Kleine Anmerkung zu Lynchjustiz

le_petit_journal_7_oct_1906

Es haben wohl alle mitbekommen. Terror, Plasberg, Volksabstimmung, TV-Abendprogramm. Darf der Kampfpilot der Bundeswehr (sympathisch) nun das Verkehrsflugzeug in der Hand des Terroristen (unsypathisch) abschießen oder sollte er es besser bleiben lassen.?

Das Grundgesetz hat dazu eine ganz klare Meinung: Nein. Weder soll noch darf er. Und wenn er noch so sympathisch ist und vorher schon einmal Jesus im Fernsehen dargestellt hat.
Basta!
Des Volkes Votum entschied an diesem Abend anders, was erst einmal eine eklatante Unwissenheit über die (verfassungs)rechtlichen Grundlagen verrät.

Das Bundesverfassungsgericht beschäftigte sich mit diesem Thema bereits im Zuge des Luftsicherheitsgesetzes von 2005 und entschied, daß wesentliche Teile davon nicht mit dem Grundgesetz vereinbar waren. Noch weitere Fragen? Bevor jetzt alle Finger nach oben schnellen, ein kurzer, aber entscheidender Auszug aus der Begründung des Bundesverfassungsgerichts vom 15.2.2006:

»Eine solche Behandlung [die des Abschusses] missachtet die Betroffenen als Subjekte mit Würde und unveräußerlichen Rechten. Sie werden dadurch, dass ihre Tötung als Mittel zur Rettung anderer benutzt wird, verdinglicht und entrechtlicht. Indem über ihr Leben von Staats wegen einseitig verfügt wird, wird den als Opfern selbst schutzbedürftigen Flugzeuginsassen der Wert abgesprochen, der jedem Menschen um seiner selbst willen zukommt. Unter der Geltung des Art. 1 Abs. 1 GG (Menschenwürdegarantie) ist ein Gesetz schlechterdings unvorstellbar, auf dessen Grundlage unschuldige Menschen vorsätzlich zu töten, die sich in einer derart hilflosen Lage befinden.«

Da gibt es nichts zu interpretieren und damit ist das Thema  erschöpfend behandelt. Für all diejenigen, die glauben, ein so fundamentales Verfassungsgut wie Art. 1 Abs. 1 GG diskutieren zu wollen, sei auf die Ewigkeitsklausel der Verfassung hingewiesen, die die Unantastbarkeit einiger Paragraphen festlegt, unter anderem auch des Art. 1 GG.

»Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.«

Warum also wird überhaupt darüber diskutiert, wenn man das Spektakel überhaupt als Diskussion bezeichnen mag?

Da ist sicherlich an erster Stelle die hehre Kunst zu nennen, die endlich Fritz Langs Film von 1931 »M-Eine Stadt sucht einen Mörder« übertreffen will. Soviel sei verraten: Auch dieser Versuch schlug krachend fehl.
Man mag den Versuch in künstlerischer Hinsicht amüsant halten, was aber für eine juristische Beurteilung ohne jeden Wert ist.
Interessanter daran ist etwas anderes: In Zeiten von Pegida, AFD und anderen ultrarechten Bewegungen setzt man dem hirnlosen und menschenverachtenden Gestammel dieser Klientel nicht etwa Rechtsstaatlichkeit und Bildung entgegen, sondern verfällt selber in den Tonfall der Rattenfänger. Populismus und die feste Überzeugung, der Zuschauer sei schlicht zu dämlich, um sich fachgerecht mit der einschlägigen Rechtslage auseinanderzusetzen. Und nicht nur mit der! Nein, gleich die gesamte Rechtskultur darf auf Null zurückgedreht werden. Als wenn Justizurteile durch Klatschen und Johlen der Zuschauer im Saal oder im Dschungelcamp via Fernbedienung gefällt werden.
Dieses Prinzip der Auseinandersetzung über ein Wertesystem unterscheidet sich in nichts von den stumpfen rechtsradikalen Parolen und der Vorgehensweise der bekannten Schreihälse.

In der Komödienschmonzette »Terror« des Autors und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach wird versucht, einen Grundstein dafür zu legen, daß existentielle Rechtsgüter wieder zur Disposition stehen. Das ist nicht mit dem Hinweis auf die Freiheit der Kunst zu rechtfertigen. Vielmehr müssen sich die Verantwortlichen fragen lassen, ob der vorgebliche Widerstand Intellektueller gegen rechts darin bestehen soll, auf die Linie der Feinde dieses Wertesystems zu schwenken und die gleichen niedrigen Instinkte zu bedienen.
Die Wahl des Titels als Lackmustest dafür, was man bereit ist in Frage zu stellen.

Thomas Fischer im Recht auf Zeit.de

Eine Podiumsdiskussion des WDR, Funkhausgespräche mit T. Fischer und Verantwortlichen.

Heribert Prantl  pflaumenweich

»Ich fordere Sie auf, in dieser schönen Stadt nicht mehr herumzuschreien!« Dresden gegen Rechts.

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27 Kommentare zu Kleine Anmerkung zu Lynchjustiz

  1. Warum hast du dir so einen Mist angeschaut? Mit solchen Sendungen pflegt man das Stamm(tisch)Publikum, das einen Abend lang Volksgerichtshof spielen kann.

    Sollte das Flugzeug nicht in die Allianz-Arena stürzen? Dann hätte es also nur das Leben von Bayern-Fans gekostet. Ich sage: Lasst es abstürzen!

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    • pantoufle sagt:

      Ja, der Gedankengang folgt einem humanistischen und rechtsstaatlichen Gedanken… sind Bayernfans irgendwie eine verachtenswerte Spezies? Ich kenne mich damit nicht so richtig aus. Bewegungssportarten, weißt Du?

      Volksgerichtshof. Mir ging da eher der Gerichtsverein der Halunken in den Lang-Film durch den Kopf. Alles ehrenwerte Ganoven! Der Volksgerichtshof hieß ja nur so, aber so ein Lynchmob: Das ist Volkes Stimme wie sie leibt und lebt.

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      • Einige meiner besten Freunde sind Bayern-Fans (die ich am Samstag wieder ertragen muss). Mit der Allianz-Arena (ausgerechnet!) hat man dem fußballaffinen Fernsehvolk die Pointe quasi auf dem Elfmeterpunkt serviert.

        Ansonsten ist der Lang-Film und sein Gangstertribunal natürlich der bessere Vergleich. Es scheint eine Eigenheit vieler Landsleute zu sein, sich zum Richter seiner Mitmenschen aufspielen zu wollen. Falschparker aufschreiben und überhaupt “alles Verbrecher”, lies mal die Kommentare zum neuen Don Alphonso-Text in der FAZ …

        Schön wie immer der “redliche Richter” (Rebellen vom Liang Shan Po) in der ZEIT mit seiner grandiosen Metapher vom Spontan-Rülpser aus dem Volkskörper. Ich wünschte, ich könnte so schreiben!

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        • Stony sagt:

          Schlümm, schlümm, schlümm! An all die armen Krauter, die niemalsnich freiwillig dort (Allianzarena) sein würden (Würstlstand, Sicherheitspersonal, staatlich & privat, Gäste in VIP-Logen etc.pp), sowie den Gästeblock denkt wieder niemand. Irgendeinemoticon!

          Die einzig wahre Lösung des Problems fand ein zwojähriger, guckt ihr hier:

          [youtube https://www.youtube.com/watch?v=-N_RZJUAQY4&w=560&h=315%5D

          PS: Deine Subtilität, Matthias, möge mir in Fleisch und Blut übergehen! (positiv neidisch, ausnahmsweise)

          PPS: @Schreibe: Du weißt ja, wessen Ratgeber Du diesbezüglich konsultieren solltest – gibt es mittlerweile bestimmt auch als Hörbuch!1!! ;-P

          PPPS: Ich wunderte mich seinerzeit ein wenig, warum Fischer das kleine häßliche Norbilein so scheinbar lapidar verhöhnend abkanzelte. Mit dem heutigen Beitrag verstehe ich ihn (T.F.) besser.

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          • pantoufle sagt:

            … ein Youtube-Wutbürger

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          • Der Junge ist so cool, wir sollten ihm einen Studienplatz an der Hochschule der Bundeswehr in München reservieren.

            Und gib mir nochmal nen Hinweis auf den Ratgeber zum Schreiben, Stony, hier ist die zweite Flasche Wein auf, weißt du, da brauche ich einen sanften bis brachialen Anstubser zum Thema ;o)))

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          • pantoufle sagt:

            Doktorvater: Oberst Klein.

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          • Stony sagt:

            (Tieffliegeralarm) Hinweis: Wolfgang Rademacher, erfolgsonline, der Typ der Deinen Weinhändler (v)erblassen läßt (öhmm, wie man’s nimmt). 😉

            Boah, das mit der Bundeswehrhochschule ist hart. Vor gut 20 Jahren hatte ich es mit einem Absolventen (Soziologie) eben jener zu tun, durch welchen ich fast (!) zu ganz ganz üblen Vorurteilen gelangt wäre.
            Pantoufles Anmerkung paßt da wie die Faust aufs Arschgesicht! Sowas kann man doch keinem Kind wünschen, oder? Am Ende käme vllt. ein zweiter Fips Rösler bei rum, man bedenke nur! *stöhnkrächzkreisch*

            (btw: Heute Slivovitz & Johannisbeersaft – klingt sonderbar, ist aber geil. Cheers!)

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          • pantoufle sagt:

            Stony! Laß mich raten: Das war ein total toller Nachmittag und Du hast einen Container voll neuer Freunde!
            Das letzte Mal, daß ich Slivovitz getrunken habe (allerdings habe ich den Saft weggelassen und statt dessen gabs Pferdebohnen mit Speck. In einem alten Kloster, wo keiner mehr klosterte. Nur einer, der das gekauft hatte und die Bohnen in einer Pfanne von ca. 1m Durchmesser über dem offenem Feuer buk. Er tischlerte Kreuze, Engel, Babys mit Ringen über den Ohren und sowas und verkaufte das an naive Touristen. Und dann gabs Slivovitz und dann kann ich mich mehr so genau erinnern. Aber das ist eine andere Geschichte. Erwähnen wollte ich es aber trotzdem.)
            Doch, war lecker, soweit ich mich entsinne.

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          • @ stony

            Cheers. Klingt gut. Kommt auf meine To-Do-Liste.

            Ich kenne von der Bundeswehrhochschule in München Professor Geißler, einen alten Kollegen in Sachen Zeitforschung und Entschleunigung. War seit frühester Kindheit durch Kinderlähmung von aller Hetze befreit und ist ein kluger, witziger Mensch. Aber er ist auch die Ausnahme, wie ich mal vermute (als Ex-Zivi).

            https://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Gei%C3%9Fler

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          • pantoufle sagt:

            @Matthias
            Besitzt seit 25 Jahren keine Uhr mehr. Ich mag dem Mann.

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  2. altautonomer sagt:

    Habs auch gesehen, weil drüben auf dem “Narrenschiff” schon vorher kurz darüber gesprochen wurde. Fischer hat in der “Zeit” eigentlich alles dazu gesagt.

    Über 4.100 Kommentare allein im Gästebuch (dazu noch die auf facebook und twitter) von Hart aber fair beweisen, wie gerne ein Volk von 80 Mio Feierabend-, Waschküchen- und Hobbyschöffen Richter spielt. Das sollte nachdenklich machen.

    Plasberg schaltete in der Sendung zu vergleichbaren Talkshows nach Österreich und in die Schweiz. Dort gab es fast identische Abstimmungsergebnisse. Bei seinem Schweizer Kollegen spielte er auf das bekanntlich plebiszitfreundliche Völkchen der Schweizer an. Da irrte er aber gewaltig und keiner hat’s gemerkt. Plebiszite gibt es sowohl in D. als auch in der Schweiz nur auf dem Gebiet der Legislative. Sie auch auf die Judikative zu übertragen würde dem demokratischen Prinzip der Gewaltenteilung widersprechen. Das Volkstribunal unterscheidet sich dabei kaum vom Lynchmob.

    Insoweit Zustimmung zum obigen Text nebst Headline auch, wenn ich kein Verfassungspatriot bin.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Altautonomer

      Schön daß es Dir zusagt. Auch hier ( wieder einmal) eine kleine Anmerkung zum Wort »Verfassungspatriot«.
      Wie ich bereits anmerkte, kann ich mit dem Begriff nicht viel anfangen. Also rate ich einmal drauflos. So wie er von Dir und einigen anderen benutzt wird, ist er offensichtlich eine Art politisch gemünzter Gegenentwurf zum Kampfbegriff »Gutmensch«. Du wirst es mir sicher verzeihen, wenn ich ihn für genau so bescheuert und durchsichtig halte.

      Menschen haben zu allen Zeiten dazu tendiert, sich Regeln und Gesetze zu geben. Zum Beispiel, nicht mit der Essgabel während der Mahlzeiten in den Haaren nach Flöhen zu stochern. Einige gehen sogar soweit, daß sie das auch außerhalb der Mahlzeiten vermeiden. (Wußtest Du übrigens, daß die Gabel erst lange nach dem Kamm erfunden wurde? …ich schweife ab!)
      Bei diesem Beispiel handelt es sich um ein sogenanntes verhandelbares Gesetz. Einige Eingeborenenstämme mögen die Gabel aus kultischen Gründen in der genannten Form benutzen – da sollte man tolerant sein!
      Bei anderen Regeln, die sich die Menschheit gab, liegt der Fall anders. Zum Beispiel dann, wenn argumentiert wird, daß man das Geständnis eines Beschuldigten noch viel schneller erhält, wenn man ihn bei lebendigem Leib häutet. Das ist faktisch natürlich vollkommen richtig und trotzdem weitgehend ungebräuchlich.

      Weil den meisten zivilisierten Menschen der Anblick eines gehäuteten Mitbürgers eher Unbehagen bereitet und auch aus anderen Gründen unappetitlich ist, hat man solcherlei Praxis mit Nachdruck geächtet. Sogar so sehr, daß man sowohl die Begründung dafür wie auch die eigentliche Handlung streng ahndet. So sehr, daß das Menschenbild, welches diesem Gedanken zugrunde liegt, als gesellschaftliche NoGo-Area behandelt wird. Zum Beispiel um ähnlich gelagerte Ungeheuerlichkeiten grundsätzlich unzulässig zu machen.

      Das nennt man dann eine Verfassung. Oder Bibel, Koran oder Talmud. Daran ist absolut nichts Verwerfliches wie Du sicher sofort zugeben wirst. Wenn sich also jemand (wie ich) darauf beruft, daß die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist, dann ist er erst einmal… na? Genau! Ein netter Kerl!

      Und kein Verfassungspatriot.

      P.S. Daß ich (und viele, viele andere) Dir nicht links genug sind und ihren Kapitalismus lieb haben,wissen alle, die Dich öfter lesen. Da war sie wieder, diese Sache mit den Manieren: Im Grunde ist das wie mit der Gabel. Die Meinung der anderen.

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      • altautonomer sagt:

        Guten Morgen Pantoufle.
        Nun sehe ich mich doch veranlasst, der entspannten Auseinandersetzung zuliebe, etwas zum Verf.-Patriotismus zu sagen.

        Die Vefassung der BRD, auch Grundgesetz genannt, ist seit ihrem Inkrafttreten hundertfach geändert und verstümmelt worden. Beispiel Asylrecht, Datenschutz, (Vorratsdatenspeicherung), Meinungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung (Durchsuchung der Kleiderschränke von H4-Beziehern usw.). Alles Grundrechte. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, weil es den verteidigungspolitischen Vorstellungen der Herrschenden in den Kram passte. Und dies, nachdem tausende von Wehrdienstverweigerern durch die Schikanen der Prüfungsausschüsse geschleust wurden. Als nächstes steht die Privatisierung der Autobahnen auf der Agenda, für die eine 2/3 Mehrheit erforderlich ist. Auch die Wiedereinführung der Todesstrafe steht immer wieder mal -meist nach Kindesmorden- im öffentlichen Diskurs.

        Wer sich heute noch auf die Verfassung (z. B. Würde des Menschen in Art. 1 oder die Gleichheit vor dem Gesetz) beruft, erlebt im Alltag ein böses Erwachen, weil die Herrschenden meinen, das GG sei ein Ergebnis aus den Erfahrungen der Nazizeit und heute nicht mehr zeitgemäß. Das moralisch empörte Beharren Linker auf der Verfassung und der Glaube an den Rechtsstaat führt oft direkt in die große Illusion. Mehrfach haben wir schon erlebt, dass selbst Urteile des BVerfG von der Regierung bzw. vom Bundestag einfach ignoriert wurden.

        Es ist z. B. aufgrund der allgemeinen Freiheitsrechte in Art. 2 GG -höchstinstanzlich entschieden- verboten, Demonstranten anlasslos zu fotografieren (Recht am eigenen Bild). Tatsache ist aber, dass ständig die Kameras der Polizei laufen. Spricht Du sie darauf an, lachen sie Dich aus.

        Selbstverständlich bedarf es grundsätzlicher Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben. Da stimme ich Dir zu. Ihr Zustandekommen würde ich aber ungern den Berliner Politeliten/-marionetten überlassen.

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  3. Provinzei sagt:

    Habe mir auf D-MAX zeitgleich angeschaut, wie man in Texas schnelle Autos baut.
    Herrlich sinnfrei und schwachsinnig. Deshalb zu empfehlen.
    Wobei ich solche Benzinopern ja eigentlich total ablehne, den Krieg der Amis um den Sprit erst recht. Aber die Autos sind echt schön, richtige Kunstwerke.
    Ich muss halt abends einfach das Hirn zum Auslüften mal raushängen, kann mir ja nicht jeden abend die Birne zuballern.
    Von Schirach. Hm. Alleine der Namen lässt mich schaudern.

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  4. Eine solche Sendung ist schamlos und gefährdet wesentliche Grundsätze unserer Demokratie.
    Es gab ähnlich gelagerte Vorstöße ja schon bei der Frage, ob man im Notfall auch foltern dürfe, um das Leben eines entführten Kindes zu retten. Solche Probleme sind mit Recht im Grundgesetz geregelt, und wenn jetzt der Eindruck erweckt wird, rechtsstaatliche Werte stünden zur Disposition und man könnte per Volksabstimmung zu einer “besseren” Lösung finden, dann ist das dumm und verantwortungslos, aber eventuell Kalkül – wie du bereits vermutet hast. Hätten wir einen Verfassungsschutz, der seinen Namen verdient, sollte er sich die Verantwortlichen und ihre Motive mal ansehen.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Jules

      Yep, so isses! Ich widerstehe an dieser Stelle der Versuchung, weitere Beispiele für diese Zeichen von Erosion aufzuzählen. Sie finden sich leicht.
      Nur zu der Funktion eines fiktiven Verfassungsschutzes noch eine Anmerkung: Wenn es um so grundsätzliche Missverständnisse wie in diesem Fall geht, sollte in einer humanistisch-demokratisch genordeten Gesellschaft die rote Lampe von ganz allein angehen.
      Man braucht nicht für alles eine Behörde und wenn man denn schon Volkes Stimme hören will, wäre das eine schöne Gelegenheit gewesen. Wenn jemand auf einem öffentlichen Platz eine Hexenverbrennung startet, rufe ich doch nicht die Polizei, sondern kippe erst mal einen Eimer Wasser ins Holz und hau dem Hexenhammer eine aufs Maul. Dann kann man immer noch die Behörde informieren.
      Jaja… Selbstjustiz – ich weiß 🙂

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      • Schon klar, Pantoufle. Mich erinnert der Name Verfassungsschutz schon seit langem an Orwell, weil dieser Dienst sich munter an der Aushöhlung der verfassungsmäßigen Rechte und an ungesetzlichen Aktionen beteiligt.
        Ich wollte auch nicht die Einstellung befürworten, dass wir alle Probleme an staatliche oder karitative Einrichtungen delegieren. Manchmal ist Handeln oder zumindest eín offenes Bekenntnis erforderlich.

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  5. pantoufle sagt:

    Ach, und überhaupt! Wisst Ihr, was ich achso gerne nebenbei höre? (Ich hab alle Teile!) Den hier:

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  6. Stony sagt:

    Ich tippsel das mal hier hin, der Unübersichtlichkeit halber.

    @pantoufle: Leider nein; Deine Geschichte ist auch die viel schönere (Meine Fresse, hätte ich da gern mitgehalten!).

    Die profane Wirklichkeit ist: Ich trinke hier alleine. Der Stoff ist ein Mitbringsel eines Kollegen mit Verwandtschaft in Rumänien. Schwarzgebrannter – dem verschwörerischen Blick den es beim Überreichen der Pulle gratis dazu gab konnte ich nicht widerstehen. Hoffe nur, morgen die Sonne mehr als fühlen zu können.

    Was den Saft angeht zwoerlei:
    – pur geht echt nicht (irgendwo zwischen 60 und 80% meiner Schätzung nach)
    – mein Gaumen ist dauerverwirrt: Mal schmeckt es nach Pflaume, mal nach Hannah, Assoziationen frei Haus und Belieben 😀

    @Matthias: Link ist gemerkt, wird die Tage, so ich noch kann, durchforstet. Mußte direkt lachen, auch wenn es nur ein Verleser war: Er hat einen Führerschein..! Das und die Sache mit der Uhr – schließe mich da dem Hausherrn an.

    Was die anekdotische Evidenz angeht, neige ich dazu Dir pauschal zuzustimmen; was ich dazu grad schreiben wollte überdenke ich allerdings lieber nochmal, wegen diverser Widersprüche. Komme bei Gelegenheit vllt. darauf zurück.

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  7. waswegmuss sagt:

    Wenn dann bitte das Original, gesponsert vom Stabil-Elite-Trust.

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  8. flurdab sagt:

    Ich habe wohl die Ankündigung zu diesem Machwerk gesehen und mich gefragt wer sich ein derart dröges “Schauspiel” ansieht. Für mich bot es keinen Reiz, noch weniger als ein “Tschiller- Tatort” anzuschauen.
    Der eigentliche Reiz des “Schauspiels” bestand für die Zuschauerwohl darin voten zu dürfen. Der dröge Stoff hat es tatsächlich auf 6,9 Mio. Zuschauer gebracht. Ob diese Zahl auch ohne Abstimmung zustande gekommen wäre?
    Bis jetzt habe ich jedenfalls den Sinn der Aufführung nicht verstanden, soll es wirklich eingesetzt werden um in “Postfaktischen” Zeiten Bauchentscheidungen zu legitimieren?
    “Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor”.
    Danke für den Hinweis auf Herrn Fischer.

    In NRW haben gestern Polizisten zweimal von ihren Schusswaffen Gebrauch gemacht.
    Beide male aus Bedrohungsszenarien mit Messern heraus.
    Mich deucht das einiges in Deutschland ins Rutschen geraten ist, postfaktisch quasi.
    Ich nehme an das die Polizisten nicht leichtfertig gehandelt haben.
    Das wirkt alles nur noch surreal.

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  9. flurdab sagt:

    Ich hoffe ja das die ARD wegen der hohen Einschaltquoten einen nächsten “Volksgerichtshof” mit Voting produziert.
    Ein Blick in die eigene Finanzverwaltung dürfte reichen um einen Plot zu schreiben.
    Eine Gerichtsverhandlung gegen einen Beitragsverweigerer fände ich ziemlich spannend, natürlich mit Voting. Aber da wird wohl nichts draus.
    Wir lernen Moral hat nichts mit Recht zu tun und wird immer nur da angewandt, wo sie das Recht schwächen kann.

    Grüße

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  10. pantoufle sagt:

    Moin Altautonomer

    Erst einmal Danke für die ausführliche Stellungnahme.
    Kein vernünftiger Mensch würde bestreiten, daß das ewige herumdoktorn am Grundgesetz wenig hilfreich ist. Ebensowenig herrscht Unklarheit darüber, in wessen Interesse die allermeisten dieser Änderungen sind.

    Daß es sich allerdings bei dem Protest gegen Auslegung und Beugung des GG durchweg um »moralisch empörte Linke« handelt, wage ich zu bezweifeln. Zwar möchte ich nicht behaupten, daß sich die Empörung gleichermaßen durch alle politischen Flügel zieht, aber selbst im konservativen Lager gibt es bisweilen Widerstand.
    Wache Geister, die diese Entwicklungen aufmerksam und kritisch beobachten,gibt es in allen Gesellschaftsschichten, selbst in der Justiz. Der von Dir so positiv erwähnte Vorsitzende des Bundesgerichtshofes Thomas Fischer ist dafür ein gutes Beispiel.
    Nur für’s Journal.

    Der unterstellte blinde Glaube an den Rechtsstaat klingt für mich etwas schwerelos. Zum einen, weil man in der Bewertung wie im dargestellten Fall zwangsläufig auf ein allgemein anerkanntes Wertesystem zurückgreifen muß. Eines, dessen Sinn und Inhalt jedermann klar ist und das keiner weiteren Erklärung bedarf. Aus Platzgründen, wenn Du so willst. Oder andersherum: Wenn nicht das Grundgesetz oder die allgemeinen Menschenrechte, was dann? Wo ist der kleinste gemeinsame Nenner?

    Was zwangsläufig zum anderen Teil der Medaille führt: Aus weltanschaulichen Gründen lehne ich es ab, mich in der Beschreibung meines persönlichen Wertesystems aus dem christlichen oder sonstwie religiösen Fundus zu bedienen – von irgendwelchen esoterisch-verschwurbelten Ideologien ganz zu schweigen.
    Wobei ich dazu anmerken möchte: Nur gesetzt den Fall, ein Vertreter dieser Fraktionen würde etwas konstruktives zum Thema aus seiner Perspektive beitragen, wäre ich jederzeit bereit, ihm zuzuhören. Ein Beispiel dafür ist der amtierende Papst. So fern ich seiner Philosophie bin – gelegentlich sagt dieser Mann sehr wahre Dinge. Ich werde einen Teufel tun und ihn aus dem eigentlich naheliegenden Grund seines Amtes und seiner Religion zu ignorieren; diesen Heiner Geißler des Katholizismus.

    [Zumindest bemüht er sich! Der Säzzer ]

    Das sollte man nicht mit Naivität verwechseln. Nur weil ich nicht an jeden Satz einen Rattenschwanz an Hinweisen anhänge, was noch alles falsch läuft, heißt das nicht daß ich es nicht sehe.
    Es widerstrebt mir aber allein stilistisch, jeden Text wie ein Anarchoflugblatt aus den frühen 70er Jahren aussehen zu lassen. Dahinter steckt natürlich auch der egoistische Gedanke, überhaupt gelesen zu werden. Und halten wir mal fest: So etwas liest heutzutage kein Schwein mehr – von Ausnahmen vielleicht abgesehen. Die Form hat sich einfach nicht durchgesetzt.
    Das hängt auch damit zusammen, daß diese Art von Pamphlet impliziert, der Leser wäre zu naiv oder schlicht zu blöd, das Offensichtliche selber zu sehen.

    In dieser völlig entspannten Auseinandersetzung möchte ich Dich noch auf ein kleines Detail in Deiner Erwiderung hinweisen: Auf der einen Seite beklagst Du vollkommen zu recht die Ignoranz, die Manipulationen und täglichen Widersprüche im Umgang mit dem Grundgesetz, stellst stellst aber gleichzeitig fest, daß es ein Bundesverfassungsgericht gibt. Wir sind sicherlich einer Meinung darüber, daß da keine moralisch empörte Linken in roten Roben sitzen. Diese Instanz hat sich in den letzten Jahren oft genug als letztes Regulativ erwiesen, der Inkompetenz und Demokratiefeindlichkeit der Parlamente ihre Grenzen zu zeigen. Nicht immer, aber oft erfolgreich und nachvollziehbar, wie Du ja selber feststellst. Die Arbeit dieses Gerichts aber wird in dem Augenblick Makulatur, wenn es die alleinige Instanz ist, die sich den »den Berliner Politeliten/-Marionetten« widersetzt.
    Entweder Geist und Inhalt des Grundgesetzes und Menschenrechten wird von »den Beherrschten« mitgetragen oder es ist endgültig eine Chimäre.

    Unter diesem Aspekt habe ich nicht das geringste Problem damit, mich auf das GG zu berufen.

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    • altautonomer sagt:

      Pantoufle: Habs aufmerksam gelesen und werde darüber nachdenken.

      Bei Plasbergs “Hart aber fair” (Stammtisch trifft Populismus und Quote) gab es übrigens im Endergebnis allein im Gästebuch (ohne twitter und facebook) 7.574 Kommentare).

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      • Pantoufle sagt:

        Aus einem völlig unerfindlichen Grunde habe ich einen Haufen Deiner Kommentare noch mal gelesen. Vielleicht wirst Du es nicht gerne hören, aber Du redest durchgängig Schwachsinn. Nur, ausschließlich und mit Konstanz, lediglich unterbrochen von Ausbrüchen völlig deplazierter Arroganz. Ich habe den Eindruck, Du bist ein strunzdummer Mensch, in jeder Hinsicht zu kurz gekommen und verblödet.
        Tut mir leid, aber ich mußte es einfach mal laut sagen.

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