Geschenke unter dem Weihnachtsbaum

Wer brav ist, den beschenkt der Weihnachtsmann großzügig. Nuri Kamil al-Maliki war brav und wird also folgerichtig beschenkt. Der Irakische Ministerpräsident möchte gerne mit aller Gewalt Demokratie und freie Marktwirtschaft – bedauerlicherweise geht aber sein Vorrat an Hellfire-Raketen zur Neige.
Diese demokratisch panzerbrechende Rakete ist mit einem Stückpreis von etwa 68.000 US-Dollar gar nicht mal so teuer; für den guten Verbündeten der USA Irak läßt Barack Obama dann auch schon mal 75 Stück dieser Prachtstücke auf dem Gabentisch aufstapeln. Angedachter Gegner ist erwartungsgemäß die al-Qaida, beziehungsweise deren unendlich mächtigen Panzertruppen. Für deren Bekämpfung sind die Hohlladungssprengköpfe der Hellfire konstruiert. Damit die Raketen standesgemäß transportiert werden können, folgen im März zehn Drohnen vom Typ »Scan Eagle«.
Sollte das weltweite Terrornetzwerk al-Qaida zufällig nicht mit den benötigten Panzern angreifen, gäbe es ja immer noch eine etwa 600km lange Grenze zu Syrien.
Das dazu passende Weihnachtsmärchen erzählt Spiegel Online in seinem Beitrag »Kampf gegen al-Qaida: Obama versorgt Bagdad mit “Hellfire”-Raketen«. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die Interkontinentalraketen-Abwehr im Weltraum mit al-Qaida begründet wird.

Unter dem heimischen Weihnachtsbaume eine Nintendo-Playstation DS (gebraucht, 50€, eine Einkaufstüte mit Spielen inklusive). Die Freude des jüngsten Balges war grenzenlos! In der Spielesammlung ebenfalls enthalten: Nintendögs™. Mit dem drahtlosen WauWau-Modus. Wörtliches Zitat. Nicht gelogen. Zum Glück fand er es totlangweilig.

Auch enttäuscht sind die deutschen »Top-Entscheider« bei einer Umfrage vom Allensbach-Institut für Meinungsformung. Die sogenannte Elite vermißt ganz offensichtlich die FDP oder deren Geschenke. Trotzdem geht es aufwärts. Es geht immer aufwärts – jedenfalls ohne Mindestlohn, Mietpreisbremse und direkter Demokratie. Deshalb wieder FDP. Ersatzweise Schwarz-Rot. Spätrömische Dekadenz.

Manchmal gibt es statt Geschenke zum Anfassen auch die beliebten Gutscheine. Ein Gutschein könnte lauten: Die Autobahn-Maut kommt nicht! Die als »Ausländermaut« propagierte Idee, nach einer gewissen Übergangszeit jeden Autofahrer zur Kasse zu bitten, stößt auf allgemeine Ablehnung. »Das Einfachste wäre sicherlich, die Mineralölsteuer zu erhöhen«, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. »Das wäre zudem die gerechteste Lösung: Wer viel fährt, zahlt auch viel.« Minister Dobrindt wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, würde er diese Steilvorlage nicht nutzen. Die goldene Brücke aus der Scheinheiligkeit. Wie hieß es doch gleich während Koalitionsverhandlungen? »Keine Steuererhöhungen. Auf Steuererhöhungen soll ausdrücklich verzichtet werden. Solide Finanzpolitik sei “wichtiger als viele einzelne Maßnahmen”, fügte Gröhe mit Blick auf die zahlreichen Projektwünsche für die kommende Legislaturperiode hinzu.« Die Halbwertszeit solcher Aussagen betrug weniger als vier Wochen. Glückwunsch!

Tikerscherk hat Geld unter Obdachlosen verteilt. Das ist sehr gut.

Am Weihnachtsbaum aufhängen, an dessen Spitze ein malerisches Hakenkreuz hängt, soll sich der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD Holger Apfel. Oder so ähnlich: Der Vorschlag, er möge sich nach alter Nazisitte selber erschießen, wurde schon laut geäußert. Oder war es eine Giftkapsel? Die Kameradschaft NPD entsorgt einen der ihren. »Der einzige Rat, den ich dem geschiedenen Parteivorsitzenden Holger Apfel auf den Tisch legen würde, besteht aus einer Pistole und exakt einer Patrone«. So spricht der wahre Deutsche und wird auch prompt geliked.
Die Partei kämpft nach alter Sitte wieder an mehreren Fronten: Im Westen droht das Parteiverbot, an dem die Bundesländer mäßig engagiert arbeiten, im Osten die schlichte Pleite. An diesem Zweifrontenkrieg droht man zu scheitern. Verfehlt die Partei in ihrer Hochburg Sachsen bei den kommenden Landtagswahlen die Fünf-Prozent-Hürde, könnte es schwierig werden, noch irgend etwas zu verbieten. Die NPD wäre lediglich ein führerlos herumstreunender Haufen, pleite und perspektivlos. Im Hintergrund wartet die AFD, um Protestwählern eine neue Heimat zu bieten.

Apropos Nazis: Pünktlich zur Christmette hat der Troll »der Herr Karl« endlich zu alter Form zurückgefunden. Nach dem plötzlichen hinscheiden seiner alten Netzpräsenz »Flatterwatch« Aufgrund des Bekanntwerdens von Realname und Adresse des Denunzianten ließ er es mit seiner Neuauflage anfangs etwas ruhiger angehen. Pünktlich zum Fest läuft er wieder zu seiner hysterischen Form auf, die alle so vermißten. Erwartungsgemäß ruft er dazu gleich den HÖCHSTEN zum Zeugen an – man mag es kaum glauben. Und nach dieser Bescherung zur Mitternachtsmesse.

Was wiederum ohne Umwege zu Verschwörungstheorien, Korruption und illegalen Machenschaften führt: Die Türkei implodiert. Premierminister Recepp Tayyip Erdogan tauscht das halbe Kabinett aus und vergißt dabei überraschenderweise sich selber.
Über den Zustand der Türkei unter Erdogan schmelzen nun auch die letzten Illusionen dahin. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im EU-Parlament, Hannes Swoboda, twittert: »”Vielleicht braucht die Türkei einen neuen Premierminister. Von “weniger autokratisch und dialogbereiter« ist dort ebenfalls die Rede. Das türkische Wirtschaftswunder mit all dem Betrug, Korruption und Mauscheleien hat ein Ende, die Illusion einer Demokratie starb bereits im Sommer auf dem Tahrir-Platz. Das hätte man im Westen noch stillschweigend zu Kenntnis genommen, nicht aber die Aufdeckung »griechischer Verhältnisse«. Das beunruhigt die Märkte™. Wer so etwas macht, sollte dabei die nötige Geschicklichkeit an den Tag legen.
»Wer auch immer es wagt, diesem Land zu schaden, Unruhen zu schüren oder Fallen zu legen, wer auch immer versucht, unsere Unabhängigkeit anzutasten, dem werden wir die Hände brechen«. Erdogans Weihnachtsansprache sorgt für Mißstimmung, der Fund von 4,5 Millionen Dollar in Schuhkartons beim Chef der staatlichen Halkbank, Süleyman Aslan, für gedämpfte Heiterkeit – was für ein Idiot!
Der EU-Beitritt der Türkei: Unter Erdogan kein Thema mehr, mittlerweile gilt er als Anhänger der EU-Kritiker. Er und eine kleine machtgierige Clique, die das Land in Grund und Boden regiert.
Lieferung von Hi-Tec-Waffen an den Irak; nur für den Fall, daß der Nato-Partner Türkei ausfallen sollte?

 

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0 Kommentare zu Geschenke unter dem Weihnachtsbaum

  1. Auch wenn früher alles besser war ( hier: die die Landeszentrale der hessischen AfD nach der Wahl – wie Du richtig sagst: Sie warten im Hintergrund. Gut deshalb, dass es Leute wie Dich gibt, die im Vordergrund warten !

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