Kleine Replik zu einem Duckhome-Artikel

Was ist totschweigen? Das ist jedenfalls der Vorwurf, den Altautonomer in seinem Artikel »zwischen Indymedia und taz ist anscheinend kein Platz« unter anderem der Schrottpresse vorwirft. Thema sind die Polizeiausschreitungen, zu denen es während der Demonstrationen für den Erhalt der roten Flora kam.

Altautonomer stellt nun fest, daß es in einigen Blogs, unter anderem der Schrottpresse, keine Reaktion auf das Ereignis gab. Es stimmt, das ist mir auch aufgefallen. Vermutlich hat jeder der von ihm genannten Blogs dafür seine persönlichen Gründe, die ich allerdings nicht kenne. Aus diesem Grund kann ich nur für mich selber sprechen. Da mein Name nun aber mal gefallen ist…

»Vielleicht sind es die linksliberalen klischeehaften Abneigungen gegenüber einem Propagandabegriff wie „Schwarzer Block“ – ein Reizwort, das immer im Zusammenhang mit den Autonomen Abwehrreflexe erzeugt.«

unterstellt der Autor und schlägt den Bogen zu Stuttgart21, bei dem der (bürgerliche) Protest durchaus in epischer Breite behandelt wurde. Ein interessanter Vergleich, auch wenn, denkt man ihn zu Ende, er als Argument genausogut gegen die Opfer der Polizeigewalt in Hamburg zu verwenden wäre. S21 war und ist ein »bürgerlicher« Protest und so erscheint er auch nach außen. Nachvollziehbar, auf tönernden demokratischen Füßen und eher moderat – was die Polizeigewalt nur umso nachdrücklicher heraustellt. Das kann man nun mögen oder nicht: Es hat seine Wirkung gehabt, auch wenn das Ziel vorläufig verfehlt wurde.

Die Ereignisse in Hamburg stellen sich zwar auch öffentlichkeitswirksam, allerdings weit weniger bürgerlich dar. Zuerst einmal ist das Ergebnis ein politisches Fiasko für die Betreiber der roten Flora – und um die ging es ja wohl. Genau diese Stimme ist nun überhaupt nicht mehr zu hören. Statt dessen behauptet der FAZ-Blogger Don Alphonso, »wütende Drohmails« von Autonomen bekommen zu haben, die er dann auch auf seinem Blog zitiert. Man kann es ihm kaum verübeln, auch wenn ich selber nicht gerade ein Fan dieses Herren bin. Der Vorwurf, eines »reflexhaften Abwehrmechanismus« gegen Autonome trifft jedenfalls bei mir nicht zur Gänze – Fremdschämen käme mir eher in den Sinn, was ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf Hamburg beziehe. Ich gehe davon aus, daß diejenigen, die man im Moment wahrnimmt, nicht die Mehrheit sind, sondern nur die lautesten. Wie immer.

Das sind die hörbaren Stimmen:

»Unsere Hypothese für die Flora-Räumung: 200 Leute, 400 Mollis und dazu 50 GenosInnen mit Zwillen, jeweils 15 Schuss Stahlkugeln – und die Bullen werden den Abstand einhalten der geboten ist. Zweitausend bewaffnete, mit Hand- und Schnellfeuerwaffen – und die Bullen werden das Viertel verlassen.[…] Irgendwann werden wir schießen müssen.«

Genau! Und sie werden niemals wiederkommen. Mann ey! Oder auch nicht schlecht:

»Die Erwartungshaltung, daß die „links“liberale Bloggsphäre radikale Proteste gegen das kapitalistische System erwähnt oder gar unterstützt, zeugt schon, mit Verlaub, von einer gehörigen Portion Naivität. Wenn im Land – auch nur ansatzweise – versucht wird, alternative Gestaltungsmodelle zu artikulieren, ist der Repressionsapparat zu allem bereit; die gehen über Leichen. Das, was die erwähnten Medien zu erkennen glauben, sind meist nur die platzenden Eiterbeulen, aber nicht der sich in Verwesung befindliche Gesamtkörper des Systems.«

Der verwest aber ganz beschaulich, der Gesamtkörper. Und hat das irgendwie auch gar nicht besonders eilig. Man beachte den Gebrauch des Worte »Naivität«.

Es ist müßig, weiter Beispiele rauszukramen – daran herrscht gerade eine Hausse. Ersteres Beispiel ist vor allem eines: Eine Steilvorlage für die bürgerliche Presse. Das zweite deckt sich mit einigen Reaktionen, die mir persönlich in letzter Zeit unterkamen. Unter anderem das Zitat »Gekämpft werden kann in diesen Tagen nicht mit der Feder. Das Schwert ist die Antwort.« Ich sehe sie vor mir, das zitternde Schwert in pubertierender Hand, während die Polizei entsichert…
So, und nun kommen wir endlich auf den Punkt. Darum mische ich mich dort nicht mehr ein. Darüber rede ich nicht, schreibe nichts und versuche, nicht einmal darüber nachzudenken. Nicht, weil sie auf der einen Seite mehr Aufmerksamkeit fordern, um, wenn sie sie nicht bekommen, die Systemkeule zu schwingen. Und wäre es allein die Wortwahl, diese stumpfe, lobotomisierte Holzköpfigkeit, die nur eines produziert: Trollfutter. Das ist nicht meine Sprache, nicht meine Logik und auch nicht meine Art, Energie überflüssig zu verheizen.

Nach der Hamburger Demo versuchte ich mir ein Bild zu machen. Wenn auf der Schrottpresse ein Text erscheint, soll der ein Mindestmaß an Belastbarkeit aufweisen. Das ist mir einen Tag danach nicht gelungen – und das lag nicht an der »Systempresse«. Am darauffolgenden Tag auch nicht und dann wurden diese besagten Stimmen immer lauter.

Am 22.12 erschien bei Daniel Brökerhoff ein Statement, das ich in der Tendenz, wenn auch nicht in genau allen Argumenten unterschreiben würde. Es heißt »Ich habe kein Verständnis«. Eigentlich stand da alles, was auch ich zu schreiben gehabt hätte.
Aber es stand da bereits.
Und deswegen steht über Hamburg auch bis zum heutigen Tage nichts auf meinem Blog:

Ich habe kein Verständnis dafür, daß brüllenden Torfköppe die Meinungshoheit übernehmen.

Auch deswegen werde ich mir in Zukunft meine Themen selber aussuchen, und darüber schreiben, wie es mir paßt. Oder eben nicht.

Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Kleine Replik zu einem Duckhome-Artikel

  1. altautonomer sagt:

    Dein letzter Satz könnte auch von F.J. Wagner sein (hab ich das verlangt?). Aber Spass beiseite. Nicht grollen, wenn ich meine, dass das Disksussionsforum für dieses Thema duckhome ist. Meine inhaltliche Position dazu kennst Du ja.

    0
    • pantoufle sagt:

      Ja, aber immer doch: Aber dann schaltet auch die Trackbacks frei. Mein Text ist zu lang, um ihn in den Kommentar zu stopfen. Erstens!
      Zaweitens: Es könnte immerhin sein, daß man mit solchen Artikeln auch auf anderen Blogs kommentiert wird – diese Gefahr besteht! Und genau den Fall habt Ihr jetzt gerade. Das war mein Name, der da fiel, der Vorwurf galt mir und ich habe ihn hier für meine Verhältnisse sachlich beantwortet.

      Nein, der letzte Satz stammt nicht von Wagner – für die Begründung, die dem voranging, ist dieser Lobotomisierte nicht fähig. Nimm das bitte zur Kenntnis.

      Ich kenne Deine Position und meine ist eigentlich gar nicht so weit entfernt davon. Aber die Form der Diskussion lasse ich mir nicht vorschreiben. Wir sind hier nicht beim kranken Kleinkriminellen Herr Karl, sondern unter zivilisierten Menschen. Also wirst Du das hier wohl ertragen müssen.

      0
  2. altautonomer sagt:

    Mit Verlaub pantoufle: Deine Position kann ich größtenteils nachvollziehen. Aber dafür die Texte von donalphonso heranzuziehen ist nun wirklich sehr schlechter journalistisher Stil (ähnlich wie meine „Naivität“, zu glauben, dass es nicht hier und da bruzzelt, wenn ich mit einer glühenden Stange in einem Wespennest herumstocher).

    Anstatt die Völkerschlachtsphantasien von weniger als einer handvoll linksradikaler Warlords in epischer Breite einer Bewertung zu unterziehen, anstatt wie ich es tue, sie einfach zu überlesen oder komplett zu ignorieren, veranstaltet mit diesem Aufhänger donalphonso die übliche Medienrandale. Spätestens zu einem Zeitpunkt, als in seiner Kommentarspalte die PI-Fraktion und die Birkenstockrevoluzzer mit über 125 Kommentaren applaudierten, hätte er meerken müssen, etwas falsch gemahct zu haben. Egal.

    Es ist zudem Fakt, dass in den von mir erwähnten Blogs die Aktivitäten von Autonomen, linksrsadikalen Militanten etc.ansonsten wie politische Pornografie behandelt (wie gesagt nicht so bei Polizeiübergriffen gegen normale Bürger wie S21 und Occupy FfM), nämlich publizistisch unterschlagen werden, weil das in den Augen mancher (NICHT Deiner) gutstuierter Linker in Nadelsreifen PFUI ist. Diese Schiene fährst Du auch, indem Du (Vergleich) nach dem Ausgang eines Fussballspiel befragt, antworten würdest, dass der Gegner 3 Tore kassiert habe, ohne daüber zu informieren, dass der Torwart des eigenen Teams 5 mal hinter sich greifen musste.

    Rest siehe Publikative.org (keine autonome Platztform):
    http://www.publikative.org/2014/01/02/die-scharfmacher/

    Und bei mediealer Scharfmachrei stehe ich niemals auf Seite der Scharfmacher.

    0
    • piet sagt:

      Don Alphonso lese ich nicht mehr, ihm ist die Torte halt doch näher, als der Pleb. Die größtmögliche „Strafe“ hat er dabei aber nicht von, wie Du richtigerweise schreibst, linksradikalen Warlords bekommen, sondern indem ihn der unsägliche Peter Mühlbauer von Telepolis/Heise zum Märtyrer und Blutzeugen der Bewegung erklärt hat. Das hat mich klammheimlich gefreut.

      0
  3. da]V[ax sagt:

    Ach ja der schlechtgelaunte Altautonome. Kommentare bei ihm werden immer als Spam abgewiesen, also schreibe ich es hier: Totgeschwiegen? Wieso totgeschwiegen?

    http://todamax.kicks-ass.net/2013/ter%c2%b7ror%c2%b7is%c2%b7mus-der/

    Wobei ich schon angekündigt hatte, dass ich in Zukunft die Klappe zu deutscher Faschopolitik halte, aber das ist ihm wahrscheinlich entgangen. Dass ich von ihm allerdings unter „Premium-Blogs“ einsortiert werde, freut mich ein bisschen. Stimmt leider trotzdem nicht.

    0
  4. altautonomer sagt:

    Du bist nun mal der unangefochtene Marktführer im Rezepteschreiben.;-)

    0
  5. pantoufle sagt:

    Guten Morgen erst mal – schönen Sonntag allerseits!

    So!
    Schlechter journalistischer Stil? Texte von Don Alphonso? Wohl eher die Kommentare und die auch zur Verdeutlichung meines Standpunktes. Ob ich mir dazu die der PI-Fans rausziehe oder die der Gegenseite, ist dabei unerheblich. Klar war, daß sie dort auftauchen würden, nebensächlich überdies, wo genau diese Selbstdarstellungen stattfinden. Wozu in die Ferne schweifen, wo der Bodensatz doch so nah liegt?

    Das ist ja auch gar nicht der Punkt: Wer in der Stunde der Demagogen schweigt, setzt sich der Gefahr aus, kritisiert zu werden. Das habe wir nun davon; ich für meinen Teil kann damit leben. Diese Dauerempörung, der sich angeblich jeder engagierte Mensch anzuschließen hat, geht mir gewaltig auf den Zeiger.
    Was haben wir denn am Montag? KZ-Bedingungen bei der Haltung von Freilandhühnern? Der Kampf tobt bis Mittwoch, weil dann irgendwer Neger gesagt hat. Oder Transuse zu einer Linken-Funkionärin. Freuen wir uns alle auf den Freitagsskandal, bei dem Blüms Behauptung, der Sinn der Liebe würde im Werfen von Nachwuchs bestehen, unerbittlich an den Pranger gestellt wird – Nein, Verzeihung: Das muß ja »entlarvt« werden!

    Wenn ich der Meinung bin, für oder gegen etwas schreiben zu müssen, werde ich das tun. Die Auswahl darüber obliegt mir und die oberste Prämisse dabei ist nicht unbedingte political correctness. Die müßte ich mir nämlich gegebenenfalls von anderen vorschreiben lassen – zum Beispiel von diesen Schreihälsen.

    Is nicht.

    Nochmal So!
    Jetzt werde ich mich weiter um mein Gedicht am Dienstag kümmern. Das ist diesmal etwas umfangreicher und liegt mir am Herzen.
    Gedichte!!! Ist der Mann noch ganz dicht? In dieser Zeit der faulig-maroden Kadaver, die nur noch einen Schubs brauchen, damit der faschistische Staat in sich zusammenfällt?

    Ja, genau: Gedichte!

    Ich soll was über die Cops schreiben? Haben andere schon besser gemacht

    0
  6. Blogger, die »etwas totschweigen«?

    Das ist doch das selbstverständlichste überhaupt. Blogger, die zu ihrem eigenen vergnügen ein mehr oder weniger kleines blog betreiben, schweigen ungefähr 99,97 % der dinge, über die berichtet werden müßte, tot. Sie haben nicht die zeit, über alles zu schreiben, was vielleicht einen artikel wert wäre.

    Es ist lächerlich, leuten, die in ihrer freizeit ein blog betreiben zu unterstellen, sie würden themen »unterdrücken«. Das kann man den mainstream-medien vorwerfen, die für nichts anderes bezahlt werden, als über das zu berichten, was in der welt los ist. Wer jedoch unbezahlt bloggt, tut das nicht, weil er über alles, was irgendwo passiert, informieren möchte oder könnte – wie sollte man dem als einzelpeson denn gerecht werden?

    Die öffentlich-rechtlichen, Springer oder Bertelsmann haben die macht, themen bewußt zu unterdrücken. Derartiges einzelpersonen, die in ihren blogs zu dem schreiben, was für sie gerade interessant ist, oder vielleicht nicht einmal zeit haben, sich über das, was vielleicht interessant wäre, zu informieren, ist durchgeknallt.

    0
    • altautonomer sagt:

      Mechthild: Es ist doch so, dass etwas, was nicht publiziert wird, auch in den Köpfen der Leserinnen und Leser nicht existiert. Und es ist auch Fakt, dass sich Portale wie die Nachdenkseiten, ad sinistram, und temporär auch unser Blogherr hier (siehe oben Pfarrer König und die darüber befindliche Rubrik) als Korrektiv zu den Mainstreammedien verstehen. Wenn so offenkundig ein spektakuläres Ereignis wie HH2112 in Abweichung von der sonst üblichen Praxis und Interessenlage kein Thema in den von mir erwähnten Blogs mit erkennbar linkem Anspruch war, dann fällt das nun mal nicht nur mir auf. Wobei ich mich über die Beantwortung der Frage, warum das so ist, mit Rücksicht auf mein Harmoniebedürfnis 😉 besser zurückhalte (siehe oben „poltische Pornografie“).

      Mir in einem Beissreflex zu unterstellen, ich würde Bloggern vorschreiben, worüber sie zu berichten haben, ist die übliche Verdrehung von Tatsachen. Sonst bitte belegen. In meinen dh-Text habe ich von „totschweigen“ gesprochen, weil ich davon ausgehen darf, dass die Ereignisse den Betreffenden nicht unbekannt waren, sie aber aus unterschiedlichsten Gründen darüber nichts geschrieben haben.

      0
  7. Thelonious sagt:

    Na so etwas. Ich stelle mir diese Diskussion gerade im Wirtshaus vor. Die Herren A und B sitzen gemeinsam am Tisch. Jeder hat ein Bierchen vor sich stehen. Seit Stunden schon unterhalten sie sich über dies und das.

    A: „Hey, hast Du schon gehört? In … ging es ganz schön ab.“
    B: „Ja“
    A: „Und was meinst Du dazu?“
    B: „Hm, ich finde, es gibt wichtigeres in der Welt.“
    A: „Das kannst Du doch so nicht sagen. Du scheinst die Relevanz des Themas nicht zu erkennen. Sieh es doch einmal so: (Es folgt eine ausführliche Erklärung) Das müssen wir jetzt doch ausdiskutieren.“
    B: „ich habe keine Lust dazu“
    A: „Du musst“

    B schnappt sich sein Bierglas und setzt sich an den Tresen. Dort hat er seine Ruhe.

    0
    • pantoufle sagt:

      Bitte sag mir, wo der Tresen im Internet steht. Wir treffen uns dann da – die Lage geht auf mich. Und ne eiskalte Linie Aquavit.

      0
      • xxc sagt:

        Der Tresen steht letztendlich hier und Du machst den Wirt in einem selbstreferenzierenden Biotop. Wobei, das muss man ihm einfach lassen, altautonomer macht den Alphahund. Der hinterlässt in jedem Blog dieses Biotops seine Duftmarke. Auch Jungs werden halt mal alt.

        0
        • altautonomer sagt:

          xxc: Yyyyyyeppp: Und auf in fast (!) allen Blogs wird plötzlich wie auf Kommando von den „Ertappten“ das Thema seit Tagen (Stichwort „Gefahrenzone“) gründlich durchgenudelt, in Tüten gefüllt, abgewogen und auf die Goldwaage gelegt. Aufgrund meines Diskursmonopols habe ich gegen einige bereits Unterlassungsklage eingereicht. Für einen Themenerzwingungsprozess vor dem Europäischen Gerichtshof ist es leider zu spät.

          Aus Gründen der Altersmilde einen Gruss vom Alpharüden.

          0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *