Kranzspenden verbeten

In stiller Trauer

In stiller Trauer

Manchmal denke ich, ich habe es geschafft, habe den Gipfel fast
erreicht.
Doch dann kommen die Erinnerungen wieder.
Ein Lied. Ein Wort. Ein Gedanke.

Wenn wir uns heute hier zusammenfinden, um den so früh Dahingeschiedenen zur letzten Ruhe zu betten, so soll uns dieses kleine Gedichtlein in unseren Gedanken leiten.
Hörte der, wegen dem wir uns hier versammelt haben, die Lieder? Völker, hört die Signale! Diejenigen unter uns, die ihn gut kannten, werden sich der ach so menschlichen Schwäche unseres lieben Freundes erinnern: Der Hörschwäche auf dem linken Ohr. Nicht nur dieses Lied konnte niemals sein Herz erwärmen.

Nach den Plänen der Koalitionsverträge sollen die Vorschriften zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung „präzisiert“ werden. Der bis jetzt am Bundesverfassungsgericht gescheiterte Einsatz des sogenannten Bundestrojaners soll damit ermöglicht werden.

Nun sollen wir aber, liebe Trauergemeinde, nicht glauben, der Verstorbene wäre Tanz und Vergnügen deswegen niemals teilhaftig geworden! Mitnichten: Pfiff der politische Gegner auf der Pfeife, so tanzte unser Freund mit Freude; mit Freude sahen wir, wie Arme und Beine wirbelten. Ein großer Tänzer war er vor dem Herren – daran wollen wir uns immer erinnern. Ob Drahtseil, Abgrund oder feuchtes Parkett: War er sich auch nur weniger Zuschauer sicher, scheute er keine noch so gewagte Darbietung!

Einen verbindlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50€ wird frühestens ab 2017 verbindlich. Ausnahmen sind jederzeit möglich. Ob der Mindestlohn flächendeckend in Ost und West gelten soll, ist fraglich. Auszubildende sind davon ohnehin ausgenommen.

Ein Meister der Worte ist von uns gegangen! Erinnern wir uns an dieser Stelle ein letztes Mal an seine unsterblichen Gedanken, die Wort wurden, wenn auch nie Tat. Dem Steinbrück sein Peer – er sollte Kanzler werden und das Land gerechter, die Reichen geben den Armen und jeder solle sich ein Dach über dem Kopf leisten können. »Unsere Geschichte ist geprägt von der Idee des demokratischen Sozialismus, einer Gesellschaft der Freien und Gleichen, in der unsere Grundwerte verwirklicht sind.«
Ja, liebe Trauergemeinde: Humor hatte er!

Von einer Begrenzung der Managergehälter börsennotierter Unternehmen ist nicht mehr die Rede. Ebensowenig von einer Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit von Vorstands- und Managergehältern.

Oder wie unser Freund es ausdrückte: »Wirtschaftliche Demokratie ist unverzichtbar dafür, die Forderung des Grundgesetzes mit Leben zu erfüllen: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.«
Bevor nun der Dahingeschiedene seine letzte Reise antritt, lassen wir seine ihm so geliebten Gedanken Revue passieren, die Gedanken an eine gerechtere Welt. Arm und reich, Oben und Unten – hü und hott.

Die Vorratsdatenspeicherung kommt

Gedanken wie: »Die Unteilbarkeit und universelle Geltung der Menschenrechte ist für uns nicht verhandelbar.« oder »Wir sind einer strengen Rüstungsexportpolitik verpflichtet. Rüstungsgüter sind keine normale Handelsware.« werden auch dann noch Bestand haben, wenn Dich der Rasen bedeckt, Freund! Ein gepflegter Rasen, auf dem der Rubel wie der Panzer made in Germany widerstandslos rollt.

Der Rüstungsexportbericht erscheint nun ein halbes Jahr früher. Vereinbarungen darüber, daß er detaillierter sein soll, gibt es nicht

Ein Licht sollst Du uns Hinterbliebenen sein, ein Licht, das sich bald niemand mehr wird leisten können. Leuchte Du uns, wo RWE und Konsorten uns den Hahn abdrehen! Oder um mit Deinen eigenen Worten zu sprechen: »Heute
zwingen uns der rasche Klimawandel, die Überlastung der Ökosysteme
und das Wachstum der Weltbevölkerung, der Entwicklung eine neue, zu
kunftstaugliche Richtung zu geben.« Sei Du das Licht in der Finsternis als alternativer Energiequelle, wo all den anderen doch das saubere Flusswasser bis zum Halse steht.

Ökostromproduzenten müssen einen Grundlastanteil der Einspeisung garantieren. Dieser von der den Energie-Konzernen vorgeschriebene Passus bedeutet faktisch das Ende der Energiewende

»Energie ist ebenso wie Luft und Wasser Lebensgrundlage unserer Zivilisation. Die gegenwärtige Art, Energie und Ressourcen zu verschwenden,
hat keine Zukunft mehr. Für uns ist deshalb die Energiewende, die wir
eingeleitet haben, eine Schlüsselaufgabe für das 21. Jahrhundert. Wir
treiben den Wechsel von erschöpflichen zu unerschöpflichen und von
schadstoffhaltigen zu schadstofffreien Ressourcen konsequent voran.
Unser Ziel ist ein solares Energiezeitalter.«
Nur eine der Ideen, mit denen sich der Tote in die Herzen der Wähler einschlich, auf gar nicht so leisen Sohlen. Wer aber werfe den ersten Stein? Du oder Du oder doch ich? Nein, wir wollen uns an die fröhlichen Dinge erinnern, über die wir auch in Zukunft noch schmunzeln werden: »Wir wollen den effektiven Schutz der Meere und Küstenregionen. Natur hat für uns Eigenwert, wir wollen von ihr lernen und ihre Kräfte für ein besseres Leben nutzen.«

Der Ausbau von Offshore-Windanlagen steht faktisch vor dem Aus.

Ich möchte nun zum Ende kommen – so viel gäbe es noch zu berichten! Wenn ich noch kurz erwähnen dürfte: An dieser Stelle wollte eine gute Freundin des Hauses, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, noch ein Lied zu unserer Trauerfeier beisteuern. Bedauerlicherweise kann sie dem wegen einer längeren Auslandsreise nicht nachkommen. Freundlicherweise hat sich der Bergmanns-Chor „Glückauf“ freudestrahlend bereitgefunden, dieses zu übernehmen. Hören wir also zum Schluß das Lied Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessern findst du nit.

Der Neubau von Kohlekraftwerken sowie die unsinnige Subventionierung dieses Energieträgers ist für die nächsten vier Jahre in trockenen Tüchern. Danke, Frau Kraft!

Alle, die ihrer Trauer mit dem Spenden von Blumen und Kränzen Ausdruck verleihen wollten, bitten wir, statt dessen das Geld der Partei Die LINKE zu spenden. Soll sie auf dem fruchtbaren Acker weitermachen, auf den seinen Fuß zu setzen dem Verstorbenen nicht vergönnt war.
In diesem Sinne: Die Kontonummer finden Sie auf der Rückseite des Grabkreuzes!

Die in Guillemets gesetzten Zitate sind dem Grundsatzprogramm der ehemaligen SPD, dem „Hamburger Programm“ entnommen.

e.steinbach

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