Klick nicht weg!

Manchmal überkommt einen das Mitleid. Dann möchte man jemanden in den Arm nehmen – trösten… ist ja gar nicht so schlimm und bis zu Weihnachten ist das alles wieder gut. Wahrscheinlich. Mindestens aber bis Ostern! Kristina Schröder ist so ein Fall. Jung an Lenzen, arm an Erfahrung und bar jeden Instinktes. Man kann ihr nicht zum Vorwurf machen, sie hätte sich keine Mühe gegeben, in der Politik ihren Platz zu finden: Ob als Fachfrau für Ausländerfragen, charmantes Eselchen zur Genderdebatte oder mit originellen Erklärungsmodellen zum Feminismus. Sie hat wirklich nichts ausgelassen. Kein noch so kleines Fettnäppchen und die großen schon gar nicht – immer der Länge nach hinein. Und immer wieder tapfer fettriefend aufgestanden mit weit offenen Rehaugen…charmant, schwanger, dämlich.
Aber diesmal… ich glaube, auch bis Ostern wird das nichts!
Aufgrund ihrer Funktion als Familienministerin mußte sie sich gerade kürzlich zusammen mit ihrem Ministerin gewordenen Feindbild Ursula von der Leyen am selben Tisch mit den DAX-Vorständen über die Geschlechterverteilung einigen. Das Kücken und die Falken – und dann noch die Frage, warum Frau v.d. Leyen überhaupt dort war… so viele Fragen und nicht eine einzige verwertbare Antwort! Das kompensiert man am besten damit, daß man sich mit einer den ureigensten Bedürfnissen entsprechender Kampagne wieder als souveräne Politikerin profiliert.

Klick nicht weg!

Damit sind hier natürlich meine verehrten Leser gemeint: Das ist die Kampagne! Und wie jede erfolgreiche Selbstdarstellung braucht es auch hier einen Träger, einen Sponsor – jemanden, der mit der geballten Kraft der Presse intellektuell und durch Breitenwirkung in die selbe Richtung stößt. Am besten jemanden, dessen Medienkompetenz und Botschaft kaum trennbar vom Kopfe der Kampagne ist. Kristina suchte und fand. Es war die… zitternde Erregung, unerträgliche Spannung des Lesers… die „Jugendzeitschrift“ BRAVO!
Der Autor dieser Zeilen nutzte die eigene geistige Verwirrung zu einer nicht repräsentativen Schnellumfrage bei seinen pupertierenden Töchtern: Gibt es die immer noch??!?!?
„Pappi: Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, das wir DAS lesen!“
Ok, sie existiert also noch! (…fester Vorsatz, demnächst bei der Suche von vergammelten Lebensmitteln unter den Betten auch nach Zeitschriften Ausschau zu halten).
Also die BRAVO. Wer erinnert sich nicht: Dr. Sommer, Starschnitt, Photo-Lovestory, Dr. Sommer, Kiss, erste Feten ohne Eltern, das erste Bier, der erste Kuss, Dr. Sommer… Die BRAVO also!
Die Suchmaschine bestätigt meine Töchter: Bravo! Die Seite baut sich auf – rechte Seite: Rosafarbenes Paisley… so schlimm sah es nicht einmal bei meinen Töchtern im Schlafzimmer aus. Ein pupertärer Albtraum in augenkrebserzeugender Unfarbe. Links unsere Familienministerin.
Kristina Schröder outet sich: „ Ich hatte die BRAVO nicht im Abo, aber ich habe sie natürlich öfter gelesen.“ Na gut, wer hat das nicht! Aber das sagt man nicht laut. Nicht einmal leise… aber wie wir in der BRAVO ja schon vor 40 Jahren gelernt haben: Mädchen sind irgendwie anders!
Und die Dr. Sommer-Seiten? „… habe ich selbstverständlich auch gelesen. Aber aufgeklärt wurde ich nicht von Dr. Sommer!
Kristinchen: Ich hab Dich irgendwie lieb! Verrate doch mal: Wer war`s denn? Aber nein: Das sind Fragen unterhalb der Gürtellinie und die gibt es nicht einmal in der Schrottpresse!
Aber ich eile voraus. So weit sind wir noch gar nicht. Da ist ja noch die Kampagne!
Cybermobbing im Internet. Cyber… das klingt irgendwie nach Perry Rhodan (Los: Gesteht! Wer hat`s gelesen?) Cyber – das ist dieses wohlig gruselige Gefühl mit Traktorstrahlen, Ausserirdischen und Überlichtgeschwindigkeit, daß man mit dem höchst irdischen Ausdruck „mobbing“ zusammenschraubt. Fertig ist das Internet! Das Internet: Unendliche Weiten, ferne (virtuelle) Welten: „Das Netz ist großartig und birgt unglaubliche Chancen: Kommunikation, Wissen, die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen oder abzuschließen. Ich möchte auf keinen Fall mehr ohne Internet leben!“
Und nicht ohne Schulabschluß. Recht so – braves Mädchen!
Aber leider, leider birgt das Netz unerwartete Gefahren. Gefahren, die entstehen, wenn man ungefragt auf einer Fete erscheint, zu der einen niemand eingeladen hat.
Zumindest wurde ich oft beschimpft. Das geschieht leider zwangsläufig, wenn man als öffentliche Person in sozialen Netzwerken aktiv ist. Ich bin bei Facebook und Twitter. Bei Twitter wurde ich mehrfach unter der Gürtellinie angegriffen.“
Schneewitchen bei der Beerdigung von Sid Vicious. Das mußte schiefgehen! Und das darf nicht wieder passieren! Irgend ein Typ in nicht gesellschaftsfähigem Outfit hat sie beschimpft – er nannte sich „Jonny Rotten“, hieß aber – wie man nach langen Recherchen und unter Mithilfe ermittlungstechnischer Behörden erfuhr – John Lydon. Das durfte nicht wieder passieren! Was liegt näher, als über den Umweg in der Kanalisation das Verbot von anonymen Postings im Internet zu verlangen.

Bei Twitter kann sich jeder hinter einem Fantasie-Namen wie „Wurstbrot79“ verstecken und dann andere beschimpfen. Das Gefühl, nicht entdeckt werden zu können, senkt die Hemmschwelle. Das ist aber natürlich unglaublich feige und gemein! Und falsch auch, weil man natürlich trotzdem gefunden werden kann.

Genau, Kristinchen! Das weiß nun wirklich jeder, daß ein Nick eine höchst vordergründige Deckung ist. Niemand glaubt doch im Ernst, daß das gegen die schwere Artillerie der regierungsseitigen Maginotlinie hilft. Die haben neuerdings sogar selbstgebastelte Trojaner!
Aber wenn das trotzdem passiert, kann sich jeder erst einmal selber helfen: „Screenshots“ machen. Damit man Beweise hat. Denn eins muss klar sein: Das Beleidigen von Menschen ist strafbar – auch im Internet! Aber bevor man eine Anzeige aufgibt, sollte man zuallererst mit seinen Eltern sprechen.
Das Internet ist, wie bekannt, kein rechtsfreier Raum – im Gegensatz zur Politik gelten hier allgemeine Gesetze! Und Screenshots sind immer gut. Ausdrucken, zu Mami laufen und wenn das nichts hilft, zum Staatsanwalt! Das ganze Internet ausdrucken!
Kristina Schröder! Wie meine Töchter glaubhaft versichern: Sie lesen das nicht! Du hast auch ein Schlußwort für die lieben Kleinen, die sich bei BRAVO versammelt haben, um ausgerechnet von Dir etwas über das Internet zu erfahren; es ähnelt sehr dem, was Pantoufle auch immer zu seinen Kleinen sagt
„Engagiert Euch! Setzt Euch für die Dinge ein, die Euch wichtig sind, und wehrt Euch gegen die Dinge, die Euch nicht gefallen. Nur Ihr könnt dieses Land zum Besseren verändern!
Und das, was Du sagst, gefällt uns nicht. Und wir werden uns wehren gegen Kindsköpfe wie Dich.

 Kristina Schröder und „BRAVO“: Die Familienpolitikerin und die Speerspitze des Frauenbildes des 21. Jahrhunderts. Konsumieren und „schönsein“. So findet man sich.

 Die kursiv gesetzten Zitate sind wörtlich ohne freundliche Genehmigung dem BRAVO-Interview entnommen.

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0 Kommentare zu Klick nicht weg!

  1. FF sagt:

    Diese Frau Schröder schießt wirklich den Vogel ab… Denkt nichts, weiß nichts, kann nichts. Will offensichtlich auch nichts denken, nichts wissen, nichts können. Redet aber in einer Tour dummes Zeug.

    Mittlerweile umfahre ich ihre läppischen Auftritte weiträumig.

    Die Dame ist ein Schlag ins Gesicht – vor allem in das meiner Generation (Ende 30). Was muß man sich abbuckeln, um heute irgendwo „Führungsaufgaben“ erfüllen zu dürfen. Für jeden drittklassigen gehobenen Job braucht es endlose Qualifikationen, einschlägige Erfahrungen, Kompetenzen, Netzwerke, glückliche Wendungen. Es wird gnadenlos ausgesiebt.

    Und da kommt ein höheres Töchterchen daher – mit nichts außer einer sehr dubiosen Dissertation, wird – zack! – Bundesministerin und „leitet“ aus dem Nichts eine riesige Behörde mit hunderten Mitarbeitern. Es ist die reine Verarschung. Und daß die Dame sooo dämlich ist, macht es auch nicht besser. Pain in the ass.

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    • pantoufle sagt:

      Beim Wort „Politiker“ automatisch an Leistung zu denken, ist ein schmerzhafter Reflex, den man vermeiden sollte. Ich sehe diese Person denn auch weniger als „Politiker“, sondern eher als Statement der Union, für wie wichtig man das Ressort hält, welches Frau Schröder besetzt.
      Auch vermeide ich Begriffe wie „vollkommene Unfähigkeit“ und „absoluten Realitätsverlusst“, weil es sich – nicht nur bei ihr – um das Phänomen dahingehend handelt, Menschen ohne Lebenserfahrung und Tiefe, nur gesegnet mit Kreuzen auf Anwesenheitslisten von Parteitagen, auf die Menschheit loszulassen.
      Ich teile Ihren Standpunkt – was mich an Kristina Schröder aber vollkommen entnervt, ist ihre absolute Humorlosigkeit. Wahrscheinlich denkt sie, daß die Abwesenheit von Humor einen ernsthaften Menschen aus ihr macht…

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  2. FF sagt:

    @ pantoufle

    Humor hat sie bestimmt noch mehr als Sachverstand… Es ist nur grotesk. Bitte auch zu beachten, daß diese Kinderministerin, selbst wenn es sich morgen ausministriert haben sollte, bis an ihr Lebensende versorgt ist. Zumindest irgendeine Filiale der Konrad-Adenauer-Stiftung dürfte sich finden. (Siehe die unvergessene Claudia Nolte, die man auf den Balkan entsorgt hat.)

    PS.: Was mir Hoffnung macht, ist der Karriereknick der (ähnlich humoristisch begabten) baden-württembergischen Ex-Ministreuse Tanja Gönner. Da hat die geräuschlose Verbringung in ein gutdortiertes öffentliches Amt nicht geklappt. Bislang…

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  3. Derek Jefferson sagt:

    Die Herren
    Gibt es nicht in Deutschland den Begriff des Verklappens dafür…?
    Sehr vereehrter Herr Pantoufle-leider fehlt mir für den Moment die Zeit für einen längeren Punch like London Charivari-
    desshalb nur diese unversehrte Bemerkung.
    Mit den freundlichsten Grüßen einstweilen.

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    • pantoufle sagt:

      Lieber Herr Jefferson: da gibt es nicht nur diesen Begriff, sondern zu allem Übel auch das deutsche Presserecht. Das besagt in etwa – ohne jetzt auf Details einzugehen – daß es strafbar sein kann, solch finale Vorschläge z.B. in Printmedien zu vertreten. Nicht nur die Idee des „verklappens“ gehört dazu, nein: auch solche Dinge wie Badelatschen aus Beton, teeren und federn oder die Bastonade. Die Weisen, die nach 1945 die Arbeitshypothese „die Würde des Menschen ist unantastbar“ ins Grundgesetz schrieben, meinten damit zwar nicht ausdrücklich, aber eben auch Politiker.
      Und so darf ich zwar tonnenweise Atommüll verklappen, nicht aber dazu aufrufen, das mit den verantwortlichen Politkern zu machen. Wenn ich unseren Bundesinnenminister richtig verstanden habe, darf ich das nicht einmal denken.
      Und das will ich auch brav tun! Nicht natürlich!

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  4. pantoufle sagt:

    Claudia Nolte … Kohls Mädchen, Mehrwersteuer… google, google, google… ACH: Im Balkan!
    Das bringt mich auf die Idee, mal eine neue Serie anzufangen: „Was wurde eigentlich aus…“ Ich beginne mit, glaube ich, Westerwelle! (Helmut Westerwelle? Harry? Jürgen?) Egal – ich krieg das raus… investigativer Journalismus!
    Danke für die Idee 🙂

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