Italienische Verhältnisse

Wer „ der Pate“ Teil I, II und II gesehen hat, weiß genau: Das macht man nicht selber – für bestimmte Dinge hat man seine Leute. Luigi oder 3-Finger Toni… die haben Erfahrung, keine Skrupel und sind, was am am wichtigsten ist, im Zweifelsfalle entbehrlich und austauschbar. Während der Don katzestreichelnd zu Hause sitzt und sich der Poesie der Angst hingibt, löst sich das Problem andernorts in einer Pulverwolke auf.
So einfach ist das!
Was der Don nicht – ich betone: Niemals! – macht, ist, persönlich Facebookschreiberlinge anzuzeigen oder sich mit der Presse anzulegen… schon gar nicht auf einem Anrufbeantworter Drohungen zu hinterlassen. Man schickt „Rasiermesser“ Bazinni, der einen blutigen Pferdekopf auf die Schwelle des Hauses legt und der Fall ist fürs Erste erledigt.

Nur wer sowohl von allen guten Geistern wie von fähigem Personal verlassen ist, macht so etwas selber. Einfach öfter ins Kino gehen, dann klappt`s auch mit der Amtsdauer.
So wenig Verständnis die Schrottpresse für die Bild-“Zeitung“ oder ihren Chefredakteur Kai Diekmann hat; in diesem Falle herrscht ein wenigstens schulterzuckendes Einverständnis darin, das Diekmann in erster Linie Journalist ist. Der Drohanruf auf dem Anrufbeantworter ist keine Drohung, sondern eine Story. Eine pressetechnische Steilvorlage, die sich niemand – und schon gar nicht die „Bild“ – entgehen lassen kann. Dabei geht es in diesem Fall nicht nur um den Inhalt des Anrufbeantworters, sondern es berührt das Thema Pressefreiheit im Allgemeinen; Grund genug, um sämtliche Skrupel über eine Veröffentlichung fallenzulassen.

Wulffs kindlicher Aktionismus verbaut ihm die letzte Fluchtmöglichkeit: Die nämlich, das Ganze als bösartige Medien-Kampagne gegen ihn darzustellen. Mit der selben Axt, mit der er die letzte Brücke hinter sich zerstört, geht er auf das los, was so gerne als „Würde des Amtes“ bezeichnet wird. Da braucht es keine feindlich gesinnte Presse oder ein sensationsgieriges Publikum mehr.

Was etwas wundert, ist allein die Tatsache, daß die Disskusion um die „Würde“ so vehement auf das Amt des Bundespräsidenten begrenzt wird. Diverse Vorkommnisse der letzten 2 Jahre der CDU/FDP Koalition ergäben mehr als ein Beispiel, daß der Respekt vor „dem Amt“ recht inflationär geworden ist. Ein Außenminister, der im besten Fall nur noch für Kopfschütteln sorgt, ein Bundesinneminister, der unter anderem im Fall des Bundestrojaners mühsam aus der Schußlinie gezogen werden muß, eine Kristina Schröder, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt – man weiß nicht, wo anfangen oder wo aufhören. Um das festzustellen, braucht es keine bösartige Presse. Das Bundesverfassungsgericht bestätigt in kurzen Intervallen, daß diverse Gesetze eben dieser „Würdenträger“ gegen ein erheblich wichtigeres Rechtsgut als das Ansehen des Amtes verstoßen: Das Grundgesetz! Man sollte eigentlich annehmen, daß auch die „Würde des Bundestags“ langsam zum Thema würde; eigenartigerweise ist das bisher nicht der Fall. Es geht nicht allein das Ansehen des Bundespräsidenten – es ist das Ansehen der gesamten politischen Klasse.

Bundespräsident Christian Wulff und sein Amtsvorgänger Horst Köhler hinterlassen ihrem Nachfolger eine schwere Hypothek: An diesem Stuhl klebt bis auf weiteres das Etikett „Amt von Merkels Gnaden“. Der dritte Bundespräsident innerhalb einer Legislaturperiode muß sich nicht nur gegen diesen Makel wehren, sondern zudem den Ruf des Amtes als überparteiliche, moralisch saubere Instanz wieder herstellen. Eine direkte Wahl des Bundespräsidenten durch den Bürger könnte dabei hilfreich sein. Dann kann der „Don“ wieder dahin zurückkehren, wo er hingehört: Auf die Kinoleinwand!

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0 Kommentare zu Italienische Verhältnisse

  1. daMax sagt:

    Der taz-Kommentar dazu ist auch lesenswert:

    Die doppelte Bigotterie

    „Warum passiert das erst drei Wochen nach dem Anruf? Zu einem Zeitpunkt, als die Aufregung um die Kreditaffäre bereits abgeflaut ist?“

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  2. pantoufle sagt:

    Moin, daMax
    Wie ich schon sagte: Schulterzuckendes Einverständnis. Die vorweihnachtliche Salamitaktik nimmt ihren Fortgang… vielleicht aber besteht auch ein Zusammenhang mit folgender Meldung:
    http://www.tagesschau.de/inland/wulff680.html
    Die „Welt“ hat demnach einen ähnlichen Anruf erhalten – und den auch nicht erst gestern!
    Sehen wir es doch einfach so: Herr Wulff verliert endgültig die Nerven und alle Überlegungen gehen ohnehin nur noch dahin, einen Nachfolger zu bestimmen. Wenigstens solange muß man ihn eben im Amt behalten. Das könnte unter Umständen klappen; vorausgesetzt, er hält wenigstens für 14 Tage die Füße still.
    Also nicht!
    Gruß
    Pantoufle

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  3. Kehraus sagt:

    Wer macht mit, ich wette, dass der Wulff am Donnerstag den Köhler macht. Wer mit seiner Schätzung am weitesten entfernt ist, muss in die FDP eintreten.

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  4. FF sagt:

    Warum? In aller Welt? Droht? Wulff? Als Bundespräsident? Bild-Diekmann? Auf den AB?

    Was vorher geschah –

    Ort: Präsidentenmaschine, 10 000 Meter hoch, nachts, alle sind ganz fürchterlich genervt…

    Bettina (zickt): Hör‘ endlich auf zu jammern und unternimm‘ gefälligst was! Du bist schließlich der Bundespräsident!
    Wulff (weinerlich): Was soll ich denn noch machen? Es ist ja doch alles umsonst…
    Bettina: Ruf‘ doch mal den Kai an, ihr zwei habt euch doch immer so gut verstanden.
    Wulff (unschlüssig): Na gut, ich probier’s mal.

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  5. pantoufle sagt:

    Ja, wenn ich meinen letzten Kommentar noch kommentieren dürfte: 48 Stunden war auch schon zuviel. Auf in den Abgrund mit Nachbrenner. Winselnde Versprechen nach Ablauf der regulären Dienstzeit als gutes Staatsoberhaupt dazustehen. Wenn meine Kinder mir so dumm kommen, gibts Taschengeldsprerre!

    … ja,ja: Ich weiß – schwarze Pädagogik… ist doch aber wahr!

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