Dies und das, Unwetterwarnung und Nikon

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Ja, mit weiterreisen ist im Moment wohl nicht: Bei dieser Wettervorhersage muß ich nicht noch mit dem Motorrad dazwischen. Mal sehen, wann sie Entwarnung geben…
Langeweile!

Gestern war Dunkelkammer – nur kurz unterbrochen um die Kommentare der geschätzten Leserschaft zu sichten, dann wieder Rotlicht. Was soll ich erzählen?
Meine Entdeckung und große Freude ist mein neues Photopapier Ilford MGFB Cooltone. Das macht wirklich Spaß und hat mir endgültig die Angst vor Baryt genommen. Alles halb so wild! Es fasst sich toll an und trocknet viel unspektakulärer als die verängstigten Gemüter in den einschlägigen Foren einen Glauben machen wollen. Nur nass in die Heizpresse: Das sollte man lieber sein lassen! Trocken geht wunderbar – ich lasse die Blätter einfach über Nacht an der Leine hängen und danach sind sie bereits so gut wie glatt. Den Rest mit Bücherstapeln oder, wenn man unbedingt will, mit der Barytpresse; wozu hat man das teure Ding?

scan2Auffällig bei diesem Papier war vor allem die exakte und reproduzierbare Reaktion auf Gradiationsfilter. So handzahm hatte ich das noch bei keinem anderen Papier. Weder beim Kentmere VC (das ich sehr schätze) noch beim ADOX MCP 310, welches ein ausgezeichnetes Butter und Brot-Papier ist. Vor allem bei Splitgrade-Arien mit mehreren Belichtungen (Danke Micha: Ich denke, ich hab’s kapiert!) funktioniert das endlich so, wie man es mir erklärt hat.
Was aber umwerfend ist, ist das »greifbare« Ergebnis; greifbar im Sinne von 3D – man hat das Gefühl, das anfassen zu können was die Kamera einfing. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, beschreibt aber tatsächlich den Bildeindruck recht genau.

Kamera… da war doch was! Ja genau! Ich hatte ja vor einiger Zeit mein Loblied auf das Nikon 100mm/2.8 E gesungen. Davon möchte ich auch keine Strophe zurücknehmen, aber…

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Für einen mehr als fairen Preis habe ich bei Ebay-Kleinanzeigen ein Nikkor Pre-AI (genauer: Ein AI´d) 105mm/2.5 Sonnar erstanden. Aus dem Allgäu, sehr nettem Kontakt und wie gesagt für einen sensationellen Tarif. Schnell einen Siemensstern ausgedruckt, an die Mauer geklebt und mit der D90 vom Stativ ein paar Vergleichsbilder bei unterschiedlichen Blenden geschossen. Na gut! Da gab es dann doch noch Unterschiede zwischen E- und S-Klasse. Ziemlich deutliche sogar! Meine Herren! Jetzt weiß ich, warum die Scherbe zum Standard-Repertoire jedes professionellen Nikon-Photographen gehörte. Baujahr so um Anfang der sechziger und von unfassbarer Qualität. Alt? Nur sechs (gerade) Blendenlamellen? Einfache Vergütung? Alles Kokolores! Es ist das selbe wie mit den meisten Linsen von Zeiss oder Mamiya: Sie verlassen das Testlabor nicht zwingend mit der Goldmedaille. Aber wenn man erst einmal damit photographiert hat, gibt man sie nie wieder her.

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Mit diesem Objektiv wird man alt. Nicht so alt wie das Objektiv, weil es einen vermutlich überleben wird. Mit all seinen Macken, Unzulänglichkeiten und Limitierungen. Aber es wird dem Photographen immer sagen »Wenn das Bild nichts geworden ist, dann lag es nicht an mir!« Es gibt so etwas wie perfekte Maschinen. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie nicht fehlerlos sind. Aber sie haben ein Eigenleben auf das man sich einlassen muß und wenn man es macht, wird man davon profitieren.

Ich habe gerade von Mark Twain »Das Tagebuch von Adam und Eva« gelesen. Ein ganz schmales, lustiges Bändchen. Das letzte Kapitel ist sehr kurz. Adam steht am Grab von Eva und da steht nur ein einziger Satz:

»Wo immer sie war, dort war Eden«

Wie ich darauf komme? Es ist wohl so etwas wie Dankbarkeit und hat gar nichts mit dem restlichen Text zu tun.
Sie hat einen Namen.

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Nicht diesen. Keine Ahnung wer das ist 🙂

Was auch nichts damit zu tun hat: Oh Gott! Wir haben zwanziger Jahre! »Der Mittelstand sah dem Aufstieg Hitlers tatenlos zu – heute geifern die Rechten wieder. Und das Bürgertum? Schweigt und versagt abermals.« Georg Diez bläst nicht allein in ein Horn, das ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Auch (nicht nur) der Kollege Stefan Rose schreibt: »Man kann Georg Diez gar nicht genug zustimmen. Die bürgerliche Indifferenz, die Trägheit, die fehlende Entschlossenheit, die liberale Demokratie zu verteidigen, der vermessene Irrglaube, man könne eh nichts machen und so schlimm werde es schon nicht kommen, war im 20. Jahrhundert schon einmal fatal und droht es gerade wieder zu sein. Anders gesagt: Faschisten brauchen für ihren Aufstieg neben einer zerstrittenen, uneinigen Linken vor allem ein feiges, versagendes Bürgertum.«

Was mir an der ganzen Debatte – oder dem witzlosen Jaulen (nein Stefan: Nicht Du!) – nicht passt, ist der historisch durchgehende Begriff von Bürgertum. Einmal von 1871 bis 2016 – geht’s noch? Da lagen immerhin zwei Kriege dazwischen. Im ersten starb das, was man als klassisches Bürgertum bezeichnet, vor dem zweiten verarbeiteten die traurigen Reste die Erfahrung der ersten europäischen Industrieschlächterei und nach 1945 beschloß man, keinen historischen Kontext mehr zu haben. Welches Bürgertum darf’s denn bitte sein?

… is ja für heute Abend auch egal.

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14 Kommentare zu Dies und das, Unwetterwarnung und Nikon

  1. waswegmuss sagt:

    Nö, jetzt blog ich es doch lieber selber. Das mit dem Pudel.

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  2. lattjamilln sagt:

    Bilder sind toll! Besonders der Junge auf der Schwalbe und das Gestänge/ Gestell

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    • pantoufle sagt:

      Das »Gestänge/Gestell« ist eine sogenannte Dampfmaschine. Sie funktioniert mit Dampf, der durch verbrennen fossiler Energieträger erzeugt wird. Vorzugsweise Kohle. Das funktioniert mit mäßigem Wirkungsgrad (siehe dazu Thermodynamik), ist aber erheblich spektakulärer als der Ladevorgang eines iPhones. Und es sieht viel besser aus. Trotz des deutlich höheren Gewichtes.
      Ist leider etwas aus der Mode gekommen. Mittlerweile denken einige Menschen, es handle sich um ein Gestell.

      Das stimmt mich traurig.

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  3. rainer sagt:

    ….die Dampfmaschine….stellen wir uns mal ganz dumm…….

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  4. Thelonious sagt:

    Was so ein paar Kilometer doch ausmachen können. 30 Kilometer weiter östlich wird die Ortsunterquerung überflutet und hier hat lediglich ein Rosenstrauch ein wenig Schaden genommen. Beim Menschenausführen wurden die örtlichen Hunde ziemlich nass. Das hat sie ein wenig in ihrem Stolz gekränkt. Vor allem die langhaarigen. Gerade noch ein gespreizt-flauschiger Duke of Earls und ein paar Minuten später ein schnatterndes Knochengestell. Da wird so mancher Hüne plötzlich zum Zwerg. Das zehrt am Selbstbewusstsein. Auch eine Katastrophe, die in den Nachrichten jedoch nicht thematisiert wird.

    Ja, die Ortsunterquerung! Der ganze Stolz des Bürgermeisters und seiner Stadträte. Ein stadtplanerisches Meisterprojekt sollte es sein. Gut und gern zehn Jahre hatte es gedauert, bis die Unterquerung fertig war. Zehn Jahre voller Stress für die Anwohner und Stau für die Reisenden. Millionen wurden da verbuddelt. In einem Ort, dem wohl nur wenige einen Blick gönnten. Meist fuhr man durch. Auf dem Weg nach Oberkochen oder wenn man auf die A7 wollte. Die ehemals so stolze freie Reichsstadt ist heute nur noch ein Transitkaff. Und jetzt steht auch noch die Durchquerung unter Wasser.

    Noch vor etwas mehr als 30 Jahren schrieb man dort bundesweit Schlagzeilen. Mutlangen. MUTLANGEN! Doppelbeschluss, Pershings, NATO und so Zeug. Nur noch vergleichbar mit Stammheim oder Wyhl. Oder Brockdorf, um einen Ort bei dir in der Nähe zu nennen. Zu tausenden demonstrierten sie in Mutlangen. Immer wieder. Die Gastronomie erlebte einen ungeahnten Boom. Dann machte es „Bumm“. Ein Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt, der kläglich misslang. Was lieferte er der regionalen Presse wochenlang Schlagzeilen. Anarchisten! Der Vorbote der Weltrevolution! Moskaus fünfte Kolonne! Heute interessiert sich nicht einmal mehr Putin für Mutlangen. Das ist bitter. Für die örtliche Gastronomie.

    Vor ein paar Jahren war man noch Sommerlochthema, als das Schwimmbad nach Bud Spencer benannt wurde. Aber hey, da hat mein Garten mehr fame. Der liegt am Jacobsweg. Wenn die Pilger vorbeikommen, rufe ich ihnen zu, dass sie nur noch rechts am Fernsehturm vorbei müssten und Portugal dann nicht mehr weit sei. Aber Schwäbisch Gmünd und Mutlangen haben nicht mal einen Jacobsweg. Nur eine Ortsunterquerung. Und die ist jetzt abgesoffen. Muss ganz schön geschüttet haben.

    Dabei sah es ein paar Stunden vorher gar nicht danach aus. Da habe ich die Unterführung benutzt und mich am Echo der Wände erfreut, die den Lärm der Contis so schön zurückwarfen.

    Es ist die Tragik meines Lebens, dass ich die interessanten Geschehnisse auf der Welt eigentlich immer verpasse. Auf der Autobahn wird ein Falschfahrer gemeldet, aber gerade eben erst habe ich jene verlassen. Im Weinberg kippt ein Traktor um. Leider hinter meinem Rücken, so dass ich es nicht gesehen habe. Ich kann nur noch beim Aufrichten helfen. Im Dorf haben ein paar Jugendliche den Maibaum umgesägt. Ich erfahre erst ein paar Tage später davon.

    Ich bin ein miserabler Katastrophentourist. Ich komme zu früh, oder zu spät. Aber meistens ist es noch schlimmer. Ich bin zwar pünktlich, aber die Katastrophe findet tausende Kilometer entfernt statt. Nie bin ich dabei. Nie bekomme ich es richtig mit.

    Vor ein paar Tagen trottete eine Kuh über den Acker vor meinem Bürofenster. Sie war dem Bauern ein paar Meter weiter oben am Hügel ausgebüxt. Später stand sie dann blöde auf der Schnellstraße herum. Wäre es Winter gewesen, hätte ich es vielleicht gesehen. Jetzt verdeckt das Laub der Bäume die Sicht. Ich hörte nur die Huperei. Als ob so eine Kuh auf eine Hupe hören würde.
    Zwei Stunden später war der Hundespaziergang angesagt und wir gingen in Richtung Schnellstraße. Aber da stand die Kuh schon wieder im Stall und wiederkäute gemütlich vor sich hin. Blödes Vieh.

    Trotzdem kann ich mich zumindest für das vergangene Wochenende nicht beschweren. Seit Freitag steht la cialtrona wieder im Schuppen. Drei Monate wurde sie restauriert und jetzt sieht sie aus, wie neu. Ein paar PS mehr hat sie jetzt auch. Offiziell sind es jetzt 87 am Hinterrad. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass es im Originalzustand nicht einmal 60 waren. Aber original war sie ja nie. Da hat der Vorbesitzer schon dafür gesorgt. Als ich sie jetzt in gute Hände abgegeben habe, hatte sie knapp 80 PS an der Kupplung. Etwas mehr Drehmoment ist jetzt auch vorhanden.

    Neue Lager, neue Laufbuchsen, andere Kolben dazu nachgebaute Zylinderköpfe der Rennversion mit größeren Ventilen. Die Steuerzeiten wurden leicht verändert und damit auch die Königswellen generalüberholt. Jetzt sind sie wieder passgenau und scheppern nicht mehr. Das neue alte Getriebe: ein Gedichtchen. Der fünfte Gang wurde wegen der höheren Leistung etwas verlängert. Ich weiß noch nicht genau, ob mir das gefällt. Ein wenig anders fühlt es sich schon an.

    Angeblich braucht sie auch keinen Bleiersatz mehr und kann mit ganz banalen synthetischen Öl gefahren werden.

    Inwieweit sie jetzt wirklich schneller ist als vorher, kann ich noch nicht beurteilen. Ich muss sie erst wieder einfahren. Aber gefühlsmäßig geht sie einiges besser. Ach ja, die Auspuffanlage sieht aus wie neu. Ihr Innenleben wurde verändert, aber es sind immer noch Contis. Sonst hätte es auch schwer Ärger gegeben.

    Ein neuer CFK-Tank ist drauf. Ein wenig größer und eckiger. Das gefällt mir nicht. Da nehme ich lieber den alten aus Stahl oder besorge mir einen von der SS750. Frisch lackiert sogar mit Seitenschalen habe ich sie abgeholt. Letztere wurden Zuhause gleich wieder abgeschraubt. 🙂 In den nächsten Tagen (oder Wochen) bekomme ich eine detaillierte Dokumentation, dann kann ich mehr erzählen. Im Moment jedoch müssen die an der Restauration beteiligten Azubis und Studenten noch darüber schwitzen. Danach bin dann ich dran.

    Manchmal lassen sich die Mechanismen des Kapitalismus auch einfach umkehren. Das war in diesem Fall so. Einer der örtlichen Autobauer braucht ein Projekt zum Angeben und ich liefere ihm das Altmetall. Jetzt muss ich ihm nur noch einen Artikel für die Hauszeitschrift und ein Image-Filmchen liefern. Dafür habe ich mir jetzt eine goPro besorgt. Das ist eine lustige Angelegenheit. Sohn 2 arbeitet nun sein Tonstudio ab und muss schneiden. Alle sind glücklich. Nur den Aktionären würde es stinken, wenn sie davon erführen.

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    • GrooveX sagt:

      manchmal sollte man dankbar sein, dass die katastrophe ein paar meter weiter stattfindet. bologna… bhopal… wenn das weinen kein ende mehr nimmt.

      okay, damals war kein internet, keine selfies, kein twitter. man musste es mit sich selbst ausmachen.

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  5. glumm sagt:

    “Es gibt so etwas wie perfekte Maschinen. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie nicht fehlerlos sind.”
    Schöne Erkenntnis.

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  6. pantoufle sagt:

    @Thelonious
    Ach? Ihr auch? Eine Unterführung meine ich. So ein Mega-Projekt hatten wir hier ebenfalls. Was sage ich? Unterführung! Schnöde dieses Wort, wo es doch um die Zukunft des Fleckens ging. Eine Unterführung mit (!) einer Ortsumgehung.
    Erstmals urkundlich erwähnt, aber niemals mit Doppelbeschluss, worunter man immer sehr litt. Die unendlich lange Dienstzeit des örtlichen SPD-Bürgermeisters drehte sich dann auch beinahe 20 Jahre lang um genau dieses Großprojekt. Jeder Wahlkampf hatte das zum alleinigen Thema, jede Ratssitzung und jedes freundliche Gespräch zwischen Bäcker und Post; damals noch mit richtigen Beamten und echten Warteschlangen.
    Alles andere was man als SPD so macht, hatte man bereits abgearbeitet: Das neue Rathaus…

    Auch so eine Geschichte! Die Gemeinde-Angestellten wurden während des Um-, Neu-, Andersbaues in den Verwaltungstrakt der gerade erst stillgelegten Zuckerfabrik umgesiedelt. Ein Dorf weiter und begleitet von einem Chor von Stoßseufzern. Alle waren mehr als glücklich: Die Angestellten, weil man große Büros bekam, Internet, fließend Wasser, technisch erstklassig ausgestattete Konferenzräume und all das Brimborium. Die Besucher hatten einen riesigen Parkplatz, mußten sich nicht durch den Verkehr quälen (es war ja noch vor der Ortsumgehung) und wurden von lächelnden Beamten empfangen. »Es ist sooo schön hier!« Alle waren zufrieden und wollten diesen Zustand auf keinen Fall ändern.

    Damit hatte eigentlich niemand gerechnet! Ein Planungsfehler der besonderen Art. Das Provisorium erwies sich als perfekte Lösung für alle Beteiligten und billig beziehungsweise fertig war es außerdem noch. Es fehlte eigentlich nur noch eine Hausbesetzung durch die Angestellten und Solidaritätsdemonstrationen der Bürger. Aus dem alten Rathaus hätte man ein siebenstöckiges Parkhochhaus oder einen Stadtpark machen können. Aber die Planungen für die Prestige-Baustelle waren natürlich viel zu weit fortgeschritten. Planungen im Sinne von Absprachen – der Bauamtsleiter überlebte das Projekt dann auch nicht. Es fielen so häßliche Begriffe wie Korruption und Vorteilsnahme. Diese unhaltbaren Vorwürfe kamen natürlich von irgendwelche Fremden die nicht von hier waren! Selbstverständlich hatte es Absprachen im Hinterzimmer von Bendlers Schlemmerdiele gegeben. Das macht man hier so! Wo sonst? Das neue Rathaus war ja noch nicht fertig und hätte – selbst gesetzt den Fall eines bezugsfertigen Konferenzraumes – keine Zapfanlage besessen. Das kommt davon, wenn sich Fremde ohne ausreichende Kenntnis des Lokalkolorits und den Gebräuchen der Eingeborenen in Dinge einmischen, die sie nichts angehen. Der sehr fähige, freundliche und kompetente Beamte mußte gehen; ein Bauernopfer zum Wohle der Allgemeinheit und den verbleibenden SPD-Ratsherren- und Damen.

    Das neue Rathaus wurde natürlich irgendwann fertig. Logisch – man hatte sich ja abgesprochen. Mit einer Glaspyramide auf dem Vorhof (Kunst am Bau!) und fast so schön wie die Zuckerfabrik. Über den tieferen Sinn der Pyramide kursierten die verschiedensten Gerüchte: Durchgesetzt hat sich letztlich die Stellungnahme der Schrottpresse. Dereinst würden man die sterblichen Überreste des verantwortlichen Bürgermeisters darin mit großem Zeremoniell bestatten. Zusammen mit seinen Lieblingsbeamtinnen und Schnaps und Bier für die lange Reise…
    Nun ja – man wird sehen!

    Ach ja: Die Unterführung! Auch die wurde eines Tages mit Pomp und Posaune dem Verkehr übergeben. Zum Schrecken einiger LKW-Fahrer, weil das fehlende Warnschild »2,3 Meter Durchfahrtshöhe!« nun wirklich Sparsamkeit am falschen Platze gewesen war. Statt dessen hatte man (die Ortsumgehung war nach ca. 35jähriger Planung ebenfalls fertiggestellt worden) ein weiteres Ortsschild plaziert: Vechelde West! West! Nichts hätte den Glauben an eine strahlende Zukunft besser zum Ausdruck bringen können, kindliche Freude über eine Vision, prustende Heiterkeit an den Stammtischen. Humor am Bau sozusagen.
    Ein sozialer Magnet war die Unterführung der Bahngleise vor allem bei starkem Regen. Zusammen mit dem Wasserstand stiegen auch die Höhe der Wetten, ob Fahrzeuge, die die maximale Durchfahrtshöhe nicht überschritten, auch durch einen hüfthohen See schwimmen konnten. Der nachträgliche Einbau einer Pumpe wurde mit ähnlichem Unwillen wie das Verschwinden von Fritten-Paule zur Kenntnis genommen. Es wird immer schwieriger, sich gemeinsam auf eine Zigarette zusammenzusetzen.

    Aber so ist das nun mal. Es wäre wirklich langweilig, wenn die spärlichen Steuergelder nicht in Volksbelustigungen wie diese investiert werden würden. Man sollte auch ein wenig dankbar sein! Immerhin kein unterirdischer Bahnhof oder internationaler Airport (VEB, Herzog Anton Ulrich – Airport (1633-1714) )

    Soso: Der Herr läßt also schrauben! Das ist vernünftig. Ich bin ein großer Freund des Tauschhandels und um einen solchen handelt es sich ja wohl. Auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Vorteile mit knappem Vorsprung bei Dir liegen. Über die Kosten eines grundüberholten Königswellenmotors mag ich gar nicht nachdenken – ich habe vor nicht allzulanger Zeit eine Krankenhausrechnung bezahlt.
    Aber auf die Dokumentation freue ich mich natürlich! Das ist schon was Besonderes. Die Photos dazu hätte ich natürlich gerne selber gemacht, aber… goPro HERO; da komme ich natürlich nicht mit! Hero! Was es alles gibt heutzutage? Vechelde-West, goPro-Hero. Man kann sich nicht genug wundern. Aber sich darüber aufzuregen ist wohl »Sprachpflege – Kleingärtnern im Regenwald«, wie der es Kollege Jules van der Ley in einer Überschrift formulierte.

    Und jetzt noch etwas besseres Wetter! Ich wollte ja eigentlich noch mit meinem japanischen Eisenhaufen ein wenig durch die Gegend fahren bevor die Festival-Saison wieder beginnt, aber zum Vergnügen nicht durch den Regen. Nur beruflich. Vielleicht bis zur Unterführung und auf einen Ausfall der Pumpe hoffen. Aber da geht es mir ähnlich wie Dir: Bei den schönsten Dingen bin ich gerade anderweitig beschäftigt.

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  7. R@iner sagt:

    Völlig OT: Schöner Fall von Volksverdummung in Tateinheit mit Korruption: Stadt Essen empfiehlt Homöopathie – und erntet Spott

    Seite der Stadt Essen: Carstens-Stiftung empfiehlt: Top 10 Homöopathische Reiseapotheke

    Unten auf der Seite ist der Link zu naturundmedizin.de. Dort finden sich unter Wer wir sind die glorreichen Projekte vergangener Tage.
    Wäre ich Journalist, dann würde ich mal schauen, ob diese Stiftung Staatsgelder abgreift.

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  8. pantoufle sagt:

    Carstens-Stiftung? Die haben aber nicht zufällig auch neue germanische Medizin im Angebot? Man weiß ja nie, bei diesem Widerstandskämpfer in der Reiter-SS…

    Das ist so, wenn der Wind rauher weht: Die Stunde der Wahrsager, Wunderheiler und Demagogen. Sieh Dir doch nur diesen Schwachsinn wie Astro-TV an. Unter gesellschaftlich halbwegs akzeptablen Bedingungen wäre so eine Beutelschneiderei nach einer Woche pleite.

    Der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Rainer Kundt… soso! »Wir haben Meinungsfreiheit«. Ein interessanter Aspekt! Heißt das jetzt Meinung statt Heilung oder wie ist das zu verstehen?

    »Arsenicum album D12 (Arsen)
    Dieses Mittel eignet sich bei Beschwerden mit brennendem Charakter, die unter anderem von Erschöpfung und Frösteln begleitet werden. Wird eingesetzt bei wässrigem Durchfall und Erbrechen. Die Beschwerden treten nach Essen und Trinken auf, es drohen Kollaps und Austrocknung.«

    Salmonellen? Infekte? Nahrungsmittelvergiftung? Parasiten? Das wären typische Symptome.

    »Zur Dosierung: Im akuten Krankheitsfall werden sofort 5 Globuli oder Tropfen der ausgewählten Arznei direkt genommen und vor dem Herunterschlucken etwa eine Minute im Mund hin und her bewegt. Grundsätzlich sollten homöopathische Arzneien nur über einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden und, je nach Krankheitsschwere oder Krankheitsintensität, innerhalb von zwei bis 48 Stunden zu einer deutlichen Besserung führen.
    Tritt die Besserung nicht ein, sollte ein Therapeut aufgesucht werden.«

    Das ist einfach nur noch kriminell!

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