"Einer muß der Bluthund werden“

Lange nicht mehr verliehen – selten war er verdienter. Der Noske des Monats geht an … unerträgliche Spannung, feuchte Erregung: Thomas de Maizière!

(Auszug aus der Laudatio der Schrottpresse) Der Bundesverteidigungsminister hat sich unerschrocken über sämtliche geschichtlichen Erfahrungen hinweggesetzt und dem Deutschen Volk deutlich gemacht, wo er und seinesgleichen den Feind sehen, gegen den die Bundeswehr neben brunnenbauerischen Tätigkeiten am Hindukusch ebenfalls dringend eingesetzt werden muß. Gegen den Gegner im eigenen Land! Das schon verlorengengangene Vertrauen in die Sicherheit Deutschlands und seiner Behörden ist restlos wieder hergestellt.

(Das Protokoll verzeichnete langanhaltenden Applaus).

Tief im Herzen ist er wohl immer Innenminister geblieben.

Wie sich langsam herausstellt, gibt es seit dem 16.6.2012 wieder „regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr). Darunter versteht man Bundeswehr-Verbände, die u.A. für die Sicherung militärischer Objekte oder beim „inneren Notstand“ – wenn Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung besteht – gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden sollen.

Kai von Appen schreibt in der Onlineausgabe der TAZ vom 10.8.12:

„Nach einer Generalklausel der Europäischen Union könnte der Amtshilfe-Einsatz auch beim politischen Generalstreik gegen Versorgungseinrichtungen, gewaltsamen Massenprotesten, sozialen Unruhen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsam durch Streiks und/oder Straßenblockaden im Transport- und Energie- oder Gesundheitswesen möglich sein.“

Erstaunlich an der Meldung ist vor allem, daß es so lange unentdeckt blieb. Im Forum bundeswehr-community.info wurden diese Gerüchte bereits im November 2010 diskutiert, seit Juni diesen Jahres gibt es den ersten Verband in Bremen, der im Beisein des Bundesverteidigungsministers in Dienst gestellt wurde. Die RSUKr – oder, um diese Abkürzung auf den Punkt zu bringen: Bürgerkriegsarmee – ist Nachfolger der sogenannten Heimatschutzbataillone, die 2007 aufgelöst wurden.

Wie aus der Internetpräsenz Reservistenverband.de zu erfahren ist, war der jetzige Kommandeur des Bremer Landeskommandos, Hauptmann Dr. Stephan Leupold, bereits seit 5 Jahren mit einem „Modellversuch“ beschäftigt, der „in mehreren Bundesländern erfolgreich umgesetzt werden konnte und bei der Bundeswehr äußerst positiv zur Kenntnis genommen worden war.“ Dieser nicht genauer beschriebene Modellversuch scheint sich mit dem Zusammenspiel von Militär und Polizei, THW, Feuerwehr, Rotes Kreuz ect. beschäftigt zu haben… die Innenminister der Länder werden es genauer wissen. Ein wenig Aufschluß gibt das PDF-Dokument des Bundesverteidigungsministeriums “Fragen und Antworten zum  RSUKr“. Besonders amüsant erscheint der Schrottpresse Punkt 14, der besagt, daß man nicht zwingend gedienter Soldat gewesen sein muß. Man nimmt gerne auch Zivilisten, die nach kurzer Ausbildung mitmachen dürfen – eine echte Bürgerwehr!
Im Westen nichts Neues, könnte man sagen. Kaum hatte man die Heimatschutzbataillone zu Recht 2007 in den Orkus der Geschichte geschoben, wurde an der Nachfolge gearbeitet. Es beruhigt zu sehen, daß der deutsche Soldat nicht so leicht aufgibt.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Das klassische Bedrohungsszenario des kalten Krieges existiert nicht mehr – wenn es überhaupt jemals existiert hat. Es gibt keine nachvollziehbare Situation, bei dem der Einmarsch einer feindlichen Macht auf das Gebiet der Bundesrepublik denkbar ist. Diese jetzt aufgestellten Verbände (das Hauptkontingent soll 2013 folgen) haben nur einen vorgesehenen Gegner: Das eigene Volk. Daß es für den Einsatz dieser Bürgerkriegsarmee gegen die “Feinde” der freiheitlich-demokratische Grundordnung einer zwei-drittel-Mehrheit im Bundestag bedarf, beruhigt da wenig. Sollte es zu einer Situation kommen, daß man DIE LINKE mit irgend einem Mittel am Betreten des Bundestages hindert, könnte dieser Fall überraschend schnell eintreten.

Kein vernünftiger Mensch wird sich gegen den Einsatz der Bundeswehr im „Inneren“ verweigern, wenn es zu Situationen wie bei der Sturmflut 1962 kommt. Scheiß auf das Grundgesetz: Da brechen die Deiche und die Jungs hatten Bergepanzer und Hubschrauber. Ran damit. Man wird dieses Argument auch wieder aus der Mottenkiste ziehen – das ist sicher. Statt das Geld aber in den Deichbau zu stecken, denkt man scheinbar weiter. Der neue Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen versprach bei seiner Amtseinführung Reformen und Transparenz, „verlorenes Vertrauen“ in die Sicherheitsbehörden wiederzugewinnen. Und Wehe, das Volk hat kein Vertrauen!

Unterstützt wird er dabei tatkräftig mit vertrauensbildenden Maßnahmen von seinem Kollegen Thomas de Maizière.

Die TAZ schreibt dazu: LINK

[Titel] Das Zitat “Einer muß der Bluthund werden” wird so oder so ähnlich Gustav Noske zugeschrieben. Noske (SPD) war als Reichswehrminister maßgeblich für die blutigen Niederschlagung  der Berliner Märzkämpfe, der Räterepubliken in München und Bremen und des Spartakusaufstandes verantwortlich.

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0 Kommentare zu "Einer muß der Bluthund werden“

  1. Der Emil sagt:

    HA! Bundesweite Einführung der Kampfgruppen fordere ich! Wußt ich’s doch, hab ich doch selbst erlebt, daß nicht alles schlecht war in unserer Deutschen Demokratischen Republik!

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  2. pantoufle sagt:

    Betriebskampfgruppen sind in der BRD verboten, Emil! Das solltest Du jetzt aber echt wissen… echt jetzt! Kampfgruppen der Arbeiterklasse sind ausdrücklich unerwünscht. Sie verstoßen – und seien sie nur mit Luftgewehren oder Mistforken bewaffnet – gegen die Interessen der Märkte® und der demokratisch gewählten Volksvertreter.
    Ausserdem – und das solltest Du auch wissen! – gibt es gar keine Proletarier mehr. Die heißen jetzt Angestellte und HartzIV-Empfänger. Da im HartzIV-Regelsatz der Posten “Bewaffnung” nicht auftaucht, Mistforken und Pechfackeln steuerlich nicht absetzbar sind, kann es aus rein organisatorischen Gründen gar keine Betreibskampfgruppen mehr geben.
    Und damit auch gar keiner auf die Idee kommt, daß das auch anders sein könnte, gibt es jetzt die RSUKr.

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  3. FF sagt:

    Jawoll! Verleihung “Noske des Monats” erfolgreich abgeschlossen! Augen geraaaade aus! Rühren, wegtreten!

    Erwähnen könnte man vielleicht noch, daß der solcherart Geehrte dieser Tage geruhte, den zweitberühmtesten deutschen Oberst aller Zeiten, Herrn Klein (aka “Kunduz-Klein”) zum Brigadegeneral zu befördern.

    PS.: Das könnte sogar für den “Noske mit Eichenlaub und Schwertern” reichen. 😉

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    • pantoufle sagt:

      Moin FF
      Schön, Sie mal wieder zu lesen. Schließe mich Ihrer Schlussfolgerung vorbehaltlos an – werde zu Hause Ihre einwandfreie Haltung rühmend zu ehren wissen.
      Rühren!
      Wenn der erste Bronze-Krieger wieder schnüffelnd über den Grabenrand lugt – dem Feinde entgegen, von Jungfrauen umschmeichelt und Wasser begossen (Achtung: Kein Trinkwasser!); dieses Denkmal – eingeweiht vom besagtem Brigadegeneral – dem deutschesten Landser gewidmet für seinen asymetrischen Kampf um das schwarze Gold … ja, ja: habe damals selber viel Öl vergossen… unvergessliche Zeiten das! …
      dann
      gips die Brillis zum goldenen Eichelaub am Strick, an dem sich diese Herren bitteschön selber aufhängen dürfen.

      Wie wir gerade aus der mobiltelephonfreien Zone des Bundesverfassungsgerichtes hören dürfen, ist diese Grundgesetzänderung auch noch ohne jegliche Beteiligung der sogenannten Volksvertreter über die Bühne gegangen. Nicht, daß ich mir irgend etwas davon versprochen hätte, aber Gustav Noske hatte jedenfalls noch soviel Mumm, mit seinem eigenen Namen für seine Verbrechen zu zeichnen. Ganoven-Ehre, aber wenigstens Ehre.
      Wie tief sind wir gesunken…

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