Kurz und dreckig 52 / Update

Der Regisseur Ridley Scott schneidet den Schauspieler Kevin Spacy aus seinem Film »alles Geld der Welt« heraus. Das ist ein famose, wenn auch nicht völlig neue Idee. Als lustig empfindet die Redaktion der Schrottpresse den Zeitpunkt. Passend zu den Feiern der Oktoberrevolution, deren Nachschau zu Zeiten Stalins sich ebenfalls dadurch auszeichneten, daß unliebsame Personen auf Bildern und Postkarten wegretuschiert wurden oder Köpfe dort auftauchten, wo sie niemals gewesen waren.

Na schön: Der Vergleich zieht den rechten Fuß nach. Der Film ist noch nicht in den Kinos oder als Postkarte erschienen.

Die Taktik, einfach immer schneller neue Bullshit-Behauptungen in den Raum zu stellen, um damit die Gegenseite zu überlasten, die mit dem Widerlegen nicht hinterherkommt, kommt ursprünglich aus der Kreationisten-Ecke und heißt Gish Gallop nach einem besonders begabten Anwender dieser Methode, dem “Junge-Erde-Kreationisten” Duane Gish (Junge Erde heißt in dem Kontext, dass er glaubte, die Erde sei 6000 Jahre alt, und das über Bibelzitate “herleitet”).

Mittagessen auf der Esoterikmesse.
»Was hast Du denn da?«
»Ein Kalbsmedallion.«
»Aha… Hm… Und wovor schützt es?«

Man könnte sich auch mal wieder eine Stunde auf Twitter langweilen. Jetzt sogar doppelt so lange.

»Ohne die KPD wäre Hitler nicht an die Macht gekommen!« #Oktoberrevolution #Ernst Thälmann #Erika Steinbach #Es war nicht alles schlecht #Hackfressen.org
Bei leichten Halluzinationen hilft ein Bad mit Bachblütenextrakt, bei schweren eines mit Fön.

Es wird Zeit, daß 2017 zu Ende geht. 2018: 100 Jahre »die KPD erdolcht das siegreiche deutsche Heer von hinten.«
Hashtags werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Hat hier jemand einen FAZ+ Account? Oder zuviel Geld oder beides?
»Präsident Macron ohne Wählerbasis
Selbst Anhänger der ersten Stunde sehen in ihm einen Präsidenten der Reichen.«
Eigenartig: Die Behauptung, er wäre die letzte Bastion der Demokratie, war nicht hinter einer Paywall versteckt. Bekommt Macron Tantiemen?


FAZ und Faktensucher@tagesschau.de haben sich gerichtlich geeinigt, wer auf dem Oktoberfest voller war. Laut einstweiliger Verfügung darf Don Alphonso nicht mehr behaupten, die ARD sei nicht so voll wie letztes Jahr gewesen oder hätte mit Schnaps nachgeholfen oder hätte den Rausch gefaked… ziemlich komplizierte Geschichte, das. Der deutsche Weg: Man zieht vor den Kadi und läßt den entscheiden, was Fake-News sind.

1 (in Worten ein) Jahr Rund 200 Tage mimt Donald Trump den POTUS. Das ist wohl das, was man als Insovenzverschleppung bezeichnet.

Alte, impotente, weiße, heterosexuelle Cis-Männer!

Update

Mit großem Vergnügen lese ich gerade auf »never mind the markets« über historische Investionsblasen. Einige kannte ich, andere nicht. Aber lesenswert sind sie in jedem Fall.

Die Londoner Technologieblase von 1694
Die Mississippi-Blase von 1720
Die South Sea Bubble von 1720
Bitcoin: Eine Blase, wie sie im Lehrbuch steht

Nur über eine Leiche

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (xPD): Bei Toten beim G20 Gipfel wäre er zurückgetreten. Genua 2001 vor Augen, hätten ihm Freunde und Journalisten klargemacht, daß er dann nicht zu halten gewesen wäre. »Ich hätte die Konsequenz ziehen müssen, auch wenn klar gewesen wäre, dass ich nichts falsch gemacht habe«

So aber tritt er nicht zurück. Es muß erst Tote geben. Polizei- und Politikversagen reicht nicht. Blut muß fließen, knüppeldick. Es ist schön, daß ein Politiker das mal in aller Deutlichkeit sagt.

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10 Kommentare zu Kurz und dreckig 52 / Update

  1. Stony sagt:

    «1 (in Worten ein) Jahr Donald Trump als POTUS»

    ☝ Fake news, so sad… ☝ Ein Leser weniger!¡!!

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  2. aquadraht sagt:

    Ohne in den Verdacht auch nur der leisesten Sympathien für Herrn Meyer “Don Alphonso” geraten zu wollen: Wenn sich Loser und Fakenewsproduzenten, egal ob ARD oder Stern, ein absolvierendes Gerichtsurteil holen wollen, ziehen sie vor das buskeistische LG Hamburg, in sicherer Gewissheit, bis zum BGH erstmal Ruhe vor den Fakten zu haben.

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    • Pantoufle sagt:

      Moin aquadraht
      Wohl wahr! Don Alphonso ist da auch gar nicht die Meldung, nur der Name. Man muß aber auch Verständnis für die Wahl der ARD haben. Man brauchte nur vor die Tür zu treten, um sich zu blamieren. Ob dieser Fall noch in eine höhere Instanz kommt… sollte sich der Faktenfinder tatsächlich seine Substanzlosigkeit vor Gericht erstreiten?

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  3. Pentimento sagt:

    Moin Pantoufle,
    nach Mausfeld ist das Wort fakenews doppelt gemoppelt, weil News nie wahr sind. – Ein Traumfoto von der schönen Sofia neben Jane! –
    In London kannte ich einmal einen Händler mit Namen Jonathan Rashleigh Phipps, vielleicht ein Nachkomme des Kapitäns, der das Gold von Amerika nach London brachte, und die erste Blase auslöste?

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    • Pantoufle sagt:

      Moin Pentimento

      Warum hast Du ihn nicht gefragt? Es ist immer wieder ein Erlebnis, einen Briten über seine Vorfahren auszufragen. Man wird feststellen, daß das unabhängig vom sozialen Rang des Befragtem die selbe Art von Geschichten hervorbringt. Eine ständeübergreifende Absprache darüber, daß England doch eine imperiale Macht ist 🙂

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  4. An die Zeiten, als Fotomontagen oder Retuschen noch spektakulär wahrgenommen wurden, als die Fälschbarkeit des fotografischen Bildes allgemein noch nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen wurde, erinnere ich mich gut, beispielsweise, als nach dem Ende des Prager Frühlings der bis dato mächtige Politiker Alexander Dubček aus einem Gruppenfoto mit dem amtierenden Staatspräsidenten Swoboda und anderen Parteigrößen entfernt wurde und man seine Fußspitze vergaß zu retuschieren. Das hatte in seiner Ungeschicklichkeit der Bildfälschung noch etwas von der Arbeit in George Orwells Wahrheitsministerium. Heute kanns jeder Depp mit Photoshop besser. Ich glaube Canon bot als erste ein Programm an, um aus Fotos historischer Orte die Touristen zu entfernen. Inzwischen ist das Netz voll mit solchen Tools und sogar Apps fürs smartphone. Warum nicht auch unliebsam gewordene Schauspieler aus Filmen entfernen? Ist doch sowieso alles Illusion.

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  5. Pantoufle sagt:

    Moin Jules

    »Heute kanns jeder Depp mit Photoshop besser. «

    Na, ich weiß ja nicht…

    Und ich als manischer Analog-Knipser glaube ja nach wie vor an die Magie der Bilder. Es ist etwas, was ich »mit Anstand aus dem Rahmen der Zeit fallen« nenne. Im übrigen ist die Dubček-Montage gar nicht mal so schlecht. Es leidet etwas die Perspektive der Architektur, aber sonst…?
    Es gab mal einen Auftrag Stalins, irgend etwas zu retuschieren, worauf Stalin beim Endprodukt der Schatten fehlte. Der Photograph, ob des Fehlers zur Rede gestellt, verteidigte sich mit den Worten »Große Männer werfen keine Schatten!« Er soll das überlebt haben.

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  6. Mittagessen auf der Esoterikmesse.
    »Was hast Du denn da?«
    »Ein Kalbsmedallion.«
    »Aha… Hm… Und wovor schützt es?«

    Wer hätte das gedacht? Auf meine alten tage werde ich glatt noch esoteriker, denn ich bin davon überzeugt, daß ein kalbsmedallion vor dem sicheren hungertod schützt. Blöd nur, daß man es dauernd neu kaufen muß, damit der schutz erhalten bleibt.

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