Kurz und dreckig 37

»Um die Eliten in Frankreich zu erreichen, setzt die russische Führung auf Think Tanks. […] „Der Kreml hat die Mittel, um mittelfristig weiter die öffentliche Meinung in Frankreich zu beeinflussen.«

Das Trollkommando Rollkommando im Einsatz gegen unbequeme Nachrichten. Die Faktenchecker. Flatter hat darüber schon alles nennenswerte gesagt; soweit, so schlecht, auch wenn ich mich seiner Wertung »…der Jagd nach angeblichen „Fake News“ die letzte Stufe erreicht« nicht anschließen mag. Da ist durchaus noch Luft nach unten.

Ein Vorstoß in neue, vollkommen faktenfreie Höhen erklimmt Silvia Stöber im aktuellen Faktenchecker der Tagesschau: »Keine Kampagne, aber eine Strategie«.
Die Angst des deutschen Qualitätsjournalismus vor einer Einflußnahme Putins in den französischen Wahlkampf muß beängstigend groß sein.

»Die Sorgen waren groß, dass Russland Einfluss auf den Wahlkampf in Frankreich nehmen würde. Doch angekündigte Enthüllungen blieben bislang aus. Sichtbar ist jedoch eine langfristige Strategie.«

Welche Enthüllungen? Die über den untadeligen und charakterstarken François Fillon?
1.) Dessen Ehefrau mittels Scheinbeschäftigung in seinem Amtsbereich eine knappe Million Euro verdiente
2.) … und ihre hochdotierte Scheintätigkeit beim »The Journal of both worlds«?
3.) Desgleichen die Kinder, deren juristischer Rat noch vor ihrer Vereidigung als Anwälte unschätzbar hoch bezahlt waren?
4.) Fillons gesetzeswidrige Zweitbeschäftigung als Unternehmensberater
5.) Veruntreuung öffentlicher Gelder zwischen 2003 und 2014
6+) und diverse andere Vergehen, wie sie bei konservativen Politikern zum guten Ton gehören.

Witterte man hinter diesen Enthüllungen die helfende Hand aus Moskau, bestehend aus dem goldene Dreigestirn Julian Assange, Putin und »Cybercrime«? Oder die Rache einer Frau? Wikileaks präsentierte 1138 Dokumente über Le Pen und 3630 über Fillon.

»Aus Sorge vor Manipulationen entschied die französische Regierung, daß im Ausland lebende Franzosen ihre Stimme bei der Parlamentswahl im Juni, anders als geplant, nicht online abgeben können. Bei einer Präsidentschaftswahl gab es diese Möglichkeit aber bisher ohnehin nicht.«

Daß sich der Mann immer noch auf freiem Fuß befindet und sogar als Präsidentschaftskandidat agiert – dahinter allerdings kann man durchaus eine Strategie sehen. Nur leider nicht die Russlands.

Sind Sie aufgeschlossen, teamfähig und kritisch? Kommen Sie zu uns und werden Sie Fakenfinder!

»Die russische Zeitung „Iswestija“ kündigte an, Wikileaks-Gründer Julian Assange werde „Öl in das Feuer der Präsidentschaftskampagne“ schütten. Er besitze Mails von Hillary Clinton mit interessanten Informationen über den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron.«

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Nicht die Zeitung Iswestija kündigte an, sondern Julian Assange in einem Interview mit dem Blatt. Das klingt zwar entfernt ähnlich, ist es aber nicht. Es ist mehr als fraglich, ob Assange einem westeuropäischen Magazin etwas anderes gesagt hätte. Es hat ihn nur niemand gefragt. Wer wollte, konnte es ohnehin auf Wikileaks nachlesen. Überhaupt finden sich dort Dokumente über praktisch alle Präsidentschaftskandidaten außer über den »linksradikalen Jean Luc Mélenchon«.

»Über eine russische Einflussnahme habe es bislang mehr Mutmaßungen als greifbare Anzeichen gegeben, sagt der Journalist Benoît Vitkine von der Zeitung „Le Monde“. „Es gibt keine sichtbaren und zielgerichteten Handlungen.“«

»Andererseits werde die Frage der politischen Einflussnahme durch den Kreml intensiv debattiert und Hinweisen darauf in Frankreich, in der EU und in den USA nachgegangen, wo es dazu ja Ermittlungen gebe.«

Fakten, Fakten, Fakten!

Ein schönes Wochenende an alle Leser!

Ach, Moment! Einen hab ich noch!
Türkei: So wurde das Referendum manipuliert:

Bei Telepolis steht’s dann noch etwas ausführlicher.

Kleiner Nachtrag:

Laurent Jofrin, Chefredakteur der Libération, schreibt in der Taz den Artikel, der eigentlich im Faktenfinder der Tagesschau hätte stehen müssen. Womit sich die pubertäre russische Verschwörungstheorie ohnehin erledigt hätte. Frankreich braucht Putin nicht, um an dieser Wahl zu verzweifeln.

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18 Kommentare zu Kurz und dreckig 37

  1. OldFart sagt:

    Auf der desperaten Suche nach einer positiven Sicht auf die hier und bei Flatter geschilderte „Fakten“-Lage bin ich hier angekommen:

    Vielleicht ist das hirnzerfressend absurde Theater der Nomenklatura zur Durchsetzung von Narrativ und Definitionsmacht nur der Ausdruck von aggressiv-insistierendem Beharren auf etwas, das ihnen immer weniger abgekauft wird und damit entgleitet – was sie vielleicht sogar merken, aber nicht akzeptieren wollen. Mit-dem-Fuß-aufstampfen für Erwachsene. Das kindhafte „Ich will, ich will, ich will“ für Große. Wenn dem so wäre, könnte man Hoffnung haben.

  2. Pjotr56 sagt:

    @OldFart
    Eine gewisse Nervostität derjenigen, die sich für die Elite (incl. ihrer Helfershelfer) halten, ist unverkennbar und sicher noch steigerungsfähig.
    Ich halte den Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld: „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ im vorgenannten Sinn für sehr aufschlussreich und kreativitätsfördernd:
    https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack

    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. (Papst Gregor der Große wiederentdeckt von Georg Schramm)

    @Pantoufle
    Herzlichen Dank für die kurze und dreckige sowie hervorragende Analyse! Immer wieder ein Vergnügen bei dir zu lesen.

  3. Pantoufle sagt:

    Moin OldFart & Pjotr56

    In der Redaktion der Schrottpresse stößt dieses neue Sendeformat des Qualitätsjournalismus ohnehin auf ein gewisses Unverständnis. Ist es nicht grundsätzlich journalistische Arbeit, Fakten zu sammeln, zu analysieren und in einen Zusammenhang zu bringen, wahres von falschem zu trennen und eine Meinung zu vertreten? Warum also nun »Jetzt neu, aber nun richtig«? Was haben sie denn vorher getreiben?
    Es hat eine denunziatorische Komponente, die bei dieser Faktenfinderei zelebriert wird. Gute Fakten, schlechte Fakten: Das Format an sich stellt gegenüber der Beweislage als Schiedsstelle dar, die es nach journalistischen Standards gar nicht haben dürfte. Es unterbindet in seiner Absolutheit die notwendige Diskussion, verbietet sie quasi, da von Charakter und Ausdruck ja bereits ein Schlußstrich gezogen wurde.

    Es heißt ausdrücklich nicht »Wir stellen zu Diskussion« oder »Titel, Thesen, Temperamente«. Damit kommt man zur eigentlichen Crux, an dem der Journalismus – und nicht nur in diesem unseligen Format – leidet: Es redet kein ernstzunehmender Mensch mehr mit ihnen. Die Intelligenzija hat sich vollständig aus der öffentlichen Diskussion verabschiedet und stehen als Leuchttürme nicht weiter zur Verfügung. Also redet man mangels Masse mit sich selbst und das ist leider in zunehmendem Maße entlarvend. Ich würde erst einmal gar keine böse (politische) Absicht unterstellen, sondern die reine Verzweiflung. R@iner kam neulich mit einem – mit dem! – Interview zwischen Rudi Dutschke und Günter Gauss an: Unabhängig von der Frage, ob es irgendwo noch einen Dutschke oder einen Gauss gibt – es gibt diese Art der Meinungsbildung nicht mehr, nicht diese Formate! Und schon gar nicht das öffentliche Gespräch auf diesem Niveau.

    Weder Anne Will noch Vorträge wie der von Pjotr56 zitierte Vortrag von Mausfeld können ein Ersatz dafür sein. Nicht der Versuch, die immer gleichen hungrigen Hyänen mit umgebundenen Mikrophonen in einen Käfig zu sperren, noch die auf Youtube breitgetretenen Monologe sind ein Ersatz dafür, worum es dabei geht. Hin- und hergerissen zwischen Infotainment und neuzeitlicher Zwangsbeglückung kommt eben eines nicht dabei heraus: Ernsthafte Erkenntnis. Bei Anne Will geschieht das mit Absicht, bei Monologen ist es systemimmanent. Der »Faktenfinder« der Tagesschau: Eine Kampagne, aber ohne Strategie.

    Soweit dazu. Was den Mausfeld betrifft (was ich bereits kannte – nicht, daß das irgend etwas zur Sache tut: Nur zum Angeben!), so gilt das Gesagte. Ich bin in großen Teilen mit ihm einer Meinung, aber was fehlt ist ein gleichwertiger Diskussionspartner. Meinungsbildung ist ein schwerfälliges Ding, bei der man auf die Widersprüche gelegentlich aufmerksam gemacht werden muss und dabei kann ein Günter Gauss durchaus hilfreich sein. Eine Moderatorin, die sich fünf Minuten vor der Sendung kurz durchliest, um was es grundsätzlich geht, nicht.

    • Pjotr56 sagt:

      G. Gauss, so fürchte ich, würde es heute, weil nicht quotenträchtig, gar nicht mehr ins ö-r Programm schaffen.
      Roger Willemsen – aber der ist ja auch schon tot.
      Vielleicht fände sich bei IPPNW ein gleichwertiger Diskussionspartner für Mausfeld?

      Oder, Matthias Burchardt, der Verfasser dieses Textes:
      March for Science – Dead Men Walking
      Nach dem dem Pulse of Europe Spektakel eine weitere Choreographie politischer Verlogenheit: der March for Science!
      https://www.rubikon.news/artikel/march-for-science-dead-men-walking

      So, jetzt muss ich aber Mélenchon weiter die Daumen drücken.

      • Pantoufle sagt:

        Moin Pjotr56

        Ich will ja nicht an allem herumkritisieren, aber…

        Daß dem guten Mann (Matthias Burchardt) der Kragen platzt, kann ich durchaus verstehen. Da gibt’s es allerdings zwei Dinge, die ich dabei nicht verstehe.

        Wieso platzt der ihm genau an dem Tag als der March of Science stattfindet und nicht schon geraume Zeit vorher? Die von ihm kritisierten Dinge liegen zum Teil Jahre zurück und er tut so, als hätte sich – ohne jetzt ins Detail zu gehen – niemals universitärer Widerspruch dagegen gerührt. Das stimmt so einfach nicht, sei aber entschuldigt, weil »Kragen platzen« von Natur aus ungerecht ist und gelegentlich auch sein darf.

        Zweitens: Ob es sich um den »letzten akademischen Totentanz« handelt, wird sich zeigen. Nun sind sie auf die Straße gegangen, spät, aber in großer Zahl und mit medialer Aufmerksamkeit. Ihnen zum Vorwurf zu machen, daß sie es nicht bei den von Burchardt beschrieben Ereignissen taten, ist kein Grund, es jetzt nicht zu tun. Ton und Intension erinnern mich fatal an die unselige Jutta Ditfurth mit ihrem Häufchen, die bei jeder größeren Demo anderer greint, daß alle anderen aus den falschen Gründen auf die Straße gehen, aber nicht zu ihre Versammlungen erscheinen. Das ist schon ziemlich billig.

        Viel Glück beim Drücken! Aber wie Laurent Joffrin so richtig sagt:

        »Wer auch immer es wird: Der neue Präsident wird regieren müssen, obwohl drei Viertel des Landes gegen ihn sind, inmitten einer Identitätskrise mit einer teils enttäuschten, teils wütenden Bevölkerung.«

        Spaßig wird das in keinem Fall!

        BTW: fefe schließt sich indirekt Burchard an. Ich bleibe vorerst bei meiner Einschätzung.

        • Pjotr56 sagt:

          @Pantoufle
          Der mfs postuliert:
          „Kritisches Denken und fundiertes Urteilen setzt voraus, dass es verlässliche Kriterien gibt, die es erlauben, die Wertigkeit von Informationen einzuordnen. Die gründliche Erforschung unserer Welt und die anschließende Einordnung der Erkenntnisse, die dabei gewonnen werden, ist die Aufgabe von Wissenschaft.

          Wenn jedoch wissenschaftlich fundierte Tatsachen geleugnet, relativiert oder lediglich „alternativen Fakten“ als gleichwertig gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, wird jedem konstruktiven Dialog die Basis entzogen.

          Da aber der konstruktive Dialog eine elementare Grundlage unserer Demokratie ist, betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler/innen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.“

          Angesichts der Realität: Pures Geschwafel.

          Wenn ich dann noch an die (gekauften?) Professoren Raffelhüschen und Rürup denke, die das wissenschaftliche Beil z. B. an die umlagefinanzierte Rente angelegt haben oder die Neoliberalismus-Wissenschaftssekte, die versuchte uns von der unsichtbaren, alles zum besten regelnde Hand des Marktes zu überzeugen, muss ich ktztn.

          Den Matthias Burchardt kannte ich bislang gar nicht.
          Metager meldet, dass er als vehementer Kritiker u. a. einer marktkonformen Wissenschaft seit Jahren recht aktiv ist.
          Vermutlich ist solidarisches Handeln im Wissenschaftsbetrieb inzwischen ein Markthindernis/Karrierehemmnis – Drittmittel sind auch in der unternehmerischen Hochschule ein scheues Reh.

          Ich hab die Tage bei GWUP zum mfs auf einen Artikel der NDS zum mfs verlinkt – war nach 5 Minuten gelöscht.

          Mir kommen mfs und auch pulse of europe, angesichts der Shows, die sie pushen wollen, als total fragwürdig vor.

          Mit mfs ist natürlich march for science gemeint 😉

          Jutta Ditfurth – d’accord, aber mit ihrem Text zu Junker Joschka lag sie noch richtig.

          Glück auf!

  4. OldFart sagt:

    Zur Wahl in Frankreich: Ogott, hoffentlich lesen die Franzosen nicht das ehemalige Nachrichten- und jetzige Meinungsmagazin. Den Blick fest verengt auf zwei Kandidaten, Gut gegen Böse, irrationale pathologische Dummheit gegen aufgeklärte neoliberale Alternativlosigkeit. Und für die, die es immer noch nicht verstehen gibts am Ende gleich noch die Handlungsanweisung. Trump vs. Clinton reloaded. Hat ja da schon prima geklappt, wie wir wissen.
    Der Unterschied zum von Dir verlinkten Gastbeitrag in der taz ist evident und beleuchtet – vermutlich ohne es zu wollen – das ganze Elend mit den neoliberalen Trompetern und ihren politischen Wunschkandidaten. Wer braucht schon Aufklärung, Fakten, Diskurs und Alternativen, wenn der Entscheidungsraum so definiert wird, wie von den Agitatoren des ehemaligen Nachrichtenmagazins?

    • Pantoufle sagt:

      »Vermutlich ohne es zu wollen«

      Laurent Joffrin ist nicht Kai Diekmann. Eher Rudof Augstein.

      • OldFart sagt:

        Ah, doof ausgedrückt, my bad. „Ohne es zu wollen“ bezog sich auf die wohl unbeabsichtigte Selbst-Deklassierung des Spiegel-Autors, in dem Fall Christian Stöcker. Der wiederum ist definitiv nicht Augstein, sondern Diekmann.

      • OldFart sagt:

        SPON ist zufrieden mit der Wahl. Ein furioser „Sieg für die Demokratie“ (O-Ton). Genauer:

        „Die Franzosen haben einen Mann an die erste Stelle gewählt, der aus dem Establishment kommt und doch den Bruch mit dem Establishment verkörpert (das erinnert ein bisschen an Martin Schulz!). Einen Mann, der für Aufbruch und Neuanfang steht, aber nicht für Radikalismus und Eliten-Hass.“

        Muß man nicht kommentieren. Stell Dir einfach vor, wie ich hier sitze und irre geworden lauthals lache. Qualitätsjournalismus, my ass!

      • Pantoufle sagt:

        Stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro. Hat sich sagen lassen, daß ein Typ namens Michel Houellebecq ein Buch geschrieben hat. Ging irgendwie um Parteien. Muß so ähnlich wie »1984« gewesen sein, nur mit Le Pen statt großem Bruder. Und jetzt ist es so wie er vorausgesagt hat. Nur etwas anders. Dank der Demokratie.
        Heilige Einfalt!

      • OldFart sagt:

        Christiane Hoffmann bei Wikipedia:

        „Außerdem ist sie dort verantwortlich für das Ressort Meinung.“
        „Mitglied der Atlantikbrücke e.V.“

        Kein Fragen, Euer Ehren. Ich plädiere auf Vorsatz!

        Was man zu Macron als Verkörperung des Bruchs mit dem Establishment hätte schreiben können:

        https://monde-diplomatique.de/artikel/!5388627

        Zum Ende des fundierten Abrisses:

        „Fazit: Emmanuel Macron, der als der neue Mann ohne Vergangenheit und ohne Beziehungen posiert, verkörpert mit seiner Person und mit seiner Umgebung das kompakte Aufgebot der Staatsaristokratie (Abteilung Finanzministerium) und der Hochfinanz, kurz: das „System“ schlechthin.“

      • Pantoufle sagt:

        Noch jemand aus der Damenriege. Eva Thöne arbeitet sich an Michael Lüders ab. Seit Can Dündar sich gegenüber Übermedien geäußert hat, bröselt die Pressekampagne gegen Lüders bedenklich. Zeit also, ein paar Briketts nachzuschieben. Leider steht nur abgedroschenes Stroh zur Verfügung.
        Meine Lieblingspassage aus diesem Theaterstück »verwirrte Gefühle«:

        »Nach dem Auftritt bei Will wurde Lüders zum Beispiel von „Propagandaschau“, einem Blog, der die abholt, die die großen Medien für Lügenpresse halten, als „inhaltlich kaum angreifbar“ gefeiert. Er selbst sagt, er halte das für bedauerlich, wenn Leute ihn instrumentalisieren: „Mir ist es nur wichtig, dass ich als Autor authentisch bleibe.“ Er will keine Verantwortung übernehmen für die Konsequenzen, die seine Worte haben.«

  5. waswegmuss sagt:

    Ich, für meinen Teil, lege bei derartigen Dingen immer das Cui-Bono-Maßband an.
    Recherche und Analyse sind teuer. Meinung ist billiger – auch zu haben.

  6. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle,
    schöner Beitrag, zwei Pkt. meinerseits:
    P: „Ist es nicht grundsätzlich journalistische Arbeit, Fakten zu sammeln, zu analysieren und in einen Zusammenhang zu bringen, wahres von falschem zu trennen und eine Meinung zu vertreten?“
    Letzter Pkt. hier: „eine Meinung zu vertreten“
    Nö. Die Meinung soll der Leser sich ohne Tendenzen/Inneinflussnahme bilden können.
    Das ist meine Meinung!
    P:“Warum also nun »Jetzt neu, aber nun richtig«?“
    Verhält sich wie mit OMO, jetzt neu, noch viel weißer waschen, schon bei 30 Grad.

    • Pantoufle sagt:

      Moin Fluchtwagenfahrer

      Ja, da hab ich auch überlegt, mich dann aber gegen diesen Friedrichschen Imperativ »Einen guten Journalisten erkennt man daran, daß er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; daß er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.« entschieden.
      Das geht meiner Einschätzung nach vollkommen an der Sache vorbei. Deswegen liest niemand eine Zeitung. Ein Journalist ohne Tendenz und Meinung schreibt Telephonbücher, aber keine lesbaren Artikel. Jeder Mensch – und auch der Journalist – steht für etwas, was er vertritt. Auch wenn es sich auf den ersten Blick nicht so liest.

      Wenn das mit »ohne Tendenzen/Einflussnahme« so wäre, so bräuchte man keine Pressefreiheit. Die gibt es nämlich genau aus dem Grund, damit der Journalist die Freiheit seiner eigenen Agenda hat, Vorschläge unterbreiten und sich auch dafür mit der Macht seines Apparates dafür einsetzen oder den Mächtigen ans Bein pinkeln kann. Es ist absurd zu unterstellen, daß das nicht ohne eigene Bewertung der Fakten geschehen kann.

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