Kurz und dreckig 35

Scheißwetter! Die Batterie von Teilchenbeschleuniger dreht den Motor exakt 1½ Umdrehungen. Dann ist sie eigentlich leer. Zum Glück schnorchelt sich irgend ein Zylinder genügend Sprit und irgend eine Zündkerze blinkt lahm, aber das reicht dann zum Glück und der Motor dreht von sich aus weiter. Der Straßenzustand ist sehr mäßig, die Sonne kommt auch nicht raus; keine Gründe, einen Meter mehr als unbedingt nötig zu fahren.
Jetzt sitze ich wieder im Warmen, höre die Blockflötenversion von Aha’s »Take on me« und lese „Reich heiraten – So angeln Sie sich einen Millionär, bzw. eine Millionärin«. Dazu gibt es Currywurst mit Pommes, die wahrscheinlich schlechteste der Welt zur vermutlich lausigsten Website der Welt. (Beide Links unbedingt zusammen genießen!)
»Reiche Menschen sind auch nur Menschen. Sie haben nur mehr Geld!« Wer ahnte das nicht insgeheim? Bei dieser Seite bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob das ein Hoax oder ernst gemeint ist. Man müßte sich das angepriesene E-Book kaufen, dann wüßte man es vermutlich. Allerdings ist mir der Preis der Gewißheit mit 99€ deutlich zu hoch angesetzt.
Was wäre ein lahmer Sonnabend ohne den Postillion?

Nicht ganz so kurz, ab um so dreckiger. Mir ist in den letzten Tagen mit großem Erschrecken eines klargeworden. Nämlich daß ich über das Netz mit Menschen bekannt bin, die, vorausgesetzt sie würden entsprechende Dinge über mich erfahren, nicht eine Sekunde zögern würden, mit diesem Wissen meine bürgerliche Existenz, die von Frau und Kindern restlos zu vernichten. Die würden im wahrsten Sinne nicht eine Sekunde überlegen. Teils, weil ihnen die Natur die Gabe von Überlegungen nicht gegönnt hat, andere, weil sie irgend einer wirren Idee folgen und wieder andere, weil es gerade nichts vernünftiges im Fernsehen gibt. Ein Grund findet sich immer.

Das ist natürlich keine revolutionäre Erkenntnis; jedem, der sich als Blogger oder in ähnlicher Weise im Netz exponiert, läuft Gefahr, daß das passiert. Nennt es naiv oder schlicht blöde, aber die Schwelle der Erkenntnis kann durchaus zwei Stufen haben. Und so klar vor Augen hatte ich es nicht.
Nun gab es da vor Jahren mal einen rechtsradikalen schweizer Blogger, der mit erheblicher krimineller Energie genau das bei verschiedenen Leuten versucht hat. Dem hatte eine gnädige Natur zum Glück eine unüberwindliche Hürde in den Weg gestellt, die bis zum heutigen Tage keinerlei Beschädigungen aufweist. Ich fand’s komisch.  Aber das muß ja nicht so bleiben. Es könnte der Tag kommen, an den man an jemanden gerät, der sein Kaugummi ohne fremde Hilfe aus dem Automaten bekommt. Es hätte eine Warnung sein müssen und man hätte es nicht vergessen sollen.

Der eine oder andere wird sicher die Geschichte mit dem Kiezneurotiker und Kiezschreiber mitbekommen haben – wer sie noch nicht kennt, frage die Wissenden. Ich wollte dabei der Annika, die sich da höchst erfolgreich eingemischt hat, meine allergrößte Hochachtung ausdrücken. Sie hat da etwas sehr bemerkenswert kluges und wichtiges getan. Der Schaden den es zu verhindern galt, war nicht so endgültig wie der von mir beschriebene. Darum geht es aber auch gar nicht. Sei er viel oder auch nur ein wenig geringer: Er berührte die Integrität all derjenigen, die da mit Engagement und Verve bloggen. Auch die derjenigen, die »nur« kommentieren. Er hat etwas mit einem Grundvertrauen in dem Augenblick zu tun, wo wir öffentlich werden. Wo wir beginnen zu schreiben, seien es Gedichte, ein Tagebuch, über Politik oder die beste Freundin/Freund. So paradox das klingt, aber natürlich tut man das – und sei es noch so öffentlich – in einer Art angenommener, erweiterter Privatsphäre. Man erwartet im Grunde ja nichts anderes als vergleichbare Anstandsregeln wie auch auf der Straße, einem Café oder beim Bäcker. Einer Art Anstand, der im Internet eigentlich schon vor langer Zeit unter die Räder geraten ist. Aber nicht in diesem Falle, nicht mit den sehr geschätzten Kollegen Matthias und Steve und darüber bin ich sehr froh.

Es war Annika, die mit ein paar Sätzen gesagt hat, wo der Hammer hängt. Meine aufrichtige Hochachtung dem Kiezneurotiker, der das verstanden und konsequent umgesetzt hat. Das hätten nur sehr wenige getan.

Ja, das wollte ich sagen. Und auch, daß es mir ein klein wenig das Vertrauen in eine gewisse Anständigkeit zurückgibt, das ich schon verloren hatte.

Ja, das war’s auch schon.

P.S. Wem die Blockflöte so gut gefallen hat wie mir: Da gibts noch von Shakira – Whenever Wherever

Update via fefe. Linke machen das nicht? Die hier schon.

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19 Kommentare zu Kurz und dreckig 35

  1. Tilla sagt:

    Weia.
    Wir sollten, dringend!, mal wieder einen Rotwein trinken.

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    • Pantoufle sagt:

      Das sollten wir dringend dringend. Langsam bin ich auch nicht mehr so verschnupft und heiser. Außerdem sind meine FP4/135 alle und Ihr habt zu! Ich weiß das, weil ich vor verschlossener Türe stand! Doppelt verschnupft!
      Na ja… das Wetter ist ja auch eher nach gepushtem Tri-X, aber die sind auch alle.

      Ansonsten nix weia. Man sollte nur nicht vergessen daß es so ist, sich aber nicht nervös machen lassen.

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  2. Der Duderich sagt:

    Da haben sich bei zwei Bloggern die Hörner ineinander verkeilt. Kommt vor. Ich lese den rotzigen Stil vom Kiezneurotiker gerne, aber da wurde es eben ein bisschen zu persönlich. Hat er wohl nicht böse gemeint, aber ich wäre auch angepisst gewesen.
    Ich habe einen frotzeligen Kommentar bei Feynsinn in Richtung Matthias hinterlassen und eine sehr reflektierte Antwort darauf bekommen. Respekt, dafür!
    Na, und der Kiezneurotiker? Ist halt ein augenzwinkernder Misantroph, der nicht immer ganz ernst genommen werden will, aber manchmal über das Ziel hinausschießt. Seine Beschreibung von Obdachlosen und Abgehängten löst bei mir z.B. auch öfter auch mal Schnappatmung aus. Meint er nicht so. Will nur spielen.
    In einer Kneipe wäre das ganze eh nicht so eskaliert, da man Ironie und Frotzelei meistens im Gesicht ablesen kann. Ein „Du Arschloch!“ über den Bierglasrand hinweggenuschelt kommt halt ganz anders an, als gelesen. Der Kontext fehlt ganz einfach.
    Ich denke, die beiden mögen sich und sind halt ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Passiert. Ich habe auch schon die Contenance verloren. Gerade bei Charlie schwillt mir immer noch regelmäßig der Kamm. Mein Fehler und mein Mangel an Souveränität. Wobei der meiner Meinung nach eine ganz andere Nummer ist und ab und zu in seine Schranken verwiesen gehört.
    Der ist wie ein junger, ungezogener Hund der gerne mal Beine fickt. Kann man nicht durchgehen lasssen.

    Apropos:
    Der rechtsradikale schweizer Blogger firmiert mittlerweile unter dem harmlosen Namen ‚Andre‘.
    Du weißt das sicherlich, aber Andere sollten gewarnt sein.
    Kommt als Kommentator natürlich erst mal harmlos daher, um dann später sein Querfrontgequatsche loszuwerden. Der Drecksack hat auch schon meinen Klarnamen gepostet.

    Wie auch immer.
    Ich denke, die beiden vertragen sich wieder – und haben beide daraus gelernt.
    Die Welt dreht sich weiter, die Reichen werden reicher und die Armen ärmer.
    Und die Rechten halten zusammen, und die Linken sind zerstritten.
    Naturgesetze, halt.

    Muss jetzt mal nen Kaffee trinken, sonst komm ich noch schlecht drauf, bei dem Wetter.

    Liebe Grüße
    Dude

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    • Pantoufle sagt:

      Ob man eine Site mag oder nicht… ach gottchen! Man muß sie ja nicht lesen, wenn’s einem nicht gefällt. Pro-Tip: Einfach die nächste im Browser öffnen. Und wenn das aus bestimmten Gründen nicht geht: Bei leichten Depressionen hilft ein Bad mit ätherischen Ölen, bei schweren ein Bad mit Fön.

      Jetzt ist erst mal wieder Ruhe, auch wenn es eine trügerische ist. Das soll mir für diesen Sonntag reichen.

      Gruß zurück

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      • Neue Woche, neues Glück, neue Themen.

        Steckt Putin hinter dem Kälteterror?

        Wie schlägt sich das Team Gina Lisa im Dschungelcamp?

        Erreicht mit Sigmar Gabriel jetzt der Fachkräftemangel auch den Bundestagswahlkampf?

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        • Pantoufle sagt:

          {Den Trick kenne ich schon: Erst mit Top-Themen die Leser angeln, die dann vor einer unbezahlbaren Kiezschreiber-Plus-Schranke stehen. Oh wie ich den diesen Kapitalismus hasse!}

          Moin Matthias
          Das klingt ja wieder mal hochspannend! Wo nimmst Du nur immer diese Themen her, wer sind Deine Informanten und was kostet es pro Tag, so einen Apparat am laufen zu halten? Hatte Flatter nicht einen enthüllenden Bericht über das Dschungelcamp angekündigt, bei dem die Bikinifetzen gnadenlos von den Masken gerissen werden? Na, da mußt wohl erst Du kommen, damit daraus was wird.

          Besonders freue ich mich auch schon auf die Enthüllung der einzigen Person in der BRD-GmbH, die den Fachkräftemangel im Bundestag noch nicht mitbekommen hat. Wer ist es? Ein Dschungelkämpfer der SS, der von ’45 bis letzte Woche versteckt auf den Höhen von Smolensk im Schützenloch auf den Endsieg wartete? Oder auf Führers Stützpunkt am Südpol Neuschwabenland? Welche Überraschungen hält der Klimawandel noch bereit?

          Ich sehe: Es bleibt spannend!

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      • Der Duderich sagt:

        Erst darüber kolportieren, und dann ‚Ach Gottchen‘?
        Na ja, egal.
        Bin gerade in einem Streit mit Flatter – man hat ja sonst nichts zu tun.
        Außerdem habe ich weder einen Fön noch eine Badewanne.

        Druff geschissen.

        LG
        Dude

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        • Pantoufle sagt:

          Öhhh? Könnte es sein, daß Du gerade zwei Themen miteinander verwechselst? Vielleicht ätherisches Öl?
          Lies nochmal und versuche es in einen anderen Zusammenhang zu bekommen. Ich bin sicher, das ist dann der Richtige.

          Tip: Das Gesagte gilt für alle Beteiligten.

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  3. Pingback: Friede den Hütten und andere Wünsche | kreuzberg süd-ost

  4. @ Pantoufle

    Ich arbeite viel mit dem Instrument des Leser-Reporters. Diese Leute liefern mir aus purer Geltungssucht kostenloses Material. Außerdem treffe ich den Chef von RTL immer in Bilderberg oder Davos, da bekomme ich ganz exklusives Material zum Dschungelcamp. Falls du dich als Leser-Reporter an meinem extrem finsteren Medienimperium beteiligen möchtest, kannst du Kiezschreiber Plus zum halben Preis bekommen.

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  5. Pantoufle sagt:

    @Eberling

    {Das muß mein Glückstag sein! Erst hat Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer Kuchen mitgebracht, dann hat mir Tante Tilly einen geblasen und jetzt meine Yacht, mein Pferd, mein Borgwardt}

    Matthias, alter Kumpel und Kollege! Du und ich wissen doch: Es gibt Verlierer und es gibt Gewinner. Wer verliert schon gerne? Ich hab krass Taschenlampe auch für die finstersten Imperien und ich habe was Du brauchst.

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  6. tikerscherk sagt:

    Die Blockflötenmusik! Es lohnt sich, den Links bei Dir zu folgen.

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