Gesetzeskonformer Beischlaf

schönheit

Au ja: Jetzt mache ich mich mal mit Gewalt unbeliebt und schreibe darüber, was ich über den Vorstoß von Alice Schwarzer, der französischen Regierung, Dorothea Bär und anderen CDU-Granden zum Thema Prostitution halte… der Kiezneurotiker ist mit einem verwandten Thema ja schon mal vorgeprescht – es kann also nur schiefgehen.
Man setzt sich in die Nesseln: In jedem Fall.
Also besser doch nicht. Für echte Neuigkeiten zum Thema Prostitution ist es ohnehin ein wenig zu spät. Ist die Namensvergabe »Sexarbeiterin« eine Neuigkeit? Bei Hure weiß auch jeder, was gemeint ist. Aber meinetwegen: Sexarbeiterin. Es lenkt erfolgreich von den Nebensätzen ab. Das sind diese kleinen Randbemerkungen, die im Geschrei von Politik und selbsternannten Fürsprechern der Huren Sexarbeiter so leicht untergehen.

Die katholische CSU-Politikerin Dorothea Bär ist wenigstens nicht so naiv, zu glauben, sie könne die Prostitution abschaffen. Nur die Zwangsprostitution – sie will Freier bestrafen, die bei Zwangsprostituierten erwischt werden. »Man merkt schon, ob jemand unter Drogen steht, nicht aus dem Raum darf und unter Zwang arbeitet«, so die klare Kante, die Bär als Entscheidungshilfe vorgibt. Also doch etwas naiv? Um das und vieles mehr zu kontrollieren, sollten ihrer Meinung nach Prostituierte zur regelmäßigen Gesundheitskontrolle verpflichtet und eine Erlaubnispflicht für Bordelle eingeführt werden. Das klingt solange vernünftig und logisch wie man sich nicht die herrschende Asylpraxis in Deutschland vor Augen führt. Ist man auf der Jagt nach illegalen Einwanderern oder will man etwas für die Huren tun?
Die Erlaubnispflicht soll es Gewerbe – und Aufsichtsämtern ermöglichen, jederzeit Kontrollen durchzuführen. »Wir wollen, daß Kontrolle von Anfang an stattfindet«, so Unions-Fraktionsvize Günther Krings.

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Dieser Günter Krings.

Nun lasse man sie noch die erhobenen Daten in einer zentralen Sammelstelle erfassen und…

… weiter mit Dorothea Bär: Werbung für unwürdige Sexualpraktiken soll ebenfalls verboten werden. Man kommt der Sache, scheint`s, näher. Mit Personen Sex gegen deren Willen und/oder um eine Notlage auszunutzen, ist bereits verboten, genau wie der mit Kindern und Tieren. Das kann es also nicht sein. Hinter dieser Symbolpolitik scheint sich etwas anderes zu verstecken. Was genau sind unwürdige Sexualpraktiken? Und sind jene dann im heimischen Schlafzimmer ebenfalls verboten (immer unter der Berücksichtigung »gegen deren Willen«)? BDSM, Swinger-Parties oder Sex im Alter? Aus lauter Angst vor einer Auferstehung der fünfziger Jahre mag man gar nicht ernsthaft fragen. Ken- und Barbiesexualität im bürgerlichen Gesetzbuch.

Man hat sich so sehr angewöhnt, dem sinnlosen Gehampel und der Symbolpolitik des 21. Jahrhunderts zu misstrauen, daß man nicht mehr erwartet, daß es den Protagonisten tatsächlich um die Sache geht. 1500 Euro Strafe in Frankreich beim Besuch einer Hure: Klassenfickrecht im Spätkapitalismus oder wie nennt man das? Wieso nur fällt mir dabei Dominique Strauss-Kahn ein oder vergnügungssüchtige Versicherungsgesellschaften?
Menschenhandel, Zwangsprostitution, Kinderpornographie, Waffenhandel, organisierte Kriminalität: eine unvollständige Liste verbrannter Begriffe, die Hand in Hand mit unbelastbaren Zahlen gehen. Blaustrümpfe, Moral-Bastelvereine und ein mediengeiles Publikum: Was braucht einer mehr, der hirnlosen Aktionismus als sinnvolle Politik verkaufen muß? Die Berufsbetroffenen und moralisch Unberührbaren scharren mit den Hufen: Wer wollte ihren Forderungen für eine noch gerechtere Gesellschaft widersprechen? Vielleicht die Erfahrung und der Menschenverstand, auch ein Gefühl von Laissez-faire – Nieschenprodukte sozusagen.
Ob Prostitution sinnvoll oder gerecht ist, überlasse ich würdigeren Richtern: Man wird es so wenig wie Diebstahl oder Krieg verbieten können. Die einen werden es schlicht umbenennen ( in »Commerzbank« oder »humanitäre Einsätze«), andere durch den Duft verbotener Früchte angezogen werden.

»Ueberall, sowohl da, wo Bordelle geduldet werden, als auch da, wo sie gar nicht existiren, besteht neben ihnen die Prostitution auf eigene Faust, und zwar mit verschieden elegantem Exterieur. Diese frei isolirte Lohnhurerei, dies Treiben der Filles en cartes, wie die betreffenden, auch unter Polizeicontrolle stehenden Mädchen sich in Paris, im Gegensatz zu den kasernirten, den Bordellmädchen (Filles en numéro), nennen, ist es, das unvertilgbar ist. Die Konkurrenz zahlreicher Bordelle vermag es zu vermindern, aber nicht aufzuheben.
Sowohl bei den Männern, als bei den öffentlichen Mädchen setzen einzelne Individualitäten dem Treiben der Bordelle einen tiefen Widerwillen entgegen, der bei Beiden ein ganz natürlicher, bei den Mädchen oft aus den Erfahrungen hervorgegangen ist, die sie bei den Bordellen gemacht haben, öfter aber anderen Ursachen seine Entstehung verdankt.

Handbuch der Sanitätspolizei, Band 1, Berlin 1858

Vielleicht täte die große Koalition gut daran, es einmal mit lösbaren Problemen zu versuchen.

P.S. Das schöne Titelbild! Tja… das stammt aus einem kleinen Filmchen aus dem Jahre 1905, den ich auch brav verlinken will. Einmal, um mich als frauenfeindlich zu outen, zum anderen, weil die Dame so entsetzlich süß und schmiegsam ist. Ach…! Wer dabei nicht wenigstens ein wenig an Beischlaf denkt, ist ein Schaf.

 

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0 Kommentare zu Gesetzeskonformer Beischlaf

  1. der Doctor sagt:

    Das erinnert mich irgentwie,an die Eiferer,die das Rauchen auf Bahnhöfen und in Restaurants unterbinden wollen,indem sie das schon bestehende Rauchverbot noch verschärfen,in dem glauben,diese Stiesel werden sich dann sagen”Oh,die verschärfen das Rauchverbot und schließen die Raucherkneipen,da hör ich mal lieber auf hier zu rauchen”.Mit der Zwangsprostitution ist es genauso:Sie ist schon verboten und verbotener als verboten geht nun mal nicht.Wenn man das Problem der Zwangsprostitution angehen will,dann muß man Polizei und Gerichtsbehörden personell und technisch besser ausrüsten,statt sie kaputt zu sparen,weil man ja unbedingt öffentliche Haushalte nach BWL-Logik erbringen muß.Ach ja,und vielleicht sollte man dafür sorgen,das nicht Staatsanwälte und Polizeichefs gegen Bordelle ermitteln,deren Stammkunden sie selber sind.Denn das ist übrigens auch der Grund,warum die Prostitution nicht abgeschafft werden kann,weil eben hochgestellte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft selber zu den besten Kunden der Huren gehören und auch das war immer so.

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  2. pantoufle sagt:

    Das ist sowieso die Frage, die ich mir die ganze Zeit stelle: Seit Hans Albers aus alten UFA-Filmen weiß ich, daß die Greifer auf Sankt-Pauli immer kontrollieren, wer sich da so in der Ecke herumdrückt. Sollte das mit dem blonden Hans und nachts um halb eins etwa nicht stimmen?
    Kann ich mir kaum vorstellen!
    Also was macht die Polizei die ganze Zeit?

    Liest man sich den ganzen Klumpatsch durch, über den da diskutiert wird, erkannt man nach kurzer Zeit ohnehin keinen Raum für mehr neue Gesetze oder Vorschriften. Eigentlich wie immer und genau deswegen wird alles so kommen wie die größte Koalition aller Zeiten sich das im Moment denkt.

    Na schön: Der Wunsch, daß bei so einer Razzia da mal einer derjenigen im Nest liegt, der das Maul besonders weit aufriß, schwingt natürlich immer mit 🙂

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  3. Was unwürdige sexpraktiken sind?

    Alice Schwarzer hat das vor jahren doch schon gesagt: für frauen sei der sex mit männern erniedrigend. Demzufolge mit sicherheit auch unwürdig. Also verbieten.

    Aber betrachte den positiven aspekt: sterben die blöden Deutschen aus. Endlich.

    So nebenher: Wo hastn das klassisch schöne filmchen gefunden? Dit is ja schau!

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  4. pantoufle sagt:

    Moin Mechthild
    Das Filmchen: Ganz doof unter http://de.wikipedia.org/wiki/Erotik (weiter unten unter »Film«). Ich war vollkommen bezuckert als ich es sah – und dann erst die Blume im Haar! Ach…

    Ich hatte fast schon befürchtet, daß Du »Alice Schwarzer« sagst. Dem Namen bin ich ängstlich ausgewichen. Vermutlich hast Du recht: Die Abnahme von Geburten ist in Zukunft vermutlich umgekehrt proportional der Zunahme von Propheten. Und von denen haben wir nun reichlich.

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  5. Joachim sagt:

    “Unwürdige Sexualpraktiken” sind die, die aus Not oder durch Gewaltandrohung bis echter Gewalt oder Betrug erzwungen werden. Das geht gar nicht. Das geht unter keinen Umständen. Nun, gegen Zwang, Nötigung, Entführung und Gewalt existieren Gesetze. Die könnte man anwenden. Doch Nötigung ist heute im Wesentlichem die Unterschreitung des Mindestabstand auf der Autobahn um mehr als drei Sekunden.

    Hardliner, die “Ausländer” mit Prostitution, Verschleppung und Betrug in Verbindung bringen, haben ganz andere Interessen. Krings passt das gut in den Kram, Flüchtlinge mit Prostitution und dunklen “Geschäften” zu assoziieren. Moral-Bastelvereine, oft genug Kirchen – ohne hier pauschalisieren zu wollen oder zu dürfen! – haben eigene Wünsche, besonders die, von den eigenen Verfehlungen abzulenken und Stammtischsympatisanten zu gewinnen. Die ehemals große Alice Schwarzer möchte die Auflage der Emma endlich auf rentable Füße stellen. Das würde ich ihr gönnen, würde nicht immer dieser Stil auf dem Level der Bildzeitung kommen. Die Politik dagegen möchte nur Wahlen gewinnen. Natürlich sind meine Aussagen zu platt. Doch die genau zu begründen ist es mir höchstens nach Nachfrage wert. Bis dahin ist es so – wenigstens für mich.

    Die Huren aber, die fragt niemand. Und selbst deren Antworten dürften nicht über einen Kamm zu scheren sein. Dabei ist es wirklich relativ einfach: wenden wir die bestehenden Gesetze an. Meinetwegen stärken wir die Polizei und schulen sie im Fach Rechtsstaatlichkeit.

    Weitere restriktive Gesetze sind hier unnötig. Die haben zu unterbleiben. Sonst droht eine Art Gängelung. Oder soll ich sagen: Unfreiheit, Unsicherheit und Willkür als Gegensatz zur Freiheit und der Sicherheit für alle Betroffenen und auch alle Unbetroffenen. Solche Gesetze strafen alle Sicherheitsfanatiker lügen. Sicherheit ist nicht, wenn alleine der falsche Ort zur falschen Zeit zur Verhaftung führt. Man sollte vielleich einmal Kafka lesen.

    Noch etwas: Dein Filmchen könnte den “Jugendschutz” verletzen und vielleicht sogar “Jugendpornographie” darstellen. Beides ist kritisch. Auf die KJM-Filter landest Du mit Sicherheit. Sieh es als Ehre an. Es fanden sich schon die Besten auf der Filterliste. Darüber hinaus ist das Mädel ist wirklich süß (in dem Sinn, wie meine Töchter wirklich süß sind). Wer Pornographie da vermutet, der muss ein gestörtes Verhältnis zum menschlichem Körper haben. Ich mag überheblich sein, doch solche Leute tun mir Leid. Denn die würden auch Wikipedia auf die schwarze Liste setzen. Die meinen wohl, mit Bildung und Kunst oder einer Wirklichkeit könnten die Jugendlichen doch nur auf dumme Gedanken kommen. Nun ja, nach Freud führt gestörte Sexualität zu psychischen Problemen.

    So allerdings ist wohl mancher Hardliner vielleicht zu verstehen.

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  6. pantoufle sagt:

    “Unwürdige Sexualpraktiken” sind die, die aus Not oder durch Gewaltandrohung bis echter Gewalt oder Betrug erzwungen werden.

    Yep! Und die sind gesetzlich verboten. Das steht da ja bereits.
    Und jetzt wollen sie die nochmal verbieten? Doppelt so streng? Also meint man wohl etwas anderes mit dieser Ankündigung. Oder sie vertrauen zu recht darauf, daß niemand danach fragt und initiieren damit eine Neuauflage der »10 kleine Negerlein« Diskussion. Das ist wenigstens meine Vermutung.

    Eine finale Aufarbeitung der Prostitutionsdebatte wollte ich ausdrücklich nicht führen, kann ich nicht, will auch nicht.

    Das Filmchen ist sicherlich jugendpornographisch: Irgendwer wird sich sicherlich finden, der das behauptet. Und genau die Leute, die das behaupten würden, sind von Dorothea Bär dazu aufgerufen, ihre höchstpersönliche Meinung über »unwürdige Sexualpraktiken« zu formulieren.

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    • Joachim sagt:

      Aber was ist an Kinderpuppen erotisch? Es findet alles nur im Kopf statt. Wenn das nun kein großartiger Beweis war…

      “Also meint man wohl etwas anderes mit dieser Ankündigung”. Sach ich doch. Genau das macht es doch so mies. Das, der Unsinn der Politik, erzwingt die Aufarbeitung der Prostitutions- und der Pornographie- und letztlich auch der Jugendschutzdebatte und Einiges mehr. Ob Du willst oder nicht, dazu tägst Du bei.

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  7. Joachim sagt:

    Ich muss wohl doch noch etwas zu meinem “Leid tun” sagen, auch wenn das aus meiner Sicht selbstverständlich ist.

    Es tut mir natürlich nicht Leid, dass es menschliche Attribute gibt, die Sexualität auslösen. Bei der einen ist das der Eifelturm, bei der anderen eine Blüte und bei Dritten ein solches Filmchen. Natürlich auch ein solches Filmchen. Das ist menschlich, unabhängig vom Geschlecht und daran ist nichts Schlimmes. Wäre das schlimm, so würde die Menschheit aussterben. Niemand muss oder sollte sich dafür schämen.

    Schlimm ist der Missbrauch, die Kommerzialisierung und schlimm sind Übergriffe und Ausbeutung, selbstverständlich und insbesondere sexuelle Ausbeutung, die heute vor allen Dingen Frauen betrifft. Schlimm ist auch, Anderen eine bestimmte Sexualität vorschreiben zu wollen oder anderen Perversion zu unterstellen.

    Jugendschützer oder Politiker tun das (oft genug) in einer überheblichen Selbstverständlichkeit ohne jeden wissenschaftlichen oder objektiven Hinweis. Da ist es legitim zu fragen, woher diese Selbstverständlichkeit kommt. Es kann durchaus von einem gestörtem Verhältnis zum menschlichem Körper des Zensors kommen. Das kann, muss aber nicht, Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, dass andere Erklärungen schon mal nicht zwingend besser für den Zensor sind.

    Meine Kritik braucht also zwei Bedingungen: überall den Phallus (oder die Vagina, what ever) zu sehen und sich dann darüber aufzuregen, nur weil man selbst erregt ist. Es geht nur um die Schere im eigenem Kopf. Das sollte man bedenken.

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