Fake news

fenton_m

Nordvietnamesische Schnellboote haben mit einem »absichtsvollen Muster« und »nackter Gewalt« den US-Zerstörer USS Maddox angegriffen.
Lyndon B. Johnson

»Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!«
A.H.

»Die Renten sind sicher!«
Norbert Blüm

»Der Irak könne jederzeit biologische und chemische Waffen an Terroristen geben«
George W. Bush

»Man drückt uns das Schwert in die Hand. Ich hoffe, daß, wenn es nicht in letzter Stunde Meinen Bemühungen gelingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes Hilfe so führen werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können.«
Willhelm II

»Eine besondere Nähe zu Russland haben nur Linke und die AfD« […] »Rot-Rot-Grün wäre für Putin sicher die Wunschkoalition«. Er halte »Fake-News« für eine »große Bedrohung der Demokratie«
Michael Grosse-Brömer (CDU)

Gar nicht so einfach, Wahn und Sinn auseinanderzuhalten.
Während des Burenkriegs (1899–1902) wurden wegen der durch England versuchten Nachrichtensperre sogar nicht existierende Reporter auf die arglosen Leser losgelassen:

»Der Engländer ist nämlich so gebildet, daß er ein förmliches Fieber („Englische Krankheit“) kriegt, wenn er irgendwo ein ungebildetes Stück Land sieht, und dies sofort ins Englische zu übersetzen sucht. Er bedient sich dazu der Dum-Dum-Geschosse, der Torpedos, der Dynamit-Patronen, der kleinkalibrigen Gewehre und und sonstiger moderner Bildungsmittel. Woraus dann die eingeborenen Menschenfresser am leichtesten erkennen, wieviel sie noch zu lernen haben, bevor sie eine zivilisierte Monarchie werden können!«
Fritz Tintenklex (10, hat in der Schule Afrika überhaupt noch nicht gehabt), Ulk, Nr.42, 27.Okt. 1899

Überhaupt boten die Nachrichten während dieses Krieges regelmäßig Gelegenheit, daß Diplomaten der einen oder anderen Seite regelmäßig die Verbreitung von »Fake-News« vorwarfen. Ganz nebenbei zu Recht, da von diesem Mittel ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Die Feindseligkeit der Presse gegenüber England war für den deutschen Kaiser und die englische Krone umso unangenehmer, als für den November ’99 eine vor dem Krieg geplante Reise des Kaisers nach England anstand. Eine Absage wäre einer diplomatischen Ohrfeige gleichgekommen. Wer dabei an das aktuelle Verhältnis der EU zu Russland denkt, liegt vermutlich nicht so sehr daneben.

Also alles gar nicht so neu. Neu ist allerdings, daß die Bundesregierung offenbar tatsächlich die Einrichtung eines Ministeriums für Wahrheit plant.

»Es ist nicht ganz einfach, eine Institution zu schaffen, die sozusagen in Form einer Wahrheitskommission entscheidet, was ist wahr und was nicht.«
Bundesjustizminister Heiko Maas

Das hätte man eigentlich schon viel früher machen sollen – am besten gleich zusammen mit der Erfindung der Druckerpresse. Lebenslänglich für Fritz Tintenklex. Mindestens!

fenton_o

Die beiden Photographien sind von dem berühmten Photographen Roger Fenton und die wahrscheinlich ersten manipulativen Kriegsphotos. Der Krimkrieg einmal mit und einmal ohne Kanonenkugeln.

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35 Kommentare zu Fake news

  1. R@iner sagt:

    Wie es Norbert Blüm in deine Liste schafft, verstehe ich nicht.

  2. Pingback: Feynsinn

  3. OldFart sagt:

    Filmische Umsetzung des Themas „Fake News“: Wag the Dog
    Angesichts dessen, was uns an Schmonzes in den „Nachrichten“ so zugemutet wird, hat man im Film das ein oder andere deja-vu.

    Und *DIE* machen jetzt auf HÜTER DER WAHRHEIT™. Fucking UN*FASS*BAR. Gerade so, als ob es die Stories mit Brutkastenlüge, Hufeisenplan, Massenvernichtungswaffen im Irak, Tonkin-Zwischenfall, Sender Gleiwitz und Emser Depesche nie gegeben hätte, um mal nur ein paar kriegsinitiierend relevante Fake News zu nennen. Von den politischen Alltagslügen („Es wird niemandem schlechter gehen als zuvor – dafür vielen besser.“, „Fachkräftemangel“), die via Presse umfänglich ventiliert werden, mal ganz abgesehen.

    Ich ringe nach Worten, um das ganze Ausmaß dieser aktuellen Dreistigkeit des Bundes aus politischer Klasse und ihren publizierenden Claqueuren angemessen zu würdigen.

    • R@iner sagt:

      Der Grund für einen Krieg ist immer eine Lüge. Ich schätze mal in 115% aller Fälle.

    • Pantoufle sagt:

      @OldFart

      »Ich ringe nach Worten, um das ganze Ausmaß dieser aktuellen Dreistigkeit des Bundes aus politischer Klasse und ihren publizierenden Claqueuren angemessen zu würdigen.«

      Das dürfte vergebliche Liebesmüh sein. Dafür gibt es keine.

      Was die Emser Depesche betrifft, so knirsche ich da etwas mit den Zähnen. Die war ja nicht direkt falsch – eher eine vorweggenommene Facebookmeldung. Einfach den Zusammenhang streichen und den niederen Instinkten etwas zu kauen geben.

      P.S. Und der von uns beiden zitierte Tonkin – »Zwischenfall« war ja gar keiner. Da hat ein nervöser Matrose auf fliegende Fische gefeuert oder unschuldige Walmütter. Eben kein Zwischenfall. Da hatte selbst die Emser Depesche mehr Substanz.

  4. Früher nannte man Fake News einfach Zeitungsenten. Aber gib einem alten Hut einen englischen Namen und man hat mal wieder einen neuen heißen Trend erfunden. Letztlich sind also auch alle Artikel wie z.B. heute in der FAZ über den bösen Russen und seine Hacker wieder nur ein Hype, der aus der Selbstbespiegelung der Medien entsteht, und somit auch Fake – infiniter Regress.

    • OldFart sagt:

      Einspruch. Das ist für mich nicht ganz dasselbe.

      Eine Zeitungsente hat mehr die Konnotation des versehentlich-ins-Klo-greifen. Die wilde Mär eines Spinners für ernst genommen oder den vorgefertigten Bericht zu einem Ereignis gedruckt, was am fraglichen Tage ausfiel, oder sowas. Nehmen wir mal die „Hitler-Tagebücher“ als Beispiel. Also ohne Vorsatz (des Publishers) und oft genug eher lächerlich und blamabel.

      Die jetzt gehypten „Fake News“ tragen den unmißverständlichen Vorwurf des Vorsatzes. Putins Trollhorden mit dem Auftrag, die FREIE WELT™ zu diskreditieren und zu destabilisieren, usw.. Exakt so hat es auch das europäische Parlament vor 2 Wochen als Resolution formuliert. Das traditionelle Sprachpendant dazu wäre eher PSYOP. Psychologische Kriegsführung.

      Deshalb hat das jetzige Geschrei und die Begriffswahl eine andere Qualität als eine einfache Ente früherer Tage und sollte als Kriegsgetrommel verstanden werden.

    • Pantoufle sagt:

      Ente würde ich das auch nicht nennen. Eine Zeitungs-Ente war die Nachricht über den Tod Adenauers (Also die erste Nachricht! Beim zweiten Mal war man vorsichtiger). Aber in dem Augenblick, wo Falsch- oder auch nur stark geschminkte Meldungen unter dem Aspekt politischer Einflußnahme veröffentlicht werden, ist das kein klassische Ente mehr. Man könnte jetzt lange darüber streiten, ob das ein historisch Teil des Journalismus ist, untrennbar mit ihm verbunden, oder eine Art literarischer Krebs. Aber was Matthias meint, ist doch die klassische Gefreitenmeldung: Fast richtig, aber richtig dämlich.
      »Seit 5:45 wird zurückgeschossen!« Das ist keine Ente – sei es so falsch wie es ist. Das ist auf seine ganz eigene Art und Weise nämlich »richtig«. So richtig wie Massenvernichtungswaffen oder Krokodilstränen über einen Weltkrieg.

  5. Duderich sagt:

    Hier eine kurze Zusammenfassung der Fake-News (Lügen) der letzten Jahre, aufgezählt von Oskar Lafontain (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

    „Es ist eine Lüge, dass man die sozialen Sicherungssysteme zerstören muss, um sie zu retten.
    Es ist eine Lüge, dass man die Rente privatisieren muss, um sie zu sichern.
    Es ist eine Lüge, dass man die Löhne drücken muss, um Deutschland wettbewerbsfähig zu machen.
    Es ist eine Lüge, dass man den Erben von Millionen- und sogar Milliarden-Vermögen keine Steuern abverlangen darf, weil sonst Arbeitsplätze verloren gehen würden.
    Es ist eine Lüge, dass man Bomben werfen muss, um Frieden zu schaffen.
    Der „Krieg gegen den Terror“ ist zu einer globalen Lüge geworden, weil gegen Menschenrechte und gegen Völkerrecht Kriege um Rohstoffe und Absatzmärkte geführt werden.
    Es ist eine Lüge, dass wir den Griechen mit vielen Milliarden geholfen haben, wo die Milliarden doch nur zur Rettung der europäischen Banken geflossen sind.
    Es ist eine Lüge, dass wir Ceta und TTIP brauchen, um Arbeitsplätze zu schaffen, wo es doch nur darum geht, den Konzernen im Interesse ihrer Gewinnmaximierung Sonderrechte einzuräumen, mit denen sie demokratische Entscheidungen aushebeln können.“
    Quelle: Nachdenkseiten
    Ursprung: Facebook

  6. Vogel sagt:

    Das muss ja’ma gesacht werden: Nich nur Deine Schreibe hier iss jut; ich mach mir jedesmal -minutenlang- am Bein runter, wenn ich Deinen Blogtitel lese: Schrottpresse (Achtung, jezz kommt’s:) feinfedriger=Qualitätsjournalismus (geht noch, dann: *lol*) Fachblatt für Ackerschlepper, Kleinbildzucht und Damen=Moden *rofl*

    Nachdem die Lachtränen (wieder) trocken sind, lese ich immer Spannendes. Zur Titelfindung gibt’s bestimmt auch ‚was zu berichten??

    PS.: Der Blüm hat recht, kein Fake; Voraussetzung: Generationenvertrag in öffentlicher (nicht privater) Hand!

    • Pantoufle sagt:

      Das ist schön, daß mal jemand darüber lacht. Es gibt leider auch einige, die das bierernst nehmen. Die Geschichte dahinter? Ich wollte mir eine gewisse Spannbreite an Themen offenhalten.

      Das mit Blüm ist korrigiert.

      • Thelonious sagt:

        @vogel: Über die Themen fake und news kann man sich lange unterhalten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das hier der rechte Ort ist. Gerade der Titel dieser selbsternannten Aufklärungsseite offenbart doch, dass der Herausgeber es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Ich sage nur: „Damenmoden“.

        Seit Jahren fordern die Leser der Schrottpresse vehement einen Artikel zum Thema. Und was macht der „feine“ Herr pantoufle? Sich einen schlanken Fuß. Er schweigt. Kein Wort zum Thema. Da nützt es auch nichts, dass er bis vor kurzem eine, zugegebener Maßen prominent platzierte, Anzeige für Korsette aus Walfischgräten auf der Seite hatte. Vermutlich wurde er dafür von der japanischen Walfangindustrie gut bezahlt.

        Ich möchte jetzt gar nicht weiter auf die ethisch eher fragwürdige Rohstoffbeschaffung für das Produkt eingehen. Jeder weiß, dass moderne Materialien wie GFK oder CFK den gleichen Zweck erfüllen, ohne dass dafür diese Tierchen entbeint werden müssen. Aber eine, in Worten eine!1!!, Anzeige in Richtung Mode rechtfertigt nicht die Bezeichnung Fachmagazin. Hier klaffen doch Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

        Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“ In diesem Falle jedoch handelt es sich sogar um einen veritablen Kristallpalast. Das ist doch Klick-Baiting vom Feinsten, wie wir es sonst nur in den Boulevardpostillen, wie zum Beispiel Spon, zum Thema Aleppo finden.

        Kurz und gut, die Redaktion dieser Seite sollte sich endlich mal auf den Hosenboden setzen und das Thema beackern; will sie sich nicht in die Nähe der sogenannten Lügenpresse begeben. Außerdem sollten ruhig auch ein paar explizite Fotos als Anschauungsmaterial veröffentlicht werden.

  7. R@iner sagt:

    Ein Artikel von Stanislaw Lem aus dem Jahr 1997: Labyrinthe der Information

    [..] Ich erfuhr, daß im 22. Jahrhundert Losannien in eine schreckliche Krise geraten ist, die durch die Selbstverdunkelung der Wissenschaft ausgelöst wurde. Zuerst wußte man immer öfter, daß das untersuchte Ereignis mit Sicherheit bereits irgendwann von irgendwem genau untersucht wurde, man wußte nur nicht, wo diese Untersuchungen zu suchen waren. Die wissenschaftliche Spezialisierung zersplitterte sich in exponentieller Progression. Die gravierendste Unpäßlichkeit der Computer – es wurden bereits Megatonnencomputer gebaut – war die sogenannte chronische Informationsverstopfung. Man hat ausgerechnet, daß es in etwa fünfzig Jahren keine anderen Universitätscomputer außer den Spürcomputern mehr geben wird, also solchen, die in den Mikromodulen und Denkmaschinen des ganzen Planeten aufzuspüren suchen, WO, auf welchem Pfad, in welchem Maschinenspeicher die Information über das steckt, was für die aktuellen Forschungen die Schlüsselrolle spielt. Um jahrhundertelangen Nachholbedarf aufzubereiten, entwickelte sich in einem rasanten Tempo die IGNORANTIK, das heißt das Wissen über das aktuelle Unwissen, eine Disziplin, die bis vor kurzem verachtet wurde und die bis zur völligen Ignorierung reichte. Mit der Ignorierung des Unwissens beschäftigte sich ein verwandter Zweig, nämlich die IGNORANTISTIK. Genau zu wissen, was man nicht weiß, bedeutet jedoch, bereits manches über das zukünftige Wissen zu erfahren, wodurch dieser Zweig mit der Futurologie zusammenwuchs. Streckenmesser vermaßen die Länge der Strecke, die ein Suchimpuls zurücklegen mußte, um die gesuchte Information zu erreichen. Und die Strecken waren bereits so lang, daß man auf einen kostbaren Fund durchschnittlich ein halbes Jahr warten mußte, obwohl sich dieser Impuls mit der Lichtgeschwindigkeit bewegte. Sollte sich die Fahndungsroute innerhalb des Labyrinths der Wissensgüter im heutigen Tempo verlängern, hätte die nächste Generation der Spezialisten 15 bis 16 Jahre warten müssen, bevor die mit der Lichtgeschwindigkeit eilende Meute der Fahndungssignale eine vollständige Bibliographie für das beabsichtigte Unternehmen zusammengestellt hätte. [..]

  8. Pingback: Zitat: Wahrheitsminister Heiko Maas | Truth doesn't make a noise

  9. Anna Torus sagt:

    Offensichtlich wurde der Artikel, in dem das Zitat von Heiko Maas zu finden war, inzwischen stark verändert (vor ca. 1, 2 Std?). Das Zitat steht dort nicht mehr, ebenso nicht die Aussagen von Vertretern anderer Parteien.

    • OldFart sagt:

      Weißgott. Praktisch alle Politikerzitate sind da weg. Und das bißchen, was geblieben ist, ist weichgespültes Nullsprech. Echt tabula rasa. Man meint förmlich, Winston Smith im Miniwahr zuzusehen, wie er alte Zeitungsartikel an die neue gewünschte Geschichtsschreibung anpaßt. Denen ist wohl aufgefallen, WIE SEHR sie sich mit diesen Sprüchen demaskiert haben.

      Im Google Cache ist das Original nicht. Hat das wer beweissicher archiviert? Als PDF und/oder vollständiger Screenshot? Und könnte das verfügbar machen? Diese rückwirkende „Korrektur“ der Geschichte (aka Beweisvernichtung) hätte ich gerne zur Hand, wenn mal wieder wer von glaubwürdiger, seriöser, integerer und als Referenz tauglicher Qualitätspresse schwadroniert.

      Ich schätze, dem Hausherrn käme ein Backup des Originals auch gelegen, denn es ist nicht nett, wenn man einer Besprechung wie hier oder auch andernorts das Objekt der Kritik unterm Arsch wegredigiert – und genau darum geht es wohl mit der Aktion.

  10. waswegmuss sagt:

    Ich glaube die erste Fake-News war so Etwas mit einer Schlange und einem Apfel (wahrscheinlich Zitrone).
    Und schalte aus Zeitmangel um zu Sylvain Timsit. Als Kurzfassung bei: https://le-bohemien.net/2011/06/16/10-strategien-die-gesellschaft-zu-manipulieren/
    Die gibt es auch noch mal auf Heise. Möglicherweise war Chomski der Author. https://www.heise.de/tp/features/10-Strategien-der-Manipulation-revisited-3400057.html
    Weitere?

  11. waswegmuss sagt:

    Übrigens. Ist das euch auch schon aufgefallen: Je stärker dieser Trump seine Faust ballt, desto größer macht die Merkel ihre Raute.

  12. epikur sagt:

    Schöne Auflistung! Auch die Ergänzung vom Duderich bzw. den Nachdenkseiten. Ich speicher mir das mal ab, falls mal wieder jemand mit diesem völlig bekloppten „Fake News“ Argument daher kommen sollte 😉

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