Feinstoffliches reloaded

»Sie haben einen Ihrer Aktivisten bzw. Sympathisanten in einer Sendung von Astro TV unter Vorspiegelung einer falschen Identität auftreten lassen. Der Auftritt des angeblichen “Zauberers” endete damit, dass über dem Moderator von “AstroTV” ein rohes Ei vergossen wurde. Dieser Vorgang erfüllt den Tatbestand des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung.«

Wenn das so weitergeht, wird 2015 das Jahr der grotesken Abmahnungen. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekamen: Beim Sender Astro-TV schlich sich ein Mitglied des Peng-Kollektivs in die Vorführung »Die Karma Wiedergeburtenshow« ein und zerschmiß ein rohes Ei auf dem Kopf des Moderators. Mangels Masse waren keinerlei Schäden zu beklagen. Der Clown »Piotr Wasabi« beendete seine Einlage mit den Worten: »Astro-TV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das was hier stattfindet ist Betrug«.

Weiter geht es in der Abmahnung mit dem Verbot, den entsprechenden Ausschnitt aus der Fernsehsendung auf einschlägigen Plattformen zu veröffentlichen.

sachschaden

Die erste Frage beim Betrachten dieses Bildschirm-Schusses wäre natürlich: Wie ist dieser Clown (Rechts im Bild und dieses Mal war es tatsächlich einer) überhaupt in die Sendung hereingekommen? Irgend jemand muß ihm ja wohl die Tür aufgemacht haben. Da zuckt einem in der Tat der böse Verdacht durch den Sinn, daß die Macher dieses Betrugs mindestens so dämlich wie ihr Publikum sind.
Der dauergrienende »Raumschiff-Enterprise« Verschnitt mit dem Gummihuhn-Kadaver links im Bild ist übrigens der Moderator. Ein Moderator, der das Attentat bemerkenswert gelassen über sich ergehen ließ; es schwebte ein gewisses »jetzt ham se uns mal erwischt«-Gefühl durch das Studio.

Der Tatbestand der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruches ist ein Fall für den Juristen. Dem Normalbürger will sich das nicht auf Anhieb erschließen. Außer dem Stolz wurde lediglich ein Ei beschädigt, welches zudem nicht Eigentum des Senders war. Und wer sich so eine Figur ins Studio einlädt, muß nun einmal mit allem rechnen – sozusagen ein billigend in Kauf genommener Bruch des Friedens.
Allerdings ist es mit der Forderung des Entzugs der Sendelizenz auch nicht so weit her. Bei denjenigen, die sich im Fernsehen solche Sendungen ansehen oder – schlimmer noch – dort anrufen, darf die Existenz einer Fernbedienung vorausgesetzt werden. Man kann es sich ansehen, muß es aber nicht. Auf dem anderen Programm gibt’s den kleinen Heimwerker: Shades of grey für jedermann! Kann man auch gucken.

Und so sehr man die Methoden dieser Verblödungsindustrie verdammen mag: Es ist nicht illegal. So wenig, wie an Geisterheiler oder Gesundheitskristalle zu glauben. Es handelt sich dabei um Nachfrage und Angebot. In genau dieser Reihenfolge. Wenn ein Zuschauer bei einem Fern-Sterndeuter im TV nachfragt, wie es der jüngst verstorbenen Tante geht, dann ist das Malheur bereits an ganz anderer Stelle geschehen – das kann man den Machern solcher Sendungen beim besten Willen nicht in die Schuhe schieben. Gäbe es das TV nicht, würden sie in die Bude eines Jahrmarktes gehen und dort ihr Geld lassen.
Daß es sich bei den Produzenten solcher Sendungen um eine Vereinigung handelt, die die Dummheit der Menschen ohne große Umwege direkt in dreistellige Millionenbeträge verwandelt, mag erbittern. Aber das ändert leider wenig an der Tatsache, daß sich so etwas nicht verbieten läßt. Genau so wenig wie Bundestagswahlen oder Homöopathie.

Die Esoterik-Industrie ist ein Milliardengeschäft. Ob Bronzestäbe, die man über Audio-CDs schüttelt, damit es besser klingt, Klavier-Aktivatoren oder Globuli: es ist nicht illegal und es wird gekauft. Und weil der Mensch nun einmal so gestrickt ist, wie er ist, hilft gelegentlich auch ein Placebo. Genau wie Aspirin.

Einmal ganz abgesehen von der klammheimlichen Schadenfreude, wenn irgend jemand auf solchen Mist hereinfällt und sein Taschengeld für eine Klangschalen-Therapie ausgibt: Man kann die Fuchtel der Verbote und den Entzug der Sendelizenzen erst dann fordern, wenn man diesem durchaus vorhandenen Interesse und Bedürfnis etwas praktikables entgegenzusetzen hat. Das sind echte Menschen mit echten Bedürfnissen mit einem realen Hintergrund.
Seit die Lieblingstante verstarb oder der Gatte, ist etwas verschwunden. Ein Lücke ist entstanden, die nicht zu füllen war. Kein Enkel, keines der Kinder war bereit oder imstande, diese zu füllen. Oder uninteressiert, beschäftigt mit sich und dem Erwerb von Geld. Kein Nachbar, kein Pfaffe, der sich kümmerte. Nur diese dumme, nichtswürdige, erbärmliche Fernsehsendung für einem Euro die Minute. Da hat Oma angerufen, ob der Geliebte seinen Platz im Himmel gefunden hat. »Ja, das hat er und es geht ihm gut!« Mehr wollte Großmutter gar nicht wissen. Das hätte ihr der Pfaffe auch sagen können und niemanden hätte es aufgeregt.

Nicht ein verkommener Fernsehsender – eine verkommene Welt ist das.

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0 Kommentare zu Feinstoffliches reloaded

  1. R@iner sagt:

    Geil, also diese rip-Domains. Wir sollten uns spd.rip, fdp.rip etc. schon mal sichern.

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  2. Stony sagt:

    Wer sich gerade in Bärlin aufhält, ich selbst bin leider verhindert, könnte sich dort, seiner sozialen Verantwortung bewußt stellend, echter Menschen mit echten Problemen annehmen. Just dieser Tage lädt die “Esoterikmesse” ein, sich über »Spiritualität & Heilen«, sowie »Wunscherfüllung« und »Jenseitskontakte« zu informieren.

    Also, einfach mal hingehen und ins Gespräch kommen, wer weiß wer es sonst macht. 😉

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    • R@iner sagt:

      Wenn ich ein paar in die Fresse will, dann muss ich bloß ein paar hundert Meter ins nächste Wohngebiet pilgern und lauthals den örtlichen Fußballverein madig machen.
      Mir reicht es dann auch schon, so etwas zu lesen: Auf dem Pfad zur Erleuchtung – Esoterikmesse I

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      • Stony sagt:

        Oh, so schlechte Erfahrungen gemacht? Haß und Anfeindungen schlagen mir ja recht häufig entgegen, aber physisch Gewalt anzuwenden hat sich bislang noch niemand getraut. Wobei, wenn ich mich nicht grad kaputtlache seh’ ich wohl eher “finster” aus, könnte auch daran liegen.

        Danke für den Link, mal wieder, incl. der Bauchschmerzen.
        Bezüglich der Delphine, der Scheiß war mir neu, überdenke ich mal mein ‘Verhältnis’ zu Greenpeace und Konsorten – müßte man die jetzt boykottieren? 😀

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          die delphin-nummer haben wir a) robert anton wilson & robert shea, b) john c. lilly und c) douglas adams zu verdanken. ernsthaft, massig dieser abstrusen ideen stammen aus romanen und filmen; in “meiner” gruppe damals galt zb ron howards “cocoon” als eindeutige und bewusste vorbereitung auf den erstkontakt (da kommen btw auch mit ausserirdischen kommunizierende tümmler vor. (ahja, also auch noch d) ron howard)).

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      • pantoufle sagt:

        Ich sach nur: Einhorn-Ragout!

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      ogott nein! erstens hab ich das durch und zwootns springen hier im EsoBionadeWonderlandPrrrrnzlberg genug solcher patienten rum. da muss ich nicht ins epizentrum pilgern um mich unbeliebt zu machen.

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      • Stony sagt:

        Vollstes Verständnis!

        Wilson/Shea und Douglas habe ich komplett intus; daß es Menschen gibt, die deren Werke so oberflächlich rezipieren konsumieren, hätte ich nicht gedacht – das macht es fast noch skurriler. Thx!

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  3. Publicviewer sagt:

    Mit deinem letzten Satz gehe ich absolut konform 😉

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    • pantoufle sagt:

      Ach! Und mit den anderen nicht.
      Ja gut. Ich merke mir das. Ich bin ja nicht nachtragend, habe aber ein Gedachtnis wie ein Elephant!

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      • Publicviewer sagt:

        Natürlich meinte ich den letzten Satz im Besonderem.
        Ich weiß nicht wie oder warum Du davon ausgehst, dass ich dann mit dem restlichen Kontext automatisch nichts anfangen könne…? lächel

        [Warum bleiben Deine Kommentare im Spamfilter hängen? Verkauft Du auch Viagra? Keine Ahnung warum! der Säzzer]

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  4. tikerscherk sagt:

    Will schon lange ein Katzenorakel und die Reise zum Inneren Lama anbieten.
    Außerdem tüftele ich an effektiven Kettenbriefen. Da winkt das große Geld. Interesse?

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    • pantoufle sagt:

      Ahalso: Was denn das Katzenorakel betreffen tut, so schneidet man det Tier entlang der Mittellinie auf und lässt alles, was denn da rauskullert, mit ohne Anfassen auf den Boden gleiten.
      Denne hüpfet man mit jespreizte Beene um den Kadaver rum und murmelt ganz entsetzlich geheimnisvoll. Ganz geheimnisvoll. Migrantenmäßig, weeste? Am besten Schwarzafrika. Rumänien tut aber auch gehen.

      Wenn der Gestank sich durch die offene Türe etwas verzogen hat, gips auch wieder genügend Sauerstoff, um an der Schraube »nu kommts aba!« heftig zu drehen. Das Mysterium der Unsterblichkeit vonste Merkel ist dann det Mindeste. Etwas Delphin oder Einhorn an Rotkohl geht aber auch. Wichtich is, immer in die Gedärme zu rühren (wenn sie erst ma aufm Boden liegen, darf man ja wieder). Imma ordentlich rühren!

      Was zum Teufel schreibe ich hier für eine Scheiße….

      Kettenbriefe? Muß ich jetzt ehrlich gesagt passen. Da weiß ich gar nicht, wie man damit Geld verdienen kann. Ich dachte ja eher an die Masche von meinem Lieblingsfascho Karl, mit Erpressung und Stalking Geld einzutreiben. Die einfachsten Methoden sind ja immer die besten.

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  5. derda sagt:

    ey, checkt mal eure chakren. als schamanischer geistheizer kann ich euch energetisch in andere sphären bringen! ruft mich an. 0190-xxx-xxx

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  6. altautonomer sagt:

    Bin momentan leider nicht in der Lage, etwas Sachliches zu posten. Mein Energiefeld wird gestört.

    Wir sehen uns aber demnächst wieder beim gewaltfreien Töpfern unter dem Vollmond auf der Giftmülldeponie.

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  7. Ich dachte, in Berlin gäbe es nur diese Erotikmesse, für die immer unter den Yorckbrücken geworben wird.

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  8. Gibt es überhaupt eine Messe, deren Besuch sich lohnt? Ich finde die ganze Form der Veranstaltung grässlich. Auf einer Buchmesse findet man nie die Ruhe zum Lesen, auf einer Tourismus-Messe kann man nicht das Land verlassen usw.

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  9. … und eine Erotik-, Esoterik- oder Egozentrik-Messe stelle ich mir auch in Sachen Publikum fürchterlich vor.

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    • DasKleineTeilchen sagt:

      exakt.

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    • pantoufle sagt:

      Publikum ist immer fürchterlich; mag sein, daß das einer Erotik-Messe noch eine eigene Qualität darstellt.

      Beruflich bin ich mit Messen durchaus vertraut, sei es als Fachbesucher oder Aussteller. Gerade das allerdings stelle ich mir auf einer Esoterik-Messe äußerst interessant vor.

      Endlich einmal die Großhändler von Prophezeiungen en gros und en détail persönlich kennenlernen! Bei Abnahme von drei Weltuntergängen gibt’s einen Glücksbringer gratis. Habt Ihr eigentlich schon mal überlegt, wie groß die Wirkung von Gesundheitskristallen ist, wenn man nicht nur einen, sondern ein berstend volles Regal der Dingern vor sich hat? Das ist ja geradezu Krebs-Prophylaxe! Oder Masern oder was auch immer.
      Und dann erst Halle 10 mit den Klangtherapien! 1423 Schalen aus geweihter Bronze erzeugen ein Wummern so laut wie ein abstürzender Air-Malaysia-Jet. Nur friedlicher. Ein ganz entspannter Absturz.
      Abends – wenn das Publikum dann endlich raus ist – gibt es im Vergnügungsprogramm fürs Personal lustiges »schnell-prophezeihen« und Exorzisten-Wrestling. Und dann, ganz spät, wenn nur noch ein paar sturzbetrunkene Junior-Manager auf die Auslegeware kotzen, sagt endlich einer das erlösende Wort: «We´re only in it for the money».

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  10. waswegmuss sagt:

    Das ist ja nicht zum aushalten.
    Ich musste mich gleich mal Akkumulieren.(http://www.orgonakkumulator.de/)
    Oder hört einfach nur Musik.

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    • pantoufle sagt:

      zum Video unbedingt das *.gif betrachten. Merke: Orgon-Decke ist nicht gleich Orgon-Decke!

      https://edelfeda.files.wordpress.com/2015/02/blanket1.gif

      Orgon-Akkumulator ist wirklich herzallerliebst! Blechsärge wie Anno ´15. Sind die von einem Seelenschreiner oder vom Oberkommando des Heeres designt?

      edit
      Also ich hab mich da mal durch die Website gewühlt. Das ist ja sowas von Retro – rein gar nicht zum aushalten, das. Und die ganzen Zertifikate von den anderen Irren, mit denen man sich gegenseitig bestätigt, keinen an der Waffel zu haben… Orgon Pferdedecken. Na schön: Dem Gaul wirds gleichgültig sein, was den Regen abhält. Es ist… irgendwie erinnert es an die Pralinentester-Szene von Loriot

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    • pantoufle sagt:

      Man soll ja nicht auf Äußerlichkeiten achten.
      Aber!
      Da findet sich kein Bild, bei dem man wenigstens ungefähr einen Weißabgleich gemacht hat. Macht ja auch nichts, weil 1/3 der Knipserei sowieso mehr oder weniger unscharf ist. Licht beim photographieren ist sowieso völlig überbewertet. Sonne ist immer gut (weil kost ja nix) und gibt so schöne Kontraste. Hauptsache, sie scheint – ganz gleich aus welcher Richtung. Genau wie blitzen mit der eingebauten Lampe – immer schön auf die Lichtachse: Das macht so wunderbare Augenfarben. Schade, daß das Pferd dann eben zombie und nicht glücklich aussieht.
      Und *.GIFs als Produktwerbung sind kaum überzubewerten. Das zuckt und wackelt so schön; vor allem dann, wenn man nicht so große Formate und zu viele Layer verwendet.
      Aber was sind schon Bilder, wenn es um die große Sache geht!

      »Die Orgonprodukte der Fa. Trettin unterliegen den obligatorischen Kriterien, die in der professionellen Orgonomie Standard sind. Der Hersteller durchlief die für Orgonomen obligatorische Orgontherapie, die sicherstellen soll, daß der orgonomisch Arbeitende von irrationalen Bestrebungen befreit ist.«

      Vermutlich um den Kaufpreis niedrig zu halten, spart man sich unabhängige Tests (»was wissen die schon über Orgon?!?!«) und zertifiziert sich gleich selber. Der anfallende Kaufpreis bemißt sich rein am Materialpreis und ist durchaus rational: 1780€ für den Kindersarg ohne Klima, Navi, Aschenbecher und Recaro-Sitz. Fürs Verpacken (ohne Versand) werden 125€ fällig.
      Nicht schlecht für eine mit Weißblech ausgeschlagene Holzkiste von 0,462m³. Mit Vollausstattung darfs dann auch noch etwas mehr sein.

      »Die jahrelange Konstruktion von Orgonakkumulatoren hat uns befähigt dieses Gerät exakt und kostengünstig herzustellen, so dass es den Kriterien des Entdeckers Dr. Wilhelm Reich entspricht.«

      Das nenne ich mal Selbstironie! Hoffentlich teilen die Kunden diesen Humor.

      »…werden speziell in Handarbeit von uns selbst angefertigt und für die spezielle Herstellung benötigen wir eine schriftliche Bestellung sowie eine Anzahlung von 50 % für Materialbeschaffung.«

      Wie es scheint nicht unbedingt. Wie gehen die Geschäfte denn sonst so?

      Offenbar nicht ganz so gut, wie es wünschenswert wäre. Da am Original-Design der reichschen Brutstätte von Glückseligkeit wohl nicht zu schrauben war, macht man eben eine Lehranstalt auf, die potentielle Kunden akademisch zum Kauf animiert.

      »Studium der Orgonomie am Orgoninstitut Deutschland mit Abschluß an einer ausländischen Universität«

      Darunter ein Bild mit den glücklichen Zombies (meint: Die Photoqualität!), nachdem sie ihr Diplom und eine lustige Mütze gewonnen hatten. Aus dem Ausland wohlgemerkt, weil man sich im humorlosen Deutschland diese Art von Akademiker-Ulk verbittet.

      Die Site bewegt sich auf dem schmalen Grad zwischen Schenkelklopfer und Wutausbruch. Da mag man den Begriff »freie Meinungsäußerung« nur noch wie einen Fluch benutzen, so man ihn vor Zähneknirschen überhaupt noch ausspucken mag. Aber wie ich in meinem Text bereits argumentierte: Man kann es (leider) nicht verbieten.

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      • R@iner sagt:

        Jetzt habe ich mir diese Orgon-Seite auch mal angeguckt. Ist schon scharf: Da scheibt einer eine “Dissertation” bei einer “Universität” in Costa Rica. Die Arbeit kann man nicht einsehen, aber man erklärt, dass bei gerichtlichen Auseinandersetzungen jederzeit der wissenschaftliche Nachweis der Orgon-Energie gelänge.
        Hey, und das beste bei all dem kranken Stuss dort: Die Grünen sind auch dabei – Einladung der Bundestagsfraktion der Partei Bündnis 90/Die Grünen zum familienpolitischen Kongress im Bundestag, Paul Löbe Haus Berlin
        Wählt die eigentlich noch jemand?

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        • R@iner sagt:

          p.s. Diese Orgon-Boxen sehen aus wie eine Lego-Variante von Guantánamo. Der von den Betroffenen freiwillig gewählte Aufenthalt in den Einzelhaft-Kabinen mildert meinen Zorn etwas ab.

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          ist von 2007, die effekte lassen sich jedenfalls in meiner nachbarschaft ausgiebig studieren:

          https://edelfeda.wordpress.com/2015/02/14/feinstoffliches-reloaded/comment-page-1/#comment-3708

          und ja, auch schon damals™ zu zeiten der selbsterfahrungsschwemme “östlicher” prägung vor einig vaterland, hat der gute esoteriker, sofern er denn gewählt hat und politisch “interessiert” war, standardmässig grün als einzige option für vertretbar gehalten. weil, die waren mit ihrem programm auch irgendwie “spirituell”.

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          • R@iner sagt:

            die waren mit ihrem programm auch irgendwie “spirituell”

            Oh, ich erkenne gerade mal wieder, dass zwischen manchen Gedanken in der Welt und meinen schon immer unüberbrückbare Verwerfungen herrschten. Ich lasse mich scheiden und will sofort mein Geld zurück.

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        • R@iner sagt:

          Der Artikel auf wikipedia ist wohl auch eher das Erzeugnis von den .. äh .. Fans: Orgon

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      • DasKleineTeilchen sagt:

        weisst du, was mir an dir besonders gefällt pantoufle? man braucht dich nur n *bischen* anzutriggern und ein strom den tag versüssende epische prosa höchsten niveaus ergisst sich in die tiefe des raumes. I fucking love it!

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      • pantoufle sagt:

        @Rainer

        Den Artikel finde ich gar nicht weiter schlimm. Und das beziehe ich nicht explizit darauf, daß er *natürlich* von Fans geschrieben wurde; besser so als von einer uninteressierten Meute mit Copy & Paste zusammengekloppt.

        Was bei der ganzen Geschichte – und eben auch bei der Satireseite mit den Kindersärgen – zu kurz kommt, ist die historische Einordnung von Reichs wissenschaftlicher Arbeit. Wilhelm Reich war ja nicht irgend ein Spinner, sondern ein zu seiner Zeit angesehener Wissenschaftler. Es war das »charismatische Zeitalter« der Psychoanalyse, in der Reich und seine Kollegen arbeiteten. Sigmund Freud war der »Menschheitsbefreier« und »couragierte Advokat einer Ethik gelingenden Selbstseins« (Eli Zaretsky).
        Reichs Ausschluß aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (1934) ist dabei in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Der Kommunist Wilhelm Reich kollidierte nicht allein mit dem Übervater Sigmund Freud über fachliche Details, sondern auch über die politischen Konsequenzen, die die konsequente Anwendung dieser Forschungen auf die Gesellschaft gehabt hätte. Darin wollte man Reich nicht folgen, konnte es auch z.T. auch nicht aus Gründen der persönlichen Sicherheit.
        Reichs »Massenpsychologie des Faschismus« (erschienen 1933) war ein richtungsweisendes Werk zu diesem Thema, der Versuch, die Psychoanalyse aus der Rolle einer grundsätzlich staatstragenden Funktion des Bürgertums zu befreien. (Diesem Grundkonflikts zwischen lebendiger Entfaltung und einer dagegen gerichteten repressiven
        Gesellschaft, vor dessen gesellschaftlichen Folgen Freud selbst zurückschreckte.)

        Das kann man Reich erst einmal nicht nehmen, das ist sein unbestrittenes Verdienst.

        Nun steht Reich mit Ausrissen und Abwegen seiner Arbeit nicht allein in der Wissenschaftsgeschichte da. Ob sich da ein Victor Schauberger als genialer Erbauer von Holzschwemm-Anlagen erwies und den Rest seines Lebens mit der Nichterfindung des Perpetuum mobiles verbrachte oder ein Heisenberg für die Nazis am »Uran-Projekt« arbeitete. Es ist das Dilemma der wissenschaftlichen Revolution, die die Scholastik ablöste: Wissenschaft sollte in die Welt hinausgehen und der Menschheit etwas positives bringen. Dabei sind Irrungen vorprogrammiert. Der Baumeister Christopher Wren erbaute die St. Paul´s Cathedral mittels mittelalterlicher Bauregeln, der Astrologie und ohne statische Kenntnisse. Sie existiert immer noch – aber nicht weil Uranus im ersten Haus stand.

        Wissenschaft ist weit mehr, als die Effizienz von Kühlschränken um 20% zu steigern. Ein Bereich der Wissenschaft – und nicht der unwichtigste – besteht auch darin, mit Irrtümern umzugehen. Die Hirnforschung im 19. Jahrhundert vermaß den Windungsreichtum, das Gewicht und die Asymetrie, um dabei alle Vorurteile dieser Epoche zu bestätigen: Frauen sind dümmer als Männer, Europäer klüger als Afrikaner und die wiederum schlauer als Antilopen.
        Passt doch!
        Trotzdem war diese Fehlentwicklung nicht das Ende der Neurologie. Ob sich das allerdings immer in weiten Kreisen des Publikums herumspricht ist eine andere Sache. Ohne Nicolas-Roland Payen keine Concorde und keine Reichsflugscheiben – dabei hatte Payen nur äußerst unkonventionelle Ideen über Tragflügelformen. Das Publikum nahm sich, was ihm gebrauchenswert erschien.
        Das passiert aus den verschiedensten Gründen. Sei es eine grundsätzliche Wissenschaftsfeindlichkeit (hinter der sich vorzugsweise die Unfähigkeit einfachste Zusammenhänge zu begreifen tarnt) oder Nützlichkeitserwägungen. Auch romantisierende Vorstellungen bestimmter Phänomene können eine Rolle spielen. Die Lebensdauer des sogenannten Luft-Äthers dauerte erheblich länger als seine präzise Widerlegung beim Michelson-Morley-Experiment 1887. Wissenschaftlich obsolet, aber willkommenes Medium eines Heeres von Scharlatanen der verschiedensten Schattierungen bis weit ins zwanzigste Jahrhundert.

        In den letztgenannten Bereich sollte man auch die Kindersärge der Hobby-Tischlerei »Orgon-Institut« Deutschland einordnen. Für sie spricht immerhin das kindlich-trotzige Versprechen, notfalls auch den physikalischen Beweis einer (wie auch immer gearteten) Wirkung anzutreten, die zähneknirschende Unterschrift unter das abendländische Paradigma der Wissenschaft. Das kann man als gute Absichtserklärung deuten, Zeichen einer naiven Unschuld des nicht wissens.
        Der Preis für die Produkte allerdings und die Art der Darreichung lassen allerdings eher auf ein »nicht-wissen-wollen« schließen.
        Und da hört der Spaß dann eben auf.

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        • waswegmuss sagt:

          Zugegebenermaßen kommt jedem entwickelnden Geist ein gewisses Ausmaß an Spinnert sein zugute. Die gedachten Gebäude mal kurz verlassen um mal von draußen zu schauen.
          Zu Werten ist das meines Erachtens nicht – nur es zu Werten machen zu wollen schon.
          Ach, was soll’s. Das Teil ist schließlich aus ganzen Blechen.

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        • DasKleineTeilchen sagt:

          zu reich wollte ich eigentlich auch noch was schreiben, aber da du mir eh zuvorgekommen bist und dein beitrag wesentlich erschöpfender, ausführlicher und sowieso grundsätzlicher…was wollte ich nochmal?

          äh, kind von dir? bitte?

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          • pantoufle sagt:

            Wärst Du sehr sauer, wenn ich Dir sage, daß vier Gören mehr als genug sind? Ist echt nicht persönlich – wirklich nicht! Ich meine, wenn Du unbedingt willst… aber selbst dann…

            Du hast übrigens Post.

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          • DasKleineTeilchen sagt:

            üb-er-hau-pt nich schatz. GARNICH! 😉

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    • pantoufle sagt:

      DIESES IST EIN TEST!

      Beantworten Sie diesen Test nicht und zahlen Sie auch kein Geld an die angegebene Kontonummer.
      Beachten Sie weiterhin, daß zuckerschnuten niemals echte tikerscherke ersetzen können. Auch im Notfall und in Mineralwasser aufgelöst sollte Sie keinesfalls zuckerschnuten Drogen zum Gelderwerb überlassen oder die angehängten Mails aufessen.
      Am besten ignorieren Sie Test und sehen sich in der Zwischenzeit etwas aus der Werbung an:

      DIESES IST EIN TEST!

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  11. Da ziehe ich mir doch gleich meinen Umhang aus echtem Schamanenhaar an und pfeife mir einen Rudolf-Steiner-Gedächtnis-Pilz ein. Vor der Tür steht mein Opel Mantra …

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  12. Hier mal ein kleines Schaubild, wie allein der Gebrauch des Wortes Esoterik seit den 50ern zugenommen hat:
    https://books.google.com/ngrams/graph?content=esoterik&year_start=1950&year_end=2008&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2Cesoterik%3B%2Cc0

    Sowieso ein lustiges Spielzeug g***le Ngrams. Da kannste nach jedem Wort und nach seiner zeitgenössischen Gebräuchlichkeit suchen.

    Herzlichst,
    die Zuckerschnute

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  13. Stony sagt:

    Zeichnen sie Jetzt!

    Kostet nix,
    bringt ein wohliges Wohlgefühl,
    und überrrrhaupt!
    Zeichnen!
    Jetzt!
    Soooforrrt!

    (via burgs)

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      • Stony sagt:

        doch!

        Nee, ich hör auf, das halt ich nicht durch; hab eh schon so ‘nen säuerlichen Geschmack im Rachen und Tischkanten sind teuer. 😉

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        • R@iner sagt:

          Wenn die Menschen nur durch Fehler lernen, warum sollte man sie dann vor der Möglichkeit unbezahlbare Erfahrungen zu machen schützen? Nö, ich finde solche Sender gut und solange keine Petition gegen die Tagesschau läuft, sollen die ruhig auch ihre Scheiße in die Welt strahlen dürfen.

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          • Stony sagt:

            Eben. Mich regt diese ‘Verbotskultur’ auf, dieses “Wir müssen die armen Opfer vor sich selbst beschützen”. Betrüger? Im Kapitalismus? Isses denn die Möglichkeit!?

            Rumdoktorn an Symptomen, wohlfeil und behaglich über’s Netz, eine Minute für das gute Gewissen.

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          • Stony sagt:

            Im Affekt pauschalisiert. thx

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          • DasKleineTeilchen sagt:

            alter rechthaber *seufz*. die erfahrungen, die ich zum weiterkommen in dieser szene gemacht habe, waren tatsächlich unbezahlbar. wenn diese art des lernens nur nicht immer so scheisseanstrengend wäre….

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