Geschäftswiedereröffnung unter neuer Leitung

Die neuen libyschen Ladenbesitzer: Die „Rebellen“. Die Türen zu den Verkaufsräumen sind zwar noch geschlossen, aber hinter den Schaufenstern sieht man schon die eifrigen Verkäufer, die auf die neuen (alten) Kunden warten. Der Zug der Beutemacher hat sich zum Einkauf in Bewegung gesetzt – ziemlich am Schluss der Warteschlange steht Deutschland. Verantwortlich für den schlechten Startplatz ist angeblich Guido Westerwelle, die neoliberale Pechmarie.

Der Mann könnte einem beinahe leid tun: Da macht er ein einziges Mal etwas richtig – nämlich die Stimmenenthaltung gegen den Krieg in Libyen – um ein paar Monate später wahlkampfgebeutelt den Salto rückwärts zu versuchen. Strafverschärfend vergisst er dann auch noch, sich beim vorläufigen Sieger zu bedanken, gekrönt von dem Versuch, das Verschwinden Gaddafis mit der deutscher Sanktionspolitik zu erklären. Daß die Spitze des selbstverwalteten Jugendzentrums „FDP“ – Auge in Auge mit den nächsten Wahlniederlagen – dabei nervös wurde, war zu vermuten: Das Vergehen Westerwelles scheint also eher darin zu bestehen, seinen Namen zur Unzeit wieder in die Tagesschau zu bringen.

Daß er überhaupt noch im Amt ist, sein Posten noch nicht von einem der anderen blutigen Laien aus den Reihen seiner Partei besetzt ist, verdankt er der würgenden Angst der FDP vor jeder noch anstehenden Wahl bis 2013. Eine erneute Personaldiskussion gerade jetzt wäre das vorschnelle Ende dieser Partei gewesen– man hat sich für den Schrecken ohne Ende entschieden. Westerwelle darf im Augenblick noch manisch seinen Jugendtraum „Außenminister“ verfolgen und still vor sich hin debakeln; seinem Traum, einmal in den Geschichtsbüchern zu erscheinen, auch wenn es im Moment bestenfalls für das Guinnessbuch der Rekorde reicht.

Gaddafi ist für den Moment verschwunden, untergetaucht. Ein Fall für amerikanische Eliteeinheiten – Seebestattung inklusive. Die Sieger heißen im Moment „Rebellen“. Solange jedenfalls, wie sie nicht zu sehr Moslems sind oder daran interessiert , endgültig die Fesseln einer fast fünfhundertjährigen Kolonialgeschichte abzustreifen – Sieger von Gnaden der Nato, die bei ihrem Kampfeinsatz weit über das hinaus gegangen ist, was die UN-Resolution zulies. Erfolg adelt ja bekanntlich, aber das kann die grundsätzliche Frage, wer denn eigentlich diese „Rebellen“ sind, immer noch nicht beantworten. Namen hört man, wenn überhaupt, nur dann, wenn einer von ihnen von seinen eigenen Leuten über den Haufen geschossen wurde oder in den Bildern der Medien, wo der lokale Anführer eines wild aussenden Milizhaufens namentlich genannt wird – verziert mit einem militärischen Rang wie „Oberst“ oder „General“.

Jetzt heißt es also schnell herauszufinden, wer denn die neuen Machthaber sein könnten. Allzu erfolgreich scheint man bei der Suche noch nicht zu sein, sonst hätte man mehr anzubieten als Gemeinplätze wie „Stabilisierung und Aufbau“, der Anklage Gaddafis wegen erfolglosem Despotismus und „Friede in dieser Region“. Es drängt sich der Eindruck auf, daß die Planer in den Nato-Stäben unter der Prämisse handeln, die größtmögliche Instabilität zu erzeugen, um den nun folgenden „Beratern“ ein möglichst weichgeklopftes, widerstandsloses Feld zu hinterlassen. Zu den traditionellen Clanfürsten gesellen sich nun noch lokale Milizgeneräle mit ihren gut bewaffneten Privatarmeen – der ideale Nährboden für eine Demokratie nach westlichem Vorbild…

In wie weit das bisherige Ergebnis mit dem Wort Sieg zu bezeichnen ist, bleibt abzuwarten. In seiner von den Parteigenossen erzwungenen Zusatzerklärung mußte Westerwelle jedenfalls nachtragen, daß der „Sieg“ einzig dem unermüdlichen Einsatz der Natotruppen zu verdanken wäre – was in dieser beschränkten Lesart natürlich stimmt. Es hatte da nur ein Air wie aus längst vergangenen Zeiten – es klang wie:

„[…] hat Genosse Stalin die Bilanz der grandiosen Siege des Sozialismus gezogen, die unsere Partei im zweiten Planjahrfünft errungen hat. Genosse Stalin gab eine in ihrer Weisheit und Tiefgründigkeit hervorragende Analyse der Voraussetzungen unserer Siege und entwarf ein grandioses Programm der Arbeiten, die mit den Aufgaben des allmählichen Übergangs der Sowjetunion vom Sozialismus zum Kommunismus zusammenhängen.

Aber das ist nur der verwirrte Eindruck des Autors dieser Zeilen und entbehrt jeden Zusammenhanges.

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0 Kommentare zu Geschäftswiedereröffnung unter neuer Leitung

  1. AK sagt:

    Wir leben hier schließlich in einem freien Land! Da darf man erwarten, daß alle mitmachen, wenn wieder marschiert wird! Und zwar begeistert, bitte schön! Auch reicht es nicht, nur das „Richtige“ zu tun (http://www.n-tv.de/politik/Westerwelle-Farce-ist-entlarvt-article4094591.html)! Man muß schon auch das „Richtige“ sagen!

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    • pantoufle sagt:

      Moin Alexa Kaufhof
      So schnell, wie sich die Gurkentruppe der FDP umentscheidet, kann man gar nichts mehr sagen: Da wird alles richtig falsch.
      Wie in der Tagesschau.de gerade zu erfahren ist, üben sich die gelben Genossen gerade im Kollektivwürgen. Offensichtlich hält man die Wahlen in McPom und Berlin schon für so verloren, das man sich nicht erblödet, Westerwelle in jedem Fall an die Wand stellen zu wollen: Nur eben nach der verlorenen Wahl! Gäbe es eine höhere Gerechtigkeit, wären die jetzt bei ca. 2,5%.
      Zu Deinem Link sei angemerkt: Was das Komödienstadl Außenministerium sagt und was es tatsächlich macht… auch Innenminister Friedrich hat einen Meineid auf die Verfassung geschworen. Wer jetzt erst erkennt, daß die Comicfigur Westerwelle eine Farce ist, hat sehr, sehr lange geschlafen. Der muß schon Möllemann verpennt haben…
      MvG
      Pantoufle

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