Duisburger Wespennest

Kampfhund Oskar (der aus dem Schrottpresselogo) und ich haben uns gestern Abend einigermaßen blöde ins Auge, das triefende, gesehen und uns gefragt, ob wir bei der Unterstützung der Partei „der Linken“ gegen Fleischhauer nicht vielleicht etwas ins Fettnäpfchen getreten sind.

Bevor der Artikel „Die Linke = RAF + NPD“ entstand, habe ich nichts über über die Vorgänge in Duisburg von dem rechtsradikalen, antisemitischen Flugblatt gewusst, was dort auf einem Server bei der Partei „Die Linke“ herumflog. …. „Was? Das hat Du nicht gewusst?? Weiß doch jeder – liest Du denn überhaupt nichts?? …

Nein, wusste ich nicht! Da habe ich gepennt und versuche erst jetzt gerade, mir da ein klareres Bild zu verschaffen! Ich hatte dieses Logo von der fraglichen Schmiererei zwar irgendwo schon mal gesehen, es aber nicht im Zusammenhang mit den Linken wahrgenommen – versuchte man, bei jeder Nazischmiererei den Hintergrund zu erfahren, käme man nicht mehr zum Essen, geschweige denn zum Arbeiten.

Nun habe ich die äußerst knappe Zeit, die mir im Moment verbleibt, dazu genutzt, etwas mehr über die unselige Geschichte zu erfahren. Schlauer bin ich aber immer noch nicht. Ausgangspunkt scheint wohl ein Artikel der Ruhrbarone zu sein, in dem immerhin behauptet wird, das „Die Linkspartei in Duisburg ist eine Brutstätte des Antisemitismus“ sei und man wegen des Flugblattes Strafanzeige gestellt hat. Zu recht, wie ich meine: Das hätte wohl jeder getan. Die Formulierung „ Brutstätte des Antisemitismus“ ist recht angriffslustig formuliert, aber das ist bei dem Vorwurf verständlich.

Die Reaktion der Linken bestand wohl darin, dem Vorwurf (in diesem Fall dem Link) nachzugehen, ihn vom Server zu löschen und sich öffentlich davon zu distanzieren.
So weit, so gut! Das sich die etablierten Parteien diese Steilvorlage nicht entgehen ließen, um die Partei „Die Linke“ zu einem möglichst werbewirksamen Widerruf zu zwingen, ist aus Sicht des deutschen Politkabaretts zumindest naheliegend.

Welche Substanz ist aber nun tatsächlich an den Vorwürfen? Ich sagte es schon: Ich will es aus den vorliegenden Informationen nicht beurteilen. Antisemitisches oder rassistisches Gedankengut wird man bei jeder Partei irgendwo finden: Die Dummheit stirbt zuletzt. Manche Parteien halten sich solche Ikonen der Abwegigkeit ja sehenden Auges wie die SPD ihr Maskottchen Sarrazin. Das ist wohl eher eine Frage der Statistik, wo und wann man fündig wird.

Ich will an dieser Stelle auch gar nicht weiter darüber spekulieren, sondern auf eine lange, ausführlichen Gegendarstellung Hermann Dierkes von der Partei „Die Linke“ kommen, die ich in weiten Teilen für äußerst fragwürdig halte. Der erste Teil beschäftigt sich noch halbwegs realistisch mit den Vorgängen und kann durchaus plausibel machen, wie die Partei auf die Vorgänge reagiert hat.

Dann aber gehen Herrn Dierkes die Pferde durch und er haut blind vor Wut um sich. Einige Auszüge:

„Ich appelliere nachdrücklich an die verantwortlichen Redakteure, sich in ihrer Berichterstattung stets an die Grundsätze des seriösen und fairen Journalismus zu halten. Ist es wirklich mit journalistischer Sorgfaltspflicht vereinbar, die Kampagnen und Verleumdungen der Ruhrbarone und anderer dubioser Internetseiten und Blogger aufzugreifen, aus diesen vergifteten Quellen zu schöpfen?“

„Doch darum geht es den „Ruhrbaronen“ – und ihren Geistesverwandten bei den Duisburger XtraNews – im Unterschied zu seriösen Journalisten, die die Grundsätze fairen Journalismus hochhalten – überhaupt nicht. Diese im normalen Berufsleben vielfach gescheiterten Existenzen (z.Tl. ehemalige Mitarbeiter der TAZ Ruhr) und ihre Schreiberlinge – darunter ein verurteilter Straftäter, die seinen Namen gewechselt hat – wollen skandalisieren und politischen Schaden zufügen.“

„Die Ruhrbarone haben ihren Titel zurecht gewählt: Ruhrbarone – die klassischen Herren von Stahl und Eisen, Rüstungsschmieden und Schachtanlagen – sind seit den Zeiten der alten Arbeiterbewegung immer gegen die Linke gewesen – stockkonservativ bis reaktionär. Etliche von ihnen haben schon früh Hitler und seine NSdAP finanziert und die allermeisten waren nach der „Machtergreifung“ der Nazis die großen Profiteure von der Zerschlagung der Gewerkschaften, der parlamentarischen Demokratie, von Zwangsarbeit, Eroberungskrieg und Völkermord an den Juden.“

Herr Dierkes: Willkommen im 21. Jahrhundert! Es gibt das WWW, Blogger und dubiose Internetseiten wie die berühmte „Schrottpresse“! Damit werden Sie leider leben müssen! Manchmal sind die sogar auf Ihrer Seite, Sie Hirsch!

Der von Ihnen geforderten „Qualitätsjournalismus“ ist in den hier zitierten Auszügen nur noch hinter dunklen Wolken erkennbar – das Andere, was da steht, ist zum großen Teil um keinen Deut besser! Sie machen es einem wahrhaftig nicht leicht, sie zu unterstützen oder auch nur zu verstehen.

Um es kurz zu machen: Ihr offener Brief, mit dem Sie sich erklären wollten, ist gefrorener Mist!

Soweit dazu!

Ich habe an meinem letzten Artikel über Fleischhauer und die durchsichtigen Gründe, den Linken Antisemitismus zu unterstellen, nichts hinzuzufügen oder zu streichen. Nicht zum jetzigen Zeitpunkt und auch nicht unter dem Aspekt medialer Dinosaurier wie Hermann Dierkes. Auch die Vorgänge in Duisburg – egal, wo da die Wahrheit ihren Tiefschlaf hält – ändern daran vorläufig nichts.

Die Schrottpresse glaubt daran, das es Linke gibt, die nicht in der Tradition der RAF stehen, Antisemiten oder Stasioffizier sind! Wir glauben daran, das es Linke gibt, die aus dieser Welt einen besser Ort machen wollen! Manche von ihnen sind bedauerlicherweise gezwungen, sich aus praktischen Gründen in der Partei „Die Linke“ zu organisieren..

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0 Kommentare zu Duisburger Wespennest

  1. der_emil sagt:

    Hey – mal ganz altväterlich gesprochen:

    Die Fehler eines Anderen rechtfertigen nicht die eigenen Fehler. Und es ist die Summe, die be- und gewertet werden sollte …

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  2. rauskucker sagt:

    Für mich ist die Schwierigkeit andersrum: hab das neulich recht intensiv verfolgt (auch in der jw), aber nicht aktuell greifbar, also alles aus der Erinnerung.

    Zunächst eine wichtige Info: nach meiner Erinnerung hat (auch) die Linke selber eine Anzeige gegen die Urheber des Textes erstattet, nicht nur „…man …“
    Hast du den Text gelesen? Er war eine ganze Weile noch verfügbar, k.A. ob immer noch. Kann ihn dir bei Bedarf mailen. Interessant daran fand ich, daß die ersten vier Fünftel eine harsche antizionistische Kritik darstellen, die man als Linker und Antirassist ohne Weiteres unterschreiben kann. Jede einzelne Formulierung davon. (M.M.n. inklusive des Boykottaufrufs.) Dann kommt ein harter Schnitt, danach kehrt der Ton sich um ins deutlich Antisemitische, mit Ausdrücken und Sinnverbindungen, die Unsereins nicht verwenden würde. Nur dieses letzte Fünftel rechtfertigt es, das Ganze als antisemitisch zu bezeichnen und zu verurteilen.
    Ich kann mir vorstellen, daß diese Gliederung des Textes etwas damit zu tun hat, wie der Text auf die Seite der „Linken“ gelangte, und warum er dort stehen blieb, bis jemand von außen „zufällig“ darauf stieß.
    Es ist soviel Gift im Umlauf, soviel Versuche, Linke und Antirassisten in eine Ecke zu schieben, in die wir nicht gehören, soviel böser Willen und Manipulation.
    Die Debatte neulich im BuTag zum angeblichen Antisemitismus der „Linken“ war ein einziges Gruselstück, das nicht schöner wurde durch die eilfertigen Bemühungen der Partei, sich von allem und Jedem zu distanzieren und dem diktierten Diskurs zu folgen. Genau das wollten „die“ doch, aber gedankt haben sie es natürlich nicht.
    Eigentlich ist es doch ganz einfach (und da bin ich bei deinem Schlußwort): als Linker ist man gegen Rassismus. Antisemitismus und Zionismus sind zwei Spielarten des Rassismus, gegen die man gut gleichzeitig kämpfen kann. Was zum Glück ja auch die meisten Juden tun.
    Jemand der diese Haltung immer wieder vorbildlich formuliert, ist Werner Pirker von der jW.

    (Außer etlichen das /dass Fehlern hab ich diesmal nicht viel entdeckt.)

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  3. pantoufle sagt:

    Das sind keine Fehler: Das ist Charakter! Aber Dank für die ausfühlichen Gedanken. Mir geht in letzter Zeit viel durch den Kopf, wie ich mich als Linker, der nicht „Die Linke“ wählt oder dem syndikalistischem Block angehört, definieren soll. Ich werde mal in Ruhe darüber nachdenken und das an ungeeigneter Stelle veröffentlichen.
    Das übrigends mit Ligatur.

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  4. rauskucker sagt:

    Ligatur? Wasssn das?

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  5. pantoufle sagt:

    Eine Ligatur ist der Verbund zweier Buchstaben oder Zeichen. Als Beispiel sei hier das „S“ mit dem „Z“ gemeint – auch weithin bekannt als ß
    Das ist beispielsweise eine Ligatur 😉

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  6. rauskucker sagt:

    twitterst du eigentlich ? Ich schreib da grad einiges, aber keiner antwortet.

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  7. Pingback: Fleischklopfer: „Die Linke“ = Rote Armee Fraktion + NPD (Update) « … Kaffee bei mir?

  8. opalkatze sagt:

    Upps. Erst jetzt gesehen. Und Link gesetzt.

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