Gedicht am Dienstag (28)

Matsuo Bashō (1644–1694), Japan
Yosa Buson (1716-1784), Japan
Alles weitere kann man im Internetz nachlesen. Bashō gilt als der erste bedeutende Dichter der Gedichtform des Haiku, Buson wird neben Kobayashi Issa und Masaoka Shiki zu den »großen Vier« dieser Kunst gezählt.

krg

Blühendes Gras auf dem alten Schlachtfeld
den Träumen entsprossen
der toten Krieger.

Bashō

es1.png

Die Schritte der Ersehnten – wie fern sie sind auf den gefallenen Blättern.

Buson

fns

Nur das Sommergras ist noch da
von den Träumen
früherer Helden.

Bashō

krz

Als meine Augen alles
gesehen hatten, kehrten sie zurück
zur weißen Chrysantheme.

Bashō

es

Strömender Frühlingsregen.
Des Mädchens Regenkleid und Regenschirm
schwatzen miteinander.

Buson

sldm

Eine Kerze angezündet
an einer anderen Kerze:
ein Abend im Frühling.

Buson

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0 Kommentare zu Gedicht am Dienstag (28)

  1. Joachim sagt:

    Schöne Beispiele für das, was tikerscherk „etwas, das sich der Sprache entzieht“ nennt. Ich bin nicht wörtlich ihrer Meinung doch ein Haiku funktioniert ohne den Leser nicht. Der „kurze Moment“ spielt eine Rolle und erlaubt es, mehr beim Leser zu „implizieren“ (übertragen?), als es die Worte sagen. Da sach noch jemand, japanische Kultur sei uns so fremd…

    Btw. wo kommen die tollen Bilder her?

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  2. Stony sagt:

    Solcherlei Dichtung macht Seltsames mit mir: Einerseits erinnern sie mich (fast immer) daran, daß ich meinen Bruder mal wieder betrollen müßte*, andererseits haben sie eine eigentümlich beruhigende Wirkung, welche den Gedanken an ersteres sanft entschlummern läßt.

    Anbei: schöne Komposition von Bild & Bild!

    *Es ist einfach zu putzig anzusehen, wie er sich windet: Erst der tiefe Seufzer, Gesichtsfasching beim Versuch Contenance zu bewahren und hernach der bekümmerte Blick. Ja, so isser, der traditionsbewußte Vollnerd (aka studierte Japan-o-logiker), dem bei Übersetzungen das Herz blutet weil ja bekanntlich schon Hamlet nur im klingonischen Original wirklich erfahren werden kann

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