Jan Fleischhauer durchaus kontrovers

Man soll Menschen ja nicht nach ihrem Aussehen beurteilen – nicht einmal Jan Fleischhauer. Also werde ich darauf verzichten: Schweren Herzens, wie ich bedauern muß, schweren Herzens! Was könnte man in dieses Gesicht alles hineininterpretieren! Unter seinem Konterfei steht, das jener – also der Jan Fleischhauer – ein viel verkauftes Buch geschrieben hat, einen sogenannten Bestseller, das da heißt: „Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Bis zu diesem Punkt also nichts auffälliges. So ein Buch – egal, wie sinnlos der Titel einem auch erscheinen mag – kann jeder schreiben; es wird ja heute so viel geschrieben, was nach 4 Monaten zu Recht dem Vergessen anheim fällt. Nein, das zur Einleitung gesagte war es nicht, was mich über diesen Herren mit dem Gesicht eines verbitterten zu kurz geratenen Korpsbruders einer schlagenden Verbindung (Neuteutonia sei`s Panier) stolpern lies.

Dieser Herr schreibt in einer bunt bebilderten Illustrierten eine Kolumne namens „der schwarze Kanal“, gleichnamig zu der des unsterblichen, humoristisch nicht unbegabtem Karl-Eduard von Schnitzler. Der eine oder andere mag sich vielleicht noch an die unterhaltsammen Streitereien zwischen ihm und seinem westlichen Gegenpart Gerhart Löwenthal vom ZDF-Magazin erinnern…lang, lang ist`s her und er wird ewig eine Ikone des real existierenden Sozialismus bleiben – genau wie das Sandmänchen aus dem DDR-Fernsehen; Friede seiner Asche.

So, und der Jan Fleischhauer nimmt sich den Namen (irgendwie greift das Copyright da nicht richtig; er klaut auch ungeniert bei seinen Überschriften) und veröffentlicht unter diesem Firmenschild seine Gedanken. Ob es der Name „schwarzer Kanal“ ist, der unausgesprochen im Hintergrund sein übles Werk tut oder eine tiefere Geistesverwandtschaft mit „Sudel-Ede“, wie Karl Eduard von Schnitzler zu Lebzeiten genannt wurde: Überraschenderweise treffen sich beide unappetitlich irgendwo in der Mitte.

Für eine monatliche Kolumne im Spiegel muß man mittlerweile nicht mehr zwingend ein Journalist sein; allein das Wort „Journalismus“ verweigert bei Jan Fleischhauer wie die Kuh vorm Oxer – er ist einfach nur derjenige, der da was reinschreibt, wo vorher ein weißes Blatt Papier war. Und nun wollen wir mal sehen, wie er denn so schreibt.

Bevor er loslegt, setzt er sich gerne auf ein hohes Pferd – da, von wo man so hübsch auf die anderen, die da nicht reinschreiben dürfen, runtersehen kann. Das Pferd erscheint einem schon nach zwei Sätzen so hoch, das sich unwillkürlich fragt, ob es in der freien Natur überhaupt so große Tiere gibt oder ob das etwa eines aus Holz mit Rädern…. aber gut! Das fängt dann zum Beispiel so an: “Zu den großen, unvollendeten Projekten der Parteivorsitzenden Angela Merkel gehört die Modernisierung der CDU“. Na wie gut, das Frau Merkel auf einem noch viel größerem Holzpferd sitzt, um auf ihren Untertanen Jan Fleischhauer heruntersehen zu können. Der revanchiert sich für das huldvolle Lächeln, das ihm die Kanzlerin vielleicht zuwirft, am Ende des Artikels mit der beeindruckenden Feststellung „Ein Ergebnis dieser Wandlung besteht darin, dass die CDU die letzte deutsche Volkspartei ist“. Als wenn wir das nicht alle geahnt hätten!

Zwischen diesen beiden Feststellungen steht nichts, was inhaltlich der Rede wert wäre – nur das “wie”, dieser Weg des geringsten Widerstandes, diese Überzeugung, auf jemanden hacken zu können, der sich nicht wehren kann. Er ernennt die „Verlierer“ und seine Sieger: Ihn! – eine Begründung braucht es da nicht. Wenn es um den letzten Unfall auf der Gorch Fock geht, titelt er mit „Wehleidigkeit der Kadetten“, bei einem Artikel über Gesine Lötzsch gehören „Utopie und Terror“ natürlich zwangsläufig zusammen ( was schon einmal vollkommener Unsinn ist – wenn es denn so sehr mit der deutschen Sprache hapert: www.google.com) . Was er mit Harz4 Empfängern anstellt, kommentierte meine Frau mit dem Wort „widerlich“ – einer Wertung, der ich nichts hinzuzufügen habe. In diesem Zusammenhang kommentiert er „Gefühlspolitik ist wieder in Mode“, wohlweislich vergessend, das gerade CxU – Politiker wie z.B. Ursula von der Leyen auf dieser Masche bis zum Erbrechen herumreiten, indem jene mit kleinkindlicher Logik Worte wie „Kinder“, „Schulspeisung“ oder „Kinderpornographie“ in den Debatten in einer Art unter das Volk bringt, daß jeder, der nicht ihrer Meinung ist, dann eben „gegen Kinder“,“gegen Schulspeisung“ oder „für Kinderpornographie“ ist.

Aber ich möchte Frau von der Leyen (die ich im Übrigen abgrundtief verachte) in diesem Zusammenhang nicht mit Jan Fleischhauer vergleichen: Frau Leyen bemüht sich wenigstens noch um eine Art von Argumentation, wo Jan Fleischhauer es mehr mit seinem Alterego Karl-Eduard von Schnitzler hält und unreflektiert historische Vergleiche anstellt, aus dem Zusammenhang gerissene Bruchstücke als Beispiele heranzieht oder einfach nur dumpf herumschwadroniert.

Er kann es offensichtlich nicht besser; jeder von uns trifft auf eine Schwelle, die ein normal begabter  Mensch nicht überschreiten kann. Ich, du, wir alle. Nur, das wir anderen eben nicht für „Spiegel Online“ schreiben.

Wenn man dem Link für seinen „Bestseller“ folgt, dann steht dort unter der Rubrik „das könnte sie auch noch interessieren“ – direkt neben dem Werk vom Jan Fleischhauer – das Buch von Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“. Getürkte Statistiken, falschverstandene wissenschaftliche Thesen und Rabulistik. Hier wächst zusammen, was zusammengehört.

Post Scriptum: Ich bin mit dem „Spiegel“ groß geworden. Das war einmal eine großartige Zeitung! Was Rudolf Augstein und seine Mitarbeiter alles für ein demokratisches Deutschland getan haben, kann man ansatzweise unter http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spiegel erfahren.

Wie die Redakteure dieses Magazins heute vorm (Badezimmer)Spiegel stehen können und trotzdem ruhig einschlafen, entzieht sich meinem Verständnis. Aber wir sind eben nur schwache, im Verständnis begrenzte Menschen.

Wer das unbedingt nachlesen will, was der Jan Fleischhauer so schreibt:

http://www.spiegel.de/thema/spon_fleischhauer

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