Kurz und dreckig 49

breaking News: AFD verbietet Katzenbilder!!!

 

Ab heute gilt es: Das Netzwerkdurchwurschtelungsgesetz, kurz NetzDG. Nie wieder Hetze im Internet dank Lex AFD. Natürlich wird sich Putin© nicht daran halten und so werden sich andere Plattformen als Facebook und Twitter finden, damit das Räuber und Gendarmspiel weitergehen kann. Russlands langer Propaganda-Arm, an dem vorzugsweise eine Presse zappelt, die darauf wartet, daß sich endlich auch nur ein einziger Beweis für ihre ewig gleichlautenden Mutmaßungen findet. »Putin hat AFD gewählt!«

»Und während die Bundesregierung noch hofft, daß demnächst bei Facebook mehr Mitarbeiter bei einem Mindestlohn innerhalb von zehn Sekunden entscheiden, was gelöscht wird, sehen wir neue Trends: Künstliche Intelligenz und Algorithmen werden künftig stärker in die Inhalte-Moderation integriert. Algorithmen regulieren dann unsere Meinungsfreiheit.«

Markus Beckedahl auf SZ.de

NKWD mit Internet? Offenes Netz war gestern.

Aber es sollte es ja kurz und dreckig werden Eigentlich wollte ich anmerken, daß ich gut neun Stunden damit verbracht habe, eine ausgezeichnete Serie von Ken Burns und Lynn Novick über den Vietnamkrieg auf Arte zu sehen.
Beim Glotzen habe ich die ganze Zeit über die AFD nachgedacht. Ein Zusammenhang? Nein, den gibt es wohl nicht. Nur ein flaues Gefühl, als ich die Aufnahmen von Hunderttausende demonstrierenden Menschen mal wieder geballt sah. Nicht nur gegen den Krieg, auch für eine bessere Welt. Schwule, Frauen, Veteranen, Studenten oder einfach nur Menschen, die an die Demokratie glauben wollten. Mir wurde wieder bewußt, wie unendlich weit wir uns davon entfernt haben.
Daniel Ellsberg und seine Pentagon Papiere oder Nixon und Watergate. Der letzte, der seine Lesart der Pentagon-Papiere unters Volk bringen wollte, suchte und bekam Asyl in Russland, ausgerechnet. Watergate ist Alltag geworden, keiner Erwähnung wert, bestenfalls dann für Stunden, wenn sich eine Bundeskanzlerin unter den Zielen befindet. Der Untersuchungsausschuß ist eine Lachnummer – Watergate findet einmal pro Woche statt. Wo genau, erfährt das staunende Publikum von einem debilen US-Präsidenten auf Twitter.
Sie wahren nicht einmal mehr den Schein. Gegenüber Donald Trump war Richard Nixon ein honoriger, bemühter Politiker – sehen wir es, wie es ist!

Sybille Berg schreibt über das Ergebnis der Bundestagswahl »Hurra, Zeit für einen Neustart!

»Das Wahlergebnis der AfD ist ein Geschenk, für das sich die restlichen 87 Prozent im Land bedanken sollten. Endlich ist alles so schrecklich, daß man Politik neu erfinden kann.«

Ich respektiere ihren Optimismus, teile ihn aber nicht. Der Denkfehler beginnt mit der Wertung »endlich ist alles so schrecklich«. Nein, meine Liebe: Schrecklich ist es seit geraumer Zeit und wir haben hat alles vermieden, auch nur die kleinste Konsequenz daraus zu ziehen. Wir haben uns daran gewöhnt.
An so vieles gewöhnt: Die Sattheit, sich für eine Ernährungsgewohnheit entscheiden zu können, den Zugang zu Twitter und Facebook für Demokratie zu halten, jene dadurch zu verteidigen, alle vier Jahre ein »Like« auf den Wahlzettel zu malen. Was fehlt, ist das Wissen, wie man sich unter einer tyrannischen Herrschaft verhalten soll. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, könnten uns einen Teil der Antwort geben. Er lautet in allerletzter Konsequenz tatsächlich Flucht. Für den Teil der Furcht aber, die diesem Entschluß vorausgeht, wählte man hier und anderswo AFD, den Faschismus. Das ist wohl das, was man als falsche Lehren aus der Geschichte bezeichnet.
Wann ist Tyrannei? Wenn die Tofu-Schnitzel alle sind?

Metronaut. Rechtsradikale mit Rechtsradikalismus bekämpfen (Leider viel zu wenig Beiträge dort, aber jedesmal lesenswert!)

Abfall aus der Warenwelt hat schlechte Laune: Die blödeste der Parteien.

»Abseits. – Der Parlamentarismus, das heisst die öffentliche Erlaubnis, zwischen fünf politischen Grundmeinungen wählen zu dürfen, schmeichelt sich bei jenen Vielen ein, welche gerne selbständig und individuell scheinen und für ihre Meinungen kämpfen möchten. Zuletzt aber ist es gleichgültig, ob der Heerde eine Meinung befohlen oder fünf Meinungen gestattet sind. – Wer von den fünf öffentlichen Meinungen abweicht und bei Seite tritt, hat immer die ganze Heerde gegen sich.«

Friedrich Nietzsche, 1882 in seiner Fröhlichen Wissenschaft via Anna Torus

Aber selbst die Anzahl der Meinungen haben sie zusammengestrichen

Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Kommentare zu Kurz und dreckig 49

  1. Die Vietnam-Filme haben im PBS-Original eine Länge von 18 Stunden, wurden also für die arte-Ausstrahlung um die Hälfte gekürzt. Leider ist die Originalversion geogeblockt, denn mich würde brennend interessieren, was man für verzichtbar gehalten hat.

    0

    • DasKleineTeilchen sagt:

      haha. ich wollte tatsächlich genau das gleiche schreiben.

      in der duglotze hatte n vietnamesischer kanal (der dort schon ne weile existierte und sich SAIGON NEW nannte) alle folgen komplett hochgeladen; heute gugge ich und…

      „This account has been terminated due to multiple or severe violations of YouTube’s policy against spam, deceptive practices, and misleading content or other Terms of Service violations.“

      was kompletter BS ist; tatsächlich wars natürlich die dokumentation, texttafel eines der gelöschten videos lässt verkünden: „The Vietnam War Episode 5: …“ This video is no longer available due to a copyright claim by The Vietnam Film Project, LLC.“

      ach mann; scheisse ist das. die videos waren sogar vietnamesisch untertitelt und ohne adds.

      ah, guess what? 60$ amazon. I am sure this is just peanuts for the average vietnamese.

      0

  2. da]v[ax sagt:

    Mir wurde wieder bewußt, wie unendlich weit wir uns davon entfernt haben.

    Original. Aber das glaubt einem IMMER noch keiner. „Wieso? Uns geht’s doch gut?!? In China und Korea, ja DAA werden die Leute zensiert. Hier ist alles supi, hier gibt’s keine Zensur, guck nur, was die ganzen AfD-Spackos offen aussprechen dürfen. Es findet keine Zensur statt“.

    Und so weiter und so weiter. Alle glauben, im BESTEN SYSTEM ALLER ZEITEN aufzuwachsen und ALLES GUT und WACHSTUM und so.

    Pantoufle, ich weiß echt nicht, wieso du und ich die Welt so schwarz sehen. Vielleicht gucken wir zu genau hin? Vielleicht sollten wir auch mal die viel gepriesene 10000ft-view einnehmen, von dort oben aus sieht man den Dreck nämlich gar nicht. Und was man nicht sieht, gibt es bekanntlich auch nicht.

    Oder so.

    Ein einziger Frust, wennde mich fragst.

    1+

    • Pantoufle sagt:

      Genau! Mies geht’s uns! So mies, daß wir mal wieder zusammen saufen sollten. Ich hab gerade ne Tour reinbekommen und bin – wenns denn stimmt – für ein paar Tage bei Dir in der Stadt. So um den 6.11. rum. Nicht 9/11, sondern etwas früher. Gibts den Italiener mit dem Geheimeingang noch?

      Gruuuß!

      0

      • da]v[ax sagt:

        6.11. klingt SUPER. Ja, den Italiener gibts noch. Leider haben sie das Lamm nicht immer 🙁 Ich male mir den Tag direkt mal im Kalender an! Freu ma druff! Bist sogar ein paar Tage hier? Dann lass uns vorher mal telefonieren, ja?

        0

  3. Siewurdengelesen sagt:

    Spielt alles in derselben Liga – ob es jetzt um mehr Überwachen geht oder um das Übernehmen rechter Themen, passend zum Tag der deutschen Einheit wächst schon zusammen, was zusammengehört.

    Was der Metronaut gut beschreibt, schrubte ich bereits ähnlich auf sunflower22 unter ‚Kulturkämpfe‘. Das geschieht jedoch schon viel länger, nur eben nicht so offensichtlich wie im Moment. Man könnte ja ironischerweise z.B. dem sich u.a. auch für den starken Staat aussprechenden Herrn Tillich mal den Slogan „Sorben raus aus Deutschland“ präsentieren. Das findet er sicher saukomisch. Andererseits lassen sie oft nur das heraus, was die ganze Zeit die eigene Denke ist. Nicht umsonst wird speziell in Sachsen von Anfang an das rechte Problem kleingeredet und totgeschwiegen, teilen doch die Behörden selbst oft genug deren Ansichten.
    Am Ende fallen sie aus allen Wolken, wenn sie mit den von ihnen selbst geschaffenen Mitteln wie eben Zensur, Überwachen usw. aus der ‚Demokratie‘ katapultiert werden.

    Wie weit das auseinander klafft, sieht man derzeit an den Berichten über das Unabhängigkeitsvotum in Katalonien und im Vergleich dazu dem G20-Gipfel.
    Da wurde/wird ja wohl in beiden Fällen ein erst einmal friedlicher und berechtigter Protest durch die Staatsgewalt niedergeknüppelt.

    Und Demokratie und hier? Meine bisher demokratischste Zeit habe ich von 89 bis 90 erlebt, dann kam die Einheit und alle Hoffnungen auf etwas wirklich Neues aus sich selbst heraus waren perdu…

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *