Kurz und dreckig 16

»Wareninspektionstour« von Israelkritikern in der Bremer Innenstadt. Das Thema BDS-Movement (Boycott, Divestment and Sanctions) hatten wir ja gerade vor ein paar Tagen und dazu die Schnappatmung der Trolle in den Sickergruben. Zum Thema Uniformverbot ist gerade ein erwartbares Urteil gesprochen worden. Das Landgericht Wuppertal hat im Zusammenhang mit der »Sharia Police« festgestellt, daß das Tragen von handelsüblichen Warnwesten nicht unter dieses Verbot falle. Auch nicht, wenn da Sharia Police draufsteht.
Das kann man alles bei Udo Vetter nachlesen.
Hübsch finde ich allerdings die amtliche Wortwahl, die dort zum Tragen kommt:

»Eine Uniform müsse als „Symbol organisierter Gewalt“ erkennbar sein. Das sei der Fall, wenn die Kleidung erkennbare Bezüge zur Bekleidung historisch bekannter militanter Gruppen aufweise. Insgesamt müsse das Tragen geeignet sein, „suggestiv-militante Effekte“ auszulösen.«

Die Inspektoren des BDS mit ihren weißen Kitteln haben also aus dieser Richtung eher nichts zu befürchten.
»Symbole organisierter Gewalt!« Sachen gibts…

Der Deal des Zusammenschlusses von Krauss-Maffei Wegmann mit seinem französischen Konkurrenten Nexter scheint in trockenen Tüchern. Das wäre dann der drittstärkste Waffenlieferant nach General Dynamics und BAE Systems in Europa. Im Falle Nexter kommt hinzu, daß diese Koalition die Privatisierung der bisher in Staatsbesitz befindlichen Holding bedeutet. Das Ergebnis dieser Fusion soll auf den Namen Kant hören, was bei der englisch sprechen Konkurrenz eventuell Anlass zum Schmunzeln sein könnte.
Geburtstagslyrik:

»Die enge deutsch-französische Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich dient der Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsfähigkeit im Interesse von Frieden, Freiheit, Sicherheit und Stabilität.[…]strategische Kooperation[…] regelmäßige Konsultationen über strategische rüstungsindustrielle Fragen[…] Blahblah, bla – uns ist heute so unglaublich feierlich!«

Fehlen darf natürlich auf keinen Fall »Das deutsche Exportkontrollrecht für Rüstungsgüter bleibt dabei in Inhalt, Verfahren und Praxis in vollem Umfang erhalten.«

Zwei Firmen mit einem zum Verwechseln ähnlichen Portfolio fusionieren. Lassen wir das übliche Geburtstags-Bullshit wie Synergie, Marktchancen ect. weg. KMW hat den Leopard und die Bundesregierung mit ihren flatterhaften gelegentlichen Exportkontrollen, Nexter den Leclerc und keine Bundesregierung. Der Leclerc ist sicher kein schlechter Panzer, hat aber einfach nicht dieses teutonische Air eines germanischen Tanks.
»… in Inhalt, Verfahren und Praxis in vollem Umfang erhalten.« Das schreit förmlich danach, diese Bestimmungen zu »harmonisieren«. Es war wohl genau diese Harmonie, nach der sich KMW so sehr sehnte, daß es sich sogar dafür verkauft.

Die »Person des Jahres« des Time Magazin ist Angela Merkel. Das geht grundsätzlich in Ordnung – Väterchen Stalin trug dieses Titel ebenfalls.
Was mich allerdings zu der Frage bringt, wer meine ganz persönliche Person des Jahres wäre. (Angehörige und Betriebsmitglieder sind von der Verlosung leider ausgeschlossen… ganz wichtig bei solchen Fragen!)

YanisUm es kurz zu machen: Man muß nicht gewinnen, aber man sollte das was man tut mutig und unkonventionell machen. Mein Person des Jahres ist nicht deshalb gescheitert, weil sie Unrecht hatte, sondern die Aufgabe darin bestand zu zeigen, daß es noch viel mehr von seiner Sorte geben muß: Yanis Varoufakis.

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17 Kommentare zu Kurz und dreckig 16

  1. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin Pantoufle, der letzte Satz im Tank Geschäft ist sehr treffend. Soviel zum Thema Schlüsseltechnologie.
    Interessantes Interview mit dem Chef des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann, Frank Haun, zu dem geplanten Zusammengehen mit der französischen Firma Nexter. Mit einem Schuss Bitterkeit in Richtung deutscher Politik:
    „In Berlin werden wir wie die Mätresse der Politik behandelt: Jeder braucht, was wir zu bieten haben, aber niemand möchte mit uns in der Öffentlichkeit gesehen werden, und einige wünschen uns sogar den Tod, ohne dass man sie dafür verantwortlich machen kann. Paris hat eine entspannte Haltung zu Mätressen wie uns – wir würden dort mit offenen Armen empfangen.“
    Zu deiner Wahl Person des Jahres: Glückwunsch, hätte ich auch gewählt, an zweiter vielleicht il Papa der alte Franziskus, macht auch nen guten Job, wenn man mal davon absieht das er für eine Religion tätig ist. Mal gucken wie denn noch Jeremy Corbyn nächste Jahr performt.

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    • pantoufle sagt:

      Ich habe das Zitat gelesen – das gesamte Interview leider nicht. »In Berlin werden wir wie die Mätresse der Politik behandelt«: Umsatz im Jahre 2012 eine Milliarde Euro. Dafür muß eine ehrliche Hure aber lange am Bahnhof stehen! Aber immerhin sieht sich Haun als Nutte für Reiche. Ein Rest Realitätssinn ist ihm also geblieben.
      »… einige wünschen uns sogar den Tod, ohne daß man sie dafür verantwortlich machen kann«. Ja, das verstehe, wer will!

      Il Papa wurde zumindest nominiert – Kirche hin- oder her.

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  2. Frank Benedikt sagt:

    Moin, alter ‚Nachbar‘ 🙂

    Deine Wahl von Varoufakis ist auch imho eine „gute Wahl“ 😀 Hast Du mal seinen „bescheidenen Vorschlag“ gelesen? Gutes Büchlein, wie ich finde.

    Schon mal schöne Feiertage und einen Guten Rutsch!
    Frank

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  3. flatter sagt:

    mit ihren flatterhaften Exportkontrollen

    Ich fordere Genugtuung!!!!!|||||||||||||iiiiiiiii111111

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    • pantoufle sagt:

      …in der Eile – nur so dahingeschrieben! Ein bedauerliches Missverständnis und vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen! Eine Eigenmächtigkeit des (Schrott)Pressesprechers einer unbedeutenden und unbeabsichtigten Doppeldeutigkeit. Das wurde von der Lügenpresse verzerrt!

      War das jetzt eine Forderung auf Sprengstoffgürtel hinter der Kirche gegen 17:00; meine Sekundanten gehen schon mal in Deckung?

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      • flatter sagt:

        @pantoufle: War vermutlich so, aber 17 Uhr ist jetzt rum. Ich weiß es einfach nicht mehr. Ich glaube, ich habe auf irgendwen geschossen, aber nicht getroffen. Was wollte ich noch sagen?

        p.s.: Herrn von Schirach darf man aus Erfahrung unterstellen, dergleichen ernst gemeint zu haben, vielleicht ist es auch Ironie, aber ich bin an derlei Spielchen nicht mehr interessiert.

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      • pantoufle sagt:

        Gewalt ist auch keine Lösung, wenn man nur darüber redet

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    • Frank Benedikt sagt:

      DU bist nicht ’satisfaktionsfähig‘, Duke 😛

      Dennoch schon mal ein Gutes Neues auch Dir!
      Frank

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  4. Joachim sagt:

    Tja, ich mag weder Uniformen, (sind mir viel zu uniform, wo die Menschen doch bunt sind),

    noch Waffenlieferanten, (was da noch fehlte: „Personen kamen nicht zu Schaden“)

    und auch keinen Personenkult (wobei Varoufakis es wenigstens versuchte – ich dagegen wäre mit dem Moped in den Konferenzsaal gefahren; so als Symbol organisierter Gewalt im Geiste der Verfassungen und der Grundrechte. Personen kommen selbstverständlich nicht zu Schaden!).

    So hier vom Jupiter betrachtet man all dies mit Kopfschütteln.

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    • pantoufle sagt:

      Unter der Prämisse »was hätte ich an seiner Stelle getan?« steht Varoufakis bei mir ganz oben auf der Leiter. Mehr war nicht möglich. Wenn sich die Vernunft nicht durchsetzt, ist das keine Niederlage – der Triumph der Dummheit kein Sieg.

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      • Joachim sagt:

        „der Triumph der Dummheit ist kein Sieg.“

        Weise Worte.

        Varoufakis ist zwar gut, doch nicht der Einzige. Das müssen wir verstehen lernen. Wenn Merkel was sagt, Seehofer, Schäuble oder Gabriel, so hat das seine Berechtigung und seinen individuellen Wert. Es wird einfach möglichst objektiv gewertet und wenn es dann auf der Schleimspur in den Gulli rutscht, dann war es das eben. Ich muss ihren Mist sicher nicht auffangen. Ist ja ekelig.

        Ja, wen auch immer sie repräsentieren, das muss man ihnen zugestehen. Aber nur, wenn sie Michel zugestehen, was seine individuellen Werte sind. Ich gebe zu, mit Varoufakis könnte man sicher ein Bier oder so’n Anis-Zeuchs trinken gehen. Suzuki kann der von von dieser Jobgurtsauce unterscheiden. Der ist sicher okay.

        Anders gesagt: Respekt muss man sich verdienen. Und da kenne ich Einige auch abseits von Leuten wie Varoufakis. Wenn denen der Landrat einmal die Hände schüttelt, ein wenig mit gelächeltem Widerwillen, schon nach den Kameras schauend oder nach dem Buffet schielend, was meinst Du, was ich dann über „Personenkult“ denke? Ich denke, der wollte nur in die Zeitung und das ist offensichtlich sehr nett gedacht.

        Die Person, also nicht der Landrat (oder was immer der war), an die ich da denke, die saß in einem Rollstuhl und sabberte ein wenig. Der arme Mann war überfordert, also nicht der, der im Rollstuhl saß. Wir beide, also der im Rollstuhl und ich gaben uns später High Five und lachten uns tot. Dieser kleine Mistkäfer, also nicht der, der da im Rollstuhl saß.

        Also nicht den, der da nicht im Rollstuhl saß, empfinde ich als echten Menschen. Und der hätte einen Kult niemals zugelassen. Du weißt schon, Püppchen in Püppchen, meine Nachbarn. Varoufakis darf sich gerne zu uns setzen. Der ist willkommen.

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        • pantoufle sagt:

          Diese ganze Preisvergabe an die Leuchttürme ist in mehrfacher Hinsicht Kokolores. Zum einen bestätigt sie nur, daß es sich dabei um Leuchttürme handelt, was nun wahrlich nicht besonders originell ist.
          Das kommt Hand in Hand mit dem Text der Laudatio, warum es Leuchttürme sind. Wenn das schon breit erklärt werden muß, warum der Held ein solcher ist…? Früher lief beim Triumphzug jemand hinterher, hielt ihm Gemüse über den Kopf und murmelte »bedenke, daß auch Du nur ein Mensch bist!«
          Womit wir auch schon beim fundamentalen Missverständnis wären. Die eigentlichen Helden beackern in Griechenland weiter ihr erbärmliches Stückchen Land, sind unterbezahlte Lehrer oder mittellose Ärzte, die nicht abhauen, sondern ihren Pflichten trotzdem nachkommen. Trotz Schäuble, trotz IWF und ohne die Hoffnung, daß sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit etwas ändert. Die erarbeiten sich jeden Tag einen Respekt, der ihnen verwehrt wird.

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          • R@iner sagt:

            „Die eigentlichen Helden …“

            Genau so ist es. (OT) Ich hatte gestern eine – wie ich finde – gut gemachte Seite gefunden, auf der man in kurzer Zeit einen Überblick bekommt, welche sozialen Bewegungen es in Spanien und Griechenland gibt. Der spanische Teil mit den kurzen Videos ist sehr gut gelungen, der über Griechenland bisher noch nicht fertig.

            Südeuropa zwischen Aufbruch und Austerität

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          • Joachim sagt:

            Love it, also auch die Antwort von Rainer (der mir einfach das Wort aus dem Mund genommen hat)

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  5. waswegmuss sagt:

    Merkel-Al Baghdadi-Trump ist eine schöne Reihe/nfolge.

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  6. Frank Benedikt sagt:

    und um den „Fluchtwagenfahrer“ mal noch kurz zu ’supporten‘: Ja, Corbyn scheint noch richtig anständig. so bekomme ich das zumindest von meinen Punkfreunden aus dem Vereinigten Königreich zu lesen und hören. daß damit kaum noch wer was anzufangen weiß, wundert mich allerdings auch nicht … neulich sah ich schon pferde vor der apotheke kotzen – und die hatten ein rezept 🙁

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