Kurz und dreckig 38

Ein schönes, nahrhaftes und lüsternes Beltane wünscht die Redaktion der Schrottpresse allen Lesern. Die große Vereinigung.

Natürlich kann ein jeder auch, so er denn Arbeiter ist, hinaus auf die Straße, die Fahne umklammert und mit dem Ruf auf den Lippen »Wir sind nicht Burka! Und werden dem Saudi  keine deutschen Panzer mehr verkaufen.«

»Wir haben sehr strikte Richtlinien für den Export von Waffen. Das hat in der Vergangenheit durchaus zum Teil zu Situationen geführt, in denen Saudi-Arabien unsere Motive nicht immer verstanden hat.«
Angela Merkel

»Wir werden der deutschen Regierung keine Probleme mehr bereiten mit immer neuen Wünschen nach Waffen. […] Wir werden bei Waffendeals nicht starrsinnig sein, wir werden nicht gegen die deutschen Vorbehalte anrennen.«
Vizewirtschaftsminister Mohammed al-Tuwaidschri

Das muß wohl Ergebnis eines der angekündigten Machtworte der Kanzlerin gewesen sein. Nur: In welcher Reihenfolge kamen diese Zitate tatsächlich? Natürlich in umgekehrter als der dargestellten. Was soll man auch schon großartig antworten, wenn einem durch die Blume gesagt wird: »Wir können überall für einen besseren Preis jede Waffe in besserer Qualität kaufen als ausgerechnet in Deutschland!«
Orientalische Höflichkeit. Da war sie wieder.

Als kleines Bonbon läßt die Kanzlerin daraufhin folgende Formulierung bei Tagesschau.de veröffentlichen:

»Saudi-Arabien hat eine junge Bevölkerung, die auf den Reformprozess setzt. Deutschland wolle das unterstützen, meint Merkel. Auch zum Beispiel bei der Ausbildung von saudischen Polizistinnen und Militärangehörigen – auch in Deutschland.«

Wenn schon keine Panzer, dann vielleicht Wasserwerfer? Ein bewährtes Mittel gegen Reformen.

Daß Constantin Seibt zusammen mit anderen ein Crowdfounding-Projekt für seine eigene Klitsche »Republik« aufmacht, dürfte sich herumgesprochen haben. Und das läßt sich bislang sehr gut an, das Geld ist jedenfalls mehr als zusammen.
Über das wie und warum schreibt Seibt einiges zusammen, was der lieben Konkurrenz offenbar nicht schmeckt und die keift nun zurück. Ein bißchen spitz und pampig ist sie ja schon, die Neue Züricher Zeitung. Und Texte so ganz verstehen und interpretieren ist ihre Sache auch nicht. Allein das macht es lesenswert, auch wenn man bei der NZZ einen Riesenbogen um das eigentliche Problem macht.
Es wird Zeit für die Republik.

Ein schönes, nahrhaftes und lüsternes Beltane wünscht die Redaktion der Schrottpresse allen Lesern…
Na gut: Fast allen!

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3 Kommentare zu Kurz und dreckig 38

  1. Den NZZ-Artikel finde ich erstaunlich unsouverän – ohne Not einen Schuh angezogen, der dann wohl irgendwie schon passen wird. Ich hatte Republik eigentlich als Qualitätsoffensive gegen die Roger Köppels dieser Erde verstanden. Peinlich, NZZ, ayayay.

    Beste Wünsche zurück!

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  2. Pantoufle sagt:

    Moin, Dame von Welt

    Nicht wahr? Dabei hätte das die alte Tante überhaupt nicht nötig gehabt. »Die Rebellen der „Republik“ und ihre Werbelüge«. Allein diese Überschrift! Selbst wenn man zugunsten der NZZ annimmt, daß sie lediglich hormonellen Ursprungs ist: Da hätte noch irgend etwas kommen müssen, der komplette Artikel ist inhaltlich so schmalspurig, daß einem schwindelig wird.

    Kennst Du zufällig diesen Artikel hier? Bis auf ein äußerst fragwürdiges Apostroph sehr schön. Hätte auch von der NZZ kommen können.

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    • Ja, sehr schöner Artikel (den Inhalt könnte man auch auf das Spannungsfeld Erwerbsarbeit/Arbeit vs zu wenige und zu wenig anständige Arbeitsplätze in Zeiten der Automati- und Globalisierung erweitern) Achachach, das Thema digitale Gesellschaft/Medien ist schon so oft und in aller Tiefe, Höhe und Breite diskutiert und das Journalismus-Geldproblem wäre so einfach zu lösen: statt GEZ eine Kulturabgabe, fertig. Dann könnte ich mir endlich einen eigenen Kiosk zusammenstellen, in dem ich einzelne Journalisten und Zusammenschlüsse abonniere – mein Leben wäre schöner, denn ich müßte nicht soviel Meinungsmist und Clickbait lesen, um halbwegs informiert zu sein.

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