Kurz und dreckig 39

Warum schon wieder kurz und dreckig? Weil mir nichts einfällt. Im Grunde habe ich keine Lust etwas zu schreiben, zu lesen oder mich mit irgend jemandem zu unterhalten. Tür zu und wenn’s klingelt jemanden vorschicken, der einen in Ruhe lügen soll. Der Horror des Tages: Ich muß noch mal los und eine frische Kiste Bier holen. Unter Menschen! Das letzte, was ich heute haben will. Vielleicht gelingt es mir ja, jemanden anderen zu schicken… wozu hat man Familie?

Dinge, zu denen ich ebenfalls keine Lust habe:
Dachboden weiter ausbauen
Frühstücken
Andere Menschen
Filme entwickeln
Vergaseransaugstutzen von der Yamaha wechseln (Vergaser synchronisieren, Munitionskistenhalterung reparieren, neue Reifen bestellen)
Scheune aufräumen
Menschen
Am Tag der Pressefreiheit Presseerzeugnisse lesen

Zum Beispiel die taz:

»Störrische Stimmenthaltung:Die Mélenchon-Anhänger sind schlechte Verlierer und riskieren aus Frust die Zukunft Europas […] „Weder noch!“ sagen in Frankreich viele enttäuschte Linkswähler aus dem Lager von Jean-Luc Mélenchon. […] …und lehnt aus Prinzip eine solche Wahl in einem kapitalistischen System a priori als Manipulation der Massen ab. Zuerst aber zur Veränderung auf die Wahl setzen, und dann schmollen, weil das Resultat nicht den Hoffnungen entspricht, heißt, schlechte Verlierer zu sein und vor der Entscheidung mit der Faust im Sack die Arena zu verlassen.
Doch eine andere Alternative zu Le Pen an dieser Wahlurne am 7. Mai gibt es nun mal nicht. Vielleicht ein anderes Mal, jetzt aber nicht.«

Die staatsbürgerliche Verpflichtung zum angeblich kleineren Übel. »Ist es die wichtigste Priorität, keine Abstriche an der eigenen Überzeugung und Linie machen zu müssen?« fragt ausgerechnet die Hauspostille der B90/die Grünen-Besserverdiener. Da darf man selbst an Tagen wie diesem schon mal grinsen. Man mag sich nicht nur diesen Artikel gar nicht vorstellen, wenn der »linksradikale« Mélenchon ins Endspiel gekommen wäre!
Nachdem im Qualifikationsrennen um das französische Präsidentenamt eine halbe Stunde nach Endergebnis noch keine Wahlempfehlung Mélenchons für den »gemäßigteren« Kandidaten Macron vorlag, mutmaßte man bereits, daß mindestens die Hälfte der Linkswähler ihre Stimme Le Pen geben würden. Die dubiose Querfront! Ohne Beweis und Anhaltspunkte, aber das sie würden ganz bestimmt.
Nun sagt aber der Schwerkranke, daß er sich zu seiner Genesung weder die Pest noch die Cholera wünscht. Daß er damit auf den Unwillen der Pharmaindustrie trifft, war zu erwarten. Diese fürchtet um den Absatz des bewährten Schmerzmittels »Kleinübelnacotriapan© Forte«.
Die Suche nach einem Schuldigen des unaufhaltsamen Aufstiegs des Faschismus ist in vollem Gange. Sollte Le Pen die Wahl am Wochenende nicht gewinnen, so wird man dieses Rückzugsgefecht als strahlenden Sieg der Demokratie verkaufen. Wenn nicht, sind ein paar Schuldige bereits ausgemacht. Hat man Mélenchon nicht dabei ertappt, eine Plastiktüte in die grüne Tonne geworfen zu haben?

»Bitte nehmt zu diesem Fehltritt Stellung, um den Schaden zumindest im Ansatz zu beheben.«
Zu spät! David Schraven und Georg Kontekakis Stefan Laurin von Correctiv.org haben sich bereits um Kopf und Kragen gesudelt – da ist nichts mehr zu retten.

»Wir nehmen Kritik ernst. Schließlich machen auch wir Fehler und freuen uns, wenn Menschen sich kritisch mit unserer Arbeit auseinandersetzen. Dass wir den Artikel auf Social Media zunächst als „Sexskandal“ bezeichnet haben, war missverständlich. Das hätte ich besser machen können. Wenn das Wort jemanden stört, möchte ich mich dafür entschuldigen.«

Das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum ermittelt: Als Abgeordnete im Landtag verdient man mehr als eine Teilzeit-Hure. Auch und gerade wenn man für die AFD kandidiert. »CORRECTIV liegen unter anderem Screenshots der Selbstvorstellung von ███████████████ als eine Art Nebenerwerbsprostituierte…«
Ein Sexskandal, auch wenn sich der eine oder andere an dieser Bezeichnung stören mag. »Das ist nicht missverständlich!«, bemerkte Kai Diekmann, der mit gezogenem Hut hinter den beiden stand, als sie mit hochrotem Kopf ihren Artikel zusammenschmierten. »Morgen ist Tag der Pressefreiheit! Frei von Geschmack und Anstand.« Lachend verließ der ehemalige Bild-Chef die Redaktion des Correctiv.

»Darüber hinaus gehen wir innovative Wege, wenn wir große Geschichten im Internet veröffentlichen. […] Der Großteil des Etats von correctiv.org fließt direkt in aufwändige und investigative Recherchen, die sich viele Medien heute kaum noch leisten wollen oder können.«

Screenshots.

Übermedien zum Thema

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Noch mal kurz zu Frankreichs Präsidentenwahl. Wie auf Telepolis gerade erschienen ist, gab es eine Umfrage, »an der sich mit 243.000 mehr als die Hälfte der eingeschriebenen Mitglieder beteiligt haben. Davon haben sich nicht einmal 35% dafür ausgesprochen, Emmanuel Macron als Kröte gegenüber der rechtsradikalen Marine Le Pen zu schlucken. Sogar deutlich mehr Befragte sprachen sich mit über 36% dafür aus, einen leeren oder ungültigen Wahlzettel abzugeben. Fast 30% halten es für angesagt, gar nicht zur Wahl zu gehen.«
Einmal noch Le Pen verhindern – als wäre das ein Beweis für irgend etwas. Einmal noch Norbert Hofer verhindern, einmal noch Erdoğan, Orbán, Trump und die anderen in der Warteschlange.

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11 Kommentare zu Kurz und dreckig 39

  1. Publicviewer sagt:

    Ich wähle “Die Partei” allein schon wegen der Realsatire… 😉

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    • Pantoufle sagt:

      Ich ja auch! Aber selbst diese Partei muß sich an ihren Taten messen lassen! Die Mauer steht immer noch nicht wieder!!einelfzig!!

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      • Publicviewer sagt:

        Das müssen die Etablierten aber auch…
        Was wäre denn, wenn die ganzen Frustrierten anstatt der “AFD” “Die Partei” wählen würden? 😉

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      • RuePoe sagt:

        Auch hat Sonneborn versprochen jeden Monat einen anderen ins europäische Parlament zu lassen. Ich hatte mir gewünscht auch mal europäische Kohle abzuziehen, einen Monat lang.

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  2. Pjotr56 sagt:

    Wo wohnste, ich bring dir die Kiste Bier, oder 2? Aber schreib bitte weiter, so du rettest du mir den Tag.

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  3. Grantlfant sagt:

    Der Grantlfant ist für den kommenden Faschismus vorbereitet und hat den Klassiker “Mein Kampf” generalüberholt. Mit der “Sortierten Edition” zieht auch endlich Ordnung in den Kauderwelsch ein!
    http://www.grantlfant.de/buchveroeffentlichung-mein-kampf/

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  4. flurdab sagt:

    Ich scheine viel mehr Personen zu sein, als ich jemals dachte.
    Geil, ich habe nun sogar eine Familie und zusätzliche viele Motorräder. Cool.
    Vor allem kümmert sich ein mir unbekanntes Es darum. Mega- Cool.
    Wir bleiben dran.

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