Kleine Zwischenbilanz

Pony, niedlich

Als ich heute mit meinem ältesten Sohn und unserem kleinen, sehr flachen roten Auto…

Vierundzwanzig ist der Junge. Vierundzwanzig Jahre! Vor Vierundzwanzig Jahren + Biologie muß es also gewesen sein, daß meine gute Frau und ich uns über die Bedenken »in diese schreckliche Welt sollte man keine Kinder setzen!« hinwegvögelten und dann gleich ein paar davon in genau diese Welt setzten.
Was war das doch für eine übersichtliche Welt! Blühende Landschaften erblühten, es gab praktisch nirgendwo Bananen zu kaufen und unsere Schwestern und Brüder kamen aus dem jüngst verstorbenen Umtausch-Regime der DDR. Unwiederbringliche Chance für alle Analog-Photographen die Welt der sechziger Jahre live und in grau-weiß zu photographieren. Das passende Material konnte man gleich nach Grenzübertritt am Straßenrand gegen Westgeld kaufen.

Petra Kelly und Gerd Bastian starben 1992. Alice Schwarzer schrieb darüber ein Buch: »Eine tödliche Liebe – Petra Kelly und Gerd Bastian.« Kiepenheuer & Witsch hatten genügend Humor es zu veröffentlichen. Alice Schwarzer über Liebe und Frieden.
Den CCC gab es auch schon und die Trolle trugen grüne Uniformen. Neuigkeiten standen in der Zeitung, manchmal sogar im Spiegel bis 2002 der Alte starb – seitdem war das Blatt nur noch bedingt abwehrbereit.
Eine nette, kleine, überschaubare Welt, der es lediglich an einem kollektiven Feind fehlen sollte. Man hätte mit den Kindern warten sollen, bis wieder ein satisfaktionsfähiger Feind im Raum steht.

2017 ganz am Anfang. Bernd Burkhard Benny Josef Björn Höcke entjungfert öffentlich die AFD, McCarthy heißt nun Trump, der Interessenverband faschistischer Europäer trifft sich unter Polizeischutz in Koblenz, Erdoğan besiegt Kemal Atatürk… das Kinderargument von damals klingt irgendwie putzig. Es erinnert ein wenig an den Untersuchungsbericht über den tödlichen Unfall eines Tesla im Autopilot-Modus. Man hatte einen Autopiloten verkauft und nachdem der Kunde tot ist, heißt es: Read that fucking manual. Der Hersteller Tesla behauptet, keinen Kunden zu kennen, der den Begriff »Autopilot« mißverstanden hätte. Ziemlich genau das selbe behauptet Höcke auch, wenn er auf die auffallende Ähnlichkeit zwischen ihm und Goebbels angesprochen wird.
Ach ja: Und McCarthy war nie US-Präsident.

Zu kurz? Ach, der Mensch hat ein überschaubares Gedächtnis! Die Dinge der letzten 48 Stunden liegen einem näher.
Der Kiezneurotiker hat sein Blog dichtgemacht. Das hat sicherlich Gründe. Dazu könnte man die Kommentare zu ihm durchsehen oder einige Statements analysieren. Aber es wird wohl der Ton gewesen sein, der herrscht. Vielleicht nicht allein, aber eventuell federführend. Die Krakeeler, die Kriminellen, die Dummen, die öligen Windfahnen sind erfolgreicher. Wobei Erfolg seit der Verordnung von Stummelsätzen mit Lautstärke gleichzusetzen ist. Gestammel übers Megaphon. Es tut mir entsetzlich leid. Ich hoffe, es wird ihm nicht anders gehen als mir und er kann auf die Dauer genauso wenig sein Maul halten.

Dieser Meinung folgt wohl auch Michael Spreng vom Sprengsatz. »Nach reiflicher Überlegung schließe ich heute die Kommentarfunktion. Ich werde keine weiteren Kommentare zu meinen Beiträgen veröffentlichen. […] Als Hausherr dieses Blogs habe ich acht Jahre lang jeden Kommentar gelesen (insgesamt 37.131), veröffentlicht oder gelöscht. Ich bin dessen müde geworden und mache von meinem Hausrecht Gebrauch, die Kommentarfunktion zu schließen.«
Ein Sieg der Krakeeler, der Kriminellen, der Dummen und öligen Windfahnen.

»Das unwürdige Trauerspiel hat ein Ende. Andrej Holm ist von seinem Amt als Bau- Staatssekretär zurückgetreten und damit seinem bereits beschlossenen Rauswurf zuvorgekommen.« Andrej Holm als Lehrstück: Vergesst endlich „rot-rot-grün“ bei Genuß ist Notwehr.
Die Humboldt Universität hat systemrelevant nachgetreten und ihn ebenfalls gefeuert. Ein Bleistift-Kreuz an der falschen Stelle ist schlimmer als ein in die Beichtkammer gehauchtes »Jehova«.
Vergesst einfach, daß so etwas wie Opposition möglich ist. Keine guten Zeiten, Kinder in die Welt zu setzen.

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53 Kommentare zu Kleine Zwischenbilanz

  1. Die Bestattungszeremonie für das KN-Blog war übrigens sehr schlicht. In bewährter Manier wurde es von der Firma Pietät-Malotzke in Neukölln übernommen. Die Asche wurde in eine leere Whisky-Flasche gefüllt und dann in der Altpapiertonne entsorgt.

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    • Pantoufle sagt:

      Ich find’s nicht ganz so witzig

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      • Seine Entscheidung. Wer so ausgeteilt hat wie der KN, darf beim Einstecken nicht das Sensibelchen spielen oder die beleidigte Leberwurst und anschließend wie ein kleines Kind weglaufen.

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          jaja, danke nochmal; da du bereits über seine entscheidung vor 2 wochen informiert wurdest, hätteste ja auch mal n ton vorher sagen können. da gabs nämlich schon diverse texte, die ich mir vorher gerne gesichert hätte, denn über den google-cache und wayback an das zeug ranzukommen, ist nicht gerade einfach. stevenson mag meister im austeilen sein, aber die diva spielen ist wohl deine spezialität.

          ich finds übrigens auch nicht witzig.

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        • Annika sagt:

          Matthias, auf ein Wort: zunächst mal hat er nicht wie ein Sensibelchen reagiert, sondern hat sich bei dir in aller Öffentlichkeit entschuldigt und den Text gelöscht. Dann hat er seine Kommentarfunktion gesperrt, wohl um zu verhindern, dass die üblichen Verdächtigen ihren Mist absondern, was eine weitere Deeskalationsstufe war.

          Ich hätte mir sehr gewünscht, dass du ähnlich klug reagiert hättest.

          Die “Sensationsgier der Gaffer und Krakeeler” hast allein du angeheizt, indem du a) den Text in Teilen auf deinem Blog wieder ans Licht geholt hast und b) dann diesen Blödsinn von der “abgekarterten Sache” zum Besten gegeben hast.

          Als ich das (und alles andere von dir auf anderen Blogs) gelesen hatte, ahnte ich, dass der KN seinen Laden dicht machen wird. Das ist eine Konsequenz, die ich nachvollziehen kann und die mit “kindischer, beleidigter Leberwurst” nichts zu tun hat.

          Tiker schreibt, das habe er schon öfter gemacht, alles zu löschen und an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Ich hoffe, sie behält recht.

          Denn obwohl er oft wie ein erbarmungsloser Eisschrank daher kam und mir daher auch manches nicht fehlen wird (also, die Frau an sich konnte es ihm nur selten recht machen, was ihn andererseits nicht hinderte, manche von ihnen hymnisch zu loben), so hatte ich immer den Eindruck, dass er okay ist. Oder meinetwegen projizierte ich, dass er okay ist. Weil er zu mir immer okay war. Beim gelegentlichen Austausch hinter den Kulissen war er so freundlich, wie es seine Distanziertheit eben zuließ.

          Du gehst sehr schnippisch darüber hinweg, dass er nicht mehr da ist. Ich wage mal die Prophezeiung, dass du bis auf weiteres von der Verdreifachung deiner Klickzahlen nicht mehr wirst berichten können.

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        • @ Annika

          [Diese Passage wurde vom Säzzer gestrichen]

          Da unterscheiden wir uns. Mike und ich haben uns, wie das bei Jungs so üblich ist, nach der Prügelei gleich wieder vertragen und damit war die Sache erledigt. Der Text “Blogger Battle of the year” war dann doch nur noch eine Verarsche der sensationslustigen Gaffer und Schmierlappen, über die ich mich auf diese Weise lustig gemacht habe. Falls dir der Humor für solche Spielereien fehlt, solltest du heute nicht mehr mein Blog anklicken, sonst kriegst du einen Tobsuchtsanfall ;o)))

          Ich mag Mike und seine Schreibe sehr. Er fehlt mir, so wie er vielen anderen im Netz auch fehlt. Er weiß das auch und erholt sich gerade von der narzisstischen Kränkung, zu der auch dein Text über ihn beigetragen hat, Misses Glashaus :o)

          P.S.: Gestern 1763 Seitenzugriffe. War schon mehr, aber ich klage nicht.

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        • tikerscherk sagt:

          @ Matthias Eberling

          Wieso sollte Mike beleidigt sein?
          Er hatte vielleicht einfach genug von der Sache, die irgendwie aus dem Ruder gelaufen war, und da auch sein Kommentariat seit einiger Zeit die Kurve nicht mehr kriegte und zum geifernden Mob geworden war, hat er halt den Laden dicht gemacht.
          Er hat sich schlecht benommen und das weiß er auch, und Du hast zurück geschlagen, mit Recht.
          Mike war nie ein Freund der großen Worte. Was hätte er jetzt noch sagen oder zurecht rücken sollen? Er hat sich öffentlich und hinter den Kulissen entschuldigt.

          Mike hat ein paar lange gute Jahre die Blogwelt bereichert. Hat seinem Namen Kiezneurotiker alle Ehre gemacht, ist manchmal über das Ziel hinaus geschossen. Am Ende hat er nun seine Kunstfigur, den irren Neurotiker, gekillt.

          Er ist viel zu begabt und voller Ideen, um nicht weiter zu schreiben. Ich würde mich drüber freuen, auch wenn er mir den den letzten Zügen seines Blogs zu provo, zu vulgär und zu misogyn war.

          Er kann aber auch anders und das wird Ihr werdet sehen.
          (Stimmt doch, Mike, oder?)

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        • @ tikerscherk

          Ich hoffe auch, dass er einfach nur die Reißleine gezogen hat und demnächst ein neues Blog aufmacht. Wäre schade, wenn nicht, denn er ist einer der besten Blogger, die ich kenne.

          Ich habe ihm auch eine entsprechende Mail geschrieben und sehe gelassen in die Zukunft. Es gibt ja auch wichtigere Dinge als den Tratsch in Kleinbloggersdorf.

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  2. da]v[ax sagt:

    Wenn jemand seine Kommentare oder gleich sein ganzes Blog zu macht, dann gewinnen natürlich die Krakeeler. Ich selber darf heute oder morgen den 30.000. Kommentar feiern, und ich habe auch alle gelesen. Trotzdem gewinnen bei mir nicht die Krakeeler. Warum? Weil ich ihnen keinen Fußbreit Raum lasse. Ganz einfach. Wer nicht durchgreift, verliert nunmal in diesem Internet. Das passt mir auch nicht, aber anders geht es halt nicht . Hier ist ein geradezu beispielträchtiger Thread, wo man sieht, wie sowas geht. Die einen krakeelen, ich krakeele gerne auch mal mit, dann argumentiert man wieder und ganz schnell wirds wieder still. Es geht auch anders, z.B. kann plötzlich eine fast schon echte Diskussion entstehen, wo man anfangs nur Krakeelereien vermutete.

    Mein Fazit: Krakeeler muss man bei sich zu hause nicht gewinnen lassen, es geht tatsächlich immer noch auch anders. Das ist anstrengend, keine Frage, aber niemand hat behauptet, es sei einfach, dem Faschismus entgegen zu treten.

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  3. da]v[ax sagt:

    PS: vielleicht hätten beide die 10 Regeln zum Überleben im digitalen Haifischbecken lesen und beherzigen sollen… da steht ziemlich genau drin, wie man mit seinem Blog und dessen Publikum klar kommt.

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    • Ich fand die Sensationsgier der Gaffer und Krakeeler schon erstaunlich. Da streiten sich zwei und schon bildet der sabbernde Mob einen Kreis um die beiden wie bei einer Schulhofkeilerei. In kürzester Frist hat sich meine Leserschaft für ein paar Tage verdreifacht – und dann gab es enttäuschte Kommentare, man würde sich wieder andere “Pausenclowns” suchen. Aber so geht es ja an jeder Unfallstelle zu, wo die Gaffer enttäuscht sind, wenn die Toten und Verletzten in den Rettungswagen verschwunden sind.

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      • da]v[ax sagt:

        ich habe (im Gegensatz zu den anderen hier Mitlesenden) keine Ahnung, um was es bei euch beiden ging. Will ich auch gar nicht wissen, denn wenn du ähnlich respektloses und abschätziges (und vor allem depressives) Zeug schreibst wie Mike, dürften mich die Sachen nicht interessieren. Macht ihr ruhig so weiter, aber wundert euch nicht, wenn ihr von Krakeelern und Gaffern gut gefunden werdet.

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  4. tikerscherk sagt:

    Als ich die “Rezension” des Kiezneurotikers las, die letztlich der Stein des Anstoßes war, dachte ich schon, noch ehe es dann krachte, dass er gerade seinen Abgang einläuten will.
    Es ist nicht zum ersten Mal, dass Mike alle Beiträge löscht, seine Zelte abbricht und anderswo unter neuem Namen wieder anfängt. Das hat er als Mike-O-Rama bei Qype so gemacht und später dann als underdog. Er kommt wieder und vielleicht moderiert er dieses Mal von Anfang an die geifernde Meute aus seinem Bloghaus hinaus. Das wäre schön.

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  5. Pantoufle sagt:

    Tja, irgendwie gleichen sich die Statements jedes mal wieder, wenn einer das Handtuch schmeißt. Nein, nicht »irgendwie«, sondern wie Copy&Paste. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen – vielleicht gibt es nicht mehr anzumerken. Könnte ja sein.

    Was die von daMax verlinkten Tips zum Überleben betrifft, könnte man glatt die Träne der Rührung vergießen. 2012, eigentlich noch gar nicht so lange her und trotzdem schon mit einer nostalgischen Patina. Bezogen auf Twitter und Facebook (und die die ich gar nicht kenne) halte ich das zum Teil für obsolet. Die Trolle haben sich mittlerweile professionell aufgestellt, sind unbemerkt Teil der medialen Kakophonie geworden und spielen Gegenöffentlichkeit.
    Blogs liegen auf dem Sterbebett und dieser Tod wird von einigen auch noch genüßlich Kleinboggersdorf genannt; halb Erkenntnis, halb Wunschdenken. Wobei es mit der Erkenntnis nicht so weit her ist: Sich selber die Zunge abzuschneiden mag bei einigen ja einen ähnlichen Charme haben wie ein silberner Nasenring, aber dämlich ist es eben auch. Macht nix! Zweimal habe ich selber das Handtuch geworfen und jedes mal (von der Häme abgesehen) kamen diese Allgemeinplätze wie »das muß man aushalten können«, »Wer austeilt, der muß auch…« oder »beleidigte Leberwurst« ect. Jedes mal die selben Sprüche und nie Konsequenzen außer von denjenigen, die auf diese Scheiße keine Lust mehr haben.

    Man muß gar nichts aushalten und schon lange kein Held sein. Sind wir im Krieg oder was? Seenotretter im Einsatz? Bohrinsel-Löschtruppe? Das ist doch alles gequirlte Scheiße! Was in jeder Kneipe mit einem Schlag in die Fresse oder gleich mit einem Versöhnungsbier zu erledigen ist, ist im Netz nicht anwendbar. Es gibt keine sozialen Werkzeuge, die vergleichbar mit Streß an der Aldikasse oder ähnlichem wären. Ganz abgesehen davon, daß sich nur eine verschwindende Minderheit im Real-Live so aufführt wie das im Netz mittlerweile »normal« ist.

    Ich finde das recht interessant (auch in Bezug auf Tikerscherks »vielleicht moderiert er dieses Mal von Anfang…«), wenn ich mir Punkt 2 bei Michael Spreng ansehe: »Der Ton verroht. Ich bin immer häufiger gezwungen, Kommentare zu löschen – entweder weil sie Beschimpfungen enthalten oder aber weil sie rechtspopulistisch  verhetzend sind.« Wir sind wohl doch im Krieg, wobei der Frontverlauf nicht ganz klar ist. Die Tritte können ja aus völlig unerwarteter Richtung kommen – und nicht zwangsläufig von rechts.

    Ja, ich hoffe ebenso wie Tikerscherk daß Mike irgendwo und irgendwann weiterschreibt.

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    • tikerscherk sagt:

      Um das gleich mal klarzustellen: ich finde das nicht normal und auch nicht gut, wenn man sich ständig seiner Haut wehren muss. Die Verantwortung liegt bei den Trollen und nicht bei denjenigen, die diesen Würstchen ausgesetzt sind.

      Ich bin nach wie vor sicher, dass Mike so oder so bald hingeschmissen hätte. Sonst hätte er diesen Text, in dem er sowohl Andreas Glumm, wie auch den Kiezschreiber auf wirklich inakzeptable Weise angezählt hat, nicht geschrieben.

      Wie gesagt- es wäre nicht das erste Mal, dass er radikal neu anfängt.

      Wir werden sehen.

      Schönen Sonntag allerseits!

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    • da]v[ax sagt:

      “Wir sind wohl doch im Krieg, wobei der Frontverlauf nicht ganz klar ist. Die Tritte können ja aus völlig unerwarteter Richtung kommen – und nicht zwangsläufig von rechts.”

      Naja, Krieg würde ich das nicht direkt nennen. Aber dass der Ton verroht, ist schon seit ca. 4000 Jahren Tatsache 😉 Nein, ich finde das auch nicht schön und ja, ich würde begrüßen, es wäre anders. Ist es aber nicht. Oder doch? Also in meinem kleinen Eckchen Internet isses (wie ich finde) deutlich angenehmer. Die Leute sind in der Lage, miteinander zu reden, ohne so abschätzige Begriffe wie “Heulsuse”, Schmierlappen” etc. zu verwenden. Einer wie Matthias bekäme schon beim ersten Kommentar von mir eine gelbe Karte und würde beim zweiten unflätigen Anfall direkt rausgekantet werden.

      Denn das einzige, das gegen die Krakeeler hilft, ist der “Silentio!”-Zauberspruch, der Kommentare in den digitalen Papierkorb befördert.

      Und da mache ich keine Ausnahme zwischen links und rechts und rot und blau. Wer sich bei mir daneben benimmt, fliegt raus und was “daneben” ist, bestimme ich in eigenmächtiger Hybris.

      Nochmal zur Klarstellung: ich habe KEINE AHNUNG, was da zwischen KN und ME abgelaufen ist und ich will es auch gar nicht wissen. Diese Unart, seine schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit zu waschen, die in manchen Teilen der Bloggeria herrscht, konnte ich noch nie verstehen und ich will mich damit auch gar nicht beschäftigen. Auch die ständige Nabelschau (“der hat gesagt dass ich gesagt hätte, die hätte gesagt…”) interessiert mich nicht die Bohne. Mich interessieren einfach andere Blogs. Aber: ich denke, ich kann ein paar Tipps zum Umgang mit schwierigem Publikum geben, weil ich meine, selber für ein halbwegs angenehmes Publikum gesorgt zu haben (andere sind da natürlich anderer Meinung), aber das ist anstrengend und nervenaufreibend und unangenehm und ich kann jede|n verstehen, der|die darauf keinen Bock (mehr) hat. Ich für meinen Teil mache es mit mehr oder weniger Spaß an der Sache und wäre todunglücklich, wenn die Trolle den Kampf gewännen. No pasaran! 🙂

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  6. MT sagt:

    Tja, jeder inszeniert sich in diesem Internet so gut wie er kann. Der KN kann das anscheinend auch sehr gut. Hat wahrscheinlich in seinem Borgwürfel von den Besten gelernt. Wie tikerscherk schon geschrieben hat: Skandal. Drama. Abgang. Wirkt alles etwas konstruiert. Die Diva hat das Haus verlassen.

    Ich muss hier daMax zustimmen: Wer keinen Bock hat sich mit seinen Lesern zu beschäftigen hat im Internet nix verloren. Jeder hat das Publikum, das er verdient. Die Krakeeler werden immer kommen, man muss sie sich dann vom Hals schaffen. Ich habe das beim KN nie verstanden, dass ihm seine Leserschaft im Grunde völlig am Arsch vorbei geht. Ich habe auch so manche andere Sachen nicht verstanden, aber nun gut. Der KN hat einen Schaden, aber einen positiven. Deswegen ist sein Blog auch so interessant gewesen.

    Ich hoffe, dass er wiederkommt. Aber dann soll er sich seine tollen Tipps sparen und die Leute schreiben lassen, was sie wollen. Das geht ihn nämlich nix an.

    Sich einfach so zu verpissen ist nämlich genauso strange. Nicht wahr KN, Du alte Butterbirne 😉

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  7. @ Bonsai-Teil, weiter oben

    Ich habe mir erlaubt, eine interne Information eines auch von mir geschätzten Kollegen mit Diskretion zu behandeln. Hätte Mike die Löschung seines Blogs vorher ankündigen wollen, hätte er es selbst in seinem Blog getan.

    Und wenn du hier in diesem Tonfall rumnörgelst, gibt es natürlich auch in Zukunft keine exklusiven Informationen. Vielleicht gibt es ja demnächst die besten Texte des KN als E-Book bei Kindle zu kaufen?

    Herzliche Grüße

    Colonel Clickbait

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      *wie* ich rumnörgle, ist erstma meine sache, ich reite auch nicht auf deiner art der nörgelei rum, right? mal von ab, “hier” ist pantoufles clubraum und nicht bonettis. ja, ich hab auch auf die gefahr der sperrung “hier” rumgenörgelt, da ich blöderweise nicht auf deinem blog rumnörgeln kann; selbst wenn ich NoScript komplett abschalte, verschwinden meine kommentare dort offensichtlich im nirvana.

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  8. Annika sagt:

    @ Matthias

    Du zitierst aus persönlichen Zeilen und dann auch noch falsch? Wie tief soll’s denn noch runtergehen?

    Fare thee well.

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    • [Auch hier waltete der Säzzer seines Amtes. Gestrichen!]

      Vielleicht bist du deswegen so aggressiv, weil du anderen Menschen ihre Fehler nicht verzeihen kannst.

      SO tief geht es hinunter … – und wir sind noch nicht mal im Keller, liebe Annika.

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      • OldFart sagt:

        Würde jemand aus privat geführter Korrespondenz meine Worte öffentlich machen, noch dazu, um mir coram publico ans Bein zu pinkeln und zu allem Überfluß auch noch nach meinem klaren Hinweis auf die diesbezüglich schon stattgefundene vorherige Etiketteverletzung – also vorsätzliche Wiederholungstat – wären wir ein für allemal geschiedene Leute.

        Ich sehe nach diesem Stunt hier rückwirkend den diesen Zirkus auslösenden und durchaus ungebührlichen, unnötigen und verletzenden Verriß des Kiezneurotikers in etwas anderem Licht.

        Das war kein Heldenstück, Octavio!

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        • Wer mir in aller Öffentlichkeit unterstellt, ich würde lügen, der bekommt von mir auch in aller Öffentlichkeit die Wahrheit präsentiert, die mir schriftlich vorliegt. Ich bin kein Lügner, dagegen wehre ich mich. Daher das Zitat.

          Der KN hat ausdrücklich mit dem Verweis auf Annikas Text und nicht mit dem Verweis auf meine Replik seinen Text zurückgezogen und die Kommentarfunktion geschlossen. Auch das ist die Wahrheit.

          Im übrigen hat Annika mich schon vorher von ihrer Blogroll gelöscht, wir waren also schon geschiedene Leute, als ich hier meine Klarstellung gepostet habe.

          Ich bin in diesem Monat schon sehr häufig in aller Öffentlichkeit beleidigt und bedroht worden – und wenn jemand mir und meiner Familie in aller Öffentlichkeit mit Gewalt droht, hat das eine andere Qualität als wenn man als “Old Fart” oder “Annika” im Netz unterwegs ist. Denn ich stehe hier mit meinem Namen, meinem Wohnort, meinem Bild im Netz.

          Ich werde mich auch weiter gegen alle Angriffe wehren. Dazu muss man kein Held sein.

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          “…wenn jemand mir und meiner Familie in aller Öffentlichkeit mit Gewalt droht”

          wiewas? werwann?

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  9. Pantoufle sagt:

    Alles ruhig hier? Bestens! Dann darf ich wohl noch mal:

    Ich fürchte, daß ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt habe. Das kann passieren, auch wenn es gelegentlich enttäuschend ist mißverstanden zu werden. Also nochmal langsam zum mitschreiben.

    Der Kiezneurotiker hat seine Bude dicht gemacht. Das finde ich äußerst bedauerlich. Bedauerlich im Sinne von: Eine Stimme weniger, eine wichtige Stimme. Das ist vollkommen unabhängig davon, ob ich jedes Wort von ihm hätte unterschreiben können; auch in der kritischer Distanz kann Nähe oder Respekt liegen. Ich hatte das versucht am Beispiel Michael Sprengs zu illustrieren; auch einer von denen, die ich regelmäßig lese, ohne gleich als Fahnenträger in Erscheinung zu treten. Für mich besteht die Frage nicht darin, ob der Kiezneurotiker in seinem Text über Matthias Buch eine Grenze überschritten hat oder nicht: Wir sind alle erwachsene Menschen und das kann jeder für sich selbst entscheiden. Kiezneurotiker hat für sich entschieden, daß er selber eine Grenze übertrat, hat den betreffenden Artikel gelöscht und – wie ich finde konsequenterweise – die Kommentarfunktion gesperrt. Sehr gut und zivilisiert reagiert!
    Soweit so gut und damit hätte die Geschichte zu Ende sein müssen.

    War sie aber nicht. Jetzt zerfällt das Drama in zwei Teile.

    Teil 1.)

    Ein Blog macht dicht. Nicht wegen Todesfall oder sonstiger höherer Gewalt, sondern weil der Betreiber die Schnauze voll hat. Statt sich mit den Gründen auseinanderzusetzen, ist die »normal« einsetzende Reaktion »Selber schuld«, »Der hätte einfach…«, »Muss man aushalten können« und ähnlicher Schwachsinn. Die Schuldfrage wird zum vollen Teil auf denjenigen abgewälzt, der aus Frustration, Angst, Langeweile oder welchen Gründen auch immer nicht mehr will. Eine interessante Reaktion! Interessant auch in sofern, als daß sie nie in Frage gestellt wird. Im Gegenteil: Es finden grundsätzlich sofort Claqueure, denen noch mehr Gründe einfallen, was derjenige der überhaupt etwas machte, noch alles aufgebunden bekommt. Wenn schon Schuld, dann bitte die Sünden der ganzen Welt. »Nein, ich hab’s leider nicht passend!«
    Mir ist nur ein Fall bekannt, wo es etwas anders lief. Das war die Schließung »die roten Schuhe« von Mrs. Mop. Ihr letzter Artikel lautete »Abschied von der Schrebergartenkultur« und dabei kamen die Gründe der Schließung sehr deutlich auf den Tisch. Dort wurde deutlich, wer versagt hatte. Nicht Mrs. Mop, nicht das Angebot, sondern Ignoranz und die Gleichgültigkeit des Publikums darüber. Eine Anklage, die bei mir bis heute tief sitzt. Was habe ich (nicht) getan, damit es soweit kommen konnte? »Die roten Schuhe« sind bis zum heutigen Tag ein großer Verlust, eine Lücke, die niemand schließen konnte. Weil es eben die Individuen sind, die Menschen dahinter, die man verliert. Ihre Stimme und die Orientierung die sie einem geben können. Wenn man bereit ist zuzuhören und denjenigen ihre Wertschätzung – oder gegebenfalls Kritik – zukommen läßt.
    Es sind keine Groschengräber, keine Spieluhren, bei denen man die bestellte Unterhaltung auf Knopfdruck abrufen kann und, wenn sie einem nicht gefällt, zum nächsten Automaten wandert. Darüber sollten sich all diejenigen im klaren sein, die Blogs lesen. Entweder das entwickelt sich zu einer Kultur oder es ist vollkommen vergeblich.
    Das war der wichtige Teil!

    Teil 2.) (nicht so wichtig)

    Die Geschichte vom Kiezneurotiker und dem Kiezschreiber ist momentan nicht zu bewerten. Es fehlt nämlich – ich weiß nicht, ob das jemandem auffiel – der Standpunkt von Mike, dem Kiezneurotiker. Damit ist ein Abwägen von Standpunkten unmöglich. Sehen wir es wie es ist!
    Was Matthias mit »Wer mir in aller Öffentlichkeit unterstellt, ich würde lügen, der bekommt von mir auch in aller Öffentlichkeit die Wahrheit präsentiert, die mir schriftlich vorliegt.« präsentiert, interessiert keinen Menschen, hat niemanden zu interessieren, weil das Veröffentlichen von privaten E-Mails ein Tabu ist. Das hier ist kein Volksgerichtshof. Wer das nicht begreift, hat einen existentiellen Teil von Kommunikation nicht verstanden.
    Das bedeutet vorausgreifend, daß jeder weiter Versuch intime E-Mails als »Beweis« für irgend etwas zu veröffentlichen, dem Richtschwert des Säzzers zum Opfer fallen wird. Das ist kein privates, diabolisches Vergnügen des Blogbetreibers, sondern Pflicht gegenüber denjenigen, die dort verraten werden. Ich würde all denen, die sich dieser Einstellung nicht anschließen wollen, nachdrücklich raten ihre Meinung für sich zu behalten. (Ich habe das sichere Gefühl, daß die Kommata hier falsch gesetzt sind! Hilfe, Jules!)

    Ein weiteres Detail in dieser unseligen Angelegenheit besteht darin, daß man nicht nur daran beurteilt wird, was man in den Kommentarzeilen der Schrottpresse von sich gibt, sondern auch daran, wie man sich anderenorts benimmt. (Unter anderem deswegen läuft auch das kleine Teilchen kaum Gefahr, in meinem Clubraum gesperrt zu werden – echte Liebe kann nichts erschüttern!) Andere befinden sich in dieser Hinsicht auf der Mitte der Schießbahn. Soweit dieses.

    Im übrigen schließe ich mich inhaltlich OldFart an. Ohne ein Statement von Mike ist es das einzig möglich zu ziehende Fazit.

    P.S. daMax danke ich für seine für ihn außergewöhnliche Mühe so lange Texte zu schreiben. Ach wären seine Artikel auf seinem Blog doch nur in ähnlicher Länge! (und recht hat er auch noch).

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    • tikerscherk sagt:

      Applaus, Applaus, Applaus!

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    • MT sagt:

      @Pantoufle
      Ich möchte nochmal kurz auf Ihren letzten Kommentar eingehen, weil er mich ehrlich gesagt irgendwie nervt. Ich will nicht auf diesem ganzen Theater unnötig rumreiten, weil das nicht meine Art ist. Aber ich möchte was zu dieser sog. “Kultur” schreiben, die sie anschneiden.

      Sie schreiben:

      “Ein Blog macht dicht. Nicht wegen Todesfall oder sonstiger höherer Gewalt, sondern weil der Betreiber die Schnauze voll hat. Statt sich mit den Gründen auseinanderzusetzen, ist die »normal« einsetzende Reaktion »Selber schuld«, »Der hätte einfach…«, »Muss man aushalten können« und ähnlicher Schwachsinn. Die Schuldfrage wird zum vollen Teil auf denjenigen abgewälzt, der aus Frustration, Angst, Langeweile oder welchen Gründen auch immer nicht mehr will. Eine interessante Reaktion! Interessant auch in sofern, als daß sie nie in Frage gestellt wird. Im Gegenteil: Es finden grundsätzlich sofort Claqueure, denen noch mehr Gründe einfallen, was derjenige der überhaupt etwas machte, noch alles aufgebunden bekommt. Wenn schon Schuld, dann bitte die Sünden der ganzen Welt. »Nein, ich hab’s leider nicht passend!«”

      So weit ich das hier verstanden habe, gibt niemand demjenigen die Schuld, wenn er seinen Blog dichtmacht. Die erste Reaktion ist immer: wieso? weshalb? warum? – Finde ich sehr schade – Hätte was zu den Gründen schreiben können.

      Ich gehe jetzt mal von mir aus: Ich kenne weder die Gründe für die Schließung des KN-Blogs noch habe ich Lust mich damit zu beschäftigen. Ich wüsste auch nicht, wozu das gut sein sollte.

      Ich habe den schon länger gelesen und fand, dass da einer großes Talent hat. Das habe ich auch ab und zu in die Kommentare geschrieben. Mein Eindruck war eher, dass sich der KN überhaupt nicht darum scherte, was man ihm in die Kommentare getippt hatte. In einem Post hat er seine Leserschaft beschimpft und geschrieben, dass er “keinen Bock hat auf Kommentare einzugehen”. Das kann er alles machen. Dann sollte man aber nicht von einer “Blog-Kultur” schwadronieren. Denn für die ist in erster Linie der Blogbetreiber selbst verantwortlich. Ich beschimpfe Menschen nicht öffentlich und verlange das auch von Anderen. Wenn einem das Publikum so scheißegal ist, wie es dem KN war, habe ich da wenig Verständnis für. Und ich werde jetzt auch nicht innehalten und über irgendwelche Gründe nachdenken, da ich den Menschen nicht kenne. Er hat mir weder E-Mails geschrieben, noch habe ich ihm E-Mails geschrieben. Ich habe lediglich aus Zufall seinen Blog entdeckt und habe dort mitgelesen, weil ich ihn gut fand. Das ist es. Ich nehme mal an, dass sich kein Blogger darüber Gedanken macht, wieso bestimmte Leser nicht mehr kommentieren. Da wird dann auch nicht nach den Gründen gefragt.

      Sie schreiben weiter:
      “Mir ist nur ein Fall bekannt, wo es etwas anders lief. Das war die Schließung »die roten Schuhe« von Mrs. Mop. Ihr letzter Artikel lautete »Abschied von der Schrebergartenkultur« und dabei kamen die Gründe der Schließung sehr deutlich auf den Tisch. Dort wurde deutlich, wer versagt hatte. Nicht Mrs. Mop, nicht das Angebot, sondern Ignoranz und die Gleichgültigkeit des Publikums darüber.”

      Das ist so lächerlich, pardon, aber was anderes fällt mir dazu nicht ein. Ein Blog ist ein Blog, mehr nicht. Wenn der Betreiber es schließen will, soll er es schließen. Aber dann die Schuld dem Publikum zu geben, ist schon arg krass. Entweder man hat irgendwann sein Publikum oder nicht. Entweder man kann ein Publikum ansprechen oder nicht. Viele Blogger behaupten ja eh die ganze Zeit, sie schreiben nur für sich selber. Wenn das so ist, brauchen sie auch kein Publikum. Das dann auch noch als ignorant beschimpft wird. Das ist schon eine starke Nummer.

      Weiter:
      “Es sind keine Groschengräber, keine Spieluhren, bei denen man die bestellte Unterhaltung auf Knopfdruck abrufen kann und, wenn sie einem nicht gefällt, zum nächsten Automaten wandert. Darüber sollten sich all diejenigen im klaren sein, die Blogs lesen. Entweder das entwickelt sich zu einer Kultur oder es ist vollkommen vergeblich.”
      Richtig, da stecken Menschen dahinter. Das weiß auch jeder, der Blogs liest. Deswegen ist es auch sehr seltsam, wenn man sich einfach so verpisst und mirnix, dirnix seinen Blog löscht. Da fragt man sich auch als Leser, was ist passiert?, geht es dem Blogger gut? usw.
      Man baut ja nach ein paar Jahren ja eine Beziehung auf und will dass es dem Menschen gut geht, der seine Texte veröffentlicht. Es ist deswegen genauso geschmacklos, ohne ein Wort den Laden dicht zu machen. Auch wenn das vielleicht “cool” wirken soll.

      Das war jetzt ein längerer Kommentar. Aber ich wollte das mal loswerden, weil mir das so derbe auf die Nerven geht, wie sich manche Blogger benehmen. Reinste Selbstbeweihräucherung. Fast null Reflexion. Kommt her und huldigt mir: ich bin der Blogger. Peinlich.

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  10. flatter sagt:

    So, da muss ich wohl auch noch? 😛

    Ich gehe auf meinen Versuch, das Ganze tiefer zu hängen, nicht näher ein.
    Ganz blöd finde ich die Veröffentlichung privater Mails, nicht nur weil es ein Tabu ist, sondern weil die logische Konsequenz – dass einige sie lesen und sie dann verschwinden – zu einer völlig verzerrten ‘Diskussion’ führen müssen.
    Mr. Anderson (aka KN aka der Plosiv) hat mehrfach geschrieben, dass dieser Punkt käme, jetzt ist er da, die Gelegenheit war passend. Er will offenbar keine Erklärungen mehr abgeben, und das respektiere ich selbstverständlich. Ob er einen Fehler gemacht hat, ist für mich dabei irrelevant. Ich respektiere auch Herrn Eberlings Reaktion, so weit ich sie kenne, abzüglich ggf. der gelöschten Zitate, die ich nicht kenne.
    Was ich sagen will, ist dass es sinnlos ist, aufgrund eines Ereignisses Prinzipien breitzutreten. Die hat man oder nicht, und wenn man sie hat, ist es eine furchtbare Verschwendung, von ihnen abzuweichen, weil sich wer aufregt. Aus meinen folgt: Es ist nichts Relevantes passiert. Nichts, das mehr als zwei Personen betrifft, vor allem eine, auf deren Präsenz zu verzichten Erwachsene Menschen aushalten müssen.

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  11. Aus der bedeutungslosen Ferne eines Hunsrückdorfes stellt sich der ganze Vorgang wie der Wurf eines Steins in den Dorfbach dar. Der Kiezneurotiker beleidigt den Kiezschreiber. Eine halbe Stunde später steht die Replik des Kiezschreibers gegen den Kiezneurotiker im Netz. Die nächsten Kreise des Steinwurfs folgen: andere Blogger schreiben über den „Rumble in the Jungle“ auf ihren Seiten und natürlich folgen auch die Kommentare der sensationsgierigen Leser, obwohl die beiden Boxer längst über den Schlagabtausch lachen.

    Wie bei einem Faustkampf stellen die Gaffer sich auf die Seite des Kiezneurotikers oder des Kiezschreibers. Der Steinwurf erzeugt den nächsten Kreis, die Begriffe schaukeln sich hoch: Volksgerichtshof, Troll, Sperrung, Tabu – der Deutsche diskutiert gerne über das Endgültige. Ich finde das sehr lustig. Und wenn ich das nächste Mal einen Blog aufmache, dann nehme ich mir auch einen komischen Phantasienamen, damit die Hate Speech, die mir unter meinem echten Namen entgegengebrüllt wurde, gepflegt ins Leere läuft.

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  12. “Alles ruhig hier? Bestens! Dann darf ich wohl noch mal:”

    Wer wirft den nächsten Stein? Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

    Lasst Euren ganzen Frust raus! Ladet den Hass, der in Euch lodert, im Internet ab! Besser als im Straßenverkehr oder im Kinderzimmer.

    Ist Euch jemals der Gedanke gekommen, dass der Kiezneurotiker wegen Euch und Eurer endlosen Besserwisserei sein Blog geschlossen hat?

    Oder ist der Gedanke zu eckig für die kleinen runden Köpfe in Bloggerland?

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    • OldFart sagt:

      mv * /dev/null

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      • R@iner sagt:

        Ist heute Backup-Tag? Ach nee, das wäre ja ‘cp …’.

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        • OldFart sagt:

          In kleinen Schritten zur Erkenntnis … 😉

          Ich warte immer noch darauf, daß mir jetzt eine pedantische Krämerseele erklärt, daß meine metaphorische Handlungsanweisung in echt gar nicht funktioniert. Ja, stimmt, ich denke halt auch an die Kinder. Im Fall eines diesbezüglichen Beschwerdeführers wäre ich aber bereit, mit einem intentionsmäßig fast identischem, aber funktionierenden “rm -rf ~” auszuhelfen. Kids, don’t try this at home!

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        • Pantoufle sagt:

          »Netzkabel!« sage ich.
          »Nein, das hab’ ich schon ausprobiert. Wenn ich einschalte, passiert einfach nichts!«
          »Netzkabel!« sage ich.
          »Nein! Das Netzkabel steckt richtig drin. Auch die Leuchtdioden am Keyboard leuchten nicht!«
          »Das Netzkabel!« sage ich.
          »Oh, Moment mal. Das Kabel ist nicht richtig eingesteckt!«
          »Das Netzkabel?« frage ich.
          »Ja … Sch…..«
          »Macht ja nix«, sage ich, »Funktioniert jetzt alles wieder?«
          »Ja, ich glaub’ schon. Tut mir leid. Sie haben natürlich recht gehabt.«
          »Tja, wir bekommen das häufig in letzter Zeit. Der Grund liegt wahrscheinlich am zunehmenden Treibhauseffekt. Die globale Erwämung verursacht stark statistisch variierende thermale Kontraktionen, welche wiederum temperaturinduzierte Bewegungen hervorruft, deren Reibungskoeffizienten zu Adhäsion am Plastikteilen führen kann…« Ich lausche aufmerksam. Nichts. Mit anderen Worten,
          [DUMMY MODE ON]…
          »Sie können sich zukünftig davor schützen, wissen Sie…«
          »Wirklich? Wie denn?«
          »Es reicht im Prinzip schon, eine schwach basische Mineralllösung auf die Metallkontakte aufzubringen.«
          »Oh!«
          [IRREVOCABLE DUMMY MODE ON]
          “Ganz einfach. Alles was Sie machen müssen, ist den Stecker vom Gerät abziehen und eine schwach basische Salzlösung in die Schlitze zu träufeln. Haben Sie eine schwach basische Lösung zur Hand? So etwa pH 7?”
          »«?… nein?«
          »Macht auch nichts. Stecken sie den Stecker einfach in den Mund und lassen Sie Speichel hineinlaufen. Speichel ist schwach basisch, und er hat Mineralsalze. ABER wischen Sie den Stecker vorher sorgfältig sauber, wegen Keimen und so. Und, SCHALTEN SIE UM GOTTES WILLEN VORHER DEN MONITOR AB – wir wollen doch nichts riskieren!«
          »Oh. Gut!«

          Zeit®. Gut©. Alt™

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  13. Pantoufle sagt:

    @MT, Januar 25, 2017 um 13:40

    »Ein Blog macht dicht. Nicht wegen Todesfall oder sonstiger höherer Gewalt, sondern weil…«
    Teil 1.) bezieht sich mit keinem Wort auf den Kiezneurotiker, noch beschäftigt er sich mit den Gründen der Schließung seines Blogs. Er bezieht sich beinahe ausschließlich auf Mrs. Mop, eine ganz klar andere Geschichte.

    Wer schwadroniert hier? Wenn ich das richtig sehe, kann man hier kommentieren und bekommt gegebenenfalls auch eine Antwort, auch vom Blogbetreiber.
    Kultur kann vieles heißen: Es beginnt bei »Manieren«. Blog-Kultur könnte aber auch bedeuten, daß man durch Vernetzung, Umgangsformen, Respekt und dem Vermeiden überflüssiger Reibung als wahrnehmbare, ernstzunehmende Stimme wahrgenommen wird. Ich habe nicht behauptet, daß das der Fall ist, sondern es nur als wünschenswert zur Diskussion gestellt.

    Daß dafür in erster Linie der Blogbetreiber zuständig ist, ist unhaltbar. Das Argument, daß man » keinen Bock hat auf Kommentare einzugehen« taugt dafür nicht, ebensowenig wie der Entschluß, eine Kommentarfunktion ganz zu schließen. Als Beispiel habe ich dafür Michael Spreng angeführt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, daß es offenbar Fälle gibt, bei denen man die Leserkommentare sogar ganz streichen muß, um ein Mindestmaß an Kultur zu erhalten. Die Unterstellung über die Zuständigkeit der Blogbetreiber halte ich für genau so abenteuerlich wie die Unterstellung, jene würde sich keine Gedanken darüber machen, warum bestimmte Leser nicht mehr kommentieren.

    »Aber dann die Schuld dem Publikum zu geben, ist schon arg krass.«
    Der Gedanke scheint vom der irrsinnigen Idee auszugehen, daß es durchgängig so etwas wie ein verständiges, interessiertes oder ansprechbares Publikum geben würde. Das finde ich nun wiederum krass. Das trifft sich wohl mit dem Gedanken, daß Blogbetreiber durch Moderation oder Zensur dafür zu sorgen haben, daß nach außen wenigstens dieser Eindruck entsteht. Das ist schon eine starke Nummer!
    Der eine oder andere Blog ist da vielleicht gesegnet (die Schrottpresse zum Beispiel), von anderen weiß ich – oder lese es im Falle vom Sprengsatz – daß dem durchaus nicht so ist und die Betreiber entweder genervt das Handtuch schmeißen, alle Kommentare moderieren müssen oder im Falle von M. Spreng die Kommentarfunktion ganz deaktivieren. Ich bin mir fast sicher, daß sie das nicht tun um endlich ungestört Beiträge verfassen zu können.
    Das Publikum gibt es nicht. Diese Bezeichnung zu differenzieren halte ich für Zeitverschwendung – es könnte täglich wechseln, abhängig von Tags und Stichworten, die Google anheimfallen.

    Ich schätze keine Publikumsbeschimpfungen, keine aufdringliche Esoterik und noch einiges andere nicht. Bemerkenswert finde ich allerdings, daß z.B. ein Klaus Kinski für Publikumsbeschimpfung weltberühmt wurde. Bei ihm würde ich das Verhältnis von Beschimpfung zu künstlerischer Arbeit mit ca. 90:10 ansetzten, was sich aber leider weder bei Wikipedia noch anderswo widerspiegelt. Schon eigenartig. (Was eine aber nicht um die Freiheit bringt, weiterzugehen wenn’s einem nicht paßt.)
    Ach so: Blogger sind ja keine Künstler! Die allermeisten werden es wohl tatsächlich nicht sein. Ich für meinen Teil maße mir ein Urteilsvermögen darüber nicht an. Ich verspreche allerdings hiermit, daß ich keiner bin – ich hab nur keine Lust das Maul zu halten. Weit und breit keine Kunst!
    Bei anderen bin ich mir nicht sicher. Wenn sie verschwinden sollten, gibt es kein Zeichen mehr von ihnen. Es gibt sie nicht auf Papier, nicht auf Celluloid oder einem anderen beständigen Datenträger. Selbst viele Bücher erscheinen nur noch in digitaler Form. Das Wort Verlust bekommt einen anderen Charakter, einen endgültigeren. Dabei wird es mir in der Tat gleichgültig, wie und aus welchen Gründen Inhalte verschwinde: Sie sind unwiederbringlich verloren.

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    • MT sagt:

      @ Pantoufle

      Ich stimme Ihnen in vielen zu. Ich habe meinen Kommentar überspitzt formuliert. Das mache ich öfters. Ist so eine Art von mir.

      Ich finde es richtig, dass Sie den Begriff “Blogger-Kultur” aufführen. Und ich stimme Ihnen in den Ausführungen zu. Natürlich geht das immer von beiden Seiten aus. Für mich hat sich das nur so angehört (und das nicht zum ersten Mal), als ob der arme Blogger dazu genötigt würde seine Prosa, Gedanken usw. einer Öffentlichkeit bereit zu stellen, die dann bitte jubelierend kommentieren solle, weil ansonsten ist die arme Seele des “Künstlers” gekränkt ;-). So entstehen dann diese kleinen Gemeinschaften, die ich dann als stiller Leser verfolge und mir denke: also hier haben sich mal wieder alle lieb und geraten in höchste Verzückung über einen Text, den ich höchstens mittelmäßig finde. Wenn ich jetzt was schreibe, dass ich den Post nur so semi finde, bin ich der Buhmann. Also schreibe ich lieber gar nichts. Sollen die sich doch alle gegenseitig bejubeln. So entsteht aber keine Blogger-Kultur, so wie ich sie verstehen würde.

      Das nur kurz dazu, von meiner Seite aus gesehen.

      Dass es viele A-löcher im I-net gibt, ist leider eine Tatsache. Ich verstehe natürlich die Blogger, wenn sie auf bestimmte Leute keine Lust mehr haben und auch nicht darauf, sie andauernd zu blocken. Ich verstehe Blogs aber so, dass ich mich mit dem einzelnen auch gerne austauschen möchte. Keine hochtreibenden philosophischen Fragen, sondern einfach etwas mehr erfahren möchte, wenn mich einer interessiert. Wenn dann einer aber daher kommt und von vorne herein sagt: “Kein Austausch hier. Ich schreibe meinen Scheiß, ihr schreibt Euren Scheiß. Das muss genügen.”, finde ich das nicht so der Bringer. Ich sehe da nicht so wirklich den Mehrwert dahinter, die Texte ins Internet zu packen. Wenn einer nur “für sich” schreiben will, kann er es ja tun, dann braucht er aber das Internet dazu nicht. (Das ist übrigens auch immer die Kritik am Journalismus gewesen, dass sich die Schreiberlinge mit ihren Lesern nicht auseinander setzen wollten und jetzt völlig in einer Blase gefangen sind.)

      Aber, wie gesagt, das ist meine Auffassung. Ich lese ja nur und will auch keinen Vorschriften machen. Ich glaube nur, dass manche mit Talent viel erfolgreicher sein könnten, wenn sie etwas aus ihrer Schmollecke rauskommen würden und sich mehr trauen würden. Wenn ich manches so lese, dann denke ich mir: mein Gott, da kann einer was, mache doch endlich was daraus und dümpel hier nicht nur rum. Die Welt braucht dich! (Das war jetzt wieder überspitzt 😉 Das war es auch, was (denke ich) der KN aussagen wollte, als er so glorreich missverstanden wurde. Der übrigens auch nie aus seiner Schmollecke rausgekommen ist. Hoffe trotz allem, dass es ihm gut geht und er irgendwann mal wieder Lust bekommt weiterzumachen.

      Eine schöne Woche, Mo

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  14. mr.jones sagt:

    Hallo ihr (hoffentlich) Lieben,

    ich habe eine Art ARCHIV seines Blogs zum downloaden bei Mediafire hochgeladen, weil ich auch sehr traurig bin, daß eines meiner Lieblingsblogs einfach so verschwunden ist. Es hilft, die Erinnerung an die sehr guten Texte nicht verblassen zu lassen…

    https://www.mediafire.com/folder/ohqcr1i2spsbv/kiezneurotiker_Blogarchiv

    Es sind pdfs der einzelnen Monate zurück bis 2012 und/oder ein ZIP (ca.178MBite) mit allen pdfs auf einmal. Meist mit direkt anklickbaren Links (z.B. “Lass mal netzwerken”).

    Nachteile:
    —manche Fotos sind abgeschnitten
    —oft ist der Seitenumbruch etwas ungünstig

    Aber das Wichtigste -die Texte- sind da.

    Und er hatte ja immer unkommerzielles Kopieren mit Hinweis auf die Herkunft ausdrücklich erlaubt.

    Hoffe sehr, es geht ihm gut.
    P. Jones

    kiezneurotiker_Blogarchiv

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    • Pantoufle sagt:

      »Hallo ihr (hoffentlich) Lieben
      Aber sowas von!

      Vielen, vielen Dank für die Mühe! Ich hab gleich mal angefangen, bevor sich Deine Meinung über unseren Charakter ändert. Auch wenn ich mir so gar nicht vorstellen kann, was das bewirken könnte…
      Ich werde das mal an interessierte Kreise weiterreichen.

      Vielen Dank und Grüße

      das Pantoufle

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    • OldFart sagt:

      Ich schließe mich dem Dankeschön ganz entschieden und mit Nachdruck an. Eine nette Tat, echt mal, jetzt. Ziemliche Fleißarbeit. Sogar die Links im PDF wuppen. Super. Muchas Gracias.

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  15. Pantoufle sagt:

    Ja! Ich hänge den Link mal in die Seitenleiste, damit sie die anderen auch sehen.

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  16. mr.jones sagt:

    @Pantoufle & @OldFart

    Vielen Dank für euer Dankeschön. Freut mich sehr, daß sich die Mühe gelohnt hat und jemand sich dafür interessiert und etwas damit anfangen kann.

    Beste Grüße
    mr.jones

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  17. mr.jones sagt:

    Tja, komisch.
    Mein “Sitesuckerdatum” muß Ende Dezember 2016 gewesen sein – und da waren offenbar schon ein paar einzelne Einträge gelöscht.
    Um es zu vervollständigen hier noch ein Link zum neuen .pdf (ca. 2MB) der November 2016-Seite via WayBack Machine:

    2016_11 November_WayBack_kiezneurotiker

    @oblomow: Und da hast Du sehr recht: ‘Licht’ ist wirklich ein sehr guter/großer Eintrag.

    Viele Grüße. mr.jones

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