Kleine Ergänzung zu 38. Breitengrad

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Für all diejenigen, die keine Lust haben, in jeder Onlineausgabe eines Kuh-Journals dieselbe Nachricht im Wortlaut zu lesen: Hier ist das Original bei Reuters. Der interessante Teil kommt wie immer erst am Ende, dort nämlich, wo das Kleingedruckte beginnt. Zitat:

Im Rahmen der Unterstützung der Verbündeten kündigte das US-Verteidigungsministerium an, den Verkauf von Tarnkappenbombern von Lockheed Martin oder Boeing an Südkorea genehmigt zu haben. Südkorea plant den Kauf von 60 Maschinen. Die US-Anbieter sind jedoch nicht einzigen Konzerne, die sich im Rennen um den Auftrag befinden. Auch der Eurofighter Typhoon gilt als ein Option.

Wer jetzt nach Henne und Ei fragt, liegt sicher nicht vollkommen falsch. Wenn dieser Teil der Nachricht zudem unter der Überschrift »KCNA – setzen Streitkräfte gnadenlos ein« (die Rede ist von den nordkoreanischen Streitkräften) abgelegt ist, darf schon die Frage gestellt werden, wer bei dieser Nachricht die Feder geführt hat. Tarnkappenbomber ist dabei etwas irreführend: Lockheed Martin baut zur Zeit keine »Tarnkappenbomber«, sondern eine lediglich eine Jagdbombervariante der F-22. Da die Entwicklung der F-35, dem designierte NATO-Standardjäger, noch nicht abgeschlossen ist, bleibt als Angebot eigentlich nur die F-22. Das wäre in sofern interessant, als daß Südkorea damit der erste Betreiber dieses Musters außerhalb der USA wäre. Die Stückzahl von 60 Exemplaren lässt aufhorchen: Aufgrund der immens hohen Kosten des Waffensystems betreiben die USA selber nur ca. 180 Exemplare dieses Typs. Bei der Entwicklung der F-22 war man noch von einem Bedarf von 442 Maschinen ausgegangen, was vom Senat 2002 allerdings drastisch  zusammengestrichen wurde.
Aber das nur nebenbei. Wie aber deutlich wird, haben sich die üblichen Verdächtigen in diesem Konflikt schon laut bemerkbar gemacht. Wie weit die Nachrichtenlage über das säbelrasseln Nordkoreas als verkaufsfördernde Maßnahme dient und wo eine reale Kriegsgwefahr beginnt, ist unklar. Ohne die aktive Unterstützung Pekings ist ein Krieg des Regimes Nordkoreas ausgeschlossen – eine Nibelungentreue des einzigen Verbündeten Nordkoreas, die katastrophale Auswirkungen für China hätte. Folgt man der chinesischen »Global Times«, sieht man das auch dort:

China also has to keep the Northeast stable. A flock of North Korean refugees would throw the region into disorder and disrupt an economy that is now aspiring to take its old place as China’s industrial heartland back.
Therefore, a key priority for China is to ensure the Kim regime’s survival and prevent North Korea from collapse. But should China continue to be a patron of North Korea, no matter what it does?
Even if North Korea’s nuclear development is only targeted at the US, its nuclear programs will bring huge risks to China rather than the US.

Allgemeine Unsicherheit scheint über die Tonart zu herrschen, in der man mit Pjöngjang telephoniert. Die ersten leisen Stimmen, Nordkorea fallenzulassen sind zu vernehmen – aber nicht um den Preis von US-Truppen im Vorgarten. Es ist momentan ausschließlich an China, den immer schrilleren Tönen Kim Jong-uns mäßigend zu begegnen.
Die Genehmigung von Atomschlägen gegen die USA ist nur eine weitere Stufe auf der Provokationsleiter Kim Jong-uns. Man muß es zur Kenntnis nehmen wie die Tatsache, daß dies ohne chinesische Hilfe eine leere Drohung bleibt. Entsprechend zart sind die Töne aus dem Außenministerium Pekings. Sprecher des Ministeriums Hong Lei:

»In the present situation, China believes all sides must remain calm and exercise restraint and not take actions which are mutually provocative and must certainly not take actions which will worsen the situation«

Es ist ein Wettlauf zwischen der Bequemlichkeit Pekings, diesen komfortablen Puffer zum kapitalistischen Süden zu besitzen und dem Moment, wo es dem Regime in Nordkorea unmöglich wird, ohne Gesichtsverlust noch Rückzieher zu machen.

Kleine Ergänzung zur kleinen Ergänzung zu 38. Breitengrad:

Wie Anonymus erklärte, habe man die offiziellen Kanäle der nordkoreanischen Führung in einigen sozialen Netzwerken geknackt. Nordkorea führt seit 3 Jahren unter dem Namen „uriminzokkiri“ offizielle Konten bei Twitter, Youtube und Flickr. (We are inside your local intranets (Kwangmyong and others), We are inside your mailservers, We are inside your webservers)
Die Schrottpresse begrüßt ausdrücklich diesen kreativen Gebrauch von IT-Knowhow und gratuliert herzlichst. Die Erklärung von Anonymous
Das vorgefundene Propagandamaterial wurde aus ästhetischen Gründen leicht korrigiert.

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Bildquelle: Anonymus

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