Gesindel

Frau Merkel lädt zum „Atomgipfel“. Westerwelle, Hans-Peter Friedrich und „Umweltminister“ Norbert Röttgen dürfen auch kommen. Was für ein Kompetenzteam! Röttgen hat zudem noch angedroht, sogenannte Fachleute für Reaktorsicherheit mitzubringen. Beratungsziel ist, eine Formulierung zu erarbeiten, weshalb Fukushima, Tschornobyl und Harrisburg anders als Biblis oder Kalkar ist. Das diesjährige Motte des Treffens lautet: „Wir gehen davon aus, dass eine Gefährdung Deutschlands praktisch ausgeschlossen werden kann.“.

Bedauerlicherweise ist die Wahl des des Tagungsortes des Kanzleramtes in Berlin nur suboptimal. Aus unverständlichen Gründen hat man auch diesmal wieder davon Abstand genommen, das in dieser Jahreszeit erfreuliche Prypjat zu wählen: Nur absolut sichere 20 km von Tschornobyl entfernt und an einem schönen See gelegen, der auch nicht genug Kühlwasser bereitstellen konnte. Oder besser gleich nach Japan: in den 2 neuen Airbus A319 der Regierung – freundliche Spende von allen Hartz IV Empfängern – und dann direkt zur Kernschmelze. Und wenn man schon einmal da ist, empfehle ich, die Ärmel hochzukrempeln und einmal in ihrem nutzlosen Leben etwas Vernünftiges zu tun: Spaten raus und aufräumen! Es besteht ja, wie schon so richtig gesagt, keinerlei Gefahr.

Aber schön: Man hat sich anders entschieden. Der Streit der Fachleute dreht sich im Moment um die Frage, wie wahrscheinlich ein Tsunami im Bereich des Kraftwerkes Niederaichbachs in der Nähe von Landshut ist. Er kommt nach Aussage der Statistiker häufiger vor als ein terroristischer Angriff, gegen den diese Kraftwerke bekanntlich auch nicht geschützt sind. Zu diesem Konflikt haben Merkel und ihre Berater aber schon bemerkt, das dieser im Gegensatz zu Tsunamis in Deutschland streng verboten ist. Einig sind sich alle Experten mit der Tigerentenkoalition aber darin, das die größte Gefahr für den sicheren Betrieb der Kernkraftwerke im Moment von den 60.000 gewaltbereiten, militanten und zukunftsfeindlichen Demonstranten ausgeht, die in Baden-Württemberg auf die Straße gehen.

Ende Teil 1

Anfang Teil 2

Natürlich ist die Reihenfolge falsch. Was Merkel und ihre Kumpane da gerade an vorgezogener Tatsachenverdrehung betreiben, ist unerheblich, bestenfalls peinlich. Ich habe mich bei allem Entsetzen über das furchtbare Unglück in Japan nur maßlos darüber aufgeregt, das dieses Gesindel nichts besseres zu tun hatte, als die Statistiken für die nächsten Wahlen geradezuziehen. Die tausenden von Toten, die Obdachlosen, die um ihre Existenz gebrauchten Menschen haben etwas anders verdient als die Nachricht, das die deutschen Versicherer Probleme haben oder deutsche Kernkraftwerksbetreiber beleidigt sind – Mappus,Röttgen und Friedrich vorm Spiegel ihren „sehr betroffenen“ Gesichtsausdruck  üben.

Die Opfer einer aus den Fugen geratenen Welt in Japan, Haiti oder des Wirbelstroms Katrina verdienen mehr, als Spielzeug von kleinkarierten Zinnsoldaten zu sein, die glauben, Geschichte zu schreiben.

Heute Nacht werden viele von ihnen in Turnhallen von Schulen, Bahnhöfen, öffentlichen Gebäuden oder einfach auf der Straße schlafen. Gleich, ob es ein hochentwickelter Industriestaat wie Japan ist oder ein armes Land wie Haiti: Sie werden sich um ihre Verwandten sorgen, ihre Kinder oder den Mann, die Frau. Es wird kalt sein und die meisten werden erst in den nächsten Tagen begreifen, was sie verloren haben. Andere werden die nächste Zeit damit verbringen, die Opfer zu bergen, die Toten zu begraben. Sie müssen sich durch die Trümmer wühlen, wollen vor dem Grauen weglaufen, aber tun es nicht und kämpfen gegen das Würgen an, wenn sie wieder jemand finden; tun ihre Pflicht.

Ich hoffe, das da ein Bett steht oder noch Strom für Licht und Wärme sorgt. Ich hoffe für jeden Helfer, daß er nicht sein Kind oder seine Frau aus den Trümmern ziehen muß. Ich hoffe auf die Wunder, wenn noch nach Tagen ein überlebendes Kind geborgen wird.  Ich hoffe, das die Techniker die Kernschmelze unter Kontrolle bekommen.

Ich hoffe.

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