Geburtstag!

Die Schrottpresse feiert Wiegenfest. Das erste Jahr – Kampfhund Oskar und das Pantoufle gratulieren sich gegenseitig zu diesem Ereignis.
Heute vor einem Jahr saß ich in einem kleinen Hotel in England und schrieb meinen ersten Artikel. Erschienen ist er erst einen Tag später: Die ungewohnte Oberfläche von WordPress, die Optionen, die es alle auszuschalten gab und die Unsicherheit, ob das nun alle sehen können. Es war ein ziemlich holpriger Anfang.

Der erste Artikel. Ich habe ihn im Übrigen wieder gelöscht – offiziell geht’s erst am 13.2. los, das selbe Thema, aber weitgehend von den gröbsten Rechtschreibfehlern befreit. Ein Übel, das bis zum heutigen Tag andauert.
212 Aufrufe bis zum Ende des Februars. Ich war ehrlich beeindruckt! Im April waren es knapp 700 und ich machte die Bekanntschaft mit der Opalkatze von „Kaffee bei mir..“. Das erste Mal, das ich einen „Kollegen“ kennenlernte. Sie schrieb mir, ich schrieb ihr; das war am 4.4.2011 – bis zum heutigen Tag schnurrt sie wohlgefällig, wenn ihr mein Geschreibsel gefällt und kratzt, wenn es mit zu heißer Feder geschrieben ist – oder ich den Duden als Fußstütze benutze anstatt ihn zu lesen. Sie ist eine der liebenswürdigsten Bekanntschaften, die ich im Netz traf, eine Freundin und stetiger Antrieb, die Artikel noch einmal zu überdenken und gegebenenfalls zu überarbeiten. Dank für die viele Mühe, die Du dir mit mir gegeben hast!

Irgend wann – sehr spät – wurde vom Publikum die Kommentarfunktion auf der Schrottpresse entdeckt. Die erste Resonanz. Das ist eine erstaunliche Erfahrung und eine gewisse Unsicherheit, wie man damit umgeht. Ich habe mich bemüht, auf jeden Kommentar zu antworten und mit dem selben Ernst, mit dem sie in der Regel geschrieben sind, zu reagieren. Das ist nicht immer einfach – einige Threats übersteigen den Artikel im Umfang ein Vielfaches, waren aber immer dazu geeignet, mir andere Sichtweisen oder neue Aspekte nahezubringen. Einige Male habe ich spät oder gar nicht geantwortet: Manchmal braucht man einige Zeit, manchmal kann man es nicht formulieren – oder man kennt keine Antwort. Meine Entschuldigung dafür an dieser Stelle.

Es ist nicht bei den 700 Aufrufen im Monat geblieben – mittlerweile sind es um die 4000. Was die Kommentarfunktion nicht verrät, ist, wer das eigentlich liest, was hier so geschrieben steht. Es ist auf den Blogs der Kollegen zu beobachten: Es ist ein überschaubarer Kreis, der sich an Diskussionen beteiligt. Eine Antwort auf die Frage, wer das eigentlich ist – “der Leser“ – oder darauf, was und welche Geschichten genau gerne gelesen werden, gibt es so nicht.
Wer unter den StammLesern also Lust hat, sich kurz und knapp zu melden, ist herzlich dazu eingeladen. Es würde mich wirklich brennend interessieren.

Ein Jahr „feinfedriger Qualitätsjournalismus“. Das, was ich immer vorausgesetzt habe und wo ich mich bestätigt fühle, ist die Freude an Satire und der Spaß am Lesen. Mit der Opalkatze und Frank Benedikt habe ich längere Gespräche über Sinn und Unsinn von hohen Besucherzahlen geführt – auch über den Wahn von Google-Rankings und Suchmaschinenoptimierung. Mein Standpunkt dazu ist, daß ich auch für 4,5 Leser am Tag gerne und mit Lust schreiben würde. Und dabei bleibt es. Wenn man dann wieder einmal an der Tastatur sitzt und „es beginnt zu schreiben“, wenn die Finger auf den Tasten einen Satz formuliert haben, bei dem man sich selber beim Lesen fragt: „Wer hat das jetzt geschrieben? Das war doch nicht ich“… das ist so ein Vergnügen, so ein Spaß, was wohl nur derjenige, der das selber macht, wirklich nachvollziehen kann – und hoffentlich diejenigen, die es lesen und das fühlen.

Es geht weiter ins zweite Jahr. John Asht hat ein weiteres Buch angedroht, der schwarze Anzug für die Beerdigungsfeier der FDP ist gebügelt, die NPD und die Masse der glatzköpfigen Schläger erfreut sich weiterhin der Schonung der Regierenden … Cleeverbeck saß derweil mit dem Pantoufle in einem Kaffeehaus. Kurz bevor der Ober begann, die Stühle auf den Tisch zu stellen, stand einer auf, der die ganze Zeit im Hintergrund bei einer längst erkalteten Tasse Kaffee saß und beginnt zu reden. Ohne Publikum, aber mit einem Stoß Papier in der Hand beginnt er seine Ansprache an die Welt, die schon lange im Bett liegt und ….
Aber davon wollen wir später lesen.

Meinen Dank an die Leser – bitte bleiben Sie uns gewogen und verzeihen Sie, wenn es gelegentlich „etwas schräg“ zugeht. Das gehört nun einmal zur Schrottpresse.

Oskar und das Pantoufle

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0 Kommentare zu Geburtstag!

  1. Susanne sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, liebes Pantoufle, lieber Oskar, liebe Schrottpresse. Ich bin ja erst zum Ende deines ersten Lebensjahres dazugestoßen – darf mich sicherlich noch nicht als Stammleserin bezeichnen. Aber das kommt, das kommt. 🙂
    Alles Liebe!

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  2. Tintenelfe sagt:

    Herzlichen Glückwunsch. Ich gehöre eher zu den stillen Gelegenheitslesern, und das auch erst seit sehr kurzem. Viel Erfolg weiterhin! Ich bin gespannt, ob ich mit meinem noch sehr jungfräulichen Literaturblog so lange durchhalten werde. 🙂
    Alles Liebe von der
    Tintenelfe

    0
  3. der_emil sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Jahresfest. Es ist mir immer ein Vergnügen, hier zu lesen.

    Beste Grüße an Oskar und auch an Cleeverbeck …

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  4. nomadenseele sagt:

    Es ist nicht bei den 700 Aufrufen im Monat geblieben – mittlerweile sind es um die 4000.
    ____

    Das ist wirklich beeindruckend, mein WoW-Blog (welches inzwischen mehr oder weniger eingestampft ist) hatte zu seinen besten Zeiten gerade mal 1500 Besucher am Tag; von den zahlen des LitBlogs schweige ich lieber. Du kannst da wirklich stolz sein auf dich.

    Insofern – herzlichen Glückwunsch 🙂 .

    0
  5. FF sagt:

    Sehr schön! Unbedingt weitermachen. Ad multos annos!

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  6. pantoufle sagt:

    Hach: Die üblichen Verdächtigen 😉 Ich wollte es mal ausprobieren … Aber vielen Dank für die Glückwünsche. Und wie ich schon bemerkte: Es macht Spass für Euch zu schreiben. Vielen Dank fürs Lesen.
    das Pantoufle

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  7. opalkatze sagt:

    Huhu, ich will auch noch gratulieren!

    So ein Blog-Geburtstag ist was ganz Besonderes, denn es ist nicht immer so schön wie oben beschrieben. Aber es schreibt dann doch weiter, weil man gar nicht mehr anders will und kann. Ja, es hat was von Sucht, dieses Schreiben ins Internet. Die Hoffnung spielt mit, die Welt vielleicht doch ein klitzekleines bisschen verbessern zu können, allein, weil man ein paar Leute zum Nachdenken anregen kann. Und das ist eigentlich das Tollste: Wenn dir einer schreibt, er habe etwas ohne deinen Post gar nicht erfahren oder es noch nie von dieser Seite betrachtet.

    Danke für deine Freundschaft und die lieben Worte, das beruht wohl auf Gegenseitigkeit. Hauptsache, du schreibst weiter, damit ich was zu nörgeln hab. Gutes und erfolgreiches neues Blogjahr!

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  8. Fanny sagt:

    EIN JAHR SCHON!! Es gratuliert Dir ein alter Stammgast (durfte schon die Geburtsvorbereitung fiebernd verfolgen ! In den letzten Schwangerschaftsmonaten regnete es Briefe stündlich rein ;o)

    Es hat viel Spaß gemacht. Falsch. Es macht viel Spaß ! Bei manchem Höhepunkt ist der Griff zum Telefon unwiderstehlich, begleitet von einem beidseitigen lauten Lachen (oder Schreien !).

    An dieser Stelle ein großes DANKE SCHÖN für die vielen interessanten Hinweise und Denkanregungen, und für die SZENARISCHEN und SPRACHLICHEN PERLEN (bitte unbedingt auch die Rubrik „Älteres Zeug von mir…“ ansehen !).

    Tolle Musiklinks. Spannende Reiseberichte. Beste Weine. Kulinarische Seltsamkeiten (das muß ich gleich noch mal lesen!!!)

    Wer den Text geschrieben hat, kann ich Dir im Zweifelsfall gerne sagen, liebes Pantoufle: Dein Blog ist unverwechselbar ein Stück von Dir.

    Ich bleibe. Da ist die bunte Überraschungstüte zu spannend !

    Mach weiter so !

    P.S. Weniger typisch von Dir ist die Rechtschreibung inzwischen ;-)) Dann auch Danke an Opalkatze für die Beseitigung der Stolpersteine ! Das ging bestimmt nicht ohne Murren des Autors.

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  9. opalkatze sagt:

    @Fanny
    Murren?! Du kennst ihn doch – *grinz*

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  10. pantoufle sagt:

    Selbstverständlich ging das ohne jedes Murren! Bemüht um politische Korrektheit und einwandfreie Grammatik bin ich für jede Art von Hilfe dankbar, die man mir angedeien lässt.
    Allein die Vermutung, daß das nicht so sein könnte, bringt mich auf die Palme! Da könnte ich mich aufregen über solche Unterstellungen – ich geh ja nie in die Luft, ruhig und ausgeglichen, wie es nun einmal mein Naturell ist! Aber bei solchen Unterstellungen … also wirklich!! Wer das behauptet: Also dem rücke ich auf die Bude … da lass ich den Asht raushängen!

    Wann passt es Dir denn, Fanny?
    Liebe Grüße
    das Pantoufle

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  11. Ich wollte ja nicht den 11. Kommentar hier abliefern, denn die 11 wird ja oft die Zahl des Übermuts genannt (weil sie direkt nach der göttlichen Zahl 10 kommt) – andererseits ist das für mich ja auch irgendwie passend. Und darum für den Geburtstag -besser spät als nie- folgendes Zitat:
    „Im kommenden Jahr werden die deutschen Militärs und die deutschen Wehrverbände weiter rüsten und die deutschen Außenpolitiker werden es leugnen.
    Im kommenden Jahr werden sich die deutschen Richter einbilden ein bestandenes Assessorexamen berechtige sie, den lieben Gott zu spielen und zu ´strafen´; insbesondere in den kleinen unkontrollierten Provinzgerichten werden die Proletarier auf den Anklagebänken nichts zu lachen haben.
    Im kommenden Jahr werden die Gefangenen in den Zuchthäusern, Gefängnissen und Arrestlokalen sinnlos leiden: unter Sexualnot, unter schlecht bezahlten Aufsehern und unter der `Hausordnung` der Direktoren.
    Im kommenden Jahr werden die Börsen mit Wertpapieren handeln, ohne daß sich auch nur einer der Spieler darüber Gedanken macht, womit er eigentlich spielt: mit der Arbeitskraft von Proletariern, die mit sechzig Jahren wenigstens wissen, wofür sie das ganz Leben hindurch geschuftet haben: für eine Tuberkulose.
    Im kommenden Jahr wird die Allmacht des amoralischen Staats noch höher hinaus wollen als im vergangenen.
    Ich erwarte also vom kommenden Jahr nichts Besonderes.“
    (Kurt Tucholsky, 1929)

    Immerhin Du kannst zumindest einen Stammleser mehr erwarten (das macht im Monat zumindest 5 Klicks mehr als bisher!). Schönen Gruß und herzlichen Glückwunsch!

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  12. pantoufle sagt:

    Scheiß auf die Klicks, aber Tucholsky zum Geburtstag ist das netteste Geschenk von allen… weil ich den doch so liebe. Mein grosses und .. äh, lassen wir das!
    Tucholsky eben.
    Vielen Dank für den durchaus erwünschten Nachträglichen. Wie ich oben beschrieb: Es wäre schön, mehr von den Lesern zu wissen. Aber wie Du auch oben ja siehst: Da sind schon ein Haufen netter Menschen.
    Ach, bevor ich es vergesse: Herzlich wilkommen.
    Gruß
    das Pantoufle

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