„Die Linke“ = Rote Armee Fraktion + NPD

Wohin es führt, wenn man außerstande ist, auch nur die gröbsten Differenzierungen wahrzunehmen oder man 60 Jahre Geschichte einfach nicht zur Kenntnis nimmt, ist diese Woche in Fleischhauers schwarzem Kanal wieder zu begutachten.
Es geht auch diese Woche – natürlich – wieder gegen die Linke; die linke Weltanschauung an sich, die Partei „Die Linke“, die Rote Armee Fraktion und vermutlich alle dem des liberalen Flügels der CSU Linksseitigen.
Diese Art der Weltsicht mag dem halbwegs informierten Leser zwar etwas radikal vorkommen, aber so ist nun mal die kleine, überschaubare Welt dieses Schreibers gestrickt. Aufhänger an diesem Montag: Antisemitismus von links!
Wie Fleischhauer zufällig richtig feststellt, spielt Antisemitismus außer bei faschistischen Parteien heutzutage keine Rolle mehr. Daß diese, wie er bemerkt, nicht im Bundestag sitzen, sondern nur in einigen Länderparlamenten, ist nicht sein Verdienst. Wer wie Fleischhauer den Begriff des Rechtspopulisten versucht hoffähig zu machen, arbeitet ja daran, das sich das bald ändert. Aber das begreift er natürlich nicht: Es ist „Die Linke“, bei der er Antisemitismus feststellt und sie im selben Atemzug mit der NPD nennt.

Fleischhauer stellt also dumpfe faschistische Ausrottungsphantasien der Ultrarechten mit der meist berechtigten Kritik an Israels Nahostpolitik gleich.
Das ist mutig!
Passt man sich dem Niveau dieser Argumentation kurz an, könnte man ebenso gut Barack Obama Antisemitismus unterstellen, wenn er Israel dazu aufruft, sich auf die Grenzen von 1967 zurückzuziehen. Das möchte ich sehen, welchen Rumpelstilzchentanz Fleischhauer aufgeführt hätte, wäre dieser Vorschlag von der Partei „Die Linke“ gekommen!

Die Beispiele in seinem Artikel bleiben bei dieser Ausgangslage zwangsläufig sowohl unter der Gürtellinie wie fern der Realität. Es ist eben nicht Antisemitismus, wenn man den jahrzehntelangen Kriegszustand beendet sehen will, der zum großen Teil von Israel und dem Westen verschuldet ist, dessen völkerrechtswidriges Gebaren gebetsmühlenartig mit dem Existenzrechts Israels begründet wird und das im Laufe der letzten 30 Jahre nur zu einem geführt hat: Der Radikalisierung aller beteiligten Parteien. Das Verhältnis Israels zu seinen Nachbarn gleicht eher einer Wiederauflage der Apartheidspolitik Südafrikas – dagegen seinen Protest zu äußern ist schwerlich als Antisemitismus zu bezeichnen.
Unter anderem dagegen hat „Die Linke“ in Bremen protestiert, als sie zum Boykott israelischer Waren aufrief. Es ging dabei um landwirtschaftliche Produkte, die in den besetzten Gebieten Israels angebaut werden und als „made in Israel“ verkauft werden – ein klarer Rechtsverstoß.

Wenn die Linke sitzenbleibt, so ein israelischer Politiker den deutschen Bundestag oder eine Feier in Deutschland besucht, ist das im äußersten Fall eine Ungehörigkeit; das aber auch nur, wenn man vergisst, welche Prunkempfänge jedem mörderischen Potentaten oder Diktator bereitet werden, wenn man sich auch nur ein mittelmäßiges Geschäft davon verspricht… Gaddafi und Mubarak mit ihrer „liberalen Haltung“ gegenüber Israel…schon vergessen?
Egal, der Feind steht „links“ oder dort, was Fleischhauer dafür hält und so fabuliert er weiter, wie er sich linkes Gedankengut vorstellt:
„Man muss sagen, es war schon immer eine Spezialität der radikalen Linken, die Juden als Problem zu sehen, jedenfalls im Westen der Republik.“ … „An den Positionen, in denen sich die Kapitalismuskritik mit Warnungen vor einer finanzmächtigen Israellobby verbindet, hat sich allerdings nichts geändert.“
Von welchem NPD-Flugblatt hat er das denn bitte abgekupfert? Stand da im Original „Finanzjudentum“? Von „Der Linken“ hat er das jedenfalls nicht. Es ist ja auch egal – er schludert nicht nur mit Fakten, sondern auch mit der Sprache, sonst käme es nicht zu Formulierungen wie:
„[…] bevor sich die Freischärler des revolutionären Kampfs in Deutschland daran machten, Unternehmer, Politiker und Justizbedienstete umzulegen.[…]“
„Umlegen:“ So nennt man das wohl in seinen Kreisen – na ja…

Es ist ermüdend: Fleischhauers verkorkste Kindheit mit seinen angeblich „linken“ Eltern haben einen wutschnaufenden Verschwörungstheoretiker erschaffen, der jede Woche einmal am Halsband der Reaktion im Spiegel kläffen darf. Wie auch diese Woche sind die Themen, zu denen er sich erbricht, aber viel zu ernst, als daß man „Journalisten“ wie ihm das Wort lassen sollte – mindestens nicht in einem Nachrichtenmagazin, auch nicht einem ehemaligen!

Seinen Schlußsatz darf man leicht umformuliert aber stehen lassen:
Wie wäre es, Sie hielten einfach mal für eine gewisse Zeit zu dem Thema die Klappe? Damit würden Sie dem Land, aber vor allem Ihnen selber einen echten Dienst erweisen.

Dieser Beitrag wurde unter Auftragsjournalismus abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

0 Kommentare zu „Die Linke“ = Rote Armee Fraktion + NPD

  1. rauskucker sagt:

    Schöner Artikel, trifft meine Sichtweise.
    Hab dir wegen etlicher kleiner Fehler ne Mail geschickt mit Verbesserungsangeboten.

    0

  2. opalkatze sagt:

    Würde es anders ausdrücken und bin auch wegen der duisburger Geschichte anderer Meinung, aber: ja. Diskussion täte not.

    @rauskucker
    Überlege, dich demnächst zu adoptieren.

    0

  3. rauskucker sagt:

    @opicat
    kannste tun. Aber den einen oder andern habt ihr noch dringelassen, der besser raussollte.
    wenigstens „jede mindestens Woche einmal“

    Wo war denn von Duisburg die Rede? Hab ich das überlesen beim Aufdiewörterkucken?

    0

  4. pantoufle sagt:

    Von etlichen kleinen Fehlern kann wohl nicht die Rede sein: Das waren Dutzende! Vielen Dank für die Berichtigungen! Der Sezzer lässt grüßen!
    Ich freue mich: Es hat jemand gelesen – was gibt es Schöneres!
    Dank und Grüße,
    Pantouffle

    0

  5. Pingback: Fleischklopfer: „Die Linke“ = Rote Armee Fraktion + NPD « … Kaffee bei mir?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *