Konservative sind dümmer und sozial inkompetenter

Sagt die Wissenschaft. Nicht, daß das irgend etwas zu sagen hat. Aber es klingt als Schlagzeile erst einmal ganz gut und freut den Leser.

Was wollte ich sagen? Ach so… Fleischhauer. Jan. Jan Fleischhauer.

Es ist Donnerstag, das konservative Imperium auf SpiegelOnline keilt zurück. „Wer ist Schuld am E10 Debakel? Grüne lassen afrikanische Kinder kaltlächelnd verhungern. Nicht ein Minister der Koalition hat jemals Biokraftstoffe unterstützt.“

„Wer nach den Verantwortlichen für diese Revolution der Agrotechnik fragt, bei der man vieles von dem, was man essen kann, nicht mehr verspeist, sondern lieber verbrennt, landet unweigerlich bei den Grünen“

Oder bei Rudolf Diesel. Der testete das im Jahre 1900 und berichtete darüber vor der Institution of Mechanical Engineers of Great Britain:

„Auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurde ein kleiner Dieselmotor des Herstellers Otto gezeigt, der auf Anforderung der französischen Regierung auf Arachidöl (einem aus Erdnüssen gewonnenen Öl) lief, und er arbeitete so problemlos, dass nur sehr wenige Leute darauf aufmerksam wurden. Der Motor war für den Gebrauch von Mineralöl konstruiert und arbeitete dann ohne Änderungen mit Pflanzenöl.“

Nicolaus August Otto musste es schließlich wissen: Sein erster Motor, um 1860 entwickelt, lief mit Gas und Spiritus. Und im Zusammenhang mit dem Wort „Spiritus“ darf man getrost „Kartoffelschnaps“ sagen. Die Idee, das Verbrennungsmaschinen im ländlichen Raum ihr „Futter“ vom Bauern nebenan beziehen, ist erheblich älter als die GRÜNEN.

Daß die Produktion von Biokraftstoffen die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt, ist seit spätestens 2007 bekannt. Das hinderte den damaligen Bundesumweltminister Gabriel (SPD) nicht daran, gegen den Rat aller Umweltverbände bis 2010 dem fossilen Benzin einen Anteil von 10% Agrarsprit beizumengen – ökologischer Wahnsinn, aber damals Konsens in der großen Koalition. Die SPD und CDU/CSU, nicht die Grünen, Herr Fleischhauer.

J. Fleischhauer:

„Kaum ein Land ist bei der Umstellung der Nahrungsmittelproduktion auf Energiegewinnung in kurzer Zeit so weit gekommen wie die Bundesrepublik“

Falsch. Deutschland hinkt den EU-Richtlinien weit hinterher. Wo wir gerade dabei sind: Es war nicht einmal eine deutsche – geschweige denn „Grüne“ – Idee. Wenn es um Innovation geht, ist jedes Land schneller als die BRD. Nur die Mineralölindustrie hatte sich mittlerweile so sehr in diese Möglichkeit der Gewinnmaximierung verliebt, daß es einen Umweltminister Rötgen (auch nicht GRÜNE) brauchte, der sie dazu ermahnte, bei den Nebenfolgen für Natur und Fahrzeug wenigstens halbwegs bei der Wahrheit zu bleiben. Schwarz-Geld wollte auf Biegen und Brechen E10 an allen Tankstellen. Da waren aber schon der ADAC und die Verbraucher überzeugte Gegner des Biosprits – von den Umweltverbänden ganz abgesehen.

„Bei einer anderen Partei würde man der Spitze nach einem vergleichbaren Debakel den kollektiven Rücktritt empfehlen“

J.Fleischhauer

Jetzt ist passiert, wovor die Umweltverbände seit Jahren warnen. Haben eigentlich alle Konservative ein so schlechtes Gedächtnis wie Sie, Herr Fleischhauer? Ich denke, Sie haben ein grottenschlechtes Gedächnis.

Dieser Beitrag wurde unter Auftragsjournalismus abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Konservative sind dümmer und sozial inkompetenter

  1. Pingback: Links 2012-08-24 | -=daMax=-

  2. role sagt:

    Werter pantouffle,

    da tun sie dem Herrn Fleischhauer aber Unrecht. Er ist kein Konservativer. Er lebt sein Geschäftsmodell, denn Fleischauer ist nur eines: charakterlos. Im Mittelpunkt seines Denkens steht keine politische oder journalistische Überzeugung, sondern Gewinnmaximierung. Fleischhauer war schon immer ein guter Schreiber. Keine sogenannte Edelfeder, dazu reicht das Talent nicht, aber trotzdem kann er recht ordentlich Wörter aneinanderreihen. Solche Leute gibt es jedoch zu Hauf. Keine guten Voraussetzungen also, eine große Karriere zu machen, die Eitelkeit zu befriedigen und nebenher ein Einkommen zu beziehen, das den eigenen Vorstellungen entspricht.
    Was tun? Man sucht sich eine Nische.
    Fleischhauer erkannte, dass er als publizistisches Sprachrohr des sogenannten intellektuellen konservativen, oder nennen wir ihn eher nationalkonservativen, Flügels ordentlich Asche machen konnte. Dieser Posten war zu dieser Zeit unbesetzt. Kein konservativer Journalist, der ernst genommen werden wollte, vertrat die reaktionären Thesen der Flüchtlingsverbände oder anderer ewig Gestriger in der Union und anderswo. Aber Fleischhauer ging es nicht um irgendeinen Anspruch, sondern um Geld. Warum also nicht das intellekuelle Pendant zu F.J. Wagner spielen, der die Ressentiments des Pöbels bediente?
    Seither sitzt er an seinem Schreibtisch und versucht sich als reaktionärer Karl Eduard von Schnitzler. Er wird dies so lange tun, bis sich dieses Geschäftsmodell verbraucht hat (davon brauchen wir jedoch nicht ausgehen) oder sich andere, bessere Einnahmemöglichkeiten auftun. Ein journalistischer Anspruch existiert in seinen Polemiken nicht, denn seine Aufgabe ist es als konservative Krawallschachtel übers Land zu ziehen.
    Woher ich das alles zu wissen glaube? Nun, zum einen habe ich mich vor Jahren mit dem Werk Fleischhauers beschäftigt, weil ich wissen wollte, was für ein Mensch hinter diesem öffentlichen Kotzbrocken steht, zum anderen konnte ich auch schon ein Gespräch mit ihm führen. Seine Auslassungen waren nichts als heiße Luft. Nie hatte ich während dieses Gesprächs auch nur kurz den Eindruck, dass mein Gegenüber ernsthaft hinter seinem Gefasel steht.
    Dieser Mensch ist nicht satisfaktionsfähig. Ist er gefährlich? Nein, denn er ist ein intellektuelles Leichtgewicht. Sicher, er hat Potential, aber ich halte ihn für bodenlos faul.
    Kurz und gut, nehmen sie ihn nicht ernst. Das ist nicht sein Anspruch. Sehen sie seine Kolumne als Unterhaltung. Wobei man sich auch besser amüsieren kann.

    0

  3. pantoufle sagt:

    Sehr geehrter Herr Role
    (Ich vermute einen Herren, da Damen seltener überlegen, auf schwere Säbel zu fordern.) Erst einmal vielen Dank für die ausführliche Analyse, der ich fast vollständig zustimmen würde. Eine kleine Anmerkung sei mir dennoch gestattet.
    Wie das Pseudonym Pantoufle suggerieren soll, handelt es sich bei ihm um eine eher schlichte Seele. Tiefgreifende Analysen sind seine Sache nicht; der Mangel an Befähigung dazu paart sich mit einer gewissen Faulheit. Was ihn an die Tastatur treibt, ist – neben der unbedingt erforderlichen Eitelkeit – eine Lust beim Kampfe gegen die Flügel von Windmühlen. Die braucht es zwingend, wenn man sich an Fleischhauern vergreifen will. Wohlmeinende Menschen wie Sie haben schon des Öfteren versucht, mich zurückzuhalten; allein: J.F. wedelt mit seinem neuen Pamphlet und Pantoufle sattelt seine Rosinante. Betrachten Sie es einfach einen Webfehler.
    Die Nische Fleischhauers, die Sie ausmachen, ist meiner Meinung nach nicht so klein (wenn auch schmuddelig), wie sie des öfteren dargestellt wird. Da, wo sich ein H.M. Broder tummelt, ein Dieter Stein, Udo Ulfkotte… eben ein J. Fleischhauer. Auch Nachwuchs ist in Sicht: Da gibt es beim TheEuropean und gelegentlich bei der Achse des Guten, eine junge Schmierfeder namens Jennifer Nathalie Pyka, die trotz ihrer jungen Jahre (Anfang der Zwanziger) schon anmutig abstoßend ist. Das Geschäftsmodell des J.F. ist kein Alleinstellungsmerkmal.
    Mangel an Talent hat bisher die Wenigsten vom Schreiben abgehalten: Wenn es denn gar nicht geht, eröffnet man zur Not ein Ladengeschäft für Kleidung auf und nennt es Thor Steinar. Solange aber der Griffel nicht unter der echten deutschen Faust zerbricht, wird fleißig drauflos geschmiert. Die Wirkung solcher Sudeleien wird gerne wegen dem Mangel an Substanz kleingeredet. Das Studium der Leserbriefe auf diese Veröffentlichungen offenbart dagegen einen solchen Heißhunger auf diese Presseerzeugnisse, daß einem schlecht werden kann. „Das darf man ja wohl wieder sagen“ ermöglichen einen Thilo Sarrazin.
    Er (J.F.) ist kein Konservativer. Er lebt sein Geschäftsmodell, denn Fleischhauer ist nur eines: charakterlos“. Ja das stimmt. Ihn als Konservativen zu bezeichnen, scheint wohl falsch zu sein; so falsch, wie dieses Attribut Broder oder Ulfkotte anzuheften. Aber wo ortet man die wirklichen Konservativen? Könnte es sein, daß es sich beim Konservatismus um einen Zombie handelt, unfähig, der Vereinnahmung dieses Begriffes durch solche Leute entschieden entgegenzutreten? Es scheint so, denn das einfache Gemüt eines H.P. Uhl oder H.P. Friedrich macht noch nicht konservativ. Und wenn wir gerade bei diesen Namen sind: Das verbindet sie mit Fleischhauer. Die Charakterlosigkeit.
    Wo ist ein Sebastian Haffner, wo ein Golo Mann? Es reicht ja nicht einmal mehr für einen Ernst Jünger. Der Begriff des Konservatismus wurde zertrampelt im Gedränge der politischen „Mitte“. Die Trümmer liegen gleich neben denen von Karl Marx in den Auslagen der Geschäfte für gebrauchte Weltanschauungen. Jeder darf sich einen Brocken mitnehmen, wenn ihm danach ist. Die Charakterlosigkeit Fleischhauers besteht unter anderem darin, sich bedient zu haben. Widerspruch war nicht zu vernehmen.
    Sie merken: Pantoufle stülpt sich wieder den rostigen Helm aufs Haupt, Rosinante schnaubt resigniert… es geht schon wieder los, ach herrje!
    Meine Versuche, mich bei Fleischhauers Brötchenarbeiten auf den humoristischen Aspekt zu beschränken, sind regelmäßig missglückt. Vielleicht sollte ich ihn gar nicht mehr lesen.

    Hochachtungsvoll
    das Pantoufle

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *