Hier ist ja was los!

Die Redaktion der Tagesschau wartete noch auf „Material“, das ihnen von der Rücktrittserklärung Guttenbergs in die Ü-Wagen gebracht werden sollte, es gab einen Text der Rede und viele erstaunte Gesichter – keine Livekameras erlaubt beim Rücktritt von allen politischen Ämtern.

Ich gestehe, das ich für eine Stunde erst einmal etwas verwirrt vor dem Bildschirm saß und unkonzentriert die „üblichen Verdächtigen“ anklickte, ob die es auch schon gesehen hätten. Hatten sie – natürlich!. Innerhalb einer Viertelstunde hatte fast jeder Blog aus meiner Liste mindestens eine Notiz mit dem Verweis, das der Artikel gerade in Arbeit sei – wenn da nicht schon was Fertiges stand!

Mann, sind die schnell! So fix bin ich nicht.

Michael Spreng hatte eine halbe Stunde nach Erscheinen der Nachricht Anlauf genommen, ausgeholt und dem Freiherrn einen Tritt in den Hintern nachgeschickt, das die Schwarte krachte. Und hier noch einen für Frau Merkel und da noch auf die CDU im Allgemeinen – der Alte tobte sich aus. Hui, da möchte ich nicht stehen, wo der hinlatscht!

Die anderen waren auch recht fleißig. Überall sprossen die Nachrufe wie die Schneeglöckchen aus der Erde und der Umfang von manchem Artikel legte den Verdacht nahe, daß da das eine oder andere wohl schon länger in der Schublade auf den passenden Moment gewartet hatte. Versteht mich nicht falsch: Ich respektiere und teile den Glauben an bestimmte Selbstheilungskräfte der Demokratie. Da darf man durchaus vorarbeiten!

Der Sieg des Internet und der bürgerlichen Werte“ titelt die Welt. Ja, sehr schön und auch sehr modern. Das „Internet“ wird in letzter Zeit ja gerne dafür verantwortlich gemacht, wenn dem Volk der Kragen platzt. Weiterhin wurde darauf verwiesen, das ja schon einmal ein Verteidigungsminister seinen Sessel geräumt hatte, nachdem er den HS-30 Skandal, die FIBAG-, Onkel Alois- und Lockheed/Starfighter- Affäre überlebt hatte und erst durch die Spiegel-Affäre für 4 Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde. Den alten Bazi mit Guttenberg zu vergleichen…? Ein wenig zuviel der Ehre! Es war wohl eher die Sehnsucht der Boulevardpresse, den Freiherren nach kurzer Pause wieder zu sehen – der Wunsch nach „Auferstehung am dritten Tage“.

Wie soll ich denn das finden? Da kam mir eine E-Mail zuhilfe: Meine Lieblingsfranzösin Fanny wollte mit mir und meinem Kampfhund Oskar (dem auf meinem Logo: Wir kämpfen zusammen!) spazierengehen, ohne Nordic-Walkingspeere – sie weiß, wie sehr ich die hasse – über die schönen Felder laufen, nach den Rehen sehen, in der Sonne mit matschverschmierten Stiefeln eine kleine Landpartie und gemeinsam den Hund davon abhalten, dem Hasen hinterherzurennen. Eine großartige Idee! Die Ticker der Redaktionen tickten, die Blogschreiber liefen einer nach dem anderen zu Höchstform auf, die Politiker echauffierten sich, während die schöne Fanny, Hund und ich diesen Frühlingstag genossen.

Guttenberg ist zurückgetreten.

Es ist wie… die Welt, dieses Land ist ein winziges bisschen besser geworden. Nur ein Molekül, ein Atom an Gerechtigkeit.

Ich habe mich bei dem Gedanken ertappt, daß ich ein Fünkchen Sympathie für den Freiherren von und zu Guttenberg empfand an diesem Nachmittag: Irgendwo zwischen „ein Mann will nach oben“, Felix Krull und Konsul Weyer. Sind wir etwa Zeugen eines der letzten begnadeten Hochstaplers dieses Landes geworden? Muss er jetzt sein Vermögen aufbrauchen und bekommt dann Hartz4?

Keine Angst, liebe Fans! Das Publikum vergisst und verzeiht – viele mögliche Entschuldigungen hat Guttenberg schon bei seiner Abdankung genannt – und Michael Schumacher fährt ja auch wieder!

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