Griechische Folklore

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Ja, ich habe diesen unsäglichen Jauch gesehen. Nein, der Stinkefinger war aus dem Zusammenhang gerissen. Wenn er nicht sowieso ein Fake war. Und nein: Ich habe noch nie erlebt, daß ein Finanzminister in einer Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ohne jeglichen Respekt behandelt wurde.

Ja, und traurig war es auch, diese Veranstaltung, bei der ein neuer Tiefstpunkt des Journalismus Bild wurde. Traurig vor allem für diejenigen, die ihre Bildung nicht ausschließlich aus der Bildzeitung rekrutieren. Die, die des Lesens und Schreibens mächtig sind, mußten sich von G. Jauch eine geschlagene Stunde als »wir Deutschen« beschimpfen lassen. Und was sind »wir« Deutschen nicht alles: Langmütig, großzügig, verständnisvoll… jedenfalls, solange es »uns« nichts kostet. Reparationsleistungen oder die Rückzahlung des Zwangskredites Griechenlands an die Nazis? »Meinetwegen einen Euro!« Der Scherz des Bildzeitungsjournalisten ging leider etwas im Rauschen unter. Noch einmal, Herr Elitz: Was haben Sie da gesagt? Wir (die Deutschen) haben das doch richtig verstanden, oder?

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis, der den Abend unter allen Umständen freundlich und einvernehmlich über die Bühne bringen wollte, reagierte leider auch auf diese Provokation nicht. Ohne das Gesicht zu verlieren, hätte der Finanzminister bereits in den ersten fünf Minuten der Sendung das Gespräch beenden können. Hätte er doch! Dann wäre die Sendung auf das zurechtgeschrumpft, was sie in tatsächlich war: Eine CSU-Knallcharge, ein Bildzeitung-Schmierer und ein Teleshopping-Moderator.

Die unverschämteste Frage des Abends: »Welche Ihrer Wahlversprechen wollen Sie wahrmachen oder auf später verschieben?« Bei der Antwort darauf kam es zum einzigen Stinkefinger des Finanzministers, der sinngemäß antwortete »Haben Sie eigentlich nur eine ungefähre Ahnung, was bei uns los ist? Können Sie sich wenigstens ein wenig vorstellen, was diese Verbrecher der Troika bei uns angerichtet haben?«

Was das in etwa war, wurde von der Taz-Journalistin Ulrike Herrmann recht genau formuliert. Daß inhaltlich mit keiner Silbe darauf eingegangen wurde, sagt besser als alles andere, warum man die beiden Phrasenschleudern von CSU und Bildzeitung ins Studio gebeten hatte. »Wer wird Millionär?« Das lag Günther Jauch am Herzen und auch seinen Spezis Marcus Söder und Ernst Elitz. Das Format kennt Jauch wenigstens – das mit dem Journalismus übe er noch.

Und auf die Frage mit den Millionären hatte Ulrike Herrmann ebenfalls die Antwort: Die deutschen und französischen Banken.

Abschalten

Abschalten

Abschalten

Achthundert griechische Milliarden irgendwas auf schweizer Bankkonten

Sendungskonzept geschrottet: Die Taz

Fassbeck economics

Titanic (der entscheidende Part kommt zum Schluss – der Rest ist aber auch äußerst lesenswert)

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0 Kommentare zu Griechische Folklore

  1. Richard sagt:

    Du hast Nerven, diesen unterirdischen Schmarn anzuschauen. Ich kann das nicht mehr und habe ausser Eurosport und arte alles andere wegzensiert aus meinem TV Gerät. Nein, sozial geht anders. Was sich derzeit in Deutschlands Herrenmenschen-Köpfen abspielt, erinnert an 1939. Ich schäme mich. Es widert mich an und es erzeugt Ekel. Tiefer als Laterne ganz unten kann man nicht sinken.

    Der Stinkefinger wäre aber angebracht, wenn auch nicht ganz mature und polite.

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  2. waswegmuss sagt:

    Nun in Ermangelung einer Idiotenlaterne – kann man hier überhaupt von Ermangelung sprechen – besteht die Möglichkeit das Best-Of auf Yow nachzuordern. Dazu fällt mir ein, dass sich Frau Wagenknecht bei ähnlicher Gelegenheit als echte Dame gezeigt hat. Eben wie Herr V als echter Herr.
    Diese Leutemeute sollten wohl besser dahin wo sie herkamen: Into the Pits.

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  3. pantoufle sagt:

    @Richard

    Wie ja in der Kopfzeile meiner Schrottpresse zu lesen ist, gehört Kleinbildzucht auch zum relevanten Themenkreis. Manchmal tut es weh, manchmal glaubt man, es nicht aushalten zu können und gelegentlich läuft einem die grüne Brühe aus dem Hals.
    Da muß man dann durch.
    Und sieht man sich die hysterischen Reaktionen von allen Seiten an – ein, zwei Tage später zum Thema, weiß man wenigstens, worauf sie sich beziehen. BTW: Ganz nebenbei verraten die Kommentare 48 Stunden dem kundigen Leser, daß man es keinesfalls mit einer »gleichgeschalteten Presse« zu tun hat. Sie quieken in den unterschiedlichsten Tonlagen.

    @waswegmuss
    Deswegen zieht sich Sarah Wagenknecht langsam zurück, deswegen werden wir uns bald von Yanis Varoufakis verabschieden müssen. Den Trauermarsch »Troll-Parade« spielt das Orchester »Das war ja klar – hätten sie mal auf uns gehört!«

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  4. DasKleineTeilchen sagt:

    „Wenn er nicht sowieso ein Fake war“

    oh, wie recht du hattest; oh, wie *verfickt* recht du hattest XD

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    • pantoufle sagt:

      Wollen wir mal hoffen, daß es dabei bleibt… das wäre die Blamage des Jahrhunderts (ist ja noch relativ jung und läßt Platz nach oben).

      Man sollte sich nur davor hüten, dem Stuß mit dem Stinkefinger überhaupt Bedeutung beizumessen. Das machen diejenigen schon genug, die damit von den tatsächlich wichtigen Realitäten ablenken wollen.
      Es geht ja ausdrücklich nicht um diese Geste, sondern um die katastrophale Situation der Armen in Griechenland. Und das ist nun gar nicht mehr witzig. In sofern wäre dieser »Joke« von mehr als zweifelhafter Qualität gewesen.

      Mal sehen, wie das Ganze ausgeht.

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