Kann gerade nicht die Welt retten

Typisches Wohnzimmer eines Funktionärs der LINKEN

Es gibt ja auch nicht so viel zu retten. Welche radikal-christliche Sekte in den USA sich rühmen darf, den nächsten Präsidentschaftskandidaten zu stellen, ist noch unentschieden. Die NPD wird auch nicht abgeschafft – man will auf eine gewisse politische Breite nicht gerne verzichten. Jedenfalls solange nicht, wie man kein probates Mittel findet, sich die Wählerschaft unter den Nagel zu reißen. Wer das letztlich schafft, ist auch unentschieden. Von grün bis dunkelschwarz stehen die Tore offen.

Die Blockade gegenüber der LINKEN zeigt langsam politische Wirkung. Die wehren sich mit geradezu stalinistischer Blockhaltung: Ein Bild des Jammers! Man legt ihnen den Strick um den Hals und die singen die Internationale. So blöd kann man auch nur als Partei sein. Als Privatperson wäre man schon lange insolvent.

Gysi, Wagenknecht und auch Du, Oskar! Schmeißt die ganzen Politkommissare raus und gründet eine moderne, richtig linke Partei. Mit einer roten Fahne und einem ebensolchen Parteiprogramm. Ihr wundert Euch, warum die Piraten mittlerweile mehr Stimmen als die Grünen vereinigen? Das ist Verzweiflung – die pure Verzweiflung, daß man die wählt! Ich kann es sogar verstehen, wenn auch nicht wählen. Keine Antworten sind mittlerweile gefragter als das, was die Worthülsengeneratoren in den Parlamenten täglich absondern. Das Publikum hat es aufgegeben, denen auch nur zuzuhören; zu verstehen ist es ohnehin nicht – nur die Trommeln der Lobbyisten, deren Stimmen kurz davor stehen, Verfassungsrang zu erlangen. Karl Marx und Engels haben keine Antworten: Sie haben aber die richtigen Fragen gestellt. Sie sind die Methode. Sahra: Ich habe Dir oft genug bei Deinen Reden zugehört, um zu wissen, daß Du Antworten hast. Es sind die Antworten, die die Piraten vielleicht in 40 Jahren erarbeitet haben. Wenn sie Marx lesen und verstehen warum es eine Rosa Luxemburg gab.

Stichwort Vergangenheitsbewältigung. Sehr geehrter Herr Grass: Nobelpreise werden nicht aberkannt. Ach, das wussten Sie schon? Und auch nach Israel wollten Sie in nächster Zeit nicht? Na, dann können Sie auch laut sagen, das man neben einem offenen Benzinfass nicht raucht. Auch keine Pfeife … nebenbei.

So, so – ein Gedicht haben Sie geschrieben. Ich habe es gelesen; es hat mich – Sie werden mir verzeihen – nicht gerade vom Hocker gehauen. Ihre Blechtrommel war großartig, die Rättin etwas für Fans. Ihr Bestreben, sich in die Reihe deutscher Nobelpreisträger einzureihen, die durch politisch fragwürdige Statements aufgefallen sind, in allen Ehren. Aber so richtig clever war es irgendwie nicht. Das Wort „irgendwie“ hat mein großes Idol Kurt Tucholsky auf den Index gesetzt – ich benutze es trotzdem, weil Sie ihr Gedicht auch „Irgendwie“ betiteln könnten. Irgendwie haben Sie weder Ross noch Reiter genannt, irgendwie passt die Botschaft auf eine DIN A5 Seite, wo Sie A0 benutzen, irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Sie nur der Lärm sind, den Sie produzieren. Macht es Sie irgendwie froh, daß in der Breite von Wolf Biermann bis zu den Dampfplauderern der Öffentlich-Rechtlichen jeder den Kopf schüttelt?

Bleibt nur zu hoffen, daß Sie sich diesen Griff ins Klo fürstlich bezahlen ließen. Die Kundenliste legt das nahe.

 

Epische Demontage … da war doch noch was. Ja genau: Die Titanic! Herr Grass: War das mit dem Datum jetzt Zufall oder beabsichtigt?

Also die Titanic. Auf allen Sendern und Kanälen. Die Titanic ist ja angeblich vor allem deswegen untergegangen, weil sie durch 3 Millionen Nieten zusammengehalten wurde. Und der Stahl zu dünn war. Angeblich aus falscher Sparsamkeit. Das kann uns zum Glück heutzutage nicht mehr passieren. Die Nieten, die in unseren Parlamenten und Chefetagen der Banken sitzen … äh… ich … also: Das kann sich keinesfalls wiederholen. Nicht im Schacht Konrad, in irgend einem Kernkraftwerk oder sonstwo. Unsere Nieten sind so hoch bezahlt – die halten! Gegen Eisberge läuft heutzutage nur derjenige, der beizeiten die Fehler der Energiepolitik begriffen hat und dagegen mit Ingenieurskunst und Fachwissen angekämpft hat. Die Solar Millennium AG, Q-cells, Phoenix-Solar, Odersun AG und andere kollidieren mit dem Eisberg Energieversorger und der FDP. Backbord und Steuerbord. Die versprochene Energiewende wird geplant, exekutiert und verbrochen durch Vattenfall, E.ON, EnBW und RWE. Diese vier Konzerne bestimmen ohne jede parlamentarische Kontrolle über die Zukunft unserer Kinder. Die politische Einflussnahme – „die Tyrannei der Massen“© – ist faktisch ausgeschaltet.

Auf der Titanic gab es genug Rettungsboote. Jedenfalls genug für die damaligen Vorschriften. Für die Vorstände wird es diesmal auch reichen.

 

Ach, und dann gibt es vielleicht noch diejenigen, die sich fragen, was die Bilder hier sollen. Das ist ganz leicht oder ganz schwer zu beantworten – je nach Tagesform. Ich habe lange nichts geschrieben, wenigstens nichts für den Blog. Dafür habe ich viel Zeit in der Dunkelkammer verbracht, an meinen Motorrädern geschraubt. Alles Dinge, die mir sehr wichtig sind. Und da war da ein Artikel auf Kwerfeldein, über den ich über die üblichen Umwege auf die Seite einer Photographin gekommen bin, die mich sehr berührt hat. Ohne auf Details einzugehen – sie scheint ein ähnliches Problem damit zu haben, wie man Bilder mit Inhalten verbindet … nein, schon falsch – es geht um Geschichten, die Bilder beinhalten oder Bilder, die sie erzählen. Ich habe vorläufig keinen Lösungsansatz dazu, bin aber ohne meine Bilder nicht darstellbar. Das ist mir auf der Seite der Photographin klar geworden. Vielen Dank dafür, Marit. Diese Photographin ist hier zu finden.
Jedenfals werde ich in Zukunft ohne Sinn und Verstand meine Bilder in die Texte werfen – vielleicht kommt der Sinn eines Tages, vielleicht findet sich ein Mittel, meine Vorstellung von Photographie mit meinen Texten zu verbinden.

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0 Kommentare zu Kann gerade nicht die Welt retten

  1. susannegerdom sagt:

    Ja. Ich liebe es. Gerade weil die Fotos keinen direkten Zusammenhang mit dem Text haben, entsteht eine Fülle geradezu fantastischer Zusammenhänge, die das empfangende Gehirn dazu produziert. Das ist genial. Jede/r Lesende hat so seinen eigenen Film im Kopf. Seine eigenen Assoziationen. Und da das Gehirn darauf geeicht ist, Zusammenhänge herzustellen, koste es, was es wolle, kann sich dem niemand entziehen.
    (Und außerdem liebe ich deine Fotos … ;-))

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  2. pantoufle sagt:

    Ach, Susanne … hüpft, dreht sich, freut sich. Und ich Deine Bücher.
    Jedenfalls mach ich das einfach so. Wer es nicht mag, kann ja wegsehen. Aber davon ab: Sieh Dir mal die Photos von der Marit Beer an – das ist vielleicht was für Dich. Ich kann es nicht beschreiben. Manchmal will man etwas erschaffen und verfehlt es episch. Und trotzdem entsteht etwas, worüber man niemals Kontrolle hatte, aber es trotzdem wahr wurde. Magie eben – das hast Du einmal wunderbar beschrieben. Es ist ein Vorrecht der Jungen, zu glauben, daß man darüber Kontrolle hat – ein Vorzug des Alters zu sehen, das es einen beherrscht. Auch das kann man genießen, wenn es auch dem Schaffensprozess gelegentlich entgegensteht.
    Ich hoffe, es geht Dir gut und Du bist erfolgreich, wohlhabend und schnurrend … ach
    Mit lieben Grüßen
    das Pantoufle

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  3. Fanny sagt:

    Die Idee mit den Fotos finde ich auch sehr erfreulich. Und die Reduzierung auf schwarz/weiß bittet sogar zusätzliche Assoziationsmöglichkeiten – in etwa die Frage: Ist das Schweiß oder – wie bei Aschenputtel – „Blut im Schuh“ ?
    Wink,
    Fanny

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    • pantoufle sagt:

      Liebe Fanny
      Blut. Der Tathergang ist zwar ungewiss, aber die Vermutung steht im Raume, daß ihr Begleiter es müde war, ihr Gehumpel mit den Pumps auf dem Weg zur Kneipe zu ertragen und sie deswegen damit erschlug.
      Es begann zu regnen, er beeilte sich, schnell in den Pub zu kommen. Die Freunde erkundigten sich eher beiläufig nach seiner Frau. Er zeigte nur wortlos auf das Wasser, das schon in kleinen Rinnsalen durch die Dichtungen der Fenster floss. Jeder der Anwesenden verstand – gleich, ob sie dachten, sie wäre wegen des Wetters nicht mitgekommen oder nicht schnell genug gelaufen.
      Jeder von ihnen hätte an seiner Stelle so gehandelt.

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      • Fanny sagt:

        Ich verstehe… das Absperrband… Passt schon mal sehr gut zum Titel!
        Diese Politikerin musste jedenfalls daran glauben.

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  4. FF sagt:

    Jo. Gerne gelesen! Vor allem die Passage mit den Nieten – nein, zu dünn sind die wirklich nicht mehr. Daran wird’s diesmal nicht scheitern… Nicht mal bei der „S“PD-Troika. Zwar sind alle drei sauertöpfisch, unsympathisch vor dem Herrn und auch sonst die „geborenen Sieger“ – aber gottlob: übergewichtig.

    Ein Hoffnungsschimmer zumindest bei der „Linken“: Gesine Lötzsch haut endlich in den Sack. Durchaus keine unsympathische Dame, nur war der Parteivorsitz eine gute Nummer zu groß. Letzteres gilt leider auch für Herrn Ernst.

    Aber: welche Partei hat keine Probleme mit ihrem Spitzenpersonal? Die Grünen – seit einem Vierteljahrhundert dieselben drei, vier Leutchen. Die CDU minus Merkel? Niemand, keiner, nada, niente. Die FDP? Hust…

    Es ist, als ob die deutsche Fußballnationalelf nach wie vor mit Kohler, Reuter, Buchwald und Augenthaler anträte. Kein Nachwuchs in der Politik, keine homines novi, keine neuen Gesichter, keine Ideen, keine Stürmer und Dränger, nirgends.

    Die Piraten? Schon genauso verspießert wie ihre Alten. Rotäugige Nerds mit Haltungsschäden, Frisurproblemen, unvorteilhaften Brillen und ja, auch schon mit dem ein oder anderen Ring um die Hüften… Nieten von morgen.

    PS.: Wer ist Günter Grass? Im Grunde: ein Hochstapler wie Guttenberg. Beider Fundament: eine große, dreiste, unverschämte Lüge. Meine Prognose: nicht mal die „Blechtrommel“ wird bleiben.

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    • pantoufle sagt:

      Moin, FF
      Ach … und da wäre noch der Nachschlag von Fefe, der es gut auf den Punkt bringt:

      „Manchmal stelle ich mir heimlich vor, wie das wäre, wenn bei der SPD jemand mit einer Hirnzelle eintritt. Wenn die merken würden, dass die CDU sich gerade die FDP als Mehrheitsbringer weggebombt hat, und nur noch mit Hilfe der SPD in die Regierung kommt (oder mit den Grünen, haha). Die SPD hat die CDU bei den Eiern und merkt es nicht mal. Unfassbar, wie inkompetent eine Partei sein kann.“

      Alternativlos, wie die sPD nun einmal ist, wird das den Genossen früher oder wahrscheinlich später auch aufgehen. Man muß sich einfach endgültig von der Vorstellung lösen, daß Parteiprogramme, wie wir sie aus früheren Zeiten kennen, noch irgend eine Rolle spielen. Selbst der Anschein von Linie wird sorgsam vermieden. Oder kennen Sie jemanden, der Tretin als alternativ und jung-dynamisch einstuft? Oder Merkel als konservativ? Die schmeißt doch Grundsätze schon über Bord, wenn noch niemand danach gefragt hat.

      Sie kennen ja wahrscheinlich die Zeile: „Schwimmt eine Leiche im Landwehrkanal, Fischerin, du Kleine…“ Wir wollen hoffen, daß sich das nicht wiederholt. Der Verkehr ist ja so gefährlich heutzutage und auch die Chauffeure sind nicht immer nüchtern. Das ist eigenartigerweise das Einzige, was mir im Moment zum Thema Die LINKE einfällt. Der Moment wäre einfach zu günstig – historisch wird das erst, wenn wir schon unter der Erde liegen. Und eventuell aufgeklärt.

      Grass? Normalerweise bezahlt ja die Gemeinde die Reinigung des Denkmals, wenn da ein paar Figuren die Spraydose gezückt haben. Aber was macht man, wenn es das Denkmal selber war?

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  5. Mike-the-Byke sagt:

    Hi

    koennte es sein, dass dieses Blog selbst die „pure Verzweiflung“ ist?

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    • pantoufle sagt:

      Das würde ich so nicht unterschreiben. Zwar machen sich gelegentlich Ansätze von Resignation breit, aber meist siegt die kalte Wut.
      Verzweiflung hiesse, daß man das ganze Theater ernst nimmt. Das tue ich nicht.

      MfG
      das Pantoufle

      P.S. Ist „Byke“ etwas mit zwei Rädern? Dann könnte man über ein „i“ nachdenken. Meine schreiben sich jedenfalls so.

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