Dolchstoß ohne Legende

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Sigmar »75%« Gabriel hat es eilig. 25% Umfragewerte für die SPD + 75% zu seiner Wiederwahl als Parteivorsitzender macht 100% Zustimmung, jedenfalls nach der Arithmetik der CDU-Light – ehemals sozialdemokratische Partei Deutschland.

Sigmar Gabriel, für alle die das eventuell vergessen haben, trägt sich mit dem Gedanken 2017 der nächste Kanzlerkandidat der SPD zu werden. Nicht, daß an den ca. 75% Zustimmung für seine Wiederwahl als Vorsitzender etwas auszusetzen wäre (das klingt auf jeden Fall »demokratischer« als 97,8%), aber das leise Stimmchen des Zweifels war durchaus hörbar. Vielleicht war es die Stimme der Vernunft, die Gabriel andeuten wollte, daß ein Kreisverband der CDU keine Kanzlerkandidaten stellt.
Und damit man genau dort landet, stimmte die Parteibasis am heutigen Tage für TTIP und CETA, stimmten für etwas, was sie gar nicht im Detail kennen und was allein Aufgrund seiner undemokratischen Durchsetzung verboten gehört – egal was drinsteht.

Gabriels Mahnung an die Delegierten, die »Regierungsfähigkeit nicht aufs Spiel zu setzen« hatte Erfolg. Auf wessen Regierungsfähigkeit er dabei ansprach, blieb allerdings sein Geheimnis. Vermutlich auf die der amtierenden Kanzlerin, da es ja die wenigstens mathematische Möglichkeit gäbe, zusammen mit den anderen Oppositionsparteien gegen diesen Moloch zu votieren. Seine eigene Fähigkeit kann er nicht gemeint haben: Wenigstens die 250.000 Demonstranten in Berlin vom 10.Oktober diesen Jahres sind als potentielle Wähler verloren. Diejenigen, die am Montag vor den Parteibüros der SPD mit ausgefüllten Austrittsformularen stehen werden, kommen hinzu.

willyAber vielleicht hat man Gabriels Botschaft nur missverstanden, sein geheimes Statement zum Tode von Helmut Schmidt: »Unserem Genossen Helmut zum Gedenken! Ihm, einem der radikalen Linken unserer Partei!«

 

 

 

Der Guido Westerwelle der SPD

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16 Kommentare zu Dolchstoß ohne Legende

  1. der Doctor sagt:

    Das ist es eben, was die Sozen nicht kapieren.Wenn man die Wahl hat zwischen dem Original und einer schlechten Kopie,dann wird man eben das Original wählen.
    Merkel ist ja nicht solange Kanzlerin,weil sie so tolle Politik macht, sondern, weil die SPD sich seit Schröder beharrlich weigert eine Alternative zur Union zu sein,und jede Steilvorlage,die sie von CDU/CSU bekommt zielsicher versemmelt, wie sie jetzt auch bei TTIP wieder zeigt. Bei Konkurrenten wie Gabriel,Steinmeier oder Martin Schulz braucht es einen nicht zu wundern, das die Union außer Merkel ohne Inhalte im Wahlkampf auskommt, wie es ja schon mit Steinbrück der Fall war.

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    • pantoufle sagt:

      Moin Doctor

      Das ist ja genau die Crux an der Geschichte! Nach der letzten und vorletzten Wahl, bei der sich die im Parteipatenoster ergrauten Verwaltungsleichen nach Strich und Faden blamiert hatten, nimmt man als Ersatz… das selbe Kroppzeug!
      Da ist ja selbst der Vorstand von VW und BASF flexibler. Nicht mal in der schwindelfreien Marktwirtschaft würde man so ein Missmanagement durchgehen lassen. Oder wie Stony zu recht missversteht: Politik ohne Köpfe; was bin ich? Welches Schweinderl hätten Sie denn gerne?
      Und was für eine Verschwendung: Hans Christian Ströbele, Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Martin Sonneborn! Es gibt ja Sozialdemokraten – nur nicht in der SPD!

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  2. Stony sagt:

    Hmm, hab’ ich die Ironie (mal wieder) nicht verstanden – wollten die Sozen nicht das Kunststück einer Wahl ohne Kandidaten aufführen? Alleinstellungsmerkmal FTW!

    Btw: Nice Photoshop, das Zwote. (‘Schön scheiße’ (im besten Sinne!) ging mir erst durch die matschige Birne und, daß das noch nicht genug… aber nee, ausgezeichnet.)

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  3. R@iner sagt:

    Das Motto ist: Mehr Idiotie wagen. Es ist aber unsere Schuld, dass Parteien regieren können. Es ist die Schuld der Erziehungsanstalten, dass man so etwas (repäsentative) Demokratie nennt. Es ist unsere Schuld, dass wir nicht verstanden, dass moderne Demokratie und Volksherrschaft zwei verschiedene Dinge sind.

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    • waswegmuss sagt:

      Es ist nicht die Schuld von…
      sondern die Schläue des Großvaters alller Füchse – Konrad Adenauer – dass wir unter dieser Parteiokratie leben dürfen.

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    • pantoufle sagt:

      Eine interessante Frage! Wenn auch müßig – aber versuchen wir es mal. Den Adenauer lasse ich mal außen vor. In der Zeit vor Willy Brandt brauchte man einfach einen Pool, das ganze Nazigesocks möglichst unauffällig in neuen Ämtern verschwinden zu lassen. Mit dem vielleicht sogar unbeabsichtigten Nebeneffekt, daß man diese Altlasten ein gute Menschenleben mit sich schleppen muß. Davon, daß sich diese »Kultur« als erheblich langlebiger erwies schweigen wir einmal.
      Dann kam Willy. Das war die Möglichkeit, daß es auch anders geht.

      Was wäre eigentlich gewesen, wenn Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe nicht ermordet worden wären – upps – Verzeihung: Selbstmord begangen hätten? Keine zweite oder dritte Generation der RAF, stattdessen ein rechtsstaatlicher Prozess gegen die Mitglieder der Roten Armee Fraktion. Beinahe hätte ich gesagt: Aufhören, wenn’s am schönsten ist. Es ist nur so ein Gefühl, aber wie ich es damals empfunden habe, war das der Moment, wo die alten Nazi-Seilschaften endgültig wieder Oberwasser bekamen. Bis zum heutigen Tage; der Deutsche Herbst war doch nur die Kladde für 9/11.

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  4. oblomow sagt:

    Da lese ich am späten abend so vor mich hin, mal wieder ‘Die Fackel’, diesmal den jahrgang 1901 und schon begegnet mir in der ersten januarausgabe dieser satz, den ich hier, natürlich völlig aus dem zusammenhang gerissen und gekürzt, wiedergebe – er passt so schön:

    “Die Hoffnung auf die Dummen: sie ist der Grundgedanke der Politik unserer Socialdemokraten…”

    Ja, unsere sozialdemokratie: einstmals als fackel angetreten, die ‘sklaven’ zu erleuchten und dem kapital ‘heimzuleuchten’, hat sie sich, schon lang ist’s her, in den treuen dackel des kapitals verwandelt, der die ‘sklaven’ in schach hält, vornehmlich ohne dass diese es bemerken (sollen). Der spd-dackel sucht und liebt die nähe und zuneigung seines ‘herrn’, der sie, so ganz nebenbei bemerkt, für treudoof hält.

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  5. pantoufle sagt:

    Ach, Oblomow – Du wolltest noch etwas Abendlektüre? Da hätte ich erbauliches beizusteuern. Ferdinand Lassalle an Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen

    Ew. Excellenz
    sende ich hierbei ergebenst als eine, wenn auch nur scherzhafte Fortsetzung unserer neulichen Unterredung die Verfassung meines Reichs , um die Sie mich vielleicht beneiden dürften! Aber es wird Ihnen aus diesem Miniaturgemälde deutlich die Überzeugung hervorgehen, wie wahr es ist, daß sich der Arbeiterstand instinktmäßig zur Diktatur geneigt fühlt, wenn er erst mit Recht überzeugt sein kann, daß dieselbe in seinem Interesse ausgeübt wird, und wie sehr er daher, wie ich Ihnen schon neulich sagte, geneigt sein würde, trotz aller republikanischen Gesinnungen – oder vielmehr gerade auf Grund derselben – in der Krone den natürlichen Träger der sozialen Diktatur, im Gegensatz zu dem Egoismus der bürgerlichen Gesellschaft, zu sehen, wenn die Krone ihrerseits sich jemals zu dem – freilich sehr unwahrscheinlichen – Schritt entschließen könnte, eine wahrhaft revolutionäre und nationale Richtung einzuschlagen und sich aus einem Königtum der bevorrechteten Stande in ein soziales und revolutionäres Volkskönigtum umzuwandeln!

    Der Zweck des Gegenwärtigen ist, anzufragen, ob Ew. Excellenz Zeit gefunden haben, Sich der Durchlesung der Ihnen übersandten Rede: Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen zu unterziehen.
    Die Ansichtsdifferenz, welche mir Ew. Excellenz neulich über die Wirkung der indirekten Steuern auf die Lage der ärmeren Volksklassen ausdrückten, wollte ich der Ausführlichkeit wegen, welche gerade bei diesem Gegenstande zu einer gründlicheren Behandlung erforderlich ist, nicht mündlich zu widerlegen suchen. Ich zog vor, mich hierin auf die überzeugende Wirkung dieser Abhandlung zu verlassen. Haben Sie von derselben Kenntnis genommen, so werden Sie entweder bereits meiner Ansicht sein, oder aber es wird nunmehr leicht möglich sein, auf Grund dieser faktischen Unterlage eine Übereinstimmung der Ansicht herbeizuführen.

    Damit wäre etwas überaus Wesentliches gewonnen! Sie würden dann mit mir überzeugt sein, eine wie erhebliche Verbesserung in der Lage der ärmeren Klassen schon eine Abolition von zunächst 8-10 Millionen indirekter Steuern herbeiführen würde.
    Überdies brauchten dieselben nicht einmal durch die direkten Steuern – so vorteilhaft dies immerhin noch wäre – ausgeglichen zu werden, sondern könnten schon durch die neulich von mir angedeuteten Maßregeln, obwohl diese ja selbst nur exemplifikatorische Proben eines größeren und zusammenhängenden Ensembles von Maßregeln waren, überreichlich ersetzt werden.

    Die Überzeugung Ew. Excellenz in dieser Hinsicht festzustellen, halte ich für so wesentlich und, von so fruchtbaren Folgen nach allen Seiten hin, daß ich, zumal ich Mitte des Monats auf drei Monate verreise. bereit bin, mich zu einer zweiten Unterredung bei Ew. Excellenz einzufinden, falls Sie mir den Tag bestimmen.

    Wenn ich letzthin Ew. Excellenz die Ansicht aussprach, daß eine zweite Unterredung unter den gegenwärtigen Umständen nutzlos bleiben müßte, so bin ich jetzt um so mehr hierzu erbötig, als die lebten Maßregeln, die inzwischen getroffen worden, sehr verhängnisvoller Natur in ihren, wenn auch freilich nicht unmittelbaren Folgen sind. Diese Maßregeln liegen nach meiner Ansicht genau eben so wenig im Interesse der Monarchie. wie im Interesse der Fortschrittspartei, sondern wenn irgendwem, so dienen sie lediglich und allein, wie ich offen konstatieren muß, der speziellen Partei, der ich selbst angehöre, der revolutionären Partei!

    Um so selbstloser und aufrichtiger ist es von mir, wenn ich Ew. Excellenz sage: Ist es wirklich Ihre Absicht, wie Ew. Excellenz äußerten, die Krone eines Tages zu jener Umkehr, zur Proklamierung des allgemeinen Wahlrechts und zur Alliance mit dem Volke zu bewegen, so kann ein Fortschreiten auf dieser Bahn nur dazu dienen, Ihnen die Erreichung Ihrer eigenen Absichten unmöglich und jede Alliance zwischen Krone und Volk schlechthin unausführbar zu machen! Es wird eine Mißstimmung erzeugt, die zuletzt selbst beim aufrichtigsten Willen der Krone jede Alliance mit dem Volke ausschließt.
    Freilich würde gerade das zu einem endlichen Siege der von mir vertretenen Ideen führen, aber nicht mehr auf jenem friedlichen und für die gesamte Gesellschaft wohltätigen Weg. den mir Ew. Excellenz neulich in Aussicht stellten.

    Ein Feind, aber ein offener und ehrlicher Feind des bestehenden Systems fühle ich mich, da Ew. Excellenz einmal meine Ansichten zu hören gewünscht haben, in meiner Loyalität genötigt, dies offen auszusprechen und bin bereit zu mündlicher, näherer Begründung.
    Schließlich die Bemerkung, daß über die Tatsache unserer neulichen Unterredung sich irgend etwas irgend woher ebruitirt zu haben scheint. So wenig meine Handlungen die volle Öffentlichkeit zu scheuen haben, so kann doch gerade durch eine halbe Offentlidtkeit ein entstellender Schein erregt werden, und ich erlaube mir daher Ew. Excellenz hiervon in Kenntnis zu sehen.

    Mit vorzüglichster Hochachtung
    Ew. Excellenz
    ergebenster
    F. Lassalle.

    Da kommen zwei, drei Sätze vor, die ich herzallerliebst finde.

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  6. derda sagt:

    Die Rolle der SPD hat mittlerweile die ‘Linke’ übernommen. Klassische Sozialdemokratische Positionen, weit weg vom Sozialismus oder gar noch anderen staatsfernen Utopien.
    Aber man sollte sich nicht grämen. Auch die CDU ist gerade dabei sich nachhhaltig zu tranchieren. Die *gida-Demos zeigen schon deutlich daß diese Partei ihren rechten Rand verloren hat. Und nur in der Mitte zu fischen wird nicht viel bringen. Da tummeln sich bereits zu viele.
    Wir leben in interessanten Zeiten.

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  7. pantoufle sagt:

    Habe gerade zum ersten Mal in meinem Leben »Bento« gelesen, das Amy&Pink-Derivat des Spiegels. Vielleicht ist der politische Betrieb doch ganz O.K.ish – jeder bekommt, was er verdient.

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  8. „Es ist deutsch – in Kaltland.“ (Tanja Dückers: Hausers Zimmer)

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