Kurz und dreckig 54

Weil auf dem Blog Doctor’s Gedanken WP-Kommentare grundsätzlich im Nirwana landen, hier mein Kommentar zu »Stigmen statt Argumente sind von Übel« an dieser Stelle.

»Und glaube doch bitte keiner, Lederer ginge es um den Kampf gegen Rechts. Lederer handelt im Interesse der Nato-Kriegshetzer, auf deren Linie er die Linke trimmen will.«

Das zum Beispiel ist etwas, was mich innerhalb des linken Diskurses mittlerweile tödlich langweilt. Hätten wir’s nicht vielleicht eine Nummer kleiner? Natürlich gibt es NATO-Kriegshetzer. Und natürlich sehen die solche Harakiri-Aktionen mit Wohlwollen.
Nur hat sich Lederer nicht deretwegen aus dem Fenster gelehnt.

Lederer bedient eine ganz andere Klientel: Die Spektakelschafe und Empöria Berlins. Ein ganz besonderes Publikum. Er machte bereits in der Causa Volksbühne eine äußerst traurige Figur. Genau wie bei dem geplanten Projekt »House of Jazz« von Tim Renner und Till Brönner, das er durch seine Idee eines mystischen »Haus der Basiskulturen« platzen ließ. Der Bundestag hatte bereits 12,5 Millionen Euro ausdrücklich für Brönners Projekt bewilligt, als Lederer dazwischen grätschte. Und das tat er nicht wegen NATO-Kriegshetzern, sondern für mit Talmi behängten Spätgebärende vom Prenzlauer Berg, die dort lieber einen Saal für Freestyle-Meditation sehen wollten.

Letzter Coups des Kultursenators: Er verbot dem Kino Babylon (wohl eher ein Kulturzentrum) am Rosa Luxemburgplatz in Berlin eine öffentliche Preisvergabe der Neue Rheinische Zeitung Online.
Preisträger des »Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik« ist dieses Jahr Schnell- und Lautsprecher Ken Jebsen. Wenn nächtliche Katzenscheiße auf der Schlafzimmerschwelle »umstritten« ist, ist der ehemalige Radiomoderator Jebsen umstritten. Sonst nicht. Aber das ist gar nicht der Punkt.

Es sind die Umstände der Absage, die zu denken geben. Babylon-Chef Timothy Grossman wird die Veranstaltung nicht deswegen abgesagt haben, weil Lederer ein paar empörte Twitter- und Facebooknachrichten veröffentlichte. »Oh mein Gott – wenn ich das vorher gewußt hätte!« war sicher nicht der Grund für Grossmanns Absage. Nein: Das wird eine massive Drohung mit der Streichung von Fördergeldern oder anderen Druckmitteln gewesen sein.

»Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer des Kinos Babylon würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.«

Wegen so einer lauen Ansage setzt man keine Veranstaltung ab. Wohl aber wegen institutionellen Zuwendungen in Höhe von 400.000€ im Jahr 2017. Genau da aber muß die Kritik ansetzen.

In Berlin Spandau in den italienischen Höfen wurde am 26.11. diesen Jahres der Gerhard-Löwenthal-Preis an das rechtsextreme Blatt »Junge Freiheit« verliehen. Im Beisein von Beatrix v. Storch und Martin Hohmann (»Wenn die Deutschen ein Tätervolk seien, dann könne man nach derselben Logik auch “die Juden” als “Tätervolk” bezeichnen.«) Darüber reichte nicht einmal zu einer Twittermeldung – schon gar nicht vom Kultursenator Klaus Lederer.


Ein Skandal? Nein, nicht einmal ein Skandälchen. Aber ein Beispiel, wie sich die Linke als Regierungspartei absolut unglaubwürdig macht. Zensur? Ach gottchen… ja, das auch. Ein wenig jedenfalls. Eher Lokalpolitik, wie man sie in Mühldorf an der Mühle vermuten würde. Der örtliche CSU Stadtrat verbietet eine Aufführung von Wilhelm Tell, weil dort das Wort Tyrannenmord auftaucht. »Nicht in unserer Turnhalle!!! #übimmertreuundredlichkeit«. Das ist in etwa das Niveau von Klaus Lederer, Kultursenator der Bundeshauptstadt Berlin.

Wie sicher aufgefallen ist, brauch man den Begriff »Nato-Kriegshetzer« an keiner Stelle, um den desolaten Zustand der Berliner Kulturpolitik zu beschreiben. »Tiefste Provinz« reicht vollkommen.

P.S. Zitadelle Spandau: 2009 bewilligte die Berliner Kulturverwaltung für eine Ausstellung eine Förderung in Höhe von rund sechs Millionen Euro aus Mitteln des Berliner Kulturinvestitionsprogramms. Das Landesdenkmalamt Berlin führt die Zitadelle und seine Räumlichkeiten in ihrer offiziellen Liste. Also ein geförderter, öffentlicher Raum. Des Kaisers neue Kleider, maßgeschneidert von Klaus Lederer (die Linke).

»Ich bin entsetzt, dass ein Kulturort in Berlin diesem Jahrmarkt rechten Verschwörern und praktizierenden Faschisten eine Bühne bietet. Vom Geschäftsführer der Zitadelle Spandau würde ich mir angesichts dessen die Courage wünschen, zu sagen: Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung.«

Oder in Lederers tatsächliche Worten: »Wer erhebliche öffentliche Mittel erhält, trägt eine besondere Verantwortung dafür, was in seinen Räumen stattfindet und wer dort eine Plattform erhält.«

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23 Kommentare zu Kurz und dreckig 54

  1. Meckerkopp sagt:

    Lederer ist so ein typischer Wessi – nie gearbeitet und nicht hetero…

    1989 war er 15 Jahre alt. Seine Prägung bekam er im Kapitalismus.

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    • Pantoufle sagt:

      Also erst einmal kein einziger nachvollziehbarer Grund, seine Arbeit nicht vernünftig zu machen.Um so bedauerlicher.

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      • Meckerkopp sagt:

        Katja Kipping war 11 Jahre alt. ein kind des Kapitalismus.

        Noch mehr von der “linken Sorte”?

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        • Pantoufle sagt:

          Gelegentlich habe ich das Gefühl, meine Witze werden nicht verstanden.

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          • OldFart sagt:

            Lach-Einspieler vom Band könnten da nachhelfen. Die Schrottpresse braucht dringend ‘ne Tonspur. Du bist doch aus’m Audio-Fach …

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          • Pantoufle sagt:

            Westliche oder östliche Lacher?

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          • OldFart sagt:

            Anfang der 70er gabs den Lachsack. Ungemein mitreißend. Nimm den Sound. So umgehst Du jede Quotendebatte Sachsen/Schwaben, Männer/Frauen, Evangelen/Katholen … andernfalls pinkelt Dir immer wer ans Bein. Die Quotenpolizei schläft nie.

            https://m.youtube.com/watch?v=d6rreFpzSkI

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          • Pantoufle sagt:

            Mein Lieblings-Ami-Production-Manager hatte so einen riesigen Notaus-Schalter auf seinem Tisch. Immer wenn er darauf kloppte, ging das los: »BULLSHIT!… blablabla…«
            Eine gefürchtete Glocke! Das kannst Du mir glauben. Da überlegt man sich dreimal, wie man sich für ein Versäumnis entschuldigt. Oder besser doch gleich die Wahrheit sagt 🙂

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          • OldFart sagt:

            Gefällt mir. Brauch ich.

            https://m.youtube.com/watch?v=MPuli9LlwZA

            Ich will aber die Ausführung mit Steckernetzteil. Batterien würden in meinem Einsatzumfeld nicht lange halten.

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          • Pantoufle sagt:

            Genau der! Wenn Du einen bekommst, bestelle gleich zwei Stück! Ich baue Dir das Steckernetzteil dazu!

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          • OldFart sagt:

            Verständniskalibrierung! Falls DAS ein Scherz war, wäre JETZT die Gelegenheit, das klarzustellen. Der Gadgetlieferant meines Vertrauens hat EXAKT dieses Teil da. Es gibt im Handel unterschiedliche Ausführungen verschiedener Hersteller mit mehr oder weniger überzeugenden Sprüchen.

            Link kannste auch haben, ist aber “Webauftritt mit kommerzieller Nutzung” und da halte ich mich an Dein Impressum.

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          • Pantoufle sagt:

            Absolut kein Witz. Gemeint wie geschrieben!

            Edit:
            Beim Chemtrail-Buster habe ich selber bereits dagegen verstoßen

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  2. Meckerkopp sagt:

    Vielleicht solltest du deine Witze in den überlangen Texten kennzeichnen.

    Es soll Leute geben, die Witze nicht wahrnehmen, weil sie vor lauter Wald keine Bäume sehen …

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  3. Letzter Coups des Kultursenators: Er verbot dem Kino Babylon (wohl eher ein Kulturzentrum) am Rosa Luxemburgplatz in Berlin eine öffentliche Preisvergabe der Neue Rheinische Zeitung Online. … Es sind die Umstände der Absage, die zu denken geben. Babylon-Chef Timothy Grossman wird die Veranstaltung nicht deswegen abgesagt haben, weil Lederer ein paar empörte Twitter- und Facebooknachrichten veröffentlichte. … Nein: Das wird eine massive Drohung mit der Streichung von Fördergeldern oder anderen Druckmitteln gewesen sein.

    Wissen eigentlich alle, daß der Senat zwar das Babylon als kommunales Kino mit 400.000 Euro bezuschusst, nicht aber deren Vermietungsbetrieb? Was auch immer man von Lederer halten mag, aber der hat überhaupt nicht die Macht, dem Babylon die Vermietung an wen auch immer zu verbieten.

    Lederer hat eine Meinung zur Preisverleihung an Jebsen und die hat er geäußert.

    Der Unterschied zu Ihrer und meiner Meinungsäußerung besteht darin, daß Sie und ich keinen Staatssekretär beschäftigen, der unserer Meinung einen Tag später telefonisch noch etwas Nachdruck verleiht. Aber und wie gesagt: der Senat hat genau null Handhabe, dem Babylon eine Vermietung zu verbieten.

    Ich hielte es auch für äußerst unwahrscheinlich, daß der Senat den Etat für das Kino beschneiden würde, hätte Grossmann nicht eingelenkt. Das Babylon vermietet nämlich nicht nur, sondern ist vor allem ein allseits beliebtes und sehr schönes Kino, das herrliche Filme zeigt. Lederer weiß, daß er sich “mit der Streichung von Fördergeldern oder anderen Druckmitteln” mächtig Ärger einhandeln würde, you name it: wir haben hier “Spektakelschafe und Empöria” ^^

    Mir geben weniger “die Umstände der Absage” zu denken als das Geraune von Verbot, Zensur und anderen Druckmitteln.

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  4. Pantoufle sagt:

    Moin Dame

    Schön mal wieder von Dir zu lesen. Nö, wußte ich nicht, das mit dem Vermietungsbetrieb. Egal was ich von ihm halte (nicht so entsetzlich viel), aber wenn der Kultursenator einen seiner Schklaven ans Telephon setzt mit dem Befehl »macht dem Kerl mal etwas Feuer unter dem Hintern«, dann werden die das tun.
    Der Unterschied bei dem bezuschußten Kinobetrieb und der Veranstaltungsebene leuchtet mir ebenfalls nicht ganz ein. Es handelt sich letztlich um die selbe Infrastruktur, und ob dort ein schöner Film vor Plüschsesseln gezeigt wird oder da ein Vortrag stattfindet: Die Heizungsrohre führen zum selben Kessel.

    Was die gesetzliche Handhabe betrifft: Grossmann hat die Veranstaltung abgesagt. Ohne einen Kommentar gegenüber der Presse über die Gründe. Es fällt mir sehr, sehr schwer zu glauben, daß er sich erst Aufgrund der Meinung Lederers umentschlossen hat (Hach Gottchen: Hätte ich das mit dem Jebsen doch schon eher gewußt!) Glaub ich einfach nicht! Kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen!
    Der Berliner Senat ebenfalls nicht. Dort spricht man von einem Telephongespräch mit Grossmann, aufgrund dessen der seine Meinung geändert hat und sich der Lederers angeschlossen hätte. Sie werden sich nicht über die Ausweitung der Grünanlagen oder Bepflanzung von Baumscheiben unterhalten haben.

    Lederer hat gar nicht die Handhabe, Grossmann irgend etwas zu verbieten? Na ja – er hat es aber trotzdem getan. Vielleicht wußte er es ja nicht. Zensur? Dafür hatte ich bereits den Diminutiv verwendet. Aber man ringt ja immer nach den passenden Worten, wenn wieder mal ein Ämter-Missbrauch im Raum steht.
    »anderen Druckmitteln« Vielleicht hat man aus den von Dir genannten Gründen tatsächlich nicht an den Subventionen drehen wollen. Durchaus möglich. Was ich aber wie gesagt vollkommen ausschließe ist, daß Grossmann nicht genau wußte, wen er sich mit Jebsen ins Haus holt. Was also hat ihn zum Bruch bestehender Verträge getrieben? Vielleicht hatte Lederer nicht die juristische Handhabe, wohl aber die Möglichkeit als Politiker, Grossmann den schwarzen Peter zuzuschieben.

    Nein, raunen wollte ich gar nicht so sehr. Das mit der Zensur war auch eher ein Statement zum dem, was in Doctors Artikel stand. Ein Verbot hat es allerdings gegeben, oder wie würdest Du das nennen? Und für mich bleibt da auch immer noch die offene Frage der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises. Die Zitadelle Spandau ist nicht in privater Hand. Die gehört zum Tafelsilber Berlins. Im Gegensatz zum Babylon.

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  5. Und für mich bleibt da auch immer noch die offene Frage der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises.

    Ich weiß nicht, warum sich weder Lederer noch sonstwer (von Vice und von rechten Publikationen abgesehen) zur Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises in der Zitadelle Spandau geäußert hat. Weder Sie noch ich können wissen, ob nicht der Herr Kultur-Staatssekretär auch dort inzwischen einen Anruf getätigt hat, um eine solche oder ähnliche Wiederholung in Zukunft vermeiden zu helfen. Was aber Nicht-Berliner vielleicht nicht wissen: Spandau und Berlin ist nicht deckungsgleich. Spandauer fahren nach Berlin, wenn sie z.B. nach Charlottenburg wollen und für Berliner ist Spandau wie Potsdam o.ä., nur nicht so hübsch – will sagen: Spandau liegt nicht im Zentrum der Berliner Aufmerksamkeit.

    Weder Sie noch ich wissen, welchen Inhalt das Grossmann-Staatssekretär-Telefonat hatte – auf Verbot zu schließen, erscheint mir auch angesichts der sonstigen Vermietungen als Geraune. Warum Grossmann oft an Querfrontler vermietet, fiele ebenfalls unter Spekulation – hier kommt meine: womöglich zahlen die überdurchschnittlich gut.

    Nach meinem Eindruck hat Grossmann keinen Sinneswandel durchlaufen, sondern ist einen diplomatischen Kompromiss eingegangen: um Jebsen herum ist immer Aufregerei aka Jebsens Stil, was Grossmann womöglich unterschätzt hatte und was die allseitige Beliebtheit des Babylon als kommunales Kino beschädigen könnte.

    Für oberschräg hielte ich allerdings, von einem Kultursenator zu erwarten, daß er seine Meinung für sich behält, sie sowieso an der Senatstür abgibt oder sie nur dann äußern und Einfluß nehmen darf, wenn er das gleichmäßig und im Gießkannenprinzip tut.

    Zum ‘House of Jazz’ und zum ‘Haus der Basiskulturen’ mußte ich nochmal nachlesen: es geht um die Alte Münze, die drei mal soviel Platz bietet als für Brönners Projekt nötig wäre, für das der Bund 12,5 Millionen Euro locker machen will. Lederer will in der Alten Münze aber vor allem Arbeits- und Produktionsstätten für die freie Musikszene, was ich angesichts der sonstigen Leuchtturm-Förderung und der Kapitalmehrung mittels unbezahlbarer Mieten richtig und wichtig finde. Über Ihre “mit Talmi behängten Spätgebärenden vom Prenzlauer Berg, die dort lieber einen Saal für Freestyle-Meditation sehen wollten” konnte ich nichts finden, Tip: Talmibehängung finden Sie eher in Lichtenberg oder im Wedding, im Prenzlauer Berg dient Schmuck eher als Wertanlage. Ach so, warn Witz…

    Brönner und Ex-Kultursenator Renner wiederum sind eng verbandelt, Brönner war bei Renners Label Motor Music unter Vertrag.

    Renner legte auch das Dercon-Ei in der Volksbühne – die Umwandlung eines aus Arbeitergroschen errichteten Stadt-, Repertoire- und Ensemble-Theaters mit eigenen Werkstätten in ein “austauschbares, für den globalen Festivalbetrieb produziertes Durchreisetheater“. Überrascht es tatsächlich, daß es dagegen Widerstand gibt und daß der neue Kultursenator andere Schwerpunkte setzt als der alte?

    Entgegen landläufiger Meinung ist Berlin nicht nur beliebte Destination für amüsierwillige Billig-Touristen und bestgehasste Hauptstadt mit Flughafendesaster, sondern auch eine Stadt mit Bürgern, in der Lokalpolitik gemacht wird – gern auch provinzielle, wie man sie in Mühldorf an der Mühle vermuten würde. Der Unterschied: provinzielle Lokalpolitik in Mühldorf an der Mühle führt nicht gleich zu Generalurteilen über die Regierungsfähigkeit der Linken. Die Linken haben sich vor allem im rot-roten Sarrazin-Senat durch bereitwilliges Abnicken der Tafelsilberveräußerungen und der Zersparung Berlins unglaubwürdig gemacht, im Moment regieren die aus meiner Sicht gar nicht mal SO schlecht.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      Die Linken haben sich vor allem im rot-roten Sarrazin-Senat durch bereitwilliges Abnicken der Tafelsilberveräußerungen und der Zersparung Berlins unglaubwürdig gemacht

      aber sowas von! ich kotze immer noch.

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  6. Pantoufle sagt:

    Moin, Dame

    Da hast Du natürlich vollkommen recht: Im Prenzlberg versickert das Geld in HighTech-Kinderwagen und SUVs mit monströsen Fahrradgestellen auf der Kofferraumklappe. (trotzdem war der Satz gut)

    Die Verbindung von Renner und Brönner ist mir bekannt. Da spielt für mich allerdings eine andere Geschichte die Hauptrolle. Es gibt in Deutschland so gut wie keine Förderung des Jazz. Außer einigen Rundfunk-Jazzensembles (die zum Teil überragend sind) findet da wenig Unterstützung statt. Dazu das seit Jahren grassierende Clubsterben, was den Musikern schlicht die Arbeitsplätze kürzt – Jazzmusiker und Lebenskampf in Deutschland ist so oder so ein finsteres Kapitel. Da fand ich die Idee Brönners erst einmal gut und richtig. Genauer gesagt: Überfällig. Wir hatten hier in der nächsten, furchtbar großen Stadt vor Jahrzehnten ein ähnliches Projekt, das leider nach einiger Zeit gegen die Wand gefahren wurde. Aber für die Szene war es hilfreich und wichtig. Als ich zum ersten Mal von dem Projekt aus Berlin las, fand ich das sofort sympathisch. Aus eigener Erfahrung wußte ich, wie sehr man damit Dinge erleichtern kann und Musikern (lies: Einer Szene) wirklich hilft.
    Daher mein Kopfschütteln, als ich über die »Einmischung« Lederers las.

    »[…] um Jebsen herum ist immer Aufregerei aka Jebsens Stil, was Grossmann womöglich unterschätzt hatte«

    Das ist natürlich möglich. Einen Sinneswandel würde ich auf keinen Fall unterstellen – Grossmann hat ja genügend Erfahrung mit dieser Klientel, so daß die Überraschung nicht so groß gewesen sein kann. Auch wenn ich den Link auf »Kentrail-Verschwörung« nicht als Hinweis benutzt hätte. Das ist mal wieder dieser hechelnde Alarmismus, dessen Ton mich an diverse Trolle erinnert, deren Kontrolle des eigenen Stuhlgangs dabei regelmäßig flöten geht.

    Was die Regierungsfähigkeit der Linken in Berlin allgemein und den Kultursenator Lederer im besonderen betrifft, so möchte ich auf das eigentliche Thema meines Beitrags verweisen. Darum ging es dabei nämlich gar nicht. Es ging um »Lederer handelt im Interesse der Nato-Kriegshetzer, auf deren Linie er die Linke trimmen will.« und den gelegentliche Ton linker Diskussionskultur.

    Wenn dabei der Einruck entstanden sein sollte, aus der großen Distanz von meinem winzigen Dorf zu Berlin »wäre das ja genau so provinziell«, ist das richtig beobachtet. »Wir« sind nebenbei SPD regiert und das (auf lokaler Ebene) recht gut.
    Und sowenig Du die Hinterzimmer-Gewohnheiten unsrer Stammtischpolitiker kennst, kenne ich als amüsierwilliger Billigtourist die von Berlin. Das sind Unzulänglichkeiten über das Wissen des Lokal-Kolorits, mit denen wir leben müssen wenn man blogt.

    »Weder Sie noch ich können wissen, ob nicht der Herr Kultur-Staatssekretär auch dort inzwischen einen Anruf getätigt hat, um eine solche oder ähnliche Wiederholung in Zukunft vermeiden zu helfen.«

    Stimmt! Aber unbestritten kam dieser fiktive Anruf dann erst nach und nicht vor der Veranstaltung.

    P.S. Hab gerade den Adventskalender mit Marzipan gesehen, den mein mich liebendes Weib mir hingestellt hat. Man darf immer nur das Türchen aufmachen, dessen Nummer mit dem Datum übereinstimmt.
    Useless!

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    • Lederer positionierte sich aus meiner Sicht weniger gegen Brönner, sondern gegen die punktuelle und Vitamin-B-getränkte Leuchtturmförderungspolitik des Bundes.

      Klein bißchen guten Willen bei allen Beteiligten vorausgesetzt, wäre in der Alten Münze reichlich Platz für beides. Brönner hat 4.000 Quadratmeter für das ‘House of Jazz’ veranschlagt und weder Verwendung noch Plan für die übrigen 14.000 Quadratmeter. Das Gebäude muß ohnehin zunächst saniert werden und auch um die Finanzierung der jährlichen rund 5 Millionen Euro hat sich bis jetzt noch niemand gerissen.

      Laut Berliner Zeitung Ende August 17: “Inzwischen steht zumindest so viel fest: Die Alte Münze bleibt der Kultur erhalten. „Ich kämpfe für die Mittel, die wir dafür brauchen“, versprach Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch. Er sagte auch, welche Nutzung er sich für die Gebäude vorstellen kann. „Ich finde, die Alte Münze sollte einen Musikschwerpunkt haben.“ Die Räume seien dafür besonders geeignet und der Bedarf an Probe- und Auftrittsmöglichkeiten riesig. … Deutlich mehr als 30 Millionen Euro dürfte die Sanierung der Alten Münze kosten. Das entspricht dem gesamten Investitionsetat, den Lederer zur Verfügung hat – bei einem gesamten Sanierungsbedarf der Berliner Kulturstätten von fast einer halben Milliarde Euro.

      Die Kentrail-Verschwörung könnte gelegentlich an ihrem Schreibstil feilen, geschenkt. Deren Recherche ist aber nach meiner Erfahrung immer gut, deswegen hatte ich sie verlinkt. Mit hechelndem Alarmismus haben die keinen Exklusiv-Vertrag, sondern der wird mit dem Jebsen-typischen Style zusammenhängen, der keineswegs nur auf die Kentrail-Verschwörung ansteckend wirkt.
      Können wir uns darauf einigen, daß Alarmismus immer nervt?

      Grüßen Sie bitte Ihr liebendes Weib…;-)…

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      • Pantoufle sagt:

        Darauf können wir uns gerne einigen! Und eine sehr richtige Beobachtung, daß der Stil abfärbt. Ich hatte an anderer Stelle bereits vermutet, daß das u.A. damit zusammenhängt, daß viele Kritiker bsw. Jebsens deswegen in dessen Kielwasser baden, weil sie spekulieren, dadurch ihren Teil an Aufmerksamkeit abzugreifen. Irgend wann ist Original und Fälschung schlecht bis gar nicht voneinander zu unterscheiden.

        Das liebe Weib grüße ich, sobald sie von der Arbeit erscheint. Mir muß noch ein Abendessen einfallen. Ich fahr mal vorbei und bestelle eine Buddel Wein bei ihr. Das beflügelt die Phantasie beim kochen.

        P.S. Ja, ja… man traut sich kaum noch etwas dazu zu sagen. Die neue rheinische Zeitung online :

        »Sie wollen die Verleihung des Kölner Karlspreises für Engagierte Literatur und Publizistik an Ken Jebsen im Berliner Kino Babylon verhindern. Sie haben dessen Betreiber – auch mittels anonymer Drohungen – derart unter Druck gesetzt, dass dieser die Veranstaltung vertragswidrig abgesagt hat. Dagegen ist eine starke Bewegung entstanden. In diesem Zusammenhang findet am 14. Dezember 2017 ab 16 Uhr in Berlin auf dem Rosa-Luxemburg-Platz zwischen Babylon, Volksbühne und der Parteizentrale der LINKEN eine Kundgebung statt.«

        Das ist wohl das, was man als Nährlösung für Trolle bezeichnet. »Dagegen ist eine starke Bewegung entstanden«. Das klingt ein wenig wie »Es gibt nur noch ganz wenige Karten an der Abendkasse!«. Kenn ich, den Schnack!

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