Kurz und dreckig 28

Pantoufle hat Knie und kann nicht so recht sitzen. Stehen auch nicht und schon gar nicht laufen. Liegen geht so einigermaßen, solange es nicht länger als drei Minuten in der selben Position ist. Schweben ist ganz o.k. oder sich von der Strömung in der Badewanne ein paar hundert Meter treiben lassen. Aber auch das nur, wenn die Sonne etwas scheint und genau daran hakt es. Männer können soo wehleidig sein!
Sommerpause.

Noch vor der Sommerpause wollte die Hauptstaatsanwaltschaft den Fall »Artemis« in trockene Tücher bringen. Immerhin 900 Beamte hatten im April den Berliner Großraumpuff auseinandergenommen und verhaftet, wen immer sie zum verhaften vorfanden. Menschenhandel, Steuerhinterziehung und vor allem Verbindungen zu den Hells Angels – das sollte ja wohl eigentlich reichen, dachte man. Am 30. Juni wurde nun auch die letzte Hure unbehelligt aus der Untersuchungshaft entlassen, lediglich der Betreiber des Bordells sitzt noch in Haft. Als letzter verbleibender Tatvorwurf bleibt angebliche Steuerhinterziehung. Nicht, daß überhaupt keine Steuern bezahlt worden wären: 4.164.680€ waren es in den letzten 10 Jahren, einem Zeitraum, in dem im »Artemis« 40 Kontrollen stattfanden, bei denen ca. 1000 Frauen überprüft wurden. Ohne jede Beanstandung. Auch alle anderen angeblichen Verfehlungen lösten sich in Rauch auf.

Das Finanzamt Berlin-Charlottenburg wiederum macht sich nun höchst fortschrittliche Gedanken um das horizontale Gewerbe. Man hätte eigentlich lieber ca. 18.000.000€, weil die Gewerbetreibenden angeblich wie Angestellte behandelt und eingeteilt gewesen seien.
Daß das Zollamt – Abteilung Schwarzarbeit – diesen Tatbestand bei seinen Kontrollen nicht festgestellt hat, ist eine Seite der Medaille, eine andere die völlig vernünftige Feststellung, Huren mit Kranken- und Sozialversicherungen zu versehen.
Dann müßte man auch nicht jedes Mal wieder die Hells Angles wie das Krokodil beim Kasperletheater aus der Mottenkiste ziehen

Ein LKW biegt links ab, ein entgegenkommendes Fahrzeug mit Autopilot hält den hellen Trailer für den Himmel und steuert den Sportwagen des Herstellers Tesla unter den Anhänger hindurch, um sich dann einen Laternenpfahl zum Stoppen zu suchen. Der Fahrer, der dabei ums Leben kommt, wird nun nie wissen, wie der Harry-Potter- Film ausging, den er sich während des Unfalls ansah.

Für den besonderen Fahrkomfort bietet Tesla die »smart air Luftfederung« für einen Aufpreis von 2.800€ an, für den selben Betrag bekommt der Kunde »Ultra High Fidelity Sound«. Zwei nach hinten gerichtete Kindersitze im Font des Fahrzeugs (Prenzlauer Berg: Aufgepasst!) kosten 3.300€. Das ist nicht nur unendlicher Spaß für die lieben Kleinen, sondern auch die größtmögliche Entfernung zwischen Brut und Erzeuger im Stau: Das sollte einem dieses Angebot schon wert sein!
Der Autopilot kostet 2.800€. Das sind 500€ weniger als die zusätzlichen Kindersitze. Der Intelligenzquotient des Zusatzpaketes ist allerdings durchaus vergleichbar: Dumm wie eine Klospülung.
Apropos KI. Sollte die App zufällig einen Fußgänger auf dem Schirm haben: Fährt sie dann das Fahrzeug gegen eine Wand (so gerade vorhanden)? Oder schätzt sie vorher das Alter des Passanten? Oder dessen Hautfarbe und Religion?

»Bahnhof könnte 3,5 Milliarden mehr kosten.« Euro übrigens. Man merkt sich vorzugsweise die letzte genannte Zahl. Die andere lautet 10 Milliarden. Das kostet das Projekt Stuttgart21 dann insgesamt. Aber 3,5 Milliarden klingt erst einmal etwas freundlicher, genau wie »könnte« und die Vermeidung des Wortes »mindestens«.
»Zu den Projektpartnern gehören neben Bahn und Land auch die Stadt und die Region Stuttgart sowie der Landesflughafen.«
Partner: Um wieviel positiver klingt das verglichen mit »Leidtragende«! Oder Mittätern, je nach Standpunkt.
Kuhpresse

Wenn das der Führer wüßte! Gestern war es Nigel Farage und nun die AFD. Nur weil einer dieser rechtsradikalen Patienten laut den Holocaust leugnet, muß man doch nicht gleich die ganze Fraktion in Stuttgart auflösen. Da gibt es doch genügend Teppiche, unter die man das kehren kann! (Siehe Stuttgart21)
Wenden wir den Blick doch lieber in die Zukunft! Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende und Bundespräsidentschaftskandidat Albrecht Glaser:

»Wenn Sie den Koran gelesen haben, fragen Sie sich: Wo ist denn da die Religion? Das sind die Anweisungen eines Feldherren.«

Es gäbe »den Versuch so zu tun, als gäbe es zwei Arten von Muslimen, Muslime und Islamisten, das gibt es aber nicht.«

»Das Grundgesetz ist inkompatibel mit dem elementaren Rechtsverständnis jedes Islams – gleich welcher Schule«

»Also, diese bekannte Frage, ist der Gemüsehändler von nebenan ein liebenswerter Kerl? Und dann wird man vielleicht sagen: „Jawohl, das ist er“. Was er aber denkt, was er in der Moschee macht, und was er macht, wenn die Zahlen der Islamis in Deutschland so sind, daß sie eine Macht sind, ist eine ganz andere Frage.«

Holocaust leugnen! Das ist doch Schnee von gestern. Frauke Petry: Übernehmen Sie! (Oder besser Gauland? Oder Lutz Bachmann?)

Heise Online, immer wieder eine Achterbahn der Assoziationen! Die Sofort GmbH jubelt: Nach Einschätzung des Bundeskartellamtes behindert die Herausgabe von PIN und TAN an Dritte die innovativen Dienstleistungen anderer. Onlinebanking mal ganz anders: Es gibt kein Sicherheitsproblem, nur eine Behinderung auf dem wachsenden Markt für Bezahlverfahren im Internethandel.
Es gibt natürlich auch Menschen, die sich einen RFID-Chip unter die Haut operieren lassen, damit sie bargeldlos die Disko betreten können. Oder Online-Banking mit dem Telephon Smartphone veranstalten.

85 Millionen Geräte von HummingBad-Maleware befallen. Davon 50% Android 4.4 und 40% Android 4.1 – 4.3 auf Smartphones und Tablets.

»In erster Linie mißbrauchen die Kriminellen kompromittierte Smartphones für Werbe-Klickbetrug; damit generieren sie monatliche Einnahmen von rund 300.000 US-Dollar, erläutern die Sicherheitsforscher. HummingBad soll aber auch Apps installieren und infizierte Geräte zu einem Botnetz zusammenschließen können.«

Nur eine Wischgeste entfernt von der Tesla-App, die das Einparken in Parkhäusern erleichtert.
Da volksverschlüsselt man doch lieber. Am besten (bzw. ausschließlich) mit dem Internet-Explorer und Outlook. Vorausgesetzt natürlich, man ist bei der Telekom und hat einen elektronischen Personalausweis – wo bliebe sonst die Anonymität?
64% der deutschen Internetbenutzer verschlüsseln nicht, weil sie sich damit nicht auskennen. Deswegen benutzen sie den Internetexplorer, Outlook, sind bei der Telekom und haben einen totsicheren elektronischen Personalausweis.
Wer sich so eine Bankrotterklärung auf die Fahne schreibt? Natürlich die deutsche Telekom zusammen mit dem Frauenhofer-Institut. Volksverschlüsselung21: Versionen für IOS, Linux, HipsterOS und Android sind vermutlich in Kürze lieferbar, genau wie der Sourcecode.

Soll ich weitermachen? Nein, besser noch etwas auf die Couch. Ach ja, und was die Doktorsche ist, so hat sie gestern wieder ihr Wunder am Knie vollbracht – es ist schon viel besser. Außerdem gibt’s vom CCC-Schweiz eine Verschlüsselung, die auch auf handelsüblichem Equipment funktioniert.

Wie sexy waren eigentlich Wählscheiben!

Nachtrag

Bitterböse Briefe, bitterböse! Na gut: Eine E-Mail… Der Link zu pretty easy privacy sei bereits zwei Jahre alt – Verfallsdatum siehe Deckelprägung!

Hier also etwas aktueller.

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16 Kommentare zu Kurz und dreckig 28

  1. Thelonious sagt:

    Ach komm pantoufle. Mein Nachbar hält Herrn Meuthen für einen “honorigen Mann”. Schließlich ist der Akademiker. Mein Einwand, dass der Gedeon aber auch einen Dr. habe, wird weggewischt. “Der ist nur Mediziner”.
    Ich möchte ja nicht, dass zum schlechten Knie auch schlechte Laune hinzukommt, aber was dieser Gedeon absondert, kannst du hier lesen. Aber vergiss nicht einen Aluhut aufzusetzen:
    https://correctiv.org/recherchen/stories/2016/07/05/afd-antisemitismus-hoecke-lobt-gedeon-schrift/

    Und zu S21: Ich sehe die Millionen bereits vor meinem geistigen Auge in meine Tasche wandeln. Die Bratwurst-Lizenz am innerstädtischen Baggersee ist Gold wert. Obwohl das Gewerbeamt und die Stadtverwaltung bisher meine Anfragen noch nicht beantwortet haben.

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  2. pantoufle sagt:

    Moin Thelonious
    So stellst Du Dir also Deinen Altersruhesitz vor! Katastrophentourismus! Dann solltest Du wenigstens darüber nachdenken, Dein Sortiment um ein paar Postkarten mit den passenden Sinnsprüchen zu erweitern:
    https://edelfeda.files.wordpress.com/2016/07/s21c.png
    Jetzt wollte ich gerade noch eines mit einem Demonstrationsopfer und dem Satz »sehenden Auges in die Pleite«, aber das ist selbst mir etwas zu makaber.

    Oder eine Tauchschule! Wie wäre das? »Finden Sie die versenkten Milliarden«

    Welchen nehme ich denn heute? Den vom Kasper oder den napoleonförmigen? Aluhüte sammeln ist ja meine geheime Leidenschaft.

    »Hätte sich damals ein demokratisches Deutschland in gleicher Weise zu einer politischen und wirtschaftlichen Großmacht entwickelt wie das nationalsozialistische: Man hätte außenpolitisch und militärisch nicht anders gehandelt, als man es im Fall Hitler-Deutschlands getan hat«
    Alle Geschichtsbücher bitte noch mal neu schreiben. Am besten gleich mit Reichsflugscheiben und Vrill-Antrieben. Wer ist dieser Gedeon eigentlich?

    »Zu meiner Person: Ursprünglich bin ich Arzt, Dr. med., Facharzt für Allgemeinmedizin; habe 34 Jahre in diesem Beruf gearbeitet […] und auch in Funk und Fernsehen mehrfach präsent.
    Mein zweites Standbein ist die Philosophie, mit der ich mich von frühster Jugend an intensiv beschäftige. Die Quintessenz dieser Philosophie habe ich in dem dreibändigen Werk „Christlich-europäische Leitkultur“ (Gesamtumfang ca. 1800 Seiten) niedergeschrieben. Um das tun zu können, habe ich 2006 meine ärztliche Tätigkeit aufgegeben und bin von Gelsenkirchen in die Bodensee-Region gezogen. 2009 wurde die Trilogie unter dem Namen „W.G. Meister“ herausgegeben – kein Pseudonym, wie manche meinen: Mein bürgerlicher Name stand von Anfang an deutlich lesbar auf dem Buchdeckel. Vielmehr knüpft der Name an die Dialog-Form des Buches an, in der ein Meister sich den kritischen Fragen seiner Schülerin stellt. Darüber hinaus bedeutet der Name, daß ich diese Trilogie als mein persönliches Meisterwerk betrachte.
    «

    Meister isser also! Dann war der Alu-Hut vom Kasper ja genau richtig. Ne richtiger Schriftsteller! Und dann auch noch Philosophie mit zum nachdenken!
    Google, google… Leseprobe hier und dort: Hoffentlich konnte er besser doktorn als schreiben, sonst hatte er noch andere Gründe, den Wohnsitz zu wechseln.

    Dagegen ist der Schmerz im Knie durchaus erträglich. Außerdem fühle ich mich langsam umzingelt von honorigen Männern: Farage, Schäuble, Gauland, Camoron, Seehofer…

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    • Ich habe mich ja vor einigen Jahren von Berlin nach Schweppenhausen zurückgezogen, um eine dreibändige “Geschichte des Alkohols” zu schreiben. Mein Pseudonym: W.G. Säufer.

      Meine Leitartikel zum Brexit erscheinen unter P.M. Kamerun.

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  3. pantoufle sagt:

    Moin @all
    Warum mache ich das eigentlich? Mehr als zwei Stunden habe ich nun damit verbracht, irgend etwas über das Meisterwerk Gedeons herauszubekommen. Daß ich mir die drei Schinken (zus. 1800 Seiten!) auch noch kaufe, wird hoffentlich niemand von mir verlangen. Bei Amazon rangiert es unter einem oberen fünfstelligen Ranking und auch Kunden wollten das nicht rezensieren.
    Etwas mehr bei Endstation rechts und Haligali, wenn auch weniger unter dem Aspekt von Literaturkritik.

    Mich hat ja seine Selbstdarstellung (die von seiner Homepage stammt) interessiert. Die erinnerte mich irgendwie an:

    »Mit diesem Buch möchte das erfahrene Channel-Medium Silvia Kost, bekannt von Astro TV, die Herrlichkeit der Geistigen Welt für die Leser des Buches erkennen lassen. Ihr Ziel und das der Geistigen Welt ist, die Menschen in ihr wahrhaftiges Potential zu bringen, damit sie im Alltag selbstverantwortlich und unabhängig leben, lieben und arbeiten können.«

    Ein Rechts-Esoteriker, irgend einer dieser Wirrköpfe, deren Bücher niemand liest, da die angesprochene Zielgruppe leichter Verdauliches von Kopp oder Landser-Heftchen bevorzugt.

    Verstehen kann ich die Aufregung ohnehin nicht: Da werden diese Rechtsradikalen in den Landtag gewählt und anschließend stellt man entsetzt fest, daß es sich um Rechtsradikale handelt.
    Sein Meisterwerk hat der Meister bereits 2009 abgeliefert. Das war… laßt mich kurz nachrechnen… 2016 – 2009 = kniffelig! Irgendwie kommt das jetzt ein klein wenig spät.

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  4. Thelonious sagt:

    Die Verkehrung der Wirklichkeit ist schon eine merkwürdige Sache. Nicht nur, dass mein Nachbar Herrn Meuthen für ehrenwert hält, in dem Fußballforum das ich regelmäßig besuche werden er und die AfD von den Anhängern jetzt auch noch zum Antifaschisten stilisiert. Schließlich hat er sich von Gedeon distanziert und damit gezeigt, dass die AfD gar keine faschistische Partei sein kann. So funktioniert ihre Logik. Dass etwa die Hälfte der Landtagsfraktion diesen halbseidenen Doktor unterstützt – geschenkt.

    So beruhigen die meisten ihr schlechtes Gewissen. Denn das haben sie. Viele haben früher SPD gewählt. Manche sogar die Linke. Bezeichne sie als Rassisten oder Nationalisten, dann ist die Empörung groß. So sehen sie sich nicht. Sie hätten schließlich nichts gegen die Flüchtenden an sich, sondern es gehe um Terror, bezahlbare Wohnungen, die Sozialsysteme.

    Und da kommt ihnen der Meuthen jetzt gerade recht. „Seht ihr“, so sagen sie, „die AfD ist keine faschistische Partei. Die bezieht ganz klar Stellung.“

    Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es lustig.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Thelonious

      Ja, das ist wohl so. Würde man die Wähler der AFD befragen – als Bekannte und ohne drohendes Mikrophon -, würden wohl nur die wenigsten Antisemitismus oder Rassismus als explizite Gründe angeben. Auch eines dieser Fälle, wo Vergleiche mit der Weimarer Republik hinken: Es existiert durchaus eine allgemeine Angst vor Radikalisierung. Einen starken (auch reaktionären) Staat ja, aber nicht unbedingt brennende Asylantenheime. Ängstlich schaut man sich um, ob man nicht allein auf weiter Flur steht und mit gewisser Erleichterung werden die immer radikaleren Standpunkte von Politikern etablierter Parteien zu Kenntnis genommen. »Sieh da – wir sind gar nicht allein!« Ein unheilvoller Kreis der Populisten und derjenigen, die sie damit bestätigen, indem sie versuchen, ihnen rechts außen das Wasser abzugraben.

      Es ist doch so, daß durch Aufnahme solchen Gedankengutes durch Seehofer, Joachim Herrmann, Scheuer, Höfer und andere dieses absurde Programm der AFD erst als diskussionswürdig geadelt wurde. Das ist der eigentliche Erfolg dieser Bewegung, nicht die Stimmen derjenigen, die woanders keinen freien Platz auf dem Wahlzettel fanden. Da versagt die Demokratie der Anstand nicht vom Boden, sondern von der Spitze.

      Nein, die wollen keine Faschisten sein – die wollen ganz honorig und seriös am Stammtisch politisieren. Während der Reichspogromnacht 1938 stand der überwiegende Teil auch mehr oder weniger schweigend und durchaus ablehnend dabei. Das reichte zwar nicht für nennenswerte Beispiele für Zivilcourage, aber aktiv mittun wollte man eben auch nicht.
      Und das ist damals wie heute nicht zum Lachen.

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      • GrooveX sagt:

        wenn man zur reichspogromnacht vor ort recherchiert, kommt man durchaus auch zu anderen schlüssen; sensationsgier gepaart mit jahrelang eingebläuten antisemitischen phrasen, die sich nicht wesentlich von vielen heutigen islamkritischen unterschieden, eine ziemlich beschissene, brisante mischung.

        ein link: aumunder synagoge & reichspogromnacht

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        • pantoufle sagt:

          Moin GrooveX
          Wenn man vor Ort recherchiert… Ja, haben wir damals mal gemacht, Uni Braunschweig, neue Geschichte, Jahrzehnte her. Man muß auch nicht lange suchen, um Täter zu finden.
          Ich hab mich eigentlich schon nach zwei Minuten geärgert, daß ich den Vergleich verwendet habe, dachte mir dann aber, »lass mal stehen – vielleicht liest es keiner«.

          Doch, die Situation unterscheidet sich fundamental von der der späten dreißiger Jahre. Nur mal so in den Raum geworfen: In der Weimarer Republik gab es eine weitgehende Emanzipation des jüdischen Lebens im Alltag, ab 1933 gehörte Judenhass sozusagen zur Staatsdoktrin. Ganz unabhängig davon, daß Verfolgung und Diskriminierung vor einem vollkommen anderen gesellschaftlichen Hintergrund stattfand, mit einer bereits Jahrhunderte alten Tradition. Das ist ein gewaltiger Unterschied zur Situation 2016.

          Das heißt nicht, daß es da keine Berührungspunkt gäbe. Nur eben keine, die man historisch ableiten bzw. vergleichen könnte.
          Das Beispiel 2016 – 1938 ist ein psychologischer, kein historischer Vergleich.

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  5. GrooveX sagt:

    ja scheißebach, keine chance, ich les dich regelmäßig.

    😉

    das thema lässt sich in einem blog so nebenher nicht gut abhandeln, das ist mir klar. mir ging es auch mehr um den einen satz “Während der Reichspogromnacht 1938 stand der überwiegende Teil auch mehr oder weniger schweigend und durchaus ablehnend dabei”, den ich so nicht kommentarlos stehen lassen wollte, angesichts der brandstiftungen und gezielten ermordungen, die wir hier in letzter zeit erleben.

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  6. R@iner sagt:

    Von Pegida an die Front ist für manche nur ein kurzer Weg: Dutch Pegida leader and expelled German deputy hunt migrants on Bulgaria border

    Es gibt schon widerliche Menschen.

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  7. Stony sagt:

    OT: Hier, weil: find den Thread nicht mehr, ein lesenswerter Nachruf von Georg Seeßlen auf Pedersoli.

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