Kuriositätenschau


Europaweiter Wahltag. In der Ukraine wählt man einen neuen Präsidenten und für das Europa-Parlament auch irgend etwas. Wahrscheinlich Bernd Lucke von der AFD und damit einen weiteren Beweis für meine Vermutung, daß es sich bei diesem Parlament um eine spezielle Form der Mülltrennung handelt.
Alles, was man nicht im eigenen Vorgarten herumliegen haben will, wird nach Brüssel entsorgt. Ein große Tageszeitung aus Süddeutschland titelt das: »Demokratischer Wind weht durch Europa«.

Wie immer, wenn es um das Demokratie-Placebo »Wahlen« geht, ist die gefühlte Lautstärke darüber, ob man überhaupt wählen sollte höher als darüber, wo man sein Kreuz machen soll. Wer nicht wählt, stärkt damit angeblich diejenigen, die ins Europa-Parlament gehen, weil sie gegen das Europa-Parlament sind. Warum sich jene dann überhaupt zur Wahl stellen, bleibt ihr Geheimnis. Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für herumlungernde Politiker?
Es gilt also, irgend etwas zu verhindern; nicht, etwas zu ermöglichen. In erster Linie will man verhindern, daß durch allzu niedrige Wahlbeteiligung Zweifel an der Legitimität der Abgeordneten entsteht. Trübe Tassen statt Fachleuten ins Parlament, anstelle des nötigen Idealismus für eine große Idee die versiegelten Türen der Burschenschaften der Märkte®.

Dabei – um beim Begriff »verhindern« zu bleiben – stellt sich überdies die Frage, ob ominöse Osterweiterungen bis zur Türschwelle Russlands der europäischen Idee mehr schaden als die Reduktion Brüssels zur zentralen Anlaufstelle von Lobbyisten.
Die europäische Idee? Ist irgend etwas mehr unter die Räder geraten als dieser Ausdruck? Seit der französischen Revolution hat es vermutlich keinen umwälzenderen Gedanken gegeben. Und wie verlottert kommt er jetzt daher. Für Europa zu wählen: Das heißt Massenverarmung in Griechenland, Spanien und den Beuteländern des Ostens. Das heißt Niedriglohn, den Verlust von Lebensentwürfen und der Zerschlagung von Sozialsystemen. »Die EU ist keine Sozialunion!« Sondern was? Diejenigen, die Europa derart benutzen, haben feste Vorstellungen darüber, wem der Zugang zu den Trögen verboten werden soll. »Wir arbeiten daran, hierbei bestmöglich Missbrauch ausschließen zu können.« Europa: Das ist die Furcht teilen zu müssen.
Um dieses Europa zu verhindern gibt es keine Stimme die man wählen könnte. Keine Stimme für die Idee oder eine Rückbesinnung darauf. Ein Europa der Machteliten.

Würde heute nicht über die Zusammensetzung des Parlamentes in Brüssel entschieden, sondern in Griechenland über einen Austritt aus der EU: Die Wahlbeteiligung würde ungeahnte Prozentzahlen erreichen.

Ach so: Nein, ich gehe nicht wählen. Heute ist Gartenparty bei einer guten Freundin. Mit veganer Grillkohle.

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