Fundbüro

vorsicht-kettensaege

Es gibt Dinge, die man am Wegesrand findet, die sind sooo schön – die steckt man einfach ein, nimmt sie mit nach Hause und freut sich darüber. Ja, ich weiß: Das gehört sich nicht, aber der Reiz des Verbotenen kribbelt eben auch.
Nun habe ich was gefunden – nein, ich werde den Teufel tun, Euch zu sagen, wer so etwas schreibt! Ich habs gefunden, es gehört mir nicht und es ist auch kein Finderlohn darauf ausgesetzt. Aus guten Gründen

Es ist eine Ode an den auch von mir geschätzten Kollegen Roberto J. De Lapuente, der das Blog ad sinistram betreibt. Wäre der Autor/die Autorin meines Fundstücks ein kleines Mädchen mit gelben Zöpfen: Vergeben und vergessen und ich hätte es in dem Unrat gelassen, in dem ich es fand… waren aber keine gelben Zöpfe.
Und weil ich darüber so schrecklich lachen mußte, soll es hier seinen Ehrenplatz bekommen. Andere Menschen sollen auch ihre Freude daran haben und es sich als Warnung übers Klo hängen. Aus bestimmten Gründen sollten schmachtende Liebesbriefe mit viel Fingerspitzengefühl verfasst werden, eine Lehre, die auch der Autor (und um einen solchen handelt es sich; soviel sei verraten) dieser Lyrik lernen mußte. Das folgende Gedicht steht da wirklich so – ich habe keinen Buchstaben verändert! In mehrfacher Hinsicht ein Malheur: Der Nachsatz unter dem Werk stammt vom Originaldichter. Sozusagen das Gedicht zur Dienstag Nacht. Achtung: Es fängt los!

Ach Roberto, falls du diese Zeilen jemals liest, deine Ansprüche ans wahre Linkssein sind so hoch, wer könnte die jemals erfüllen?
Wer ist ein wahrer Linker? Nur jemand, der ein Gesellschaftmodell ohne Herrschaft fordert, der auch noch fleischlos lebt womöglich, der Privatbesitz ablehnt, Pazifist ist und Nichtraucher?

Ab wann darf sich ein Linker Linker nennen? Darf ein Linker Werbung auf seinem Blog platzieren, darf er ein iPhone haben?
Ich träume von einer anarchischen, friedlichen und selbstbestimmten Gesellschaft, voller Rücksichtnahme und Toleranz, ohne Leid und Krieg, ohne Mangel und Entbehrungen, ohne Konkurrenz und Neid, ohne Mord und Totschlag.
Aber es ist und bleibt nur ein Traum.
Die Wirklichkeit erfordert Kompromisse und Widersprüche, gebiert Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten.

Du, Roberto, bist ein Mahner und Aufdecker, scharfsinnig und gerechtigkeitsliebend.
Aber wenn du die Latte der Wahrhaftigkeit zu hoch hängst, wird sie für niemanden überwindbar sein.
Dann kannst du zerbrechen und verzweifeln an deinem Anspruch und wirre und selbstgerecht werden,
wie jener Schwäzzer, der wirre und selbstgerecht geworden ist…

Ich schätze Robertos Texte sehr. Sie offenbaren oft aufdeckenswerte Zusammenhänge und Widersprüche. Und dies in einer grossartigen Sprache.
(Inzwischen scheine ich auch bei ihm gesperrt zu sein. Mein letzter Hinweis, dass Malheur mit „h“ geschrieben wird, wurde nicht veröffentlicht…)

Dieser Beitrag wurde unter Humor abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu Fundbüro

  1. rainer sagt:

    …ja, diese weichen Gemüter……immer draufschlagen, aber selbst die anderen schnell sperren….der grösste Sperrer scheint ja der feynsinnige zu sein…..

    0

  2. altautonomer sagt:

    Dieser Text ist mal wieder eine Punktlandung. Köstlich. Beneide Dich um diese Kreativität. Vermute, rainer hat es nicht verstanden.

    Den Blogwart für Selbstgespräche und Experte für Linksradikalenbashing drängt es dagegen permanent, die uninteressierte Öffentlichkeit mit seinem kaputten Ego zu penetrieren.

    0

  3. pantoufle sagt:

    Moin Altautonomer
    Huhu – noch mal zum Mitschreiben: Der Text des Gedichtes (kursiv) ist wirklich nicht von mir. Ehrlich! Der ist originalraubkopiert!
    Leider ist es mir bisher nicht geglückt, mein Gehirn so absolut auszuschalten, um das zu vollbringen. Das aber ist eine Übung, die der Autor unnachahmlich beherrscht. Sein Œuvre ist überschaubar, aber von bemerkenswerter Konstanz.

    0

  4. Dieses Gedicht ist sicher ironisch gemeint. Es stammt von …[urx! Darf ich verraten, daß es von Herrn Karl ist?].

    0

  5. pantoufle sagt:

    @Neumondschein
    Ja, darfst Du. Und weil es von ihm ist, entfällt der Verdacht Ironie. Denn dazu braucht man Intelligenz und Humor; nur zwei der Eigenschaften, bei deren Vergabe »der Herr Karl« leider gefehlt hat.
    Bemerkenswert fand ich es trotzdem. Diese Ode ist – betrachtet man sie im Zusammenhang mit der traurige Gestalt dieses »Herren« – sozusagen die lyrische Variante von Kadavergehorsam.

    0

  6. altautonomer sagt:

    Jetzt schreibt er schon für Dich die Parodien. Ich wäre niemals darauf gekommen, dass das einer ernst meint. Hab es noch einmal aus der Sicht des Verfassers gelesen mit dem Effekt, dass mir die Fleecetücher ausgingen, weil soviel Schleim vom Bildschirm abzuwischen war. Deshalb auch weiterhin mein Prädikat „Unübertreflich!“

    0

  7. pantoufle sagt:

    Mit unübertrefflich muß ich Dir zähneknirschend Recht geben – sein relativ schwaches Werk »unerwartetes Ende einer Bergwanderung« dagegen bot sich zum Verfeinern an: Es war mir Pflicht und Vergnügen zugleich; man hat schließlich auch seinen Bildungsauftrag!
    Leider hat ihn seine Schaffenskraft so sehr verlassen wie seine Kommentatoren. Wenn er nicht gerade hysterisch kreischend beim Spiegelfechter auf den Tischen tanzt, kopiert er sich nur noch selber – dagegen waren seine wahllos aus dem Zusammenhang gerissenen Fetzen aus der Wikipedia reinste Literatur. Ein interessantes Phänomen: Trollerei als selbsterfüllende Prophezeiung; die unendliche Wiederholung als Selbstvernichtung. Eine Ratte, die sich aus Wut selber auffrisst – gut für einen kurzen Lacher bei »rotten.com« und dann zum nächsten Video.

    Gestern habe ich seit langen Jahren mal wieder der Himmel über Berlin gesehen. Es ist manchmal erschreckend, wie sehr das wahre Leben vom Internet entfernt ist. Zum Genuss dringend angeraten.

    0

  8. piet sagt:

    Schniiieeeef – Karl leidet. Nehmt Rücksicht Kinners !

    0

  9. pantoufle sagt:

    Oh, oh: Das Imperium schlägt zurück. Nachdem Altautonomer freundlicherweise meinen Sinn für Nonsens so weit überschätzte, mir die Urheberschaft an diesem Gedicht zuzuschreiben, bleibt natürlich nicht aus, daß der Originaldichter sein Orpheusorgan erhebt ob dieser Ungerechtigkeit der ultralinken Welt:

    »Pantoufle unternahm in seinem Artikel „Fundbüro“ vom 17. September 2013 den Versuch, meinen Text der Lächerlichkeit preiszugeben.«

    Der Vorwurf trifft mich in mehrfacher Hinsicht hart! Ersten bin nicht ich der Autor – ich habe wie schon bemerkt, kein Komma daran geändert (obwohl das zu empfehlen wäre). Zweitens stände da noch eine ungeheuerliche Unterstellung im Raume:

    »Mein Originalkommentar vom 22. Dezember 2012, den Pantoufle teilweise als nachfolgenden Satz an meinen Text gesetzt hatte:«

    Oh nein: Mitnichten! Das stand dort direkt so unter dem Text (von dem ich allerdings nur einen Auszug verwendete – ich wollte den Autor selbstverständlich nicht der Lächerlichkeit preisgeben)

    »Hier werfe ich Pantoufle und dem Altautonomen noch einen anderen Text von mir zu, über welchen sie sich empören können.«

    Ein typischer Wechsel des Kriegsschauplatzes. Zum Einen bin ich hier Chef im Ring – ich veröffentliche, nicht der Altautonome; andererseits waren wir gerade bei »Lächerlichkeit«, nicht Empörung. Über das Gedicht kann man sich nicht empören, sondern nur totlachen. Und es handelt sich – bei allem Respekt – bei dem von Karl mir vor die Füße geschleuderten Text leider um einen besonderen Tiefstpunkt im Œuvre des Originaldenunziantenautors. Da versagt selbst mein Geschick, aus Scheiße noch Dünger zu machen. Tut mir wirklich leid, Karl!

    Ich meine natürlich, wenn Du so sehr um Aufmerksamkeit winselst, kann ich mich natürlich daran versuchen. Über das Zeilenhonorar werden wir uns sicherlich einig. Die Bezahlung von den Kommentaren, die ich auf Deinem Blog hinterlassen habe: Das war schweizerische Großzügigkeit, da soll sich die darbende Zeitungsbranche ein Beispiel nehmen. Gemessen daran würde ich mich natürlich auch an diesem völligen Missgriff versuchen. In der Nähe von, sagen wir mal, 400 Stutz käme man sich sicherlich näher. Dafür poliere ich selbst die Texte von Amateurfaschisten auf.
    Bhüeti!

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *