Generaldebatte der Gefreiten

»Zuhören!« Ja, das wünschte man sich. Dieser Zwischenruf war zu hören, als Thomas Oppermann (SPD) nach Sahra Wagenknecht das Rednerpodium bestieg und erst einmal bewies, daß er nicht zugehört hatte. Ballermann statt Debatte.
Ob Oppermann einer derjenigen war, die das Zitat Didier Eribons aus dem Buch »Rückkehr nach Reims« das Wagenknecht benutzte, mit dem Zwischenruf »AFD-Populismus« kommentierte? Man weiß es nicht.

»So widersprüchlich es klingen mag, bin ich mir doch sicher, daß man die Zustimmung zum Front National als eine Art politische Notwehr der unteren Schichten interpretieren muß. Sie versuchten, ihre kollektive Identität zu verteidigen oder jedenfalls eine Würde, die seit seit je mit Füßen getreten worden ist und sogar von denen mißachtet wurde, die sie zuvor repräsentiert und verteidigt hatten.«
Didier Eribon

Die Überraschung auf die Zwischenrufe war der Vorsitzenden der Linksfraktion jedenfalls deutlich anzusehen. »Also, Eribon in die Nähe der AFD zu rücken – also damit beweisen Sie wirklich Ihr Bildungsniveau! Tut mir leid: Das ist wirklich unglaublich!«
Aber um Bildung ging es nachdrücklich nicht.
Wagenknecht hatte Anlauf genommen und traf diverse Schienenbeine: »Offenbar hat ja selbst ein Donald Trump wirtschaftspolitisch mehr drauf als Sie.«

Der SPD-Frakionsvorsitzende in seiner Erwiderung
»Frau Wagenknecht: Ich habe Ihrer Rede auch diesmal aufmerksam zugehört und bin erstaunt: Während überall in der Welt der Schrecken über den Ausgang der Wahl in den Vereinigten Staaten immer noch groß ist, bekommen wir mit Donald Trump jetzt offenbar einen Präsidenten, dem Sie etwas abgewinnen können.«

Aus diesem Zitat ein Lob über Donald Trump zu interpretieren wäre schon absurd, wäre die Äußerung Wagenknechts »Bedurfte es wirkliche eines Donald Trump, um zu verstehen, daß es um Demokratie, Freiheit und Menschenwürde in der westlichen Welt nicht mehr gut bestellt ist?« nicht gefallen. Das geht wohl nur, wenn man seine sprachliche Wahrnehmung auf Twitterlänge zusammenstreicht. Die Ironie, dem »…selbst ein Trump« ein »Was heißt hier „selbst“?« entgegenzustellen, fiel den wenigsten auf.
Lisa Caspari auf Zeit.de jedenfalls nicht. Sahra Wagenknecht, das wäre »Querulantentum und Dogmatismus« – so wird das nichts mit rot-rot-grün! Als wenn darüber ernsthaft jemand nachdenken würde.
R2G, wie es so schön heißt: Das hätte vielleicht aufschiebende Wirkung gegenüber AFD & Co. Aber was ist das schon gegen die Verführung, Deutschland militärisch ein wenig mehr in den Vordergrund zu spielen? Eine Wahrheit findet sich  in Nebensätzen wie:

»Die linke Außenpolitik wird es in Zeiten, in denen die USA Europa militärisch alleine lassen wollen, fast unmöglich machen, ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis für die Bundesrepublik zu schließen. «

Wasser auf die Mühlen der Kriegsministerin v.d. Leyen. Wenn nur nachhaltig suggeriert wird, daß sich Europa in einem Krieg befinden würde, dann ließe sich weit mehr als lediglich fünf schrottreife Korvetten für die Marine herausschlagen. Die Nato ohne federführende USA: Der feuchte Etat-Traum der europäischen Kriegsminister und Kriegsministerinnen. Nicht zu vergessen von Parteien wie den Grünen und der SPD, deren Bauchschmerzen gegen Kriege aller Art einem leichten Schwindel des Größenwahns gewichen ist.
Rot-rot-grün ist unmöglich, weil es eine hirnlose Aufrüstung behindert? Dann soll es wohl so sein.

Danach sprach Anton Hofreiter (Bündnis90/die Grünen) mit weit aufgerissenen Augen. Vor lauter Aufregung, eine staatstragende Rede zu halten, hatte er sogar seine Krawatte vergessen! Er, ein Meister der freien Rede im Kampf mit dem Hochdeutsch, sagte… Nein, auch die Leidensfähigkeit der Schrottpresse hat ihre Grenzen! Als der Satz »All denjenigen, denen die liberale Demokratie am Herzen liegt, muß das große Sorgen machen« fiel, wechselte der Redaktionskampfhund Oskar auf Youtube, um sich die Titelmelodie aus »Tschitty Tschitty Bäng Bäng« anzusehen.
Recht so.

 

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7 Kommentare zu Generaldebatte der Gefreiten

  1. Da ist man mal vier Wochen weg, schon gerät die Welt aus den Fugen. Wieso gibt es eine neue Schrottpresse? Wo genau ist der Unterschied zur alten SP?

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  2. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Moin,
    na ja “schrottreif”??
    Sagen wir mal so, für eine Dienstzeit von angenommenen 30 J sind sie vielleicht ein wenig “dünnhäutig”

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  3. Hallo Pantouffle,
    bei militärischem Material mag ich Attribute wie “schrottreif” gar nicht. Letztlich ist nämlich das überall zu lesende Gejammer über die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr nur die publizistische Vorbereitung einer weiteren Erhöhung des Etats fürs Kriegsministerium.
    Sonst habe ich deine Beschreibung eines Ausschnitts der Generaldebatte amüsiert gelesen. Bekam aber sofort ein schlechtes Gewissen wegen Ernst der Lage und so…

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