Kurz und dreckig 11

Erika Steinbach kandidiert 2017 nicht mehr für den Bundestag. Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Sie verkörperte in unnachahmlicher Weise das, was sich Klein-Karlchen unter großer Politik vorstellte: Polen hat Nazideutschland angegriffen und – schwups! – war der erste zweite Weltkrieg da, die Nationalsozialisten waren eine linke Partei (zwinker, zwinker: »Sozialisten!!«einzelfzig!!) und Schlesien ist unser. Geschichtsunterricht war nie spannender und lustiger als unter Tante Erika.

Nun will sie nicht mehr und ihre Klassenzugehörigen auch nicht. Selbst in Zeiten von Pegida, Hans-Georg Maaßen und neuen Faschisten ist Frau Steinbach nicht mehr verkäuflich. Die Berufsvertriebene hat fertig, andere müssen an ihre Stelle treten. Was war doch gleich ihr letztes Amt, das sie innehatte? Sprecherin der CDU für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Nun ja: Ihre Saat ist aufgegangen wie der Vollmond in einer lauen Sommernacht. Nur ist die Zahl derjenigen, die sie mittlerweile rechts überholen, Legion.
72 Jahre und kein wenig weise. Die Redaktion der Schrottpresse (bestehend aus Redaktionskampfhund Oskar und dem dem Chefredakteur Pantoufle) werden sie schmerzlich vermissen. Wenn auch erst in zwei Jahren. Dann wird ihre blonde Betonfrisur und ihr humorloser, verkniffener Mund ein Fall für den Mülleimer der parlamentarischen Geschichte sein.
Wenig tröstlich bei der Hinterlassenschaft, die ihren Fußspuren folgt.

Ob das noch was wird mit dem Skandal?

Landesverrätherey.

§. 100. Ein Unternehmen, wodurch der Staat gegen fremde Mächte in äußere Gefahr und Unsicherheit gesetzt wird, heißt Landesverrätherey. Erste Classe derselben.

§. 101. Wer ganze dem Staate gehörige Lande, Kriegesheere, oder Hauptfestungen, in feindliche Gewalt zu bringen unternimmt, der ist ein Landesverräther der Ersten Classe. Strafe.

§. 102. Ein solcher Landesverräther soll zum Richtplatze geschleift, mit dem Rade von unten herauf getödtet, und der Körper auf das Rad geflochten werden.

Zweyte Classe der Landesverrätherey.

§. 106. Unternehmungen von minderer Wichtigkeit, die zur Begünstigung der Feinde des Staats abzielen, sind als Landesverrätherey der Zweyten Classe anzusehen.
Arten derselben.

§. 107. Wer dem Feinde zur Ausführung seiner Anschläge beförderlich ist, oder den Kriegesvölkern des Staats in ihren Unternehmungen gegen den Feind vorsätzlich Hindernisse in den Weg legt, soll durch den Strang hingerichtet werden.

Aus »allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten«, 1794

Also weder das Rad noch den Strang für Beckedahl und Meister. So, und nach diesem Schlummertrunk aus den Geschichtsbüchern wird einem langsam klar, daß der Gedanke des Landesverrats ein kümmerliches Überbleibsel aus feudalen Zeiten ist. Jedenfalls in der Form, wie ihn ein Herr Maaßen an den Kunden bringt. So wird das nichts mit der Revolution.

Wenn sich jetzt aber bestätigen sollte, daß dieser sogenannte Verfassungsschutz neben Netzpolitik.org auch das geheim tagende neunköpfige Vertrauensgremium des Bundestages im Visier hatte… dann allerdings kommt langsam Schwung in die Sache.
Dieses Gremium bewilligt Ausgaben des Bundes, die der Geheimhaltung unterliegen. Gegenstand sind in diesem Zusammenhang Wirtschaftspläne der Nachrichtendienste.
Das wäre dann nicht nur ein Warnschuß in Richtung der Presse, sondern an die »Whistleblower« in Regierungskreisen. Der Teil des Amtseides der Abgeordneten »Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden« könnte ja mit den Interessen der Geheimdienste kollidieren. Nicht nur die marktkonforme Demokratie, sondern zusätzlich ein verfassungsschutzkonformes Grundgesetz. Bleibt zu hoffen, daß das Grundgesetz die dafür erforderliche Flexibilität aufweist.

Fehlt eigentlich nur noch das übliche Instrumentarium der Schlapphüte wie Wanzen, Bundestrojaner und andere Schnüffeltechnologie. Das hätte nun allerdings eine neue Qualität: Nicht nur missliebige Linke-Politiker, sondern vorurteilslos von ganz rechts nach ganz links ausspionieren. Ein neues grunddemokratisches Verständnis ausgerechnet vom Verfassungsschutz.

»Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen.
Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird.
Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat«.

(Erich Kästner zu den Delegierten der PEN Tagung am 10 Mai 1958)

 

Maaßen, der Strippenzieher

Lustiges aus aller Welt:

Berlin: Der Termin der Fertigstellung des Flughafens BER ist nicht zu halten!

Panik ist fehl am Platze!

Stimmt! Brüllendes Gelächter ist bei Weitem passender.

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0 Kommentare zu Kurz und dreckig 11

  1. Stony sagt:

    Uns Erika ist noch zu Höherem berufen: Präsidentin der ((h)eis(s)kalten) Herzen – Friedenspanzer – das wär’s doch! Bei dem Gedanken wird mir, als Kind mit Vertriebenenhintergrund, ganz heimelig ums Herz. Rückwärtsgang rein und Vollgas voraus – Geisterfahrerey mal anders…

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  2. pantoufle sagt:

    Daß diese Dame überhaupt noch frei herumläuft, ist eines der unerklärlichen Wunder des Parlamentarismus. Ein wenig national und auch etwas sozialistisch, Stahlhelm statt Strohut und scheinvertrieben – eine irre Mischung und keiner dreht das Mikrophon ab. Dabei sollte man das eigentlich schon aus Selbstschutz tun, selbst wenn der Sinn für Peinlichkeiten vollkommen unterentwickelt ist.

    Frau Fertrieben hört in der hohen Politik auf: Daß sie im gesegneten Ruhestand weiterhin für fassungslose Lacher sorgt, bleibt zu hoffen.

    Und leider – sehen wir es wie es ist – ist der Nachwuchs noch verblödeter

    * Ja, das »F« steht da richtig. Ich finde das schön! So!

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    • Stony sagt:

      Daß sie da so läng- wie leidlich walken und schalken durfte, ist wohl dem sagenumwobenen „Linksrutsch“ ihrer Partei zuzurechnen – jener seltsame Spagat identitären Vakuums, welcher ‚alles‘ vereinzunahmen (schreibselt sich das so?) trachtend zugleich niemanden zurücklassen will. (Ein glänzendes Beispiel deutscher ‚Ingenieurskunst‘, anbei bemerkt.)
      Nun ja, demnächst ist wohl Schluß damit und eine Anschlußverwertung jenseits der Twittersphäre eher nicht zu befürchten. Für die einen, die seriös zu geben sich belieben, ist sie wohl zu peinlich, für die anderen, die ihre eigene Peinlichkeit ‚rechtschaffen‘ nicht zu sehen vermögen, wird selbst sie sich zu schade sein. Was mich verwundert: Daß sie den Schuß, scheints, vernommen hat und Konsequenzen zieht – soviel Grips hätte ich ihr nicht zugetraut – anderen fliegen Kanonenkugeln um die Ohren, was sie garnienimmernich stört.

      444 ‚genoß‘ ich ebenfalls … 333 reicht als Antwort hin.

      Keine Einwände (gegen das »F« – das is‘ sooo häßlich, daß es schon wieder…)! 😛 Nein, im Ernst: paßt schon (und schön).

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      ogott. dieses meth-opfer mit hoodie machts nochmal ne ganze ecke schlimmer; kann jemand diese arme sau da mal rausholen?

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  3. derda sagt:

    Die Steinbach hatte die Funktion die Vertriebenen/Aussiedler zu binden. Schlesien bleibt unser, was für eine Farce. Sie hat den Leuten das Märchen erzählt daß die Ostgebiete wieder Heim ins Reich kommen. Nur hat keiner ihrer Parteibonzen jemals die Absicht dazu. Leute verarscht, aber kräftig.
    Als gebürtiger Oberschlesier möchte ich noch anmerken daß die Tante ein gestörtes Verhältnis zur Geografie hat. Geboren in Westpreußen, Eltern aus Hanau/Bremen. Schlesien lag meines Wissens wo anders.

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