Kurz und dreckig 42

Ach, war das ein schönes Wochenende! Tag der offenen Gartenpforte bei Ulrike und wer nun daraus schließt, daß die Redaktion der Schrottpresse in ländlicher Provinz angesiedelt ist, liegt richtig.
Alle bis auf die Esoterische waren da und hunderte von anderen auch. Menschenphotographie mal anders: Nicht nach dem eisernen Dreisatz »zielen, schießen, abhauen!«, sondern kaltlächelnd ins Gesicht und dann stehenbleiben. Es ist doch immer wieder faszinierend, wen die Leute alles für einen Pressephotographen halten. Man braucht sich nicht einmal die Mühe zu machen, teures Nikon-Metall oder Canon-Plastik am Start zu haben – 30 Jahre altes Analog-Eisen tut es auch. »Kommt das alles in die Zeitung?« »Aber sicher, Muttchen! Und zu „buten un binnen“!«

Diesen Morgen ist wieder relative Ruhe eingekehrt bis auf eine bedrohliche Geräuschkulisse: Wie die Helicopter-Attacke bei »apocalypse now« wabert das Geräusch hunderter von Rasenmähern über Feld und Flur. Müssen die heute nicht arbeiten oder haben sie alle ihre Migräne genommen?

Na, erinnert sich noch jemand?

»Wir werden der deutschen Regierung keine Probleme mehr bereiten mit immer neuen Wünschen nach Waffen. […] Wir werden bei Waffendeals nicht starrsinnig sein, wir werden nicht gegen die deutschen Vorbehalte anrennen.«
Vizewirtschaftsminister Mohammed al-Tuwaidschri

Das war beim Besuch der Kanzlerin in Saudi-Arabien im April. Da wußte man offenbar bereits, woher man die benötigten Waffen bekommt. Einen Hundertemilliarden-Waffendeal kann man auch mit einem Vollidioten machen und sei der noch so unzurechnungsfähig. Parlamentarische Kontrolle gegenüber einer Welt, die überschaubar aus gut und böse besteht. Donald Trumps erste Rede im Ausland, die sich auf »wieviel braucht Ihr und wann?« eindampfen ließe. Mehr wollte man in Riad gar nicht hören und Töchterchen Ivanka hätte gerne noch halbnackt einen Pole-Dance zum Besten geben können – es hätte niemand bemerkt. Dieser Waffenhandel hatte bereits genügend Sex.
Dann kann er ja kommen, der Friede in Nahost.

Skandal: Bild von Helmut Schmidt in Wehrmachtuniform aufgetaucht!

Skandal: Bild von Willy Brandt mit roter Fahne im Hintergrund aufgetaucht!

Groß werfen will auch Martin Chulz. Zwischen Skylla und Charybdis: Inhalte für die Sozialdemokratie – jetzt aber schnell! Was seit dem Abgang von Helmut Schmidt als Problem Nummer eins unter den Nägeln der SPD hätte brennen sollen, wird nun in einer Woche erledigt. Hochachtung! Auch wenn’s die rote Fahne nicht sein wird.
Diese Meldung ist so absurd, daß sich jeder Kommentar dazu verbietet. »Der ganz große Wurf!« Sie verteilen Tee-Siebe, um das Wasser aus dem untergegangenen Schiff zu schöpfen.

Na, mal sehen, wie sie sich dieses Mal rausreden! Von der Leyen machte beim Besuch der Kaserne Illkirch beim Jägerbatallion 291 im Elsass deutlich, daß die Wehrmacht historisch rein gar nichts mit der Bundeswehr zu tun hat. „Einzige Ausnahme sind einige herausragende Einzeltaten im Widerstand. Aber sonst hat die Wehrmacht nichts mit der Bundeswehr gemein.

Und hupps wurde die Bundeswehr gegründet! Das nennt man dann wohl »manisch blind auf dem rechten Auge«.

Das Heer der Rasenmäher ist verstummt. Mittachessen! Saudi-Arabien spendet 100 Millionen Dollar an Ivanka Trumps Hilfsfont. Das geht bei einem Waffenhandelsvolumen von ca. 350 Milliarden im Rauschen unter. Aber eine nette Geste ist es doch, die 100 Millionen Provisionsgebühr.

Und die Bundeswehr hatte niemals etwas mit der Wehrmacht zu tun. Sie machen sich nicht einmal die Mühe, den Schein zu wahren.

UpDate

Wenn man denkt, es könnte eigentlich nicht schlimmer kommen, kommt Martin Chulz.

»Bestes Programm seit Willy Brandt«

Das beste Fernsehprogramm. Bestimmt! Das war damals nicht so doll und außerdem schwarz-weiß.*
Das Programm von uns Willy… Ja, mein lieber Chulz: Dafür hat er den Friedensnobelpreis bekommen. So gut war das und gar nicht schwarz-weiß. Aber Du hast ja auch nicht gesagt »so gut wie…«, sondern »seit«. Wie könnte man besser den eigenen Absturz und vollkommene Ideenlosigkeit beschreiben?

»Mehr Demokratie wagen« (alt)
»15.000 neue Polizisten« (neu)

Ach, Chulz! Nimm doch einfach dem Willy seines! Das würde mit ganz geringen Anpassungen wunderbar einschlagen. »Wandel durch Annäherung«. Am besten gleich mit der alten Mannschaft. Also mit der ganz alten!

* Also ich kann mich noch daran erinnern, daß Willy im Fernsehen ein Band durchgeschnitten hat einen Knopf drückte und danach war es bunt. Leider nicht bei uns. Mami und Pappi hatten nur schwarz-weiß und wenn Willy mich persönlich ein einziges Mal tief enttäuscht hat, dann war es bei dieser Gelegenheit. Es wurde einfach nicht farbig.

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9 Kommentare zu Kurz und dreckig 42

  1. GrooveX sagt:

    buten bitte

    [Betrachte es als erledigt. Danke! Der Säzzer]

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  2. OldFart sagt:

    Wg. Chulz:

    „Es geht in dem Programm darum, für mehr Gerechtigkeit in Deutschland zu sorgen, dafür steht die SPD“, sagte Generalsekretärin Katarina Barley

    Ja, nee, is klar. Ich zitiere der Einfachheit halber mal diesen sprachlich gelungenen Blattschuss bzw. aus dessen Kommentaren:

    „Die Genossen haben in ihrer Regierungszeit, mit tatkräftiger grüner Unterstützung, ihrer eigene Wählerschaft vorsätzlich und hinterhältig feixend 1000 hart verdiente Euro aus der Tasche gelogen um ihnen nun, herablassend gönnerhaft und mit großem Spektakel, 50 Euro Falschgeld als Wiedergutmachung in Aussicht zu stellen.“

    Well said, Sir!

    Und das war nur der Teil mit „dem Sozialkram“.

    In Sachen „starker Staat“ sind sie hingegen doch jetzt schon bestens aufgestellt. Überwachung, Repression, Geheimdienste, Staatstrojaner, Zitis, BND-Freibriefermächtigung, you name it, alles mit deren tatkräftiger Mithilfe. Wenn ich nur daran denke, was die gerade akut mit Faktenfindern, der amtlich anerkannten wahren Wahrheit™, der privatisierten Zensur und – ganz frisch – der Suchmaschinen-Anzeigepflicht für die amtlich wahre Wahrheit™ fabrizieren, da hätte ich kaum noch offene Punkte für ein Wahlprogramm gesehen. Aber 15.000 Polizisten zusätzlich, das wirkt jetzt mickerig. Bekommen die wenigstens militärische Langwaffen und Raketenwerfer zur Bekämpfung von Ladendiebstahl? Das muß doch drin sein!

    My, oh, my. Jetzt mal ehrlich: die SPD ist doch schon längst nicht mal mehr satisfaktionsfähig. Ignorieren wir sie!

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  3. Feuj sagt:

    Zum letzten Satz von OldFart nur: JA!
    Und das reicht, nächstes Thema bitte.

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    • OldFart sagt:

      Wir könnten diesem Verein Untoter endlich mal einen Holzpflock durchs blutleere Herz treiben und den fauligen Korpus möglichst tief und geologisch sicher vergraben. Dann wär endlich Ruh. Und ganz im Sinne der Atomsemiotik als Grabmal obendrauf eine universelle und viele tausend Generationen überdauernde und verständliche Warnung hinterlassen. Nicht daß die jemand aus Versehen exhumiert wie die FDP. Die strecken schon wieder ihre grauslige Hand aus dem Grab und machen sich auf, die Lebenden neuerlich zu entsetzen. Der dort eingesparte Holzpflock war ein grober Fehler, der uns nicht nochmal passieren sollte.

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      • Stony sagt:

        Oder wir könnten sie ignorieren…

        [„Rache: Des Willes Widerwille gegen die Zeit und ihr »Es war«. An dieses »Es war« bleibt der Widerwille der Rache gekettet; so wie auch in allem Haß sich die abgründigste Abhängigkeit von dem verbirgt, wovon der Haß sich im Grunde ständig unabhängig machen möchte, was er jedoch nie kann und immer weniger kann, je mehr er haßt.“]

        …mein ja nur.

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  4. DasKleineTeilchen sagt:

    leicht OT: ohne zynisch sein zu wollen; der manchester-attentäter war *selbstverständlich* den behörden bekannt:

    http://www.standard.co.uk/news/uk/manchester-suicide-attacker-was-known-to-security-services-but-not-thought-to-pose-immediate-threat-a3546401.html

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    • Pantoufle sagt:

      Ja, ohne zynisch sein zu wollen… Ich kann mich nicht daran erinnern, wieviele Gigs ich in der Hütte in Manchester gemacht habe. Demnächst wieder Southside. Nein, ich hab keine Angst , es ist immer noch wie Lotto spielen und ich bin nicht der Gewinnertyp. Es wäre mir auch vollkommen gleichgültig, ob der oder die Mörder vorher noch ein krass halal Bier mit irgend einem Geheimdienst gesoffen haben.
      Aber die Kinder. Das waren doch alles Kinder. In Sehwan, in Kabul, Paris, Sanaa, Gao, in Manchester. Ich bin gerade etwas still und vergrabe mich in die Dunkelkammer. Vor ein paar Tagen habe ich einen Film entwickelt und – schau her, schau her – waren da ein paar Bilder vom letzten Jahr drauf, als wir auf Southside so gnadenlos abgesoffen sind.
      Nein, Angst hab ich nicht. Ich bin vermutlich ein wenig zu alt dafür. Aber müde bin ich, sehr müde und sehr mutlos.

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    • Lazarus09 sagt:

      Hey @DkT Hi Leuts…

      Ja auch dazu kann man/ich nix mehr schreiben …was eine verfickte Verarsche, alle waren sie bisher Bullezei bekannt und observiert und AB-WINK !!!!

      Es ist eben Krieg,der Hegemon und die Willigen bomben denen Demokratie™ das bringt Milliarden für die geliebten Reichen & Schönen und in retour gibt’s Refugees und Terror .
      Davon wollen die Latte-Schlürfer aber nichts hören solange es ihnen so gut geht,egal ob in Torie UK oder Merkel Teutschland ..schon die nächste Wahl wird es zeigen.

      Wer hier Sarkasmus oder sonst was finden darf’s behalten .. cheers

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