Kurz und dreckig 55 / Nachschlag

Darf ich Sie mit meinem GroKo ein Stück mitnehmen? Ihr Parteiprogramm müßte allerdings in den Kofferraum

Frohes Jul wünscht die Schrottpresse allen angeschlossenen Sendeanstalten. Ein guter Tag, die letzten Weihnachtsbäume aus dem Fenster zu kippen, sie im Garten anzuzünden und irgend etwas darüber zu schmurgeln. Man muß es ja nicht zwangsläufig opfern, sondern kann es durchaus selber fressen. Ein paar Brocken für Sleipnir können natürlich nichts schaden – man weiß ja nie!
Die Rauhnächte sind auch die Zeit der Totengöttin Hel (für die lieben Kinderlein: Frau Holle). Also lieber einen Brocken mehr.

Sahra Wagenknecht hat die bemerkenswerte Idee, durch Zellteilung der LINKEN eine sozialistische Partei zu gestalten. Dafür ruft sie auch nach Spaltpilzen bei den ehemaligen Sozialdemokraten, damit die sich der Bewegung anzuschließen.
Der mediale Effekt ist ebenfalls bemerkenswert: Man glaubt ja gar nicht, wieviele Freunde die LINKE auf einmal hat, die von dieser Idee gar nicht genug abraten können!
Die Schrottpresse meint: Kein schlechter Gedanke, aber leider etwa ein Jahr zu spät. Etwa so zu spät wie die kolportierte Kandidatur Oprah Winfreys1 als US-Präsidentin 2020. Warum nicht mal eine TV-Moderatorin? Und Milliardärin ist sie auch. Im Gegensatz zu Trump vermutlich auch noch bei der nächsten US-Wahl.

Groko oder keine Groko? Nachdem sich die Grünen bereits beim Kampf um die Futternäpfe bis zur Unkenntlichkeit entkleidet haben, tut es ihnen das Duo Infernale Chulz&Nahles nun nach. Sondierungsgespräche muß man passenderweise sagen, mehr war es ja nicht. Die Hechelatmung Ungeduldiger tut ja nur so, als wäre das Unglück bereits in trockenen Tüchern. Von brüllend komisch bis herzzerreißend dämlich sind auch die Kommentare, die man dazu im Netz lesen kann. Auf die Frage, welches SPD-Projekt den Parteitag von der Groko überzeugen werde: »Wir brauchen überhaupt nicht eins, wir müssen nur zeigen, daß wir das Land modernisieren und erneuern.« (Andrea Nahles) bis »Außerdem stimmt es so nicht, daß der Bürger eine neue Groko abgewählt hatte. Er hatte klar eine Neuauflage der Groko gewählt, nichts anderes.« (Diederich Heßling)
Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Und die ist bekanntlich ziemlich weit rechts.

In eigener Sache, hätte ich beinahe geschrieben. Leser der Schrottpresse wissen ja, daß ich zu Gustav Landauer ein besonderes, liebevolles Verhältnis habe. Eine Initiative will nun diesem großen Mann ein Denkmal errichten.

»Er paßt in keine Schublade: Gustav Landauer, Anarchist, Publizist, Politiker und Wissenschaftler, der sich mit jüdischer Philosophie und jüdisch-christlicher Mystik beschäftigte. 2019 jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. […] „Kreuzberg oder das Scheunenviertel um die Volksbühne kommen dafür in Frage“, sagt Jan Rolletschek, der sich in der Initiative engagiert. «

TAZ2

Das ist ja sehr nett gemeint. Aber das hätte Landauer sich leise, wenn auch sehr bestimmt verbeten. Götzen und ihre Standbilder anbeten war nie seine Sache. Darüber, daß man seine Bücher liest – und noch besser: Versteht! – hätte er sich sicherlich gefreut.

Meltdown und Spectre.3 Eine kurze FAQ zum Supergau

Sind meine Geräte betroffen? Ja.
Helfen Virenscanner? Nein.
Welche Prozessoren sind genau betroffen? ≥ 80486
Welche Betriebssysteme sind betroffen? Alle. Das hat Hardware-Pfusch so an sich.
Wie kann ich mich schützen? Gar nicht.
Wo finde ich Updates? Gibt keine. (Eine Sicherheitslücke updaten?)
Wie lange ist das Angriffsszenario bekannt? Seit 1995. (ja, da staunen Sie, was?)
Ist die Ähnlichkeit mit der Diesel-Schummelware zufällig? Nein
Wenn die Lücke seit 23 Jahren bekannt ist, warum hat man dann …? Die »Lücke« produziert wesentlich bessere Benchmarks.
Hat hilflos hingeschmierter Patch-Code Auswirkung auf das User-Erlebnis? Ja, natürlich.
Schließen die Patches die Prozessorlücken? Nein, natürlich nicht! Hardware-Software! Ist im Grunde ein Diesel.
Wenn doch – auch bei älteren Prozessoren? Wo denken Sie hin? Die sind alt!
Können die Lücken remote ausgenutzt werden? Schwierig! Selbst unsere Fachleute brauchen 2 Stunden dafür.
Ich habe eine E-Mail vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erhalten, in der ich gebeten werde, den von AMD und Intel entwickelten Sicherheitspatch zu installieren. Soll ich das machen?
Ja, unbedingt! Auf diesen Trojaner mehr kommt’s nun auch nicht mehr an!

Welchen Prozessoren kann ich noch vertrauen? Z80, ENIAC, 6502, Raspberry Pi, 68000, PDP-7 und viele andere mehr.

Hat noch jemand Lust auf selbstfahrende Fahrzeuge? Wäre das ein Autor, so gäbe es jetzt die größte Rückrufaktion aller Zeiten.

Nachschlag

»Laut Kika soll das Mädchen Malvina zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre alt gewesen sein, Diaas Alter zum Zeitpunkt des Drehs wurde vor einer Woche vom Sender auf 19 Jahre korrigiert . „Als er und Malvina sich kennenlernten, war er 17 Jahre alt“, heißt es in der Stellungnahme des Senders etwas verwirrend.
Malvina muss demnach rein rechnerisch 14 Jahre alt gewesen sein, als sie die Beziehung zu dem syrischen Flüchtling begann – was der Sender jedoch nicht erwähnt.
Auf der Kika-Facebookseite ist zu sehen, dass viele die Altersangaben nicht verstanden. „Warum ist er heute 20?“, fragen sie, während Kika immer wieder nur antwortet: „Steht in unserer Stellungnahme“.«

WELT.de

Stellungnahme der ARD

»Entschuldigen wollen wir uns für einen Fehler in Bildunterschriften: Im Film wird über Malvinas Alter (zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre) gesprochen, nicht aber über Diaas. Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt.
Als er und Malvina sich kennen lernten, war er 17 Jahre alt.«

In der Tat verwirrend. Damit, daß Malvina ebenfalls zwei Jahre jünger sein müßte (rein rechnerisch), konnte kaum jemand rechnen. Jedenfalls nicht Cornelia Karin Hendrich von WELT.de

»Auf der Kika-Facebookseite ist zu sehen, dass viele die Altersangaben nicht verstanden. „Warum ist er heute 20?“, fragen sie, während Kika immer wieder nur antwortet: „Steht in unserer Stellungnahme“.«

Preisfrage: In 20 Jahren wird Diaa 40 Jahre alt sein. Wie alt ist dann Malvina?
Von diesem Preisausschreiben sind Nobelpreisträger und Raketenwissenschaftler ausdrücklich ausgenommen!
Pro-Tip: Esst mehr Wallnüsse: Da ist ein kleines Gehirn drin!

1 Die Kanditatin

2 TAZ zu Landauer

3 Heise: Es ist nichts passiert – gehen Sie ruhig weiter

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46 Kommentare zu Kurz und dreckig 55 / Nachschlag

  1. flatter sagt:

    Aber er braucht doch sonst so viel Zeit zum Hochfahren …

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    • Pantoufle sagt:

      Ich hätte da noch einen CPC128 anzubieten.

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    • OldFart sagt:

      Ich hab meinen allerersten echten Computer aufgehoben. Ein Laptop im praktischen Nähmaschinenformat. 8086, 5 MHz. Selbst von 256 kB auf 640 kB aufgepimpt. Immer noch voll funktionstüchtig. Also ich hab nen Fallback …

      http://www.actsirius1.co.uk (siehe: VICTOR Vicki Luggable)

      Bootet übrigens nicht langsamer als das heutige UEFI/W10 Kroppzeuch.

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      • OldFart sagt:

        Gabs mit beidem, ich habe MS-DOS 2.11. Mit zwei 1.2 MB Disketten und Wordstar 3.1 konnte man echt was reißen. Dynamisch ladbare Zeichensätze, das war dem ganzen IBM-Kram meilenweit voraus.

        Auf dem Logic Board sieht man die vier 64 KB RAM Bänke. Zwei habe ich fein säuberlich entlötet, gesockelt und mit je 256 KB bestückt. Was war das ein Gefummel. Und immer vorsichtig, damit das Multilayerboard nicht kaputtgeht. 5 Volt und Masse sind in den inneren Lagen an die ICs geführt. Wenn man da die Kontaktierung mit der Lötpumpe abreißt …

        Ich hab auch mal nen NEC V30 eingespflanzt, das war der Super-Tuning-Tip. Da scheiterte aber das Boot-ROM mit seinen hartcodierten Verzögerungsschleifen an der unerwartet hohen CPU-Performance.

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        • Pantoufle sagt:

          Wordstar und CP/M ist bis heute unschlagbar. Bei längeren Texten nehme ich immer noch JOE Dann können die Finger auf der Tastatur bleiben

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        • OldFart sagt:

          Ich hab einen unschönen Teil meines IT-Lebens in einer unprofessionellen Mittelstands-Softwarebude zugebracht, die eine kaufmännische Anwendung für diverse Unix-SystenV-Derivate zusammenpfuschte. Die “Entwicklungsumgebung” für über 1 Mio Codezeilen waren vi und ein paar Compilerscripte. Sonst nix.

          Meine erste eigeninitiative Amthandlung war, unter SCO, Sinix, HP-UX, AIX, usw., überall JOE an den Start zu bringen. Quelltext anpassen, compilieren, Termcap editieren, frag nicht nach Sonnenschein. Danach war mir aber wohler. Ich arbeite nicht mit Zeileneditoren, das hab ich mit dem MS-Basic internen Editor ein für alle mal über. Ende der Debatte. Will sagen: JOE ist mein Jugendfreund.

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          • Pantoufle sagt:

            Oh je: Church of emacs. Das verstehe ich allerdings.

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          • OldFart sagt:

            And now I declare the Editor War open. Gnihihi.

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          • Pantoufle sagt:

            .

            Edit
            Ich hab gerade mal nachgesehen: alt.religion.emacs gips immer noch 😀

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          • Pantoufle sagt:

            Ich stelle erschrocken überproportional viele Klicks für den Heise-Artikel Meltdown/Spectre fest. Ich hoffe mal, daß das kein Indiz dafür ist, daß noch niemand davon gehört hat.

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          • OldFart sagt:

            Eher der Wunsch irgendwo irgendwas zu finden, das einem weiterhilft. Bisher gibt es vorwiegend Aufregung, Konfusion und Aussichtslosigkeit. Die einzig wirkliche Lösung, Fertigung und Umtausch durch fehlerfreie Prozessoren, wird es ja nicht geben. Statt dessen Software-Mitigations quer durchs Software-Biotop. VW stand da Pate.

            CPUs der letzten 5 Jahre bekommen gnädigerweise Microcodeupdates von Intel. Ebenso als aktuell definierte OS von Microsoft. Mehr gibt es nicht für König Kunde. Apple ist da auch keinen Deut besser. Alt-Linuxe sind auch gekniffen, weil es für das alte Blech, auf dem sie laufen keine nachgebesserten Microcodes gibt, s.o.. Es ist nirgendwo eine wirkliche Lösung in Sicht.

            Was jetzt mit den ganzen P4, Core2 und Pentium M Geräten da draußen werden soll, dazu hört man ja ganz und gar nix. Gibt ja noch genug davon und tun auch noch klaglos ihren Job. Ist das jetzt alles mal eben Schrott? Was macht denn Omma Paschulke mit dem Alt-PC, den ihr der Enkel fürs Internet hingestellt hat? Was wird aus dem ganzen Embedded-Kram? Ich sach mal Smart-TV z.B..

            Verbraucherschutz und -rechte, die ihren Namen verdienen, sehen anders aus. Man sollte einen neuen Namen für diese Form des offenen straflosen Sitzenlassens auf fehlerhaften Industrieprodukten erfinden um das griffig titulieren zu können.

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  2. flatter sagt:

    Ich sach nur: 68000er, TOS und GEM! (irgendwas muss ich sagen, sacht mein Typberater.) Was Besseres gabs nicht. Nie. Alles andere ist Schalke.

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    • Pantoufle sagt:

      Wechsele mal den Typberater! Unter ner SGI mit IRIX 6.1 und 4dwm-Fenstermanager solltest Du Dich nicht verkaufen (allerdings mit MIPS-Architektur).
      Alles andere ist Playmobil

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      • flatter sagt:

        Du säufst sicher auch Hennessy und hältst das Zeug für edel …
        Hm, IRIX 6.1 ist von 1995. Da lag der Atari schon im Keller. Ich sag jetzt nicht, was ich damals … doch, ehrlich, Dabei wollte ich nie … ich schwör’s! Lasst mich doch erklären …

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  3. Der Duderich sagt:

    Zur GroKo:
    Ich zitiere ja ungern Nahles, aber sie kriegen in die Fresse.
    Die sPD.
    Es ist wirklich ein erbärmliches Theater.
    Die sPD hätte einfach nur auf den Tisch hauen müssen.
    Bürgerversicherung? Friss, oder stirb, Merkel!
    Dann mach halt eine Minderheitenregierung!
    Willste nicht Deine Komfortzone verlassen?
    Pech, aber dann schwadroniere nicht von staatstragender Verantwortung.

    Die Parteibasis der sPD würde erleichtert aufatmen. Aber hey, es geht schließlich nicht um den Wählerwillen, oder den Willen der Parteibasis.
    Es geht um Karrieren, um Posten, schlicht um Erhaltung des Status Quo der Funktionäre.
    (S)Chulz, denkt sich, dass er seine politische Existenz retten kann, wenn er in die GroKo flüchtet. Finanziell mag sich das für ihn rechnen, aber politisch ist er jetzt bereits eine Staubmaus, die in die Kehrschaufel gehört.

    Die ganze sPD gehört dahin.
    Es gibt innerhalb dieser Partei ja durchaus Strömungen, die die GroKo nicht wollen.
    Aber, wenn diese Opposition innerhalb dieser Partei, nicht schlicht aus parteistrategischen Gründen die GroKo (und auch die Agenda 2010?) ablehnen, warum treten sie dann nicht aus und werfen ihr Parteibuch in’s Altpapier?

    Ich habe FC Köln-Anhänger unter meinen Freunden. Auch als Fußballverweigerer kann ich nachvollziehen, dass diese ihrem Verein die Treue halten.

    Aber was, bitteschön, haben wirkliche Sozialdemokraten noch in der sPD zu suchen, werte Genossen?
    Welcher Pinguin brütet in einem abgetauten Eiswürfelfach?

    Wenn sich die sPD wirklich noch einmal in die Todesumarmung mit den ach so christlichen Parteien begibt, dann droht ihr bei den nächsten Wahlen von der AfD überholt zu werden.
    Aber auch in der Opposition wäre ich (positiv) überrascht, wenn sie sich wirklich personell und inhaltlich erneuern könnte – und wollte.

    Deutschland braucht eine starke sozialdemokratische Partei. Aber dies ist die sPD schon lange nicht mehr. Schade, eigentlich.

    (S)Chulz eignet sich eigentlich nur noch dafür, seinen Kopf auf einem Jahrmarkt durch ein Loch in einer Bretterbude zu stecken, um mit nassen Schwämmen beworfen zu werden.
    Und die Nahles auch.

    Voll in die Fresse…

    Gib mir einen Schwamm!

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  4. Pantoufle sagt:

    @OldFart
    »Eher der Wunsch irgendwo irgendwas zu finden, das einem weiterhilft.«

    Wollen wir mal hoffen, daß es so ist. Aber es bleibt eben, was es ist: Das geliebte Haustier leidet unter Genickbruch.
    Den Umgang mit dem Gau, namentlich von Intel, ist übel. »Die einzig wirkliche Lösung, Fertigung und Umtausch durch fehlerfreie Prozessoren, wird es ja nicht geben.« Jetzt rächt sich wieder einmal die Monokultur von Halbleiterherstellern und »Software-Giganten«. Wäre da so etwas ähnliches wie Konkurrenz, könnte Intel wohl einpacken. So aber kann man dem Verkaufs-Rückgang von Desktopsystemen für ein, zwei Jahre noch mal entgegensteuern. Eine neue CPU entwickelt man ja nicht in sechs Wochen. Genau so stellt sich Intels Krisenmanagement im Moment dar. Und ja: Die ganzen alten CPUs von Oma (oder meiner Frau) sind jetzt Schrott. Ich habe mal grob nachgezählt: Bei uns Zuhause sind das 7 Rechner, meine drei beruflich genutzten Laptops nicht eingerechnet (Messrechner, hängen nicht zwangsläufig am Netz.)

    »Man sollte einen neuen Namen für diese Form des offenen straflosen Sitzenlassens auf fehlerhaften Industrieprodukten erfinden.« Ja, sollte man. Man sollte aber genau so überlegen, in welche ausweglosen Abhängigkeiten man sich in fundamentalen Lebensbereichen begeben kann.

    Edit

    Ein Angreifer benötigt nur 30 Sekunden physischen Zugang zu einem Notebook mit Intel-Chipsatz, um eine Backdoor einzurichten. Das Problem hat nichts mit den aktuellen Sicherheitsproblemen von Prozessoren zu tun. Die Ursache ist vielmehr das Active Management (AMT), eine Funktion für die Fernwartung von Notebooks, die insbesondere im Firmenumfeld verwendet wird.

    Die AMT-BIOS-Erweiterung ist nach den F-Secure-Sicherheitsforschern oft nicht wie der Rest des BIOS durch dessen Passwort geschützt. Ein Angreifer kann so auf AMT zugreifen. Dazu muss er nur das Notebook neu booten und währenddessen Strg-P drücken.

    Heise
    Sie wollen es nicht anders

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    • OldFart sagt:

      > Und ja: Die ganzen alten CPUs […] sind jetzt Schrott.

      Ja, dankeschön auch. Immer hübsch Salz in die schwärende Wunde und dann sanft aber entschlossen mit der Drahtbürste dort einmassieren. Seufz.

      > Ich habe mal grob nachgezählt

      Ähnliche Bilanz bei mir. Alles Blech, das bei den eh schon unzulänglichen Mitigations gänzlich hinten runter fällt. Nix BIOS, nix Microcode, nix OS. Super.

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      • DasKleineTeilchen sagt:

        ohmanney; fürs banking und bestücken des blogs nehmt halt zb nen netbook mit nem atomN270 und alles was nich am netz hängt is eh unkritisch. die patch-orgie zum “fixen” spar ich mir eh. ich brauch nich noch mehr BSODs, hänger und abschmieren mitten im speichern auf ne externe.

        0

    • DasKleineTeilchen sagt:

      Die AMT-BIOS-Erweiterung ist nach den F-Secure-Sicherheitsforschern oft nicht wie der Rest des BIOS durch dessen Passwort geschützt.

      hrmph. auch seit 2015 bekannt, wenn ich nicht ganz irre.

      Sie wollen es nicht anders

      eb-en.

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  5. Moinsen,

    über Sahra Wagenknechts idee kann ich nichts gutes schreiben. Ich war so leichtsinnig, ihre beiden bücher Freiheit statt Kapitalismus und Reichtum ohne Gier tatsächlich zu lesen. Die kann man mit einem satz zusammenfassen: »Wir wollen unseren alten Ludwig Erhard wiederhaben!«

    Ich bin auch lange nach dem lesen leider immer noch völlig heiser, weil es eine tortur war und ich vor schmerz schreien mußte. Die ist schon lange in laubadender sozialdemokratie angekommen. Wobei nebenher bitte aufgemerkt sei, daß Erhard alles andere als ein sozialdemokrat war und etwas linkeres als dieser bekloppte ordoliberalismus offenbar nicht mehr denkbar ist.

    Leute gewonnen hat die LINKSpartei, damals noch PDS, als sie noch etwas anderes als kapitalismus wollte, stattdessen will die LINKE heute keine alternative zum kapitalismus, anstatt zu agieren wird reagiert und der Alternative für Deutschland hinterher gelaufen. Oder halt von einem »linken sammelbecken« der nicht linken ideen fabuliert, die nicht aus diesem zwangssystem rausführen.

    Brauche ich nicht.

    2+

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  6. Pantoufle sagt:

    Moin, Mechthild

    Sahra Wagenknecht kenne ich nur über das, was sie außerhalb ihrer Bücher von sich gibt. Bücher lebendiger Politiker lese ich nur im äußersten Notfall. Auf 200 Seiten ausgewalzte Wahlplakate haben für mich wenig Reiz.
    Wagenknecht möchte Ludwig Erhardt wiederhaben? Ich auch gelegentlich. F.J.Strauss statt Dobrindt, Annemarie Renger statt Katrin Göring-Ekhard. Aber das hat eher ästhetische Gründe und mit dem Thema nichts zu tun.

    Was ich über Frau Wagenknecht schreiben würde, wenn ich es täte? Es wäre vermutlich ziemlich durchwachsen. Neben unbestreitbaren Qualitäten hat sie… aber das findet auf der Schrottpresse eben sehr wenig statt. Über linken Politikern Jauche auszukübeln ist mittlerweile Breitensport geworden. Und es lesen eben nicht alle ihre Bücher oder beschäftigen sich ernsthaft mit den Personen. Solche Kritik wird medial grundsätzlich als Vorlage für primitives Bashing und Schlagwortgeneratoren verwendet. Eine ernsthafte Diskussion kommt da selten bei heraus. Deswegen halte ich mich damit zurück.

    Über Wagenknechts Idee kannst Du nichts Gutes schreiben? (Und darum geht es ja: Diese Idee, nicht die Person. Die Idee an sich kam ja ohnehin von Lafontaine). Etwas flapsig formuliert würde ich sagen »macht nichts«. Das wird irgendwann sowieso kommen, muß kommen. Ob aus der SPD (die sich daran erinnert, einen August Bebel in den eigenen Reihen gehabt zu haben), der Linken oder Teilen der Grünen, denen das Vermächtnis Petra Kellys mehr sagt als eine frömmelnde Katrin Göring-Ekhard. Die Frage, ob es dafür einen »richtigen« Zeitpunkt gibt, beantwortet jeder auf seine Weise. Katja Kipping mit dem Projekt 15% (was keine Antwort ist). Riexinger sieht gar einen bisher unbekannten Zustrom kapitalismuskritischer Jugendlicher in die Reihen seiner Partei. Über allem schweben als existierende Vorbilder der Geist Jean-Luc Mélenchons und Jeremy Corbyns. Denn das hat man nicht nur in GB oder Frankreich verstanden: Zellteilung! Ein Apparat wie die SPD oder die LINKE renoviert sich nicht aus sich selbst heraus. Und weder gibt es dafür einen richtigen Zeitpunkt noch das «richtige« Personal. Der tief im Glaube der Deutschen verankerte Vereinsgedanke tut ein übriges, um solche notwendigen Prozesse solange es geht zu verhindern.

    Die AFD ist nicht im Bundestag, weil sie so ein tolles Programm oder charmantes Führungspersonal hat. Sie sind vermutlich hauptsächlich deswegen dort, weil sie nicht CDU, SPD oder Grüne heißen. Der Protestwähler ist ja keine Person, die eine Vision von etwas hat, sondern eine mit einer diffusen Vorstellung davon, was sie nicht will. Die Sammlungsbewegungen, die sich auf diesen Pool stürzen, können links oder rechts sein. Alles, was Frau Wagenknecht laut gesagt hat, ist, daß es auch links sein könnte. Und damit hat sie recht.
    Wer erwartet im Ernst eine innere Erneuerung der SPD? Doch nicht einmal ihre Mitglieder. Das dürfte für die Linke ebenso zutreffen. Also müssen werden sich diejenigen, die etwas verändern wollen, eben woanders finden.

    1+

    • Moin Pantoufle,

      wie? Du liest keine bücher von lebenden politikern? Nicht einmal z.b. Sonneborn oder Schmitt? Da bin aber sehr enttäuscht von Dir! ^^

      Gelegentlich lese ich so etwas, auch wenn es mitunter quallektüre ist. Mir geht es nicht darum die »kommunistin« Wagenknecht zu bashen – ihre reden im bundestag finde ich meistens gut, in talkshows tritt sie, soweit ich es mitbekomme immer sehr souverän auf. Deshalb wollte ich wissen, wofür die eigentlich steht, leider für gar nichts, außer ein schönes politisches amt.

      Ja, im vergleich zu den heutigen verhältnissen erscheint die politik Erhards geradezu human, war sie aber definitiv nicht.

      Kleiner exkurs in die wirtschaftsgeschichte der BRD:

      In dem land, in dem ich später geboren wurde, Hessen, hatte es nach dem Großen Krieg eine volksabstimmung gegeben, ob die schlüsselindustrien vergesellschaftet werden sollen. Die westlichen alliirten ließen das zu, weil sie davon überzeugt waren, das kein mensch sozialismus wollen würde. Eine breite mehrheit war jedoch dafür. Soweit ich weiß, hat so eine volksabstimmung noch ein einem anderen bundesland stattgefunden, wo das ergebnis ähnlich ausfiel. Danach wurde die abstimmerei verboten, weil die westlichen alliierten das nicht wollen.

      Danach hat es eine währungsreform gegeben, bei der die arbeiter enteignet wurden. Und nach einem generalstreik ein paar soziale zugeständnisse.

      Warum ist davon wenig geblieben?

      [Als den großen Krieg bezeichnet man normalerweise den zwischen 14-18 /klugscheißmodus. Der Säzzer]

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      • OldFart sagt:

        In dem Land […] Hessen, hatte es nach dem Großen Krieg eine Volksabstimmung gegeben, ob die Schlüsselindustrien vergesellschaftet werden sollen. …

        Gut erinnert und mit dem Finger draufgezeigt. Für Nicht-Hessen mal etwas Kontext:

        Artikel 38 der Hessischen Verfassung (HV) legt fest, daß die Wirtschaft des Landes die Aufgabe hat, dem Wohle des ganzen Volkes zu dienen.

        Artikel 39 der HV verbietet den Mißbrauch der wirtschaftlichen Freiheit, insbesondere zur monopolistischen Machtzusammenballung und politischer Macht. Bei Verstoß sind Unternehmen in Gemeineigentum zu überführen.Das ist sozusagen die Regelung zur Sicherstellung von Artikel 38.

        Artikel 40 der HV definiert den Begriff Gemeineigentum.

        Artikel 41 der HV bestimmt die sofortige Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien. Das ist der Teil, der in der Volksabstimmung über die Verfassung separat abgestimmt, befürwortet und in die Verfassung aufgenommen wurde.

        Das alles wurde von Anfang an sabotiert. Richtig erinnert. Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende.

        Im Moment nimmt man gerne höherrangiges Bundesrecht her, um diese Artikel auszuhebeln, wiewohl das dafür vorgeschobene Grundgesetz (Artikel 14 und 15: Eigentumsschutz) als Vorwand keineswegs ausreicht.

        Derzeit läßt insbesonders die hessische FDP nichts unversucht, um die HV zu reformieren©, weil sie ja so schrecklich unmodern ist. Ein medienpräsenter Protagonist ist Jörg-Uwe-Hahn.
        Unmodern? Was ein Argument. Kann man auch anders sehen.

        Ah, Reformen©. Für die Notwendigkeit führen sie gerne publikumswirksam zwei Dinge ins Feld: die tatsächlich idiotischerweise zugelassene Todesstrafe (Artikel 21) und daß Angehörige des Adels nicht Mitglied der Landesregierung werden können (Artikel 101). Letzteres nimmt Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich möglicherweise persönlich. Der aus Hessen stammende und in Sachen Parteifinanzierung gerichtsbekannte und immer-wieder-immer-noch amtswaltende Bundesschatzmeister der FDP. Hessen, Land der Law-and-Order-Fachkräfte in Sachen rechtswidriger Parteienfinanzierung. Da wo zufälligerweise Banken in ihrem kriminellen Treiben politische Rückendeckung bekommen.

        Zurück zur HV. Inzwischen sind die Reformen© auf dem Weg. Aber irgendwie wurden da ein paar mehr Artikel ins Auge gefaßt als die Todesstrafe. Es werden Wetten angenommen, ob Artikel 38-41 überleben. So unmodern!

        Bonus: Jörg-Uwe-Hahn, der Reform-Eiferer (s.o.), klingelt da was? Der war stellvertretender Ministerpräsident und Justizminister der CDU/FDP-Landesregierung, als die Sache mit den fünf psychiatrisierten Steuerfahndern in Frankfurt, die den Banken und den Parteikonten in Liechtenstein zu nahe kamen, vor Gericht platzte. Das Gericht verurteilte den Gefälligkeitsgutachter wegen vorsätzlicher Falschbegutachtung. Jetzt war jedermann offensichtlich, was da lief. Jörg-Uwe Hahn hingegen konnte keine Unregelmäßigkeiten in den Vorgängen erkennen. Na sowas.
        Der erzwungene Untersuchungsausschuß wurde zunächst von seinem Parteifreund Leif Blum geleitet, der das Amt jedoch aufgeben mußte, als staatsanwaltlicher Ermittlungen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen ihn ruchbar wurden.Der Untersuchungsausschuss endete damit, daß CDU und FDP alle Vorwürfe als widerlegt behaupteten.

        Und so finden sie dann am Ende doch alle zusammen, die Spezialisten der Parteienfinanzierung, Steuerhinterziehung, Bankenprotektion und Verfassungs-Reformen© im Dienste ihrer Herren. Zeit, die unmoderne Verfassung zu straffen.

        Muß man keinen Zusammenhang vermuten. Wäre auch total weit hergeholt.

        Warum vom Gutem so wenig übrigbleibt? Weil die immergleichen Büttel und Profiteure nie aufhören, mit institutioneller Macht alles im Sinne des Kapitals zu reformieren©. Wie ich schon eingangs sagte: wir sind noch nicht am Ende angelangt.

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        • Vielen dank für die ergänzungen. Ich glaube allerdings auch, daß der kapitalismus keineswegs ausreformiert ist. Wir müssen uns sicherlich noch sehr warm anziehen.

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        • Pantoufle sagt:

          @Mechthild & OldFart & Dirk

          Wer Bücher schreibt, muß damit rechnen, gelesen zu werden. Einige machen daß sogar genau deswegen. Schön, daß Mechthild das bereits getan hat – sollte mich jemals die Lust überkommen, besagte Bücher zu lesen, wurde ich zumindest von kompetenter Stelle gewarnt.
          Wegen Literaturerzeugnissen lebender Politiker bin ich gestern sinnend an meinen Regalen vorbeigegangen. Nichts! Alle tot. Ein Friedhof sozusagen. Jetzt bin ich natürlich am überlegen, ob ich das ändere. »Das heilige römische Reich deutscher Nation unter meiner Führung« von Helmut Kohl sowie »Abenteuer mit einer älteren Dame« von Martin Chulz wären eine Versuchung.

          Mit meiner Zustimmung bezüglich Ludwig Erhards wollte ich natürlich nicht andeuten, daß ich diese Zeiten für humaner hielt. Aber die politischen Biographien waren nachvollziehbarer. Das Modell des Berufspolitikers von der Wiege bis zur Bahre war erst im Entstehen und nicht Einheitsmodell. Die Trennlinie zwischen einem Ludwig Erhard und Willy Brandt ist leicht zu verstehen, die zwischen Stoiber und Chulz praktisch unsichtbar. Sesselfurzer aus irgend einem Großraumbüro.

          Da muß ich mich erst mal einlesen. Im Moment stehe ich vor diesem Thema wie der Ochs vorm Berg. …ach, und die angeblich paranoiden Steuerfahnder tauchen auch wieder auf? Dazu äußere ich mich, wenn ich das alles gelesen habe.
          Obwohl ich mir einbilde, daß mir das irgend ein Leser schon mal aufs Auge gedrückt hat.

          0

        • OldFart sagt:

          “die angeblich paranoiden Steuerfahnder tauchen auch wieder auf?”

          Nur passiv, als prominente frühere Opfer derselben Leute, die sich jetzt mit Verve gegen die Verfassung betätigen.

          “… wenn ich das alles gelesen habe.”

          Das war kein Leseauftrag. Hessen ist nicht der Nabel der Welt.

          Obwohl … das eiternde Geschwür der Bankenhauptstadt Frankfurt mit all der Korruption, mafiöser Finanzjonglage und deren septischer Wirkungsradius bis in die Politik, wo ihre Handlanger alles ausradieren, was den Interessen des Kapitals ungelegen kommt – das können Steuerfahnder sein, oder die Verfassung – da sollte man zumindest den groben Rahmen präsent haben. Ich finde es wichtig, die politischen Sockenpuppen und ihre Geschichten zu kennen. Daß all die Freunde der Verfassungs-“Modernisierung” einschlägige Vorgeschichten und Meriten in der Durchsetzung der Kapitalinteressen haben, vergißt die Presse nämlich geflissentlich zu erwähnen.

          Da werden dann im Kielwasser öffentlichkeitswirksam kommunizierter Änderungen (Abschaffung der Todesstrafe, Recht auf staatliche Infrastruktur) still und leise ganz andere Dinge ins Werk gesetzt. Es gibt über 300 Änderungswünsche der Politik an der Verfassung. Dazu gehört ein überwiegendes Bedürfnis nach Streichung grund-gesetzwidriger Vorschriften. Das ist die bisher geltende Sprachregelung zur Nichtanwendung der Artikel 38-41 & Co.. Einhegung des Kapitalismus ist halt grundgesetzwidrig. Soso, aha.

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      • Dirk sagt:

        Nun lass aber mal die Kirche im Dorf Mechthild, für Dich hat Genossin Wagenknecht die Bücher ganz bestimmt nicht geschrieben. Und ob ihre politischen Ämter tatsächlich so schön sind, möchte ich bei all den Anfeindungen von Gegnern und Freunden inklusive Torte im Gesicht doch arg bezweifeln.

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        • Hihi, Dirk, Du bist lustig!
          Kriege ich nun ein literaturverbot, weil Wagenknechts bücher nicht für mich bestimmt sind? Kann sie zukünftig in die titelei als widmung reinschreiben nicht geschrieben für Mechthild, die an meiner hochwohlgeborenen sicht auf die welt etwas auszusetzen hat!

          Torte ins gesicht ist aus meiner sicht zeug auf kindergartenniveau. Oder eben auf dem niveau der werbeagentur Scholz and Friends.

          Wenn kritik an einer sache zum ausschluß oder schlimmerem führt, sind wir in der Sowjetunion vor 1953. Und das ist das nahezu das letzte, wo ich hinwöllte.

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          • Dirk sagt:

            Du hast mich leider missverstanden Mechthild. Selbstverständlich darfst Du lesen was immer Du willst.
            Meine Aussage war so gemeint, dass die genannten Bücher eher für Menschen mit beschränktem politischem Horizont gedacht sind. Also für diejenigen, die zwar unzufrieden sind, sich jenseits der herrschenden Verhältnisse allerdings keinerlei Alternative mehr vorstellen können, warum auch immer. So gesehen ist es in meinen Augen nicht der schlechteste Ansatz, diese Leute über die Erinnerung an “bessere” Zeiten überhaupt erstmal wieder aufzuschließen für Alternativen.

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          • Pantoufle sagt:

            »(Bücher) für diejenigen, die zwar unzufrieden sind, sich jenseits der herrschenden Verhältnisse allerdings keinerlei Alternative mehr vorstellen können…«

            Ein ziemlich abenteuerliches Argument, wenn ich das mal anmerken darf.

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  7. Pentimento sagt:

    Statt eines Denkmals für Landauer würde ich mir eine ausführliche Dokumentation wünschen, und das nicht nur nach Mitternacht auf arte, sondern gleich nach dem Abendbrot im ZDF

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  8. Pantoufle sagt:

    @Mechthild & OldFart

    Ahalso: Hessische Verfassung und ihre Entstehung. Unterbrecht mich ruhig, wenn ich was falsch sehe.
    Den heroischen Krempel mit »Stunde Null, Befreiung, 12 Jahre Diktatur, Flüchtlingselend, Beschlagnahmung« usw übergehen wir mal.
    Die amerikanische Armee unter General Eisenhower legte Wert darauf, als Sieger zu kommen und nicht als Befreier. Auch wenn es von vielen in der Bevölkerung als Befreiung wahrgenommen wurde, nicht mehr durch die Sirenen aus dem Bett in die Bunker und Unterstände gescheucht zu werden. Befreit wurden in erster Linie die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge (Außenlager Geisenheim/Krupp, Heppenheim/DVA, Bensheim-Hochstätten/Marmorit, Außenlager Frankfurt/Adlerwerke, »unter den Eichen« in Hermeskeil uvm). Der Rest freute sich, daß man durch die US-Armee und nicht von der sowietischen befreit worden war.

    Frankfurt am Main wurde am 29 März 1945 ohne größere Kämpfe eingenommen. Daß man den einrückenden US-Truppen Blumen auf die Panzer geworfen hat, darf wohl ins Reich der Legende verwiesen werden (März!) Eine ebensolche Legende vermute ich hinter der Aussage, die »westlichen Alliierten ließen das zu, weil sie davon überzeugt waren, das kein Mensch Sozialismus wollen würde.« Der in der NS-Zeit unter Polizeiaufsicht gestellte Kommunist Huxhorn berichtet in seinen Lebenserinnerungen davon. Er und einige seiner Genossen zogen am 1.Mai ’45 mit roten Fahnen durch Pfungsstadt, eine Demonstration, die von den Amerikanern nach zwei Stunden aufgelöst wurde.

    »Grundlage aller staatlichen Tätigkeit in Hessen war nach dem zweiten Weltkrieg anfangs allein die Proklamation Nr. 2 des amerikanischen Generals Eisenhower. Sie bestimmte in ihrem Artikel III, dass die durch sie gebildeten Staaten unter Vorbehalt der übergeordneten Machtbefugnis der Militärregierung volle gesetzgebende, richterliche und vollziehende Gewalt haben sollten, soweit deren Ausübung nicht mit früher oder zukünftig getroffenen Maßnahmen des Kontrollrats für Deutschland oder einer von diesem errichteten zentralen deutschen Behörde im Widerspruch stehe.«
    Hessen.de

    Am 19. September 1945 gab der US-Militärgouverneur Dwight D. Eisenhower die Bildung des neuen Landes “Groß-Hessen” bekannt, das im wesentlichen aus dem ursprünglichen Hessen und der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengesetzt war. Zur Hauptstadt wurde das relativ unzerstörte Wiesbaden bestimmt. Dort residierte das »Office of Military Government for Greater Hesse«, geleitet von Oberst James R. Newman.

    Zwischen dem 20. und 27. Januar 1946 fanden – vor allen anderen US-besetzten Gebieten – wieder Wahlen statt. In Kreisen und Städten kam die SPD im Landesdurchschnitt auf 43,2%, die CDU auf 36,9%, die KPD auf 9,3% und die LDP auf 7,3%. Bei der verfassungsgebenden Landesversammlung (30.Juni ’46) mit einer Wahlbeteiligung von 71% siegt die SPD (44,3%) vor der CDU (37,3%), LDP (8,1%) und der KPD (9,7%) .
    Etwa 7% der Wähler durften an der Wahl wegen den in Spruchkammerverfahren als »hauptschuldig« und »belastet« eingestufte nicht teilnehmen, ca. 5% der Stimmen waren ungültig. In den Kreistagen gab es eine 15% Hürde für das Erreichen eines Mandats. Soweit die Zahlen.

    Ministerpräsident der Landesregierung Groß-Hessens war der von der US-Militärregierung (16.Oktober ’45) eingesetzte parteilose Jurist Dr. Karl Geiler. Sämtliche Parteien hatten sich für eine Unterstützung seiner Interims-Regierung ausgesprochen (was blieb ihnen auch übrig). Nach den Kommunalwahlen Juni ’46 aber sah sich die SPD als Wahlsiegerin um das Reis des Amtes des Ministerpräsidenten betrogen und zog ihre Minister aus der Regierung zurück. Erst auf die sehr nachdrückliche Intervention der Amerikaner beendete man diesen Zwergenaufstand, forderte aber den Rücktritt des Kultusministers Franz Böhm (CDU). Böhm ging und Geiler wiederum drohte mit sofortigem Rücktritt, falls sich diese Art von Personalpolitik wiederholen sollte.

    Zunächst aber war es Geilers Aufgabe, den beratenden Landesausschuß einzuberufen. Dieser sollte paritätisch von den wieder- oder neugegründeten Parteien CDU, SPD, KPD und LDP besetzt werden. Gegen die paritätische Besetzung wendete sich unter anderem der Wiesbadener Stadtrat Heinrich Loos. Er und Erich Köhler (Syndicus der Industrie und Handelskammer, CDU) regten eine Mischung zwischen berufständig und parteipolitischer Besetzung der Versammlung an.

    Der beratenden Landesausschuß zur neuen hessischen Verfassung wurde wie vorgesehen paritätisch besetzt. Die CDU zeigte sich letztlich mit einer Sozialisierung von Bergbau-, Eisen-, Stahl- (nicht aber der Chemie-) Industrie einverstanden, die SPD mit der möglichen, aber nie realisierten Bildung einer Zweiten Kammer neben dem Landtag. Am 1. Dezember 1946 fand die Volksabstimmung über Verfassung und (gesondert) des Art. 41 sowie gleichzeitig die erste Landtagswahl in Hessen statt. Die Verfassung wurde mit 76%, der Artikel 41 mit 72% der Stimmen angenommen, wobei eine bemerkenswerte hohe Zahl ungültiger Stimmen (12,8 bzw. 13%) abgegeben wurden.
    Die hessische Landesverfassung orientierte sich konsequent an Forderungen eines Sozialstaates: sie enthält das Recht auf Arbeit, das Streikrecht, erklärt die Aussperrung für rechtswidrig und schreibt den Achtstundentag und einen 12tägigen Mindesturlaub fest.
    Nach der Volksabstimmung über die hessische Verfassung trat der inhaltlich mehr der CDU und FDP zugerechnete Dr. Karl Geiler von seinem Amt zurück. Er, der die Entnazifizierung für das schwerste Unglück der deutschen Demokratie hielt, kehrte an die Universität Heidelberg zurück. Die hessische Verfassung wurde das Werk der Parteien, nicht das des Interims-Ministerpräsidenten.

    »Das heutige Deutschland ist nicht mehr in der Lage, eine privatkapitalistische Profitwirtschaft zu ertragen und Ausbeutungsgewinne, Kapitaldividenden und Grundrenten zu zahlen. Die jetzt noch herrschenden Eigentumsverhältnisse entsprechen nicht mehr den sonstigen gesellschaftlichen Zuständen und Bedürfnissen. Sie sind zu dem schwersten Hemmnis der Erholung und des Fortschritts geworden.
    Der vorhandene private Großbesitz an Produktionsmitteln und das mögliche Sozialprodukt der deutschen Volkswirtschaft müssen den Bedürfnissen aller zugänglich gemacht werden. Der heutige Zustand, bei dem die große Mehrzahl alles verloren hat, eine Minderheit aber reicher geworden ist, muß durch eine gerechte Gesellschaftsordnung überwunden werden.
    Die Sozialdemokratie erstrebt eine sozialistische Wirtschaft durch planmäßige Lenkung und gemeinwirtschaftliche Gestaltung. Entscheidend für Umfang, Richtung und Verteilung der Produktion darf nur das Interesse der Allgemeinheit sein. Die Vermehrung der Produktionsmittel und Verbrauchsgüter ist die Voraussetzung für die lebensnotwendige Eingliederung Deutschlands in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel erfolgt auf verschiedene Weise und in verschiedenen Formen. […]«

    II. Die Sofortmaßnahmen

    Die Sozialisierung hat zu beginnen bei den Bodenschätzen und den Grundstoffindustrien. Alle Betriebe des Bergbaues, der Eisen- und Stahlerzeugung und -bearbeitung bis zum Halbzeug, der größte Teil der chemischen Industrie und die synthetischen Industrien, die Großbetriebe überhaupt, jede Form der Versorgungswirtschaft und alle Teile der verarbeitenden Industrie, die zur Großunternehmung drängen, sind in das Eigentum der Allgemeinheit zu überführen. Die Förderung des Genossenschaftsgedankens, die Lösung betrieblicher Gemeinschaftsaufgaben in Handwerk, Handel und Landwirtschaft, stärkste Unterstützung der Verbrauchergenossenschaft sind nötig. Der gesamte Verkehr, die neu zu gestaltende Geld- und Kreditversorgung und das Versicherungswesen sind Gegenstand sozialistischer Planung.

    Kurt Schumacher, politische Leitsätze der SPD, Mai 1946 (Hannover, glaube ich)

    Deswegen sah die hessische Verfassung wohl so aus wie sie aussieht. Nicht, daß es im geringsten die Frage beantwortet, warum so wenig davon geblieben ist. Obwohl Ludwig Erhard durchaus der Meinung war, daß Deutschland sehr wohl imstande wäre, »eine privatkapitalistische Profitwirtschaft zu ertragen und Ausbeutungsgewinne, Kapitaldividenden und Grundrenten zu zahlen.«
    Mal sehen, wann mir mehr dazu einfällt.

    Edit

    Beide Entscheide wurden von der Mehrheit der Stimmberechtigten angenommen. Die amtlichen Informationen des damaligen Landeswahlleiters zu allen Volksabstimmungen in Hessen wurden vom Server des Landes Hessen gelöscht.
    Erster gewählter Ministerpräsident »Groß-Hessens« wurde Christian Stock (SPD), der einer Koalition aus SPD und CDU bis 1950 vorstand. Über die Gültigkeit der Landtagswahl vom 1. Dezember ’46 und somit auch indirekt über die Legitimität der hessischen Verfassung wurde erst am 23. März 1949 positiv entschieden.

    1+

    • OldFart sagt:

      Schöne Geschichtsstunde. Like! (Ersatzweise so, weil der Button nicht tut, weder aufm Tablet noch aufm PC. Zeigt nen animierten Klick, zählt aber nicht hoch.)

      Huh? Eben gehts.

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      • Pantoufle sagt:

        Mein Fehler! Da hatte ich den falschen Knopf gedrückt.

        Ja, Danke – ich kann nicht anders! Ist son Drang, immer wissen zu wollen, wie es entstanden ist.

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        • OldFart sagt:

          “Da hatte ich den falschen Knopf gedrückt.”

          Wie schwach. Wasn das fürn Kinderkram. Das mindeste, was man da erwarten darf, ist doch eine gepflegte Raketenwarnung.

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        • Pantoufle sagt:

          Ich fand den Knopf erstmal ganz gut

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        • OldFart sagt:

          Mehr KI würde helfen:

          “Arthur hörte ihm einen Moment lang zu, aber da er das meiste von dem, was Ford sagte, nicht verstand, ließ er seine Gedanken wandern und fuhr geistesabwesend mit den Fingern über die Kanten einer ihm unverständlichen Computerreihe, streckte dann die Hand aus und drückte auf einen einladend großen roten Knopf auf einem Schaltpult vor sich. Auf einem Armaturenbrett leuchteten die Worte auf: “Drücken Sie bitte nicht noch einmal auf diesen Knopf”.

          (c) Sirius Kybernetik Corporation

          Man munkelt von der Installation eines Prototyps im Weißen Haus. Wissenschon. My button is bigger and better.

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  9. OldFart sagt:

    Aus frisch aktuellem Anlaß nochmal Steuerfahnder: Der politische Arm der Steuerhinterzieher in NRW ist eindeutig cleverer als die Parteifreunde in Hessen. Dort treibt man das zu erfolgreiche Personal nicht ins psychiatrische Abseits, wo ihre Talente ungenutzt bleiben. Man treibt sie gleich zur dunklen Seite der Macht, wo sie ihre Begabung nutzbringend einsetzen können. Chapeau!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wuppertal-erfolgreiche-steuerfahnder-wechseln-die-seiten-a-1188631.html

    Und morgen wird dann wieder bei Kitas und Schulen gespart, weil kein Geld da ist.

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