Gedicht am Dienstag (18)

Geht mir das alleine so, wenn ich einen Zug von Hysterie, von Verrohung feststelle? In letzter Zeit macht es immer weniger Spaß, Blogs zu lesen – von Ausnahmen abgesehen. Man sagt nur noch selten »guten Tag«, sondern beginnt mit #Aufschrei und Empörung. Flatter legt eine schöpferische Pause ein: Er nennt es die Verdichtung zu einem Klumpen giftiger Sinnlosigkeit. Ich mag die Formulierung; sie bringt etwas zum klingen. Die Themen wiederholen sich wie die Kommentare ebenso, nur daß sie toxischer werden. Und nicht weiser. Ist Georg Schramm ein Antisemit? Kein Problem – irgend ein Einzeller wird sich finden, der auch das spitzfindig beweist. Wären sie wenigstens betrunken, wenn sie es schreiben. Aber nein, sie bestehen auch noch darauf, es nüchtern getan zu haben.
Was tut man nicht alles, um amüsant zu sein. Der Anspruch von Schreiber und Leser an eine nie dagewesene Originalität treibt die eigenartigsten Blüten. Als gäbe es einen verbrieften Anspruch auf gar grausige Neuigkeit – wir fürchten uns so gerne!

Bürgers Albdruck

Was sinnst du, Bürger, bleich und welk?
Hält dich ein Spuk zum Narren?
Nachtschlafend hörst du im Gebälk
den Totenkäfer scharren.
Er wühlt und bohrt, gräbt und rumort,
und seine Beine tasten
um Säcke und um Kasten.

Horch, Bürger, horch! Der Käfer läuft.
Er kratzt ans Hauptbuch eilig.
Nichts, was du schwitzend aufgehäuft,
ist seinen Fühlern heilig.
Der Käfer rennt. Der Bürger flennt.
In bangen Angstgedanken
fühlt er die Erde wanken.

Ja, Bürger, ja – die Erde bebt.
Es wackelt deine Habe.
Was du geliebt, was du erstrebt,
das rasselt jetzt zu Grabe.
Aus Dur wird Moll, aus Haben Soll.
Erst fallen die Devisen,
dann fällst du selbst zu diesen.

Verzweifelt schießt die Bürgerwehr
das Volk zu Brei und Klumpen.
Ein Toter produziert nichts mehr,
und nichts langt nicht zum Pumpen.
Wo kein Kredit, da kein Profit.
Wo kein Profit, da enden
Weltlust und Dividenden.

Hörst, Bürger, du den Totenwurm?
Er fährt durch Holz und Steine,
und sein Geraschel weckt zum Sturm
des Leichenvolks Gebeine.
Ein Totentanz macht Schlußbilanz
und schickt dich in die Binsen
samt Kapital und Zinsen.

Erich Mühsam

Ja, es zittert sich recht angenehm. Die Vernunft spricht im Schlaf: Angst vor Ansturm auf das Sozialsystem und die Erinnerung daran, wie die Ostfront 43´ zusammenbrach; beinahe – im Weltall lauern enorme Gefahren, Kometen bedrohlicher als Innenminister.

Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Heinrich Heine

Weiterschreiben? Weiterdenken? Gibt es eine Kultur des Einzelkämpfertums wie die der Entsolidarisierung? Gegen den kalten Wind helfen die Liebe und ein guter Wein, ein Bier mit dem Bauern hinter meinem Haus. Und darauf nochn Lütten. Ist Überleben die Kunst der selektiven Wahrnehmung? »Gleichgültigkeit ist die Rache, die die Welt an der Mittelmäßigkeit nimmt« (Oscar Wilde).

Das Lied von der Gleichgültigkeit

Eine Hur steht unter der Laterne
des abends um halb neun.
Und sie sieht am Himmel Mond und Sterne –
was kann denn da schon sein ?
Sie wartet auf die Kunden,
sie wartet auf den Mann,
und hat sie den gefunden,
fängt das Theater an.
Ja, glauben Sie, daß das sie überrasche?
Und sie wackelt mit der Tasche – mit der Tasche.
mit der Tasche,
mit der Tasche –
Na, womit denn sonst.

Und es gehen mit der Frau Studenten,
und auch Herr Zahnarzt Schmidt.
Redakteure, Superintendenten,
die nimmt sie alle mit.
Der eine will die Rute,
der andre will sie bleun.
Sie steht auf die Minute
an der Ecke um halb neun.
Und sie klebt am Strumpf mit Spucke eine Masche …
und sie wackelt mit der Tasche – mit der Tasche,
mit der Tasche
mit der Tasche –
Na, womit denn sonst.

Und es ziehn mit Fahnen und Standarten
viel Trupps die Straßen lang.
Und sie singen Lieder aller Arten
in dröhnendem Gesang.
Da kommen sie mit Musike,
sie sieht sich das so an.
Von wegen Politike …
sie weiß doch: Mann ist Mann.
Und sie sagt: “Ach, laßt mich doch in Ruhe – “
und sie wackelt mit der Tasche – mit der Tasche –
mit der Tasche –
mit der Tasche …
Und sie tut strichen gehn.
Diese Gleichgültigkeit,
diese Gleichgültigkeit –
die kann man schließlich verstehn.

Kurt Tucholsky

»Die Terroristen erzwangen eine Landung der “Landshut” in Rom-Fiumicino. Sie verlangten die Freilassung von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und acht weiterer RAF-Mitglieder aus der Haft, die Freilassung von zwei Palästinensern aus türkischen Gefängnissen und 15 Millionen Dollar. Falls diese Forderungen nicht bis 16. Oktober erfüllt würden, so die Entführer, werde man sowohl Hanns Martin Schleyer als auch die Passagiere und Besatzungsmitglieder der “Landshut” töten.
Nach dem Auftanken in Rom flog die “Landshut” nach Larnaka auf Zypern. Die GSG 9 flog nach Ankara und später nach Kreta, um möglichst rasch vor Ort zu sein, sobald sich eine Gelegenheit für einen Zugriff bot.«

Lieber wütend als traurig.

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0 Kommentare zu Gedicht am Dienstag (18)

  1. Stony sagt:

    Was ich mich manchmal frage: Was hätte solche Autoren wohl gesagt (oder geschrieben), wenn ihnen ein Blick in die Zukunft gewährt gewesen wäre. Wenn sie gewußt hätten, daß sich, Generationen später, an dem von ihnen Beschriebenen grundsätzlich nichts geändert hat.
    Vielleicht erklärt sich ja mit dem Blick in die Geschichte die Wut und Verzweiflung, das Gefühl der weitgehenden Nutzlosigkeit der heutigen Autoren. Alles nur Chronistenpflicht, wirklich erreichen kann man nur die, welche eh schon das gleiche Lied pfeiffen. Man verfeinert höchstens noch die Töne und streitet über Mißklänge.

    ***

    Eine andere Frage die mich beim Lesen umtreibt ist die, was denn eigentlich diese ominöse “Deutsche Kultur” sei, auf die gleichwohl Humanisten wie Patrioten (schließt sich das nur für mich gegenseitig aus?) ach so stolz sind. Immer wieder fällt in Gesprächen das geflügelte Wort von “Deutschland, das Land der Dichter und Denker”. Humanisten können dann wenigstens noch einige aufzählen, auch wenn die meisten wenig bis nichts von dem Geschriebenen wirklich kennen, während die Patrioten (Nationalisten, um dem Ding mal seinen wahren Namen zu geben) selbiges, wohl aus mangelnder Bildung, kaum noch schaffen. Liegt es nur an meiner Filterblase, daß ich bei ‘Dichter & Denker’ an Poeten und Philosophen wie Heine, Goethe, Tucholsky, Brecht, Kästner (neuerdings auch Mühsam) sowie Nietzsche, Schopenhauer, Heidegger und Arendt denke, um nur mal eine kleine Auswahl zu nennen, oder ist da schlicht nicht mehr? Sehe ich also nur einen begrenzten Ausschnitt aus dem, was man so als Hochkultur zu bezeichnen beliebt, oder sind es die Nationalverbrämten, die sich auf etwas berufen, das mit ihnen nichts zu tun haben wollte (über Heidegger mag man hier geteilter Meinung sein, ich weiß).
    Oder gibt es da noch eine Fülle an Hochkultur die ich nicht sehe(n mag), die ich dem Kulturbegriff nicht zuordnen möchte?

    Mir scheint es meist so zu sein, daß sich Gesprächspartner in Diskussionen gerne Worte zuspielen, deren Bedeutung sie beide nicht wirklich durchdringen, oder sie vielleicht auch einfach nur gänzlich anders mit Bedeutung und Inhalt aufladen.

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  2. Joachim sagt:

    1) Warum (und das ist eine Frage und keine Kritik!) führst Du die Landshut-Geschichte hier an?

    2) Beim Lesen der ersten beiden Gedichte ist mir der Gedanke gekommen, es könne sich um Fälschungen handeln. Das kann doch nicht sein, dass sich dies nicht auf heute bezieht und Hellsehen ist unmöglich. Selbst das dritte Gedicht hat eine Entsprechung gerade in Frankreich (und Deutschland) bei der Diskussion um Prostitutionsverbote. “Von wegen Politike..” gibt dem eine aktuelle Note. Offensichtlich ist die Menschheit unfähig zu lernen.

    3) Übrigens, ich auch. Denn ich bin selbst mit Gedicht am Dienstag (17) lange nicht fertig.
    Die Rubik “Gedicht am Dienstag” bildet langsam etwas eigenständig Neues. Ein interessanter Effekt und gut, dass man nachlesen kann…

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  3. pantoufle sagt:

    Zwei Leser, zwei Leser, jucheirassa, juchheirassa!!
    Nein, etwas mehr waren es zum Glück doch…

    @Joachim
    Tja, die Landshutgeschichte: Eigentlich hatte ich gestern mal wieder den Blues – die Geschichte mit Georg Schramm stimmt tatsächlich; es gibt tatsächlich ein paar Vollidioten, die so ein Blech reden. Als Konsequenz fragt man sich zwangsläufig, was Sprache überhaupt noch bewirken kann, von Argumenten ganz zu schweigen. Wenn die Einzeller nicht einmal die Worte verstehen – wie dann erst den Sinn? Die Stunde der zerlumpten Wanderprediger des Neoliberalismus, zu denen sich mehr und mehr ein alltagstauglicher Faschismus gesellt.
    Dann schwirrte als Gegenpol ein »lieber wütend als traurig« von Ulrike Meinhof vorbei. Die Tagesschau-Ausschnitte (hast Du sie gesehen?) sind… am Schluß siegt wieder die Gleichgültigkeit. Na ja: Und dann hat das Gedicht am Dienstag auch den Vorteil, daß ich schreiben kann, was immer ich will. Keine Story, kein Scoop, keine haarsträubende Ungerechtigkeit, vor der ich die Welt mit allem Nachdruck warnen muß.. Das ist auch mal ganz nett.

    Das verrückte mit diesen Gedichten an diesem Dienstag ist natürlich, daß man sie für hochaktuell erklären kann und in gewisser Hinsicht sind sie es auch. Flatter kann sich damit trösten, daß auch sein Unmut über die scheinbaren Wiederholungen Tradition hat. Nein, natürlich nicht scheinbar – das sind sie tatsächlich. Stellt sich die Frage, ob die Menschheit mehr Freude an Wiederholungen oder an Revolutionen hat. Hagen Rether beschrieb es mal mit: »Horror vacui. Eine Gesellschaft, die Angst hat vor der Langeweile hat. Ist die überhaupt noch demokratiefähig?«

    Vertrauet Eurem Magistrat,
    Der fromm und liebend schützt den Staat
    Durch huldreich hochwohlweises Walten;
    Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

    @Stony
    »Alles nur Chronistenpflicht.« Ganz genau. Im Interesse der eigenen Gesundheit hüte man sich vor höheren Ansprüchen ans eigene Schaffen.

    Dein zweiter Punkt vermengt sich mit dem ersten von Dir genannten. Würden die Klassiker als Paradepferde deutscher Leitkultur heute noch so schreiben, wären sie keine mehr. Die oft beschworene deutsche Kultur beruht zum erheblichen Teil auf Menschen, die man heute totschweigen, wenn sie nicht gleich verschwinden lassen würde. Ein groß angelegtes Mißverständnis: Der Beitrag von konservativer Seite an dem, was da als deutsche Kultur verehrt wird, ist bekanntlich eher bescheiden. Leitbilder sind diejenigen, die die Welt weitergebracht haben – nicht gerade eine hervorragende Domäne des Konservatismus. Änderungen ergeben sich durch Infragestellen. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.

    »Da« ist vermutlich noch viel mehr, viel mehr, das wir durch unsere Brille des Abendlandes nicht erkennen können. Allein der Begriff »deutsche Leitkultur« fordert ja schon die Abschottung von dem, was an anderen Kulturen auf dem Markt ist. Darunter auch, was unter anderem die Kulturanthropologie an Sprengstoff über mögliche sozialistische oder anarchistische Gesellschaftsformen ins Feld führen könnte.
    Der Begriff Leitkultur als Stillstand, als politische Forderung, die eine scheinbare Glaubwürdigkeit bekommt, wenn man die Historie auf ein unzulässiges Maß vereinfacht. »Das Christentum mit seinen jüdischen Wurzeln, geprägt von Antike, Humanismus und Aufklärung«, wie sich CSU-Generalsekretär Dobrindt ausdrückte, soll deutsche Leitkultur sein? Kein Wunder, daß dieser Begriff es nicht in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch geschafft hat. Ein Kampfbegriff des Ethnozentrismus, einer der vielen Warntafeln am Tore der Festung Europa.
    Das Sein bestimmt wohl doch das Bewußtsein

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    • Joachim sagt:

      Es freut mich, dass Dich Deine Leser erfreuen. Ich hoffe, das ändert sich jetzt nicht mit meiner “dummen” oder absichtlich reduzuerten Verständnisfrage. Du darfst gerne mit dem Kopf darüber schütteln, reduziert mit ja oder nein antworten, damit wir zum Kern der Sache kommen können. Aus meiner Sicht ist hier Genauigkeit wichtig. Stimmt dies und stimmt das mit der Sicht Deiner Leser (eine Frage an die Leser!) überein:

      Du möchtest also (vereinfacht gesagt) die Aussagen der Gedichte in einer Reihenfolge verstanden wissen und endest dann mit der Landshut. Das ist (immer noch stark verflacht) die Aussage, dass Verlustängste der Bürger, willkürlichen Mandate eines “Senats” und die Gleichgültigkeit zu (Blues und) bösen Dingen bis hin zum Terror führen.

      Wenn das so ist, könnte dann umgekehrt eine “bessere” Gesellschaft, eine Gesellschaft, die Kritik der Dichter und Philosophen achtet, zu “was” führen? Dieses “was” ist zentral. Denn als Ziel setzt es Dinge voraus, die möglicherweise nicht Konsens sind. Ist dieses “was” eine bessere Gesellschaft, dann verstrickst Du Dich in unendlicher Rekursion. Darüber hinaus sind Aufklärung und Postaufklärung bis zur heutigen Sicht auf Technik möglicherweise eine Illusion.

      Übrigens, Schramm befindet sich in bester Gesellschaft, wenn auch Grass als Antisemit bezeichnet wird. Bin ich Antisemit, wenn ich das als Ritterschlag für Schramm empfinde? Wen das nun ärgert, oh je, “call me Ishmael” – (ein wirklich wunderbarer Buchanfang eines wirklich wunderbaren Buches).

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  4. tikerscherk sagt:

    Mehr als zwei Leser! Sogar noch eine Leserin.
    Pantoufle, was kann ich dazu schreiben, was nicht schon Stony und Joachim und Du gesagt haben?
    Du hast da ein Gedicht hinter das andere gestellt, das Gefühl der Beklemmung, ob der Aktualität der Lyrik steigert sich beim Lesen, und das Ganze gipfelt in der Nachricht über die Befreiung der Maschine in Mogadischu und den Tod von Baader, Raspe und Ensslin.
    Diese Nachrichtenausschnitte fügen sich für mich nahtlos in die Geschichte ein, die die Gedichte erzählen.

    “Vielleicht erklärt sich ja mit dem Blick in die Geschichte die Wut und Verzweiflung, das Gefühl der weitgehenden Nutzlosigkeit der heutigen Autoren. Alles nur Chronistenpflicht, wirklich erreichen kann man nur die, welche eh schon das gleiche Lied pfeiffen. Man verfeinert höchstens noch die Töne und streitet über Mißklänge.”
    Am Ende steht das Scheitern. Und dann fängt alles von vorne an.
    Ja, lieber wütend als traurig, aber dafür braucht es Kraft, und in der Zwischenzeit erfüllen wir unsere Chronistenpflicht, wie Stony schreibt und pfeifen das gleiche Lied. In den Wind.

    “Wenn die Einzeller nicht einmal die Worte verstehen – wie dann erst den Sinn? Die Stunde der zerlumpten Wanderprediger des Neoliberalismus, zu denen sich mehr und mehr ein alltagstauglicher Faschismus gesellt.”

    Ich bin jetzt ein bisschen niedergeschlagen, und muss mich erstmal sammeln.
    Ehe es weitergeht.

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  5. tikerscherk sagt:

    Ach, und schön, dass es Blogs wie deinen gibt!

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  6. Wir haben Winter, es ist dunkel, die Lust fehlt, Sturm zieht auf, dazu diese bleierne Zeit, die den Auftakt für vier bleierne Jahre gibt. Ich mag manchmal auch nicht mehr und finde es schade, wenn wichtige Blogs die Sprache verlieren. Ich glaube wir haben noch viel zu sagen.

    Bald ist wieder Frühling und die Weihnachtsbäume verfaulen im Biocontainer. Nur Mut.

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  7. pantoufle sagt:

    @Joachim
    Zu Deiner Verständnisfrage: Ich habe mich über Tikerscherks Feststellung gefreut, daß für sie ein wahrnehmbarer Zusammenhang existiert, einer, den das Gefühl diktiert, eine (dramatischer Ausdruck) Dramatik, die von meiner Seite beabsichtigt war.
    Es geht mir nicht um Genauigkeit: Ich verstehe die Schrottpresse nicht als Kampfblatt, das mundgerechte Parolen für Jedermann… hmmm – während ich das schreibe, würde ich gerne ergänzen: Nicht mehr!
    [Rest des Satzes babylonischer Verwirrung zum Opfer gefallen. Der Säzzer]

    …könnte dann umgekehrt eine “bessere” Gesellschaft, eine Gesellschaft, die Kritik der Dichter und Philosophen achtet, zu “was” führen?

    Zu Demut.

    Dank an @Tikerscherk und @Kiezneurotiker

    für den Zuspruch. Nein, es war nicht so, daß ich mal wieder überlegte, das öffentliche Schreiben bleiben zu lassen: Nur die Überlegung, ob – und was man damit erreichen kann, kommt natürlich von Zeit zu Zeit. Dazu kam, daß ich mich in letzter Zeit zu viel auf rechtsradikalen Seiten herumgetrieben habe. PI, Latzhosenmann, Herr Karl, Compakt, Achse des Guten, junge Freiheit und wie sie alle heißen. Volkes Stimme, wie sie reiner und klarer nicht kläffen kann. Internetz hat ja seine Schattenseiten: Sie kommen so dicht an einen heran. Vor dem kleinen SA-Mann war man weiland ja relativ sicher – er pinkelte im Suff des Nächtens an die Tür des weltanschaulichen Gegners, genau wie der hungernde Prolet, der seinen Unterhalt als gelegentlicher Polizeispitzel aufbesserte – heute aber scheinen sie in der Wahrnehmung die selbe Lautstärke zu entwickeln wie jeder anständige Mensch. Vor den heutigen »kleinen SA-Männern« kann einem grauen. Sie bringen ihre bösartigen Botschaften mit dem Anspruch einer DPA-Meldung, ihre Blödheit wird kompensiert durch die Masse und Wiederholungen. Steter Tropfen höhlt das Hirn. Und sie sind ja nicht mehr eine kleine, dümmlich dreiste Clique, die ihre Parolen hinter geschlossenen Türen absondert: Das ist ja bereits Mainstream. Gegen Islam, soziale Gerechtigkeit, Menschenwürde, Meinungsfreiheit – ein gesellschaftliches Dow-Syndrom. Ihre unfreiwillige Komik versüßt nur vorübergehend ihre Auftritte. Spätestens beim AFD oder Kopp-Verlag vergeht einem der Humor – das hat nichts miteinander zu tun? Ganz sicher bin ich mir da nicht.
    Gründlich falsch verstandenes Ockhams Rasiermesser »Entitäten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden.«: Das bedeutet nicht, Zusammenhänge mit einem Minimum an Begriffen (aus Mangel an Bildung) bei gleichzeitiger Abschaffung der Monotonie zugunsten von Vermutungen.
    Ach, was rede ich – ich werde es nicht ändern können.

    »Ich lege meiner Untersuchung immer eine Behauptung zugrunde, die ich für besonders stark halte; und das, von dem ich dann den Eindruck habe, daß es damit in Einklang steht, nenne ich wahr; was dagegen damit nicht in Einklang zu stehen scheint, nenne ich unwahr.«

    (Phaidon)

    Armer Platon!

    Ja, so geht mir das im Moment. Aber was soll man machen? Lieber wütend als traurig.

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  8. lattjamilln sagt:

    Ja und ich liebe deine Gedichte.!

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