Die Tyrannei der Massen

Patrick Döring, Generalsekretär der FDP und erster Maat im Ausguck eines Kreuzers, bei dem nur noch die Masten über der Wasseroberfläche sichtbar sind.
FDP-Mitglied seit dem 18. Lebensjahr, unheilbar neoliberal und aus Hannover.
Voraussichtlich ab 2013 Mitglied der CDU. Nachfolger des mysteriösen Christian Lindner.

Patrick Döring spricht für die FDP, solange es sie noch gibt. Im Saarland gibt es sie nicht mehr. Trotzdem redet er noch über sie. Hauptsächlich darüber, warum es sie nicht mehr gibt. Wenn man ihn fragt. Sonst aber auch.
Zur „Berliner Runde“ im Bildfunk des Allerersten deutschen Fernsehens wurde er eingeladen, um etwas über seine Partei zu sagen, die es (unter anderem im Saarland) nicht mehr gibt. Also kam er.

Was folgte, gehört ins Archiv der Schrottpresse. Rubrik: Unsterbliche Momente epochaler Selbstmorde.

Die Vorbereitung: Ein Genuß! Ein offensichtlich exzellent gelaunter Ulrich Deppendorf legt sich den Ball zurecht. „Herr Döring: Ist es nicht ist so, daß die FDP immer die Partei der Bürgerrechte sein wollte… vielleicht auch immer noch sein will…“ Lächelndes Überreichen des geschliffenen Messers. Wie konnte es nur zu diesem Wahlergebnis kommen? Die Piraten?
Döring nimmt Anlauf. Wir sind die Liberalen. Die Liberalen sind wir. Andere sind vielleicht auch liberal, aber nicht so liberal wie wir. Der Generalsekretär gewinnt an Fahrt, rennt, läuft noch roter an, sieht die Wahlprognose und dann kommt es.

„[…] aber das Menschenbild (der Piraten) ist manchmal so stark von der Tyrannei der Masse geprägt, daß ich mir als Liberaler nicht wünsche, daß dieses Politikbild sich durchsetzt“.

„Die Tyrannei der Massen“. Er sagt nicht: „Die Diktatur des Proletariats“. Er sagt auch nicht „Herrschaft des Volkes“. Er sagt „Tyrannei der Massen“.

Döring führt einen Begriff in den politischen Sprachgebrauch ein, der sich nahtlos zu „alternativloser“ „marktkonformer Demokratie“ gesellt. Die eine harte gnadenlose Auseinandersetzung gegen die Masse zu führt. Die der Wähler. Und die ist tyrannisch, weil sie der FDP 1,2% der Stimmen gegeben hat. Die Tyrannei herrscht durch Terror. Die Masse der Wähler zerfällt in Individuen, die – jeder für sich – Terror ausüben. Terroristen. Alle zusammen sind eine Masse, die tyrannisch gegen die FDP sind. Aber nicht nur gegen sie.

„Man sieht an den Werten der Piraten aber auch, daß das eine hohe Bindungswirkung für diejenigen hat, die aus dem Nichtwählerlager sich mobilisieren lassen – gegen die anderen: Gegen uns alle! (kreisende Fingerbewegung auf alle anwesenden Politiker) und das muß uns in der Tat Sorgen machen.“

Der Terror ist auf dem Vormarsch. Gerade der aus dem Nichtwählerlager, das jetzt mobil gemacht wird. Gegen alle!
Willkommen in der schönen, neuen Welt. Die Herrschaft des Volkes hat ein Ende. Jetzt herrscht der blanke Terror, die Tyrannei der Masse.

Döring sagt in diesem Zusammenhang noch erheblich mehr, was ihn als seriösen Diskussionspartner disqualifiziert; der Wunsch der Abschaffung einer angeblichen Anonymität im Internet ist dabei nur ein Punkt, mit dem er seinen hochtrabend aufgebauten Standpunkt als „Liberaler“ torpediert. Aber all das zählt nicht.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik spricht ein Politiker offen aus, was sich die Kaste der Regierenden unter dem Begriff „Herrschaft des Volkes“ tatsächlich vorstellt.

Gute Nacht.

Vergissmeinnicht

Golem hat auch was zum Thema

uuund … wie ich heute Morgen sehe, hat sich Flatter des Themas ebenfalls angenommen.

Mal wieder ein
UPDATE
weil ich zu faul bin, dafür extra etwas zu schreiben. Die CDU in NRW kapert die Domains www.piratenratingen.de, www.piraten-ratingen.de und www.piratenparteiratingen.de

Irgend jemand von denen scheint das für eine brilliante Idee gehalten zu haben. Diese Person hatte offensichtlich die Berliner Runde und Hermann Gröhe gehört, der sagte:

„Im Übrigen – daß die Älteren mit viel Lebenserfahrung sagen, wir geben den Schwarzen die Stimme, ist ein gutes Zeichen. Wir leben auch glücklicherweise immer länger, darauf freuen wir uns gemeinsam alle auch. Also, daß ist ein starkes Pfund, mit dem wir gerne wuchern.“

Wer auf Senilität baut, kommt auch auf solche Ideen. Was diese Althacker anstellen, wenn wieder einmal Wahlcomputer aufgestellt werden, überlasse ich der Phantasie meiner Leser.

Danke an fefe an für diesen Link

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0 Kommentare zu Die Tyrannei der Massen

  1. FDP.

    Die Zahnwältepartei.

    Was erwartet man da? Eben.

    0
  2. pantoufle sagt:

    Zahnwälte find ich schön. Das klingt so wie eines Deiner Wesen. Mit gelben Zähnen.
    Schön, Dich zu lesen! Genieß den Frühling
    Liebe Grüße
    das Pantoufle

    0
    • susannegerdom sagt:

      Wünsch ich dir auch! Steck im Moment tief in der Arbeit (ein Projekt im Lektorat, das nächste in der Antrittphase), deshalb bin ich etwas maulfaul …
      Aber „genießen“ ist eine gute Idee … bei dem tollen Wetter. (Balkon, Kaffee trinken … :-))
      Liebe Grüße!

      0
  3. FF sagt:

    Ich weiß gar nicht, ob Rotbäckchen den Aufwand überhaupt lohnt. Doch, ich weiß es. Nein.

    0
  4. pantoufle sagt:

    Also FF: Ich schlage hiermit eine Langzeitwette vor. Laufzeit 6 Monate. Meine Behauptung: Ich sage, daß der Begriff „Tyrannei der Massen“ in 6 Monaten einen ähnlich klebrigen Stellenwert hat, wie die „marktkonforme Demokratie“, die ich bis dahin im Duden wähne.
    Gegenstand ist aber die Tyrannei!
    Eine Flasche guten Roten.
    Sind Sie dabei?

    0
  5. FF sagt:

    „Klebriger Stellenwert“ des Begriffs „Tyrannei der Massen“? Den hat er doch schon, sogar schon längst… Rotbäckchen ist doch beileibe nicht der erste, der mit diesem Schlagwort um sich wirft.

    Wenn ich mich recht entsinne, haftet dem schon seit über 150 Jahren was Klebriges an: konservative Knilche beliebten, die 1848er-Revolution so zu nennen. Und unter gekrönten Häuptern firmierte zuvor schon die Französische Revolution unter dieser Adresse…

    Und dann gäbe es da noch eine Wahnsinnsbibliothek, in der man das nachlesen kann: von Edmund Burke (Reflections on the Revolution in France), zu Marx und Engels, zu Siegmund Freund, Gustave le Bon (Psychologie der Massen), Max Weber, Werner Sombart und Emile Durkheim bis hin zu Elias Canetti (Masse und Macht) etc. pp…

    Wäre mal interessant, auf welchen Um- und Irrwegen dieser „stehende Begriff“ ins Spatzenhirn von Rotbäckchen gelangt ist, um dann bei denkbar unpassender Gelegenheit hochzublubbern.

    Werter Pantoufle, hab‘ ich jetzt die Flasche Rotspon gewonnen? 😉

    0
  6. pantoufle sagt:

    Oh je …. äh… ich fürchte JA.
    Daran habe ich in meinem Brausekopf gestern nicht mehr gedacht. Bei den 48`‘ habe ich das auch schon mal gelesen.
    Was die Frage, wie das ins Hirn des Turboliberalen gekrochen ist, nicht beantwortet.
    Was trinken der Herr denn so?

    0
  7. FF sagt:

    Oh, durchaus solide Tropfen! Werter Pantoufle, vielleicht darf ich hier folgenden Vorschlag machen.

    Wir erhöhen den Einsatz schlankerhand auf 6 Flaschen – das wäre ein akkurates Kistlein: durch die Weltgeschichte vagabundierende Einzelflaschen zerschellen in der Post – und wagen eine echte Langzeitwette.

    Gegenstand der Wette: je nachdem, was sich in lockerer Folge so anbietet. Das kann natürlich etwas dauern. 😉

    Wer mit sechs Flaschen hinten liegt, muß liefern. Die erste Runde – „Rotbäckchen“ – ging klar an mich. Die kleine Partie Pantoufle – FF steht demnach 0:1. Jo!

    Wie wär’s?

    0

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