Gedicht am Dienstag

Heine! Heinrich! Und weil er so großartig war, gleich zwiefach Gedicht des Großen.
Heine war einer der ersten Klassiker, die ich in zarten Jahren in der Hand hatte. Um seine Gedichte schätzen zu lernen, mußte ich aber erst etwas moderiger werden; ich hatte es zeitlebens mit seiner romantischen, kämpferischen und spöttischen Prosa.
Folgt man der Wikipedia, so gilt er als letzter Dichter der Romantik und zugleich ihr Überwinder. Vermutlich hätte Heine ob dieser Siuda maliziös gelächelt, Stift und Papier hervorgeholt und eine geharnischte Antwort verfasst. Eine, die erst beim zweiten oder dritten Lesen ihre Wirkung entfaltet hätte; dann aber um so gründlicher.

Ach ja, die Wikipedia… es soll ja Leute geben, die daran glauben. Allen denjenigen, die es nur eingeschränkt tun: Lest den Geburts – und Todestag und im übrigen Heine, zu dem ich ein brüderliche Verbundenheit fühle.

An einen politischen Dichter

Du singst wie einst Tyrtäus sang,
Von Heldenmut beseelet,
Doch hast du schlecht dein Publikum
Und deine Zeit gewählet.

Beifällig horchen sie dir zwar,
Und loben schier begeistert:
Wie edel dein Gedankenflug,
Wie du die Form bemeistert.

Sie pflegen auch beim Glase Wein
Ein Vivat dir zu bringen,
Und manchen Schlachtgesang von dir
Lautbrüllend nachzusingen.

Der Knecht singt gern ein Freiheitslied
Des Abends in der Schenke:
Das fördert die Verdauungskraft
Und würzet die Getränke.

Heinrich Heine

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Thräne,
sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne;
Deutschland, wir weben dein Leichentuch.
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterkälte und Hungersnöthen;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Und Fäulniß und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch,
Wir weben, wir weben!

Heinrich Heine

…och nö: Einen hab ich noch…

»Friedliche Gesinnung. Wünsche: bescheidene Hütte, Strohdach, aber gutes Bett, gutes Essen, Milch und Butter, sehr frisch, vor dem Fenster Blumen, vor der Türe einige schöne Bäume, und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, läßt er mir die Freude erleben, daß an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden – Mit gerührtem Herzen werde ich ihnen vor ihrem Tode alle Unbill verzeihen, die sie mir im Leben zugefügt – ja, man muß seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden. – Versöhnlichkeit, Liebe, Barmherzigkeit.«

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0 Kommentare zu Gedicht am Dienstag

  1. Der Duderich sagt:

    „Ich liebe Katzen mehr als Hunde.
    Und Hunde mehr als Menschen.
    Aber, am meistens liebe ich mich:
    Besoffen – aus dem Fenster schauend…“
    (Charles Bukowski)

    Sorry: Nur ein Reflex!

    Dude

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  2. pantoufle sagt:

    Pöhh… BANAUSE!

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  3. pantoufle sagt:

    Mit dem Vorwurf kann ich leben – deswegen ja auch Heine statt meiner. Das Denkmal ist so groß: Das nimmst Du nicht mal als solches wahr, wenn Du dagegenrennst.
    So, jetzt hab ich es Dir aber gegeben!

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    • Der Duderich sagt:

      Bin ich gemeint?
      Welcher Vorwurf?
      Welches Denkmal was ich nicht anerkennen will?
      Welches Denkmal, welches wichtiger und sinnführender sind, als meines?

      Wir haben weder Recht noch Unrecht. Wir lesen lediglich unterschiedliche Bücher…

      😉

      0
  4. pantoufle sagt:

    Mach Deine eigenen Gedichte – meinetwegen am Donnerstag. Hier quäle ich mit meinen Leuten.

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    • Der Duderich sagt:

      Häh?
      Habe ich Dich richtig verstanden? Du zitierst Gedichte – und ich darf das nicht?
      Du zitierst Gedichte – und ich soll meine eigenen schreiben?

      Hoffe, ich verstehe Dich falsch!

      Bitte um Aufklärung!

      Grüße, Dude

      0
  5. Der Duderich sagt:

    Und, wer zum Teufel, sind eigentlich ‚Deine Leute‘?

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  6. FF sagt:

    Erfreulich ist zweierlei: erstens, daß dieser Blog doch nicht – wie angekündigt – dahingegangen ist. (Oder habe ich da was falsch verstanden?)

    Und natürlich, zweitens, daß wir einen so sprachgewandten, gescheiten und gewitzten Teufelskerl wie Heinrich Heine haben – zumindest griffbereit im Regal.

    Schon komisch: während die „Klassiker“ (nein, keine Namen!) doch mehr oder weniger zu kaltem, totem Gips erstarrt sind, liest sich dieser hintergründige, traurig-fröhliche Spötter erstaunlich frisch und munter, quicklebendig geradezu.

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  7. pantoufle sagt:

    …so, jetzt aber…
    Unfreundliche Posts bantworten, König-Prozess geplatzt, Klo streichen…

    Moin FF
    Schön, Sie mal wieder zu lesen. Ja, mich gibt es noch. Ein wenig gerungen hatte ich schon, aber das ist Schnee von gestern.

    Keine Namen, sagt er. Hmmm. Na ja: Neben Heine standen schon noch andere zur Auswahl. Ziemlich weit oben auf dem Stapel liegt Th. Fontane. Nicht alles was tot ist, ist ein Klassiker, vor dem man zurückschrecken muß wie vor den Blattern.
    Heine ist kein wenig alt geworden; von seinem Marmorsockel steigt er jedes Mal herunter, wenn ein schönes Mädchen dort vorbeiflaniert, der Censor streicht oder eine Flasche Rotspon geöffnet wird. Hoch die Gläser auf die freie Republik und einen Kuss. Nur des Nachts, wenn das zerzauste Fräulein wieder im eigenen Bett liegt und einen schönen Traum hat, steigt er wieder auf das Kapitell. Die braven Bürger sehen dann beruhigt hinter den Gardinen hervor: »Welch Glück, das er nun endlich Gips ist«

    Aber das ist er nicht.

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  8. Heine. Mein Großvater, mit dem ich sonst nicht allzuviele Berührungspunkte hatte, hat mir einen Band Heine-Gedichte geschenkt, als ich zwölf war. Was soll ich sagen? Es war ein Volltreffer.

    Aber davon abgesehen muss ich Bukowski in Schutz nehmen. Eine andere Zeit, eine andere „Schule“ – aber seine Gedichte sind lesenswert. Wirklich.

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  9. pantoufle sagt:

    Moin Susanne
    Hilfe!!!
    Ja, Ich habe Bukowski gelesen! Nein: Mit unfreundlichen Leserbriefen war der Duderich gar nicht gemeint. Ja, ich habe mentale Probleme mit zeitgenössischer Literatur und Ja: Ich mag Bukowski nicht besonders.
    Das hat aber alles nichts mit meiner unfassbar beliebten Kolumne »Gedicht am Dienstag« zu tun (schon 50 Zugriffe – ich fasse es nicht!). Dort nämlich – das ist kein Wunschkonzert, weißt Du – darf ich nach Herzenslust alles verbreiten, was mein Herz erfreut und sich irgendwie reimt.
    Heine zum Beispiel.
    Und nächste Woche könnte es in der unfassbar beliebten Kolumne »Gedicht am Dienstag« mal ein kleiner Abstecher zu den Dadaisten werden. Oder zu Fontane. Oder aus der Ilias.
    Gestern Abend war ich einfach zu müde, um noch weiter Bälle hin- und herzuwerfen, zumal ich der Meinung bin, es ist meine unfassbar beliebte Kolumne »Gedicht am Dienstag«, also auch meine Lieblingsgedichte.
    Vorschläge sind natürlich jederzeit willkommen, wenn sie mein Gemüt auch ein wenig berühren wie der gute Rat an den Maler, doch mal was mit Pferd zu malen – vor allem, wenn der Künstler Rosshaarallergie hat.
    Liebe Grüße
    das Pantoufle in seiner unfassbar beliebten Kolumne »Gedicht am Dienstag«

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