Kurz und dreckig 56

Als kleiner Gruß aus der Küche der Koalitionsverhandlungen. Mit den unvergessenen Aktionszenen eines Ingmar Bergmann-Films, der psychologischen Tiefe von Star-Wars VI und der inhaltlichen Stringenz des Interviews mit einem Formel-1-Fahrer.
Und als ersten Gang freuen wir uns auf biologisch ausgebauten Außenminister an Lorbeer im Dialog mit Currywurscht.

Wie satt und selbstzufrieden muß ein Land sein, um das zu fressen? Das muß sie wohl sein, die entschlossene, energische Reaktion gegen die neuen Nazis im Bundestag. Nicht das überzeugte »weiter so!« überrascht, sondern dieses Bekenntnis zum programmatischen Offenbarungseid, zum Suizid. Alexander Dobrindt bietet zum wiederholten Male Auftritte bei SPD-Veranstaltungen an, um noch wankelmütige Mitglieder vor der Befragung zur großen Koalition zu überzeugen. Kein Witz!
Zustimmung der Basis hin oder her: Die SPD darf sich vorläufig als eigentlicher Sieger des Wahldesasters fühlen. Ämter en Masse, gleich zwei »Kanzlerkandidaten« für die nächste Bundestagswahl (Nahles & Scholz), während es Angela Merkel gerade zu einer allerletzten Amtsverlängerung gebracht hat. Ein schaler Sieg für sie, ein hoher Preis für die CDU. Gut, daß die CDU keine Mitglieder zum Befragen hat.
Andrea Nahles bekommt kampflos das, wofür sie seit Jahren intrigiert und sich verbogen hat. Martin Schulz darf die Weide Außenministerium abgrasen. Das Ende einer unglücklichen Liebesgeschichte – der abgelegte Lover bekommt eine großzügige Apanage in der Hoffnung, daß er unauffällig in der Versenkung verschwindet. Belohnung des Kunststückes, umzufallen ohne jemals aufgestanden zu sein.
Mehr war faktisch nicht zu erreichen. Einen Bau-, Heimat- und Innenminister Seehofer, was allerdings nicht so überraschend kommt. Die CSU erringt Silber, Gold aber für die Schaffung eines solchen Amtes. Kommissar für die Festigung deutschen Volkstums.

»Nur noch wenige Prozentpunkte trennen AfD und SPD voneinander, und das hat seinen Grund. Wir lösen die SPD als Volkspartei ab, weil wir die Menschen und das Land im Blick haben, statt unser Handeln irgendeiner Ideologie unterzuordnen.« Alice Weidel, die dabei beiläufig vergißt, daß die eigene Blut und Boden Ideologie natürlich auch lediglich eines ist: Ideologie; nur eben eine für die völlig Verblödeten.
Volk, hör die Signale, wenn Bildchef Julian Reichelt in schönster völkischer Logik davor warnt, »Ausländer« könnten den Wählerwillen verfälschen, sollte sich die SPD-Basis doch noch gegen diese Koalition entscheiden. Ob das Votum der Mitgliederbefragung schneller geht, wenn man erst Ariernachweise ausstellen muß? Das ist wohl mehr als ein Vorzeichen – es ist die neue Messlatte. Allein die Tatsache, daß eine solche Schlagzeile wieder möglich ist und nicht kaltlächelnd kassiert wird. Der »politischen Machtübernahme« muß die »Errichtung der kulturellen Hegemonie vorausgehen« (Weidel). Drei Jahre bis zur nächsten Bundestagswahl dürften vollkommen ausreichend sein, um diesen Zwischenschritt zu realisieren. »Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…«. Dann nützen die herrlichsten Kanzlerkandidaten nichts mehr; mit 12% stellt man keinen.

Die Renten dieser alten Männer und Frauen sind gesichert. So sicher, wie sie nicht im Sturm untergehen, sondern ganz leise vom feuchten Feudel der Geschichte weggewischt werden. Die Selbstzerstörung eine Staates.

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8 Kommentare zu Kurz und dreckig 56

  1. OldFart sagt:

    Wenn der Gruß aus der Küche von den Koalitionären stammt, würde ich alles damit tun, außer ihn zu essen. So wie die uns mitspielen, ist das Hackfleischröllchen sicher und keineswegs zufällig voller Salmonellen.

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    • Pantoufle sagt:

      Dir kann ich es ja verraten: Es handelt sich um die Lieblingswurst meines Jüngsten. Erstklassige Aldi-Ware und sie enthält vermutlich alles – nur keine Wurst. Womit die Parallelen zur SPD erfolgreich hergestellt wären.

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  2. Pantoufle sagt:

    Politik – Das bedeutet auch: Brücken bauen!

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  3. gnaddrig sagt:

    Einen Bau-, Heimat- und Innenminister Seehofer, was allerdings nicht so überraschend kommt. Die CSU erringt Silber, Gold aber für die Schaffung eines solchen Amtes. Kommissar für die Festigung deutschen Volkstums.

    Mensch, Heimatliebe ist doch kein Verbrechen, Du Spötter!einself! Und als Heimatminister kann Seehofer die Menschen™ aus der AfD und dem ganzen Dunstkreis genau da abholen™, wo sie sind, indem er nämlich ihre Ängste und Sorgen ernstnimmt™ und ihre Themen aufgreift! Damit wirkt er der Spaltung der Gesellschaft entgegen. Müssen nur die ganzen Linksextremen (und das fängt ja schon in der CDU an!) noch vernünftig™ werden, dann passt alles. Magst ruhig sein, lieb Vaterland!

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