Donnerstag, 23.2.2017

Neben mir sitzt mein FOH – Engineer D-Punkt und fällt in die Pizza Magharita ein. D-Punkt ist Gelegenheitsveganer der unmissionarischen Sorte. Auch wenn er, auf seine Ernährungsgewohnheiten angesprochen, viel Verschwörung verbreitet. Das halbrohe Filet mit Brot auf meinem Teller stört ihn jedenfalls nicht. Aus dem Radio (!), das im Hintergrund plärrt, wird Werbung für ein homöopathisches Erkältungsmittel gegeben. »Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker!« Ich sehe mich nach der freundlichen Bedienung der Kaschemme um, stehe auf und frage, ob man diese Stelle bitte nochmal wiederholen könnte.
Natürlich lacht wieder kein Schwein.

Das sagt man so! Es gibt so viele Dinge, die man einfach so sagt, ohne daß der Sagende großartig darüber nachdenkt. Die anderen werden es schon irgendwie richtig verstehen. »Athen braucht keinen Haarschnitt.« Natürlich sagt die IWF-Chefin Lagarde nicht Haarschnitt sondern Haircut, was allerdings an der Trivialität der Aussage nichts ändert. Trotzdem ergibt eine Googlesuche mit diesem vollkommen sinnlosen Satz eine Trefferquote von ungefähr 185.000 Ergebnissen in 1,09 Sekunden. »Wer aufgibt, darf ausschlafen«. Ein weiteres Fundstück aus dem Netz, allerdings mit mehr Substanz. Vor allem im Zusammenhang mit Griechenland.

Waschmaschinenpistole ist ein zusammengesetztes Substantiv.

»Hunde streicheln nicht zurück«. Wer diese Aussage tätigte, hat nie mit einem Hund zusammengelebt.

»Sieben erdähnliche Planeten entdeckt«. Auf einem von ihnen könnte sich – wenigstens theoretisch – Leben entwickelt haben. Zum Glück sind sie zu weit entfernt, um die Erdlinge einfach mal nachsehen zu lassen. Mexikaner. Vermutlich auch noch ungläubig.

»Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken«. Dazu braucht man keine Industrie.

»Das debile Lallen der Selbsterfahrung«. Sehr schön, Jungle World! Es geht doch nichts über eine gelungene Überschrift. Gelegentlich erspart sie sogar jede weitere Zeile.

»Höcke-Rede kostet die AFD angeblich 100.000 Euro!« Und da sage noch jemand, Worte hätten keine Macht.

»Während das Rinderfilet Rossini mit gebratener Foie gras punktet, haben die Jakobsmuscheln in ihrer plumper Nusskruste und dem fad angemachtem Friséesalat bei weitem nicht dessen kompositorische Eleganz. Eine Frechheit ist das Dessert aus einer Unmenge bröselig-trockenem Baiser mit einer Handvoll Walderdbeeren und etwas Sahne. Einziger Lichtblick: Die Kresse-Ingwer-Bergamotte-Infusion zu Ziegenfrischkäse-Ravioli.

Eine Schnitte vom Gelbflossenthunfisch – nicht hauchdünn, aber auch nicht zu dick, so daß Schmelz und Aromatik sich entwickeln können – mit einer gedämpften Gillardeau-Auster, fügt gedörrte Knubberkirschen sowie Lauch Marmelade, weißen Rettich (Schärfe) und zur Fortführung der jodigen Noten etwas Aonori-Alge dazu.«

Ich liebe die Lyrik von Restaurantkritikern. Vor allem an Museumsbesuchstagen wie diesem, wenn man vor lauter Regen nicht ins Museum hineinkommt. Berge von Schirmen am Eingang, über die man nicht steigen kann ohne aufgespießt zu werden. Mary Poppins.

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6 Kommentare zu Donnerstag, 23.2.2017

  1. OldFart sagt:

    Von der Verschlagwortung angelockt, fühle ich mich jetzt geclickbaitet. Skandal! Ich bestehe nachdrücklich auf mehr Damen-Moden, und insbesonders dann, wenn es auch noch geteasert wird.

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  2. OldFart sagt:

    Was zum Nacharbeiten nach dem Umzug des Blogs: Im Impressum wird unter “Recht am Kommentar” noch die alte Domain referenziert. Es wird im Gesamtcontent wohl noch mehr so Relikte geben, aber ausgerechnet im Impressum, wo die Abmahner diesbezüglich so umtriebig sind, ist es schon doof.

    Korinthenkacker-Mode off.

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  3. Thelonious sagt:

    Wenn ich so durch die Gegend laufe, wäre es tatsächlich Zeit für ein Essay zum Thema Ackerschlepper. Das erste zarte Grün auf den Feldern und in den Weinbergen. Seit ein paar Tagen grölen wieder irgendwelche Vögel Liebeslieder in meinem Garten und auch der Bauer schleicht schon ganz wuschig um seine Traktoren herum.

    Selbst ich habe am Wochenende versuchsweise die alte Dame angetreten. Recht unwillig war sie die ersten paar Kilometer. Sie schnarrte und spuckte, aber dann lief sie ganz ordentlich.

    Doch, definitiv Zeit für Ackerschlepper. Damenmoden werden erst in vier Wochen interessant.

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  4. Pantoufle sagt:

    Moin Thelonious

    Wenn überhaupt Damenpelzmode. Vorausgesetzt man ist bereit, sich den Fahrkartenlochern des Internets zu stellen. Denen mit der originellen eigenen, modernen Meinung, die linientreue Gesinnung abstempeln. Nix da mit erlesenen Pelzen auf nackter Haut… ach, lassen wir das!

    Gestern habe ich seit Wochen zum ersten Mal Teilchenbeschleuniger ohne Bibbern, Regen oder Griffheizung bewegt. Bis zur Weinhandlung meines Vertrauens in der großen Stadt um genau zu sein, und da bin ich dann wohlig versackt. Ach, war das schön! Sonne, Ziegenkäse und mein geliebter Falke aus dem Jahre 10.
    Heute ist ziemlich bäh und die Menschen mit ihren Äps murmeln geheimnisvoll von kommendem Schneefall. Früher™ hat man nur aus dem Fenster gesehen und der Frau des Hauses »Zieh Deinen Pelz an – es schneit! « zugerufen.

    An Ackerschleppern habe ich im Moment Philosophie und Entwicklung von Flugzeug-Cockpits anzubieten. Ein sehr interessantes Thema, wenn man sich dafür interessiert. Leider sehr viel Arbeit für einen durchaus überschaubaren Kreis der interessierten Lesern. Sehr filigrane Ackerschlepper mit Flügeln und mich interessiert es – das sollte ja reichen. Wenn da nur nicht diese lähmende Faulheit wäre!

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