Die Runderneuerung der FDP

Nur wenige Monate, bevor der Vergnügungsdampfer „schwindelfreie Demokraten“ endgültig absäuft, ist es Philipp Rösler gelungen, das Rad des Posten-Roulette noch einmal kräftig zu drehen. Der Augenarzt zeigte Zähne und machte die angedrohte Neuordnung seiner Partei wahr.

Manni Rainer Brüderle, dem vor nicht allzu langer Zeit böse Zungen vorgezogene Alterssenilität vorwarfen, als er das Atommoratorium der Union als leicht zu durchschauendes Wahlkampfmanöver bezeichnete, musste den Sessel des Wirtschaftsministers räumen. Versüßt wird ihm das mit dem Charaktermajor „Fraktionsvorsitz der FDP.“ Er trug es mit Fassung, einem Schoppen Pfälzer Wein und der Versicherung, aus preussischer Pflichterfüllung seinen neuen Posten nach Kräften zu ertragen.
Die ihm verbleibende Zeit bis zu den nächsten Bundestags-Wahlen wird er vermutlich damit verbringen, gegen Rösler zu intriegieren, der ihn bis vor kurzem noch am liebsten in Rente geschickt hätte. Genügend Zeit hat er: Aus dem Mainzer Parlament ist die FDP rausgeflogen und dem Landesverband steht er nur noch ehrenhalber vor.
Ein mottenzerfressener Pappagei, den viele in der FDP mit einen Phönix verwechseln, ist überraschenderweise noch einmal aus der Asche aufgestiegen und lässt sich jetzt als Sieger feiern. Seine Ernennung ist für Rösler die bittere Pille, die er schlucken muß, um den alten Parteigenossen das unwürdige Postengeschacher schmackhaft zu machen, das man ihnen als „inhaltliche Erneuerung“ verkaufen will.

Für Rösler geht zuletzt ein Traum in Erfüllung: Endlich Wirtschaftsminister! Gerade noch rechtzeitig, bevor die FDP endgültig in der historischen Versenkung verschwindet – besser: in diesem Neutrum, das bei den Hochrechnungen unter dem Namen „Andere“ am rechten Rand der Grafik erscheint.
Ob er in seinem neuen Ämtern auffälliger wird als sein Vorgänger Brüderle und Westerwelle, wird sich zeigen. Dem Sirenegesang des Außenministeriums folgend, steht er nun dauerlächelnd vor dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere. Das macht es erträglicher, Vorsitzender einer Partei zu sein, die es eigentlich gar nicht mehr gibt.

Nachfolger als Gesundheitsminister wird Daniel Bahr, überraschenderweise eine Besetzung mit Sachverstand. Für die Betroffenen, die Patienten, wird sich dadurch nichts ändern, da gemunkelt wird, das all die kostspieligen und sinnlosen „Gesundheitsreformen“, von denen die Republik in letzter Zeit verfolgt wurde, aus der Feder Bahrs stammen. Hatte sich bis jetzt Rösler noch als Watschenmann präsentiert, so wird diese Rolle in Zukunft von Bahr übernommen.

Apropos Tortengesicht: Auf dem Parteitag in Rostock wurde auch das Gespenst des Außenministers gesichtet – Gerüchten zufolge auch FDP Mitglied – das dort weitgehend unbemerkt durch die Gänge wehte. Das Glück der Partei wäre vollkommen gewesen, hätte der Wiedergänger Westerwelle sein Amt endlich aufgegeben und zur Weiterverwertung der Partei überlassen. Leider ist davon bis dato keine Rede und so muß der Minister des Äusseren weiter als Bestätigung der These herhalten, das der Mensch eben nicht mit seinen Aufgaben wächst.

Wo soviel Zwielicht ist, finden sich auch Schatten! Als Verliererin der Zockerei ist Birgit Homburger zu nennen. Wenn Rösler nicht zum Meuchelmörder Westerwelles taugte, so fiel es ihm bei Frau Homburger um so leichter. Im Vorfeld des Parteitages hatte sie – der man abnimmt, daß sie unter dem Zustand ihrer Partei leidet – sich noch nach Kräften gegen ihren Rausschmiss gewehrt und dabei Rösler den versammelten Genossen vorgeführt. Aber zu viele in der FDP machen sie mitverantwortlich an den Zuständen, die sie anprangert und so konnte Rösler sie letztendlich widerstandslos abschießen, begleitet von vergifteten Pfeilen wie “hervorragende Politikerin” und “dringend gebraucht”. Das Trostpflaster als Vizechefin hinter Rösler klang dabei wie wie die Bitte, sich mit der Abschiebung ins Pflegeheim für abgehalfterte Politiker nach Brüssel vertraut zu machen und schon mal zu packen.

Wenn man Philipp Rösler als designiertem Parteichef etwas zugute halten muß, ist es die Tatsache, das er die sogenannte „Neuordnung“ der Partei ohne den geringsten Hinweis auf Inhalte hinter sich gebracht hat. Es zeugt immerhin von einer gewissen Ehrlichkeit, zuzugeben, das es nur um die Posten geht.

Die nächsten Wahlen sind 2013. Genug Zeit also, ebenfalls zu packen – vielleicht trifft man sich ja mit der Homburger im selben ICE-XX nach Brüssel.

Update am Morgen

Und auch hier wieder der fast unvermeidliche Hinweis, das Michael Spreng auf seinem Blog Sprengsatz die seriöse Version zu diesem Thema zu bieten hat. Er geht dabei insbesondere auf die Person Westerwelles ein und konstantiert, daß die FDP nur dann noch eine Chance hätte, wenn dieser abtritt. Ich wünschte insgeheim natürlich, er würde das nicht so laut sagen – sonst hört das noch jemand!

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0 Kommentare zu Die Runderneuerung der FDP

  1. adi sagt:

    ach wie schön mit genuß schau ich hinter den vorhang – den verschleiernden

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