Eigentlich wollte ich noch antworten

93292426

…wollte ich gerade antworten – kommt da doch ein Schaf zur Tür herein: »Bin ich hier richtig? Habt Ihr noch ein Fach in der Tiefkühltruhe frei?« Hamwa natürlich. Biologisch abbaubares Schaf immer! Sieht gut aus, das Tier und immer etwas Lamm, wenn einem danach ist.

Abschweifung.

Mir läuft die Zeit davon. Morgen fahre ich mal wieder für ein paar Wochen davon, eine etwas größere Produktion – eine, auf die ich mich aus verschiedenen Gründen schon seit längerer Zeit freue. Dann werde ich erst mal etwas weniger Zeit haben oder auch gar keine. Man wird sehen. Die Gemeinderatssitzung von gestern Abend soll aber noch Thema werden, wenn auch nicht heute: Insgesamt sehr erfreulich; soviel darf verraten werden.

Und wo wir gerade bei Flüchtlingen sind (worum es in der Ratssitzung unseres kleinen Dorfes ging): Friedrich Küppersbusch zum selben Thema, nur natürlich aus der ganz, ganz großen Politik.

Zwei Meldungen fielen auch wie Balken ins Auge des Betrachters. In Braunschweig darf nicht an die Judenpogrome vor 77 Jahren gedacht werden. Jedenfalls nicht vor dem Rathaus. Die Rechtsradikalen waren schneller und können statt dessen an diesem Tag ihren Bragida-Aufmarsch genau dort zelebrieren. Es gibt da wohl so ein Erstanmelder-Privileg, daß dies ermöglicht. Nicht ganz eine Stunde bei der Anmeldung setzen die Zeichen.
So etwas nennt man wohl »fatales Signal«. Ob nun fatal, aus Versehen oder mit offenen Augen: Es wird auch ein Zeichen sein. Soviel politische Instinktlosigkeit kann kein Versehen sein, kein Beamtenschlaf.

»„Bragida“ erwartet 300 Teilnehmer, das „Bündnis gegen Rechts“ 500. „Die polizeiliche Gefahrenprognose hat ergeben, dass die zeitgleiche beziehungsweise zeitlich nahe Durchführung der Versammlungen in räumlicher Nähe auf dem Platz der Deutschen Einheit nicht möglich ist, ohne dass grobe Störungen der Versammlungen oder gewalttätige Auseinandersetzungen zu erwarten wären“, erläutert Ordnungsdezernent Claus Ruppert. „Uns ist bewusst, dass die Frage, wer am 9. November wo demonstriert, politisch emotional diskutiert wird. Die Stadt Braunschweig als Versammlungsbehörde muss sich indes bei ihrem Handeln an Recht und Gesetz halten. Sie sieht deshalb zu den getroffenen Entscheidungen keine rechtssichere Alternative.“

Braunschweiger Verwaltungsnachrichten

Dazu passt eine Nachricht des Spiegels:

»Es gibt kein Gesetz, das von Deutschland verlangt, diese Flüchtlinge aufzunehmen. Schon das Wort Flüchtling ist in dem Fall ein merkwürdig unpassender Begriff. Bei den Einreisenden handelt sich ausnahmslos um Menschen, die von einem sicheren Ort in Europa an einen anderen umsiedeln wollen, ohne dass sie für die legale Einreise über die erforderlichen Dokumente verfügen. Keine Ahnung, wie derzeit die Lage in Linz, Wien oder Graz ist, aber das Wesen von “Flucht” ist normalerweise, dass man sich Umständen entzieht, die allgemein als unmenschlich gelten.
[…]
Die Ostgrenze der EU ist rund 6000 Kilometer lang, sie verläuft an Russland entlang, über Weißrussland und die Ukraine bis zur Republik Moldau. Hinzu kommt die Grenze zur Türkei. Wer sagt, eine solche Strecke lasse sich nicht sichern, will nicht wissen, was geht. Die Ungarn haben nicht einmal drei Monate gebraucht, um mit einem Zaun ihr Land nach Serbien hin abzuriegeln, und das ganz ohne Hilfe aus Brüssel. Der Grenzzaun, den Israel zum Westjordanland hin errichtet hat, ist 750 Kilometer lang. Die Sperranlage, die die USA von Mexiko trennt, erstreckt sich über mehr als 1000 Kilometer, und es ist absehbar, dass es dabei nicht bleiben wird.«

Aus der SpOn-Rubrik »Das wird man ja wohl noch sagen dürfen«

Der Autor dieser Zeilen läßt auffälligerweise das Thema Schießbefehl links (bzw. rechts) liegen. Vermutlich aufgrund seiner Evidenz.

… à propos den Flüchtlingsstrom stoppen: »Wir brauchen eine robuste Beratung«. Kenner des neudeutschen Kopfgeldjäger-Dialektes erkennen sofort die oliv-grüne Quelle solcher Zitate. Der Bundeswehrgeneral Domröse will das sicher nur als Vorschlag verstanden wissen. Man sollte das Engagement in Afghanistan »noch einmal neu überdenken«.
Dagegen spricht allerdings, daß man nicht den ersten Schritt vor dem zweiten machen sollte. Und der erste sollte sein, eine passende Neusprech-Regelung für den Begriff »totale Niederlage« zu formulieren.

»Mein Antrieb ist Empörung«. Max Uthoff im Gespräch mit Jürgen Roth bei Konkret.

»
J.R.
Das hat mit Gerhard Schröder begonnen. Er war der große Meister des politischen Designs.

M.U.
Schröder, Hans-Werner Sinn, Arbeiterkind. Zitat Hans-Werner Sinn: „Ich bin das sprichwörtliche Arbeiterkind, das es geschafft hat.“ War es Bourdieu, der gesagt hat, dass man seiner Klasse nicht entkommen, sondern sie nur verraten kann? Es hat einen charismatischen Superverräter gebraucht wie Gerhard Schröder. Er ist als Verräter der Arbeiterklasse ein Superverräter. Der müsste einen Anzug tragen mit einem großen V drauf, so ein Kostüm.«

Und noch viele weiter schöne Statements.

Was wohl ihr Antrieb ist? Hinsehen. Die Katastrophenchronistin schreibt »die Antilope«. Das ist im Moment wohl entscheidend.

Nicht wegsehen.

0
Dieser Beitrag wurde unter Bildungsfernsehen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu Eigentlich wollte ich noch antworten

  1. tikerscherk sagt:

    Danke, danke, für Link und Bild.
    In welcher Ecke der Republik wirst Du denn als nächstes unterwegs sein? Kölle? Berlin?
    Meld Dich mal, wenn in der Gegend und in der Zeit usw…

    0

  2. Joachim sagt:

    Zu: “Es gibt kein Gesetz…”

    es gibt aber das Grundgesetz, dass zwar sicher am 30. Juni 1993 um um einiges defekter gemacht wurde, doch das klar sagt: Politisch verfolgte genießen Asylrecht.

    Falls Flüchtlinge aus Europa einreisen, muss gelten, dass die
    “Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist”.

    Das ist in europäischen Flüchtlingslagern definitiv nicht mehr der Fall. Folglich gibt es durchaus ein Gesetz, dass diesen Flüchtlingen Asyl gewährt.

    So ist also die Lage in Europa.

    Aba wir können das nicht schaffen? Heute im Radio: 80Mio Einwohner, 1Mio (sagen wir mal) Flüchtlinge. Jeder 80’te nimmt einen Flüchtling auf. Soweit die Frau am Telefon im Radio.
    Natürlich könnte auch jeder 160’te eine Mutter mit Kind der jeder 320’te eine kleine Familie aufnehmen. Und dann könnte man ja auch einmal an sozialen Wohnungsbau denken. Und man könnte fragen, was diese Konzentrationslager kosten sollen, die die CDU da bauen will?

    Fleischhauer, der übrigens keine Nachrichten sondern eine Kolumne schreibt, hat einfach Angst, hat keine Phantasie, schreibt oft genug egozentrisch und übel gelaunt. Seine Ängste will der uns ein impfen. Was erwartest Du?

    0

  3. Fluchtwagenfahrer sagt:

    Lieber Pantoufle, auch von mir danke für den Link zu Hr. Uthoff, schätze ich auch sehr.
    Zu Fleischhauer: no comment oder doch, einfach nur irre der Mann.
    Zum General: Na die Brücke, Kampf gegen Talib und Flüchtlingsstrom aus Afghanistan iss a Little bit wackelig. Das verleugnen eines gescheiterten Projektes, wie die Intervention DEU in Afgh. ist allerdings politisch verortet. Der Gen. ist hier wie der Rest, nur ausführendes Organ/Fußvolk. Die absolute Sinnlosigkeit dieses Unterfangens abzumildern und vielleicht einen Restsinn zu stiften ist wohl seine Intension. Nachvollziehbar aber irrelevant. Da waren die Sowjets wesentlich ehrlicher nach ihrer gescheiteren Mission.
    Viel Spaß auf der Klasse(n)fahrt und komm gesund wieder.
    Ein nicht oliv, nicht grau sondern BLAU

    0

  4. da]v[ax sagt:

    Das Bild ist der Hammer.

    0

  5. pantoufle sagt:

    @Fluchtwagenfahrer
    Der General ist General der Bundeswehr. Der kann in einem stillen Brieflein seine Meinung der vorgesetzten Ministerin vortragen – aber nicht mehr. Die Zeiten, wo Offiziere der Reichswehr oder die des Kaisers sich in die Politik mischen, sind vorbei. Fußvolk: Genau das!

    @Joachim
    …ist eine Kolumne? Sehen wir es mal so: Nur gesetzt den Fall, Rudolf Augstein würde noch das große Büro in der obersten Etage bewohnen. Dann hätte dieser Schmierfink aus dem Feuilleton nicht einmal genug Zeit gehabt, seinen Kugelschreiber einzustecken, so schnell, wie man ihn vor die Türe getreten hätte.
    Außerdem schreibt Fleischhauer im Spiegel deutlich mehr als diese Sudelseite. Man darf also davon ausgehen, daß die politische Meinung dieser Pegidia-Sprech in der Redaktion von irgend jemandem geteilt wird.

    Der Rohrkrepierer der Demokratie.

    0

    • Joachim sagt:

      Korrekt (ups, bitte übersetzen mit: ich bin auch dieser Meinung und halte sie für wahr).

      Trotzdem ist Fleischhauer eine Kunstfigur. So “konservativ” sind nicht einmal “Konservative”. Für mich ist der echt “gut”. Man sieht, wie Neusprech geht, wie Tatsachen verdreht werden, gar gelogen und dennoch alles als das “Heil” dargestellt wird. Wäre es so, wie Fleischhauer schreibt, dann … würden wir hier nicht diskutieren. Vermutlich wären wir längst eingesperrt.

      Man wird sensibilisiert. Das ist ein Kurs in Medienkompetenz.

      0

    • Fluchtwagenfahrer sagt:

      Moin Pantoufle, das sehe ich anders. Erstens ist der General genauso Staatsbürger wie du und ich, mit nahezu denselben Grundrechten. Zweitens ist der General und auch seine Befehlsempfänger Bestandteil der/dieser Politik. Und ich glaube, nein ich bin mir sicher das du auch von den Männern (Offz) der Wiederstandes gehört hast. Die gab es und wird es immer geben. Viele hochrangige Offz. rieten damals von diesem widersinnigen Abenteuer Afgh. ab.
      Guten Morgen

      0

      • pantoufle sagt:

        Durchaus richtig, was Du einwendest. Aber: Es gibt aus historisch leicht nachvollziehbaren Gründen Vorschriften darüber, daß sich der uniformierte Soldat aus politischen Dingen und Veranstaltungen herauszuhalten hat. Der uniformierte wohlgemerkt – in Zivil ist er dann wieder normaler Staatsbürger und kann sagen, was er will.
        Und das ist für mich auch erst einmal einleuchtend. Wenn er wirklich was zu sagen hat, braucht das als Untermauerung sicher keine Uniform.
        Da gibt es außerdem ziemlich klare Vorschriften. Etwas auf die Schnelle, weil ich im Aufbruch bin…ich muß jetzt echt los 😀

        0

  6. hlimglück sagt:

    Meine Antwort ist hoffentlich nicht so hirnlos, wie ihr Verweis auf einen Herrn Duden: Daß sie nur etwas machen, ist so hirnlos und dumm wie Ihre Aussage: ICH bin hier der Admin (Jüngelchen!). – Ich bin. Wer? SIE MACHEN. (Aber Ich bin?)

    0

    • pantoufle sagt:

      Meine Antwort ist hoffentlich nicht so hirnlos , wie (I)hr Verweis auf einen Herrn Duden: Daß (S)ie nur etwas [was?]machen, ist so hirnlos und dumm wie Ihre Aussage: ICH Ich bin hier der Admin (Jüngelchen!) [Oben in den Fünfzigern]. – Ich bin. Wer? SIE MACHEN. (Aber Ich bin?)

      In medias res: Es scheint so, daß die von mir verlinkte Seite »Deutschland sucht den Superstar« offenbar zwei Klicks abbekommen hat – das scheint die monatliche Statistik um 400% aufgewertet zu haben.
      Nein, keinen Dank – da ja man nich für! Das tat ich gerne, meine Leser haben Humor und können lesen und schreiben; Thor sei Dank!
      Und wenn Du Deinen Rausch ausgeschlafen hast, darfst Du auch gerne wiederkommen. Hier gibt’s tolle Sachen wie Sozialismus, Demokratie, Meinungsfreiheit (…na ja: Vielleicht solltest Du Dich da besser an Joachim wenden oder Thelonious) und Maschinen.

      Warst Du eigentlich derjenige, der »Ein Dreckstürke hat keine Deutsche zu beleidigen.« geschrieben hat? Dann könnte sich das mit der Meinungsfreiheit als ziemlich kurzes Abenteuer herausstellen.

      Schlaf schön.

      (Aha: Hat das Impressum gelesen. Oder jedenfalls angeklickt. Und einen Schriftkundigen gerufen, der es übersetzt)

      0

  7. hlimglück sagt:

    Der Kommentar macht mir deutlich, daß viele mehr wissen, als erlaubt ist. Nach Peter Altenberg jedoch soll Verfolgungswahn ein Anzeichen von Genialität sein. Den Rest kann man weiter denken…(?) Mein Rausch ist meins. Ich finde es daneben, daß dudiesessie so herumfaselst und mich anrempelt. ICH ( DUDEN) bin jemand! Lassen Sie meinen Rausch beiseite. Du Hirnzwerg (Entschuldigung!). Was wollte ich sagen? Denn gott ist wahrscheinlich nicht mit DIR. Nein, voll peinlich! (Rausch, Rausch!). Hihi. Was wollte ich sagen? Du lenkst ab. UND DU WEIST ES. Ich herr – Du Knecht. Wer ist dein Herr?

    0

  8. pantoufle sagt:

    »Wer ist dein Herr?«
    Der Arsch ist noch nicht geboren und nun ist hier Ruhe

    [könnte natürlich auch die wandelnde Asservatenkammer aus dem Hinterwald gewesen sein…what ever! Sollte der noch mal hier rumrandalieren, ruft mich bitte jemand an – oder die Katze löscht das bitte]

    0

  9. pantoufle sagt:

    …gehn wa was essen?

    »Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.«
    Darth Vader

    0

  10. Joachim sagt:

    Was ist eigentlich an einem Dienstmagdsöhnchen so schlecht? Besser als ein “Nazisöhnchen” ist das allemal. Was an dem Begriff “Reich” problematisch ist, das ist allerdings unbestritten. Mir scheint, der Adressat “unserer” Beschwerden bist Du und nicht Gott. Und wer hier wem auf den Wecker geht, das lass ich mal dahin gestellt.

    Anders gesagt: gibt es irgend eine konkrete oder auch nur irgendwie brauchbare Aussage von Dir? Nicht? Dann geh einfach weg.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *