. Sonst gibt es eben doch wieder einmal friendly fire auf einen der sowieso defekten A400 M (dessen Software von einem Trojaner befallen ist, den die NSA wohl nur in den Dienstwagen-Bordcomputern der Russischen Diplomaten-Wagen installieren wollte, welcher Prozeß aber ein klein wenig außer Kontrolle geriet) und so’n Kram.

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    • pantoufle sagt:

      …sagt der eine Motor zum anderen: Und Du drehst jetzt mal links rum!…

      Als ich heute Morgen 5b hinterhergejagt habe, sah ich schon einige Verschwörungstheoretiker beim Frühsport. Das wird noch lustig.
      Ich denke ja, es waren die Illuminaten!

      P.S. Da war mal so ein Typ – Snowden hieß der, glaube ich. Der hat damals die kindgerechte Variante von davon erzählt und keiner hat’s geglaubt.

      P.P.S. Wie auf »Augen gradeaus!« eben zu lesen ist, bleibt der Bundeswehr die bewährte Transall wohl noch etwas erhalten. »Zugleich prüft die Luftwaffe, die betagten Transall-Maschinen länger als bisher geplant im Dienst zu halten – bis zum Jahr 2021.«

      Ist das jetzt noch BER oder schon Kölner Dom?

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  2. pantoufle sagt:

    Außerdem bin ich gerade abgelenkt.
    Die FR-Online schreibt heute morgen: Gregor Gysi: Hamburgs Justiz blamiert sich. Finde ich eigentlich überhaupt nicht! Einmal meldet sich eine zaghafte Stimme der Vernunft und alles schreit schmerzerfüllt auf.

    Der Fall ist ja auch zu witzig! Da ermittelt der hamburger Generalstaatsanwalt im letzten Falle zwei Jahre (wie schon die anderen zwanzig davor) und bekommt so wenig Ergiebiges, daß selbst die eigene Staatsanwaltschaft es ablehnt, daraus eine Anklage zu zimmern. »Die Ermittlungen standen bereits in der Vergangenheit offenbar mehrfach vor der Einstellung, aber wegen der Interventionen des Generalstaatsanwalts wurden sie außergewöhnlich umfangreich und gründlich geführt.« (Tagesschau) Wer da wohl interveniert hat, damit der Generalstaatsanwalt interveniert?
    Vera Lengsfeld ist übrigens auch für eine Anklage. Vera Lengsfeld. Vera Lengsfeld! Und natürlich der hamburger Generalstaatsanwalt.
    Sonst noch jemand ohne JagtFahrschein?

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  3. waswegmuss sagt:

    Ich schweife ab: Fly by wire macht jeden Piloten zum Hacker. Eine typische Fehlermeldung der A320 soll “Steigflug wegen vereister Tragflächen nicht möglich.” lauten- Trotz eisfreier Zone.
    Die Piloten umgehen das mit tausend Tricks und beten für die Wiedereinsetzung des Bordingenieurs.

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  4. Pingback: Zitat des Tages | -=daMax=-

  5. Joachim sagt:

    Ich weiß gar nicht, wo das Problem ist. Der Bundestag, die Regierung arbeiten in unserem Auftrag. Wenn jetzt jemand in deren Rechner einbricht, dann sieht der nur, dass sie in unserem Auftrag arbeiten. Was sie tun, planen und besprechen ist in einer Demokratie öffentlich. Diktatoren würden sich zu Tode schämen (eine Prima Art, sie loszuwerden!), würden sie deutsche Transparenz, Bürgernähe, Ehrlichkeit und Vertrauen in Demokratie durch die Hackerangriffe erfahren. An einem solchem deutschem Wesen könnte tatsächlich die Welt genesen.

    Die pösen “Hacker” und Spione hätten also einfach nur deutsche Zeitungen, die Webseiten der Regierung oder des Bundestags lesen müssen oder noch einfacher, Dich oder mich oder unsere nette Putzfrau fragen.

    Denn niemand ist gleicher. Und in Deutschland wedelt der Schwanz eben nicht mit dem Hund.

    Ist nur sehr seltsam, das dies alles nicht stimmt.

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  6. Eike sagt:

    Welche Demokratie? Wo soll die sein? In einer Firma?

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